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@Transgender: wann gemerkt? (5 jähriger Junge)

Phhi:pps hat die Diskussion gestartet


Guten Abend!

Meine Frage richtet sich vor allem an Transgender oder Angehörige (Eltern) von Transgender-Kindern, wie ihr gemerkt habt, dass es mehr ist als eine Phase und wann?

Es geht um unseren Jungen (5 Jahre alt). Er sagt sehr klar, dass er lieber ein Mädchen sein will und sucht auch Freundschaften nur unter Mädchen. Er ist nicht besonders mädchenhaft wie man sich das vielleicht vorstellt und will alles rosa und pink. Das gar nicht mal, aber seine Interessen gehen schon in diese Richtung und auch optisch grenzt er sich von Jungen ab. Immer wieder gibt es aber auch Phasen in denen er deutlich sagt, dass er doch ein Junge ist. Mein Gefühl ist, das kommt verstärkt vor wenn er doch versucht Kontakt zu gleichaltrigen Jungs zu knüpfen und auch mal als positiv erlebt. Im Normalfall fällt es ihm sehr schwer, aber er hat auch selten Interesse.

Das Thema beschäftigt uns seit er 2 Jahre alt ist. Für die Anmeldung an die Grundschule wünscht er sich, dass wir der Lehrerin nicht verraten, dass er ein Junge ist.

Wir tun uns sehr schwer damit uns richtig zu verhalten. Teilweise ist es ihm sehr wichtig als Mädchen gesehen zu werden und wird aggressiv wenn jemand den Fehler macht, ihn als Junge zuzuordnen, dann jedoch kommen wieder Phasen in denen er sich davon abgrenzt.

Wir haben sehr zweideutige Kritiken von der Erzieherin erhalten. Sie sagt auf der einen Seite, dass er vor Selbstvertrauen strotzt und einen guten Willen hat und mit sich im Reinen ist. Auf die andere Seite spricht sie von sehr geringer Frustrationstoleranz (kennen wir auch zu Hause) und Empfindlichkeit (schnell eingeschnappt, beleidigt und manchmal auch aggressiv) im Zusammenhang mit dem Thema Junge-Mädchen und rät zu einem Termin beim Kinderpsychologen.

Meine Frau wehrt es ab, da sie als Kind auch lange Zeit eher jungenhaft war und es als normale Entwicklungsphase findet, sich auszuprobieren. Ich mache mir dagegen Sorgen, vorallem in Sachen sozialer Probleme, die unser Sohn spätestens in der Schule bekommen könnte mit seinem Verhalten (aggressiv und so weiter) und psychisch, wenn wir es nicht richtig einschätzen und es nicht nur eine kindliche Phase ist.

Daher bitte ich um Rat von Angehörigen oder Transgender von ihren Erfahrungen und Vorgehensweisen. Wir nehmen es ernst und möchten einfach das Beste für unser Kind, aber es fällt uns schwer uns richtig zu verhalten.

Lg Philipp

Antworten
H<yp.erxion


Hier eine tolle WDR Doku über Transgender Kinder. Wie sie damit umgehen und auch die Eltern.

Transgender-Kinder | WDR Doku

[[https://www.youtube.com/watch?v=141CcfynjuM]]

P-hiypps


Ja, danke, wir kennen einige Dokus. Es ist interessant aber auch nicht unbedingt hilfreich wenn es um das eigene Kind geht und um die richtige Einschätzung. Gerade weil wir ihn nicht in eine Rolle drängen wollen und unsicher sind worin wir ihn bestärken sollen.

H|ypGerioxn


Ihr solltet aber unbedingt professionelle Hilfe und Unterstützung ( Psychotherapeuten) aufsuchen. Es gibt Beratungsstellen für Eltern mit Transgender Kindern wie z.B. in dem Video an der Uni Münster.

LpichtAmhHorizoxnt


@ Hyperion

Es ist doch soweit ich verstehe überhaupt noch nicht raus, ob das Kind wirklich transgender ist. Und nach Links zu Dokus googeln kann der TE bestimmt auch super selber.

Zum Thema selbst kann ich leider gar nichts beitragen, ich habe nur aus Interesse gelesen. Und konnte mir diesen Kommentar jetzt gerade nicht verkneifen.

P|yhthbonxist


Meine Frage richtet sich vor allem an Transgender oder Angehörige (Eltern) von Transgender-Kindern, wie ihr gemerkt habt, dass es mehr ist als eine Phase und wann?

Sorry, da kann ich nichts dazu beitragen. Ich hatte damals in der Grundschule einen Mitschüler, der recht stark als Mädchen wahrgenommen werden wollte. Und so trug er ab und an Spangen im Haar, kleine Zöpfe und kam auch schon mal im Kleid in die Schule. Der Umgang mit anderen gelang eigentlich nur bei sehr toleranten und vorurteilsarmen, offenen Charakteren. Was die wenigsten in dieser Hinsicht waren. Sein Verhalten war sehr zurückhaltend und unsicher, sein Körper fast schon zerbrechlich. Insgesamt war die Integration in die Klasse für beide Seiten schwierig, aber er "lief halt so mit".

Für die Anmeldung an die Grundschule wünscht er sich, dass wir der Lehrerin nicht verraten, dass er ein Junge ist.

Aber an der Stelle: Hat er denn noch nicht gemerkt, dass in sozialer Hinsicht die "Zuordnung" zum Geschlecht doch schon über den Vornamen getroffen ist? Oder gibt er sich einen anderen Namen als den, den er eigentlich hat? Denn es wäre ja Zufall, wenn er nun gerade einen geschlechtsneutralen Namen hätte.

Und dass das dann über die Kleidung und Haare weitergeht? Oder wenn dritte über ihn sprechen, müssen diese ja auch irgendwie "er" oder "sie" sagen.

Im Sportunterricht/Schwimmunterricht wird ggf. nach Mädchen und Jungen getrennt (ist das noch so?), auf den Toiletten / Umkleideräumen ja auch. Klingt ja erstmal nach Lappalie, aber was für einen Plan habt ihr als Eltern da? Die Grundlagen für eine Schulfähigkeit sollten ja noch im Kindergarten gelegt werden.

Es gibt i.a. keine Jungenschulen und Mädchenschulen mehr, aber das Thema Geschlecht lässt sich da eben schlecht wegdefinieren.

Und obwohl nun bis Ende 2018 eine dritte Geschlechtsbezeichnung, z.B. "inter/divers" im Geburtenregister offiziell eingeführt werden muss (Urteil des BVG):

[[http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/bundesverfassungsgericht-fuer-drittes-geschlecht-im-geburtenregister]]

ist sonst ja die "ganze Welt" ja noch nicht wirklich drauf vorbereitet. Dort in dem Fall war die Grundlage eine Chromosomenanalyse. Wurde sowas bei eurem Kind schon gemacht?

Hqypegrixon


LichtAmHorizont

Und nach Links zu Dokus googeln kann der TE bestimmt auch super selber.

Danke für den netten Hinweis.

P<htip[ps


Aber an der Stelle: Hat er denn noch nicht gemerkt, dass in sozialer Hinsicht die "Zuordnung" zum Geschlecht doch schon über den Vornamen getroffen ist? Oder gibt er sich einen anderen Namen als den, den er eigentlich hat? Denn es wäre ja Zufall, wenn er nun gerade einen geschlechtsneutralen Namen hätte

Er hat einen Jungennamen, aber wird mit der Kurzform oder Mädchenform davon genannt. Auch da ist es aber mal so, mal so. Auf der einen Seite wird er zornig wenn ihn jemand bei seinem ganze Vornamen (Jungenform) ruft, was mit Absicht schon vorgekommen ist durch andere Kinder um ihn zu ärgern aber auch durch Erwachsene, die es nicht wussten. Auf der anderen Seite hat er auch Phasen wo der den Kindern erzählt "Mein wahrer Name ist eigentlich..." oder "Eigentlich bin ich in Wahrheit ein Junge und mein echter Name ist...". Dann wird er aber einen Tag später wieder aggressiv wenn er so genannt wird. Es ist eine große Widersprüchlichkeit in seinem Verhalten und deswegen ist er am Ende oft frustriert, weil es für andere auch schwer ist es ihm recht zu machen. So gut wie immer will er als Mädchen behandlet werden und wird auch von den Kindern, die seine Freundinnen sind, aber dann kommen wieder Phasen wo er sich davon abgrenzt und extra daraufhinweist, dass er in Wahrheit ein Junge ist.

Seine Haare sind lang und er hat auch Haarreife, Bänder und so weiter. Bei der Kleidung ist vieles neutral und vieles aus der Mädchenabteilung. Eindeutige Jungssachen zieht er abgesehen von Cappys nicht an.

Im Sportunterricht/Schwimmunterricht wird ggf. nach Mädchen und Jungen getrennt (ist das noch so?), auf den Toiletten / Umkleideräumen ja auch. Klingt ja erstmal nach Lappalie, aber was für einen Plan habt ihr als Eltern da?

Im Kindergarten ist es so, dass alle Kinder gemeinsam in den Turnraum gehen und sich umziehen (Jungs und Mädchen nicht getrennt) und auf die Toilette geht er im Kindergarten nicht (anderes Problem). Wie es in der Schule wird ist eben fraglich und etwas was uns sehr beschäftigt.

L@ucix32


Ich bin nicht Transgender oder habe Transgender Kinder aber ich war an der Institut für Sexual Medizin für eine Vorlesung. Ich bin Psychologin.

Wir haben gelernt, dass Transgender Kinder können aggressiv sein - es ist oft starken Frust. Stell dir mal vor, dass du überhaupt nicht weisst, wer du bist. Da ist eine enormen psychischen Druck. Ab ungefähr 3 Jahre wissen Kinder, dass sie sich in ihre Körper unwohl/falsch fühlen. Oder wurden in der falschen Körper geboren. In den Alter verstehen sie ihre Emotionen noch nicht 100%.

Allerdings ist euren Sohn noch jung. Es herrscht vermutlich noch eine grosse Konflikt in seinem Kopf. Das muss er für sich lösen. Am besten mit psychologische Unterstützung. Er muss quasi herausfinden welche Gender er ist. Es scheint noch nicht 100% festgelegt zu sein.

Wichtig Ist, dass sie ihm/ihr stark unterstutzen und ernst nehmen. Es als eine Phase zu behandeln ist falsch. Transgender Leute sind für psychische Störungen sehr anfällig. Sie passen ja nirgends. Können sehr depressiv werden. Als Kinder ist es besonders schwierig. Andere Kinder verstehen das oft nicht. Sie verstehen das auch selbst nicht so wirklich. Es wäre gut wenn er/sie seiner/ihrer Gender zum grössten Teil bis die Schule anfängt, festgelegt hat. So könnte ihr ihm/ihr als einer festen Gender anmelden.

Es wird aber spätestens in die Oberschule problematisch - in die Mädchenkabine kann er ja nicht gehen. Wenn er sich für weiblich entscheidet, wird es natürlich schwierig sich vor Jungs auszuziehen - das biologische Geschlecht fällt ja dann auf. Er wäre quasi entlarvt, wenn er sich auf weiblich festlegt. Da muss unbedingt dann eine Lösung gefunden werden. Quasi ein anderen Ort sich umzuziehen.

Die Zeit bis zum Erwachsene Alter ist für Transgender Leute hart. Die Damen toilette zu benutzen ist kein Problem.

Wenn er sich für weiblich entscheidet, ist in der Pubertät einer Hormontherapie notwendig.

Es gibt in Deutschland einige Institute für Sexualmedizin. Ich würde euch empfehlen eins zu kontaktieren. Sie sind die Experten. Sie bieten auch psychologische Betreuung an - die Psychologen sind darauf spezialisiert.

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1 Beitrag wurde gelöscht.

PZyth&onhist


Ich denke, ein paar Basisaspekte sollten schon fixiert werden, denn es ist wichtig, dass andere überhaupt eine Chance haben, es ihm/ihr recht zu machen:

* will er als "er" oder "sie" benannt werden

* sein gewollter Rufname (die Kurzform) und sein offizieller Vorname - vielleicht kann man erreichen, dass er bei beiden zumindest akzeptiert, dass diese Formen genutzt werden

* wenn die Schüler in Jungen und Mädchen getrennt werden (zu welchem Anlass auch immer), will er da zu einer Gruppe dazuzählen oder quasi eine dritte Gruppe aufmachen - dieses dritte Geschlecht wird in Zukunft wohl durch die BVG-Entscheidung mehr Alltagsgewicht und -akzeptanz bekommen, auch wenn das sicherlich nicht gleich in den Köpfen der Menschen ankommt

* wenn es in bestimmten Situationen nur die Unterscheidung Jungen und Mädchen gibt, wo möchte er dazu gehören? Und nimmt ihn diese Gruppe auch so an?

Pe8schbiexst


Guten wichtig, er oder sie muss entscheiden. Keineswegs darf über seinen bzw. ihren Kopf hinweg entschieden werden. Man könnte auch mit seinen Mitschülern sprechen und ihnen die Situation erklären, wenn er/sie weß was Sache ist und das möchte.

fQarm8er3x7


Kleine Zwischenbemerkung: Die Entscheidung des BVerfG betrifft nicht transsexuelle Menschen, sondern intersexuelle Menschen, deren biologisch-körperliche Zuordnung zu einem Geschlecht nicht eindeutig ist, die aber psychisch meist sicher sind, welchem Geschlecht sie angehören, woraus Probleme entstehen, wenn sie durch Operationen im Kindesalter auf ein Geschlecht festgelegt werden, das nicht ihrer psychischen Disposition entspricht. Das ist etwas anderes als Transsexualismus.

Zur Sache möchte ich nur sagen, dass Euer Sohn/Tochter froh sein kann, dass Du das Problem so bewusst angehst und Dich sorgst. Offenbar erlaubt Ihr ihm ja schon mehr, als viele wahrscheinlich zu akzeptieren Willens wären. Das ist sehr gut. Ansonsten würde ich zeitnah in ein sexualmedizinisches Institut gehen, das es an vielen Unis gibt. FFM soll sehr gut sein.

Alles Gute!

h0iklyeiPnes


ich möchte nur noch darauf hinweisen, dass es durchaus "normal" (im Sinne von durchschnittlich häufig auftretend) sein kann, dass sich Kinder bis zur Schule und sogar noch etwas länger noch nicht "geschlechtsdefiniert" empfinden.

D. h., ich denke, ihr solltet euch mal zuerst eine Beratung suchen, wie ihr bei den auftretenden Konflikten reagieren könnt. Da gibt es bestimmt Hilfestellungen, auch für einen guten kommunikativen Umgang.

Pzlüsc\hObiexst


Menschen die im falschen Körper geboren wurden wissen das meist sehr früh.

Oft schon lange vor dem Beginn der Schulzeit. Das Problem ist hier oft das Umfeld.

Viele Eltern, Verwandte, Lehrer etc. wollen das nicht wahrhaben, bzw tun so, als ob ihnen nichts auffällt und drängen das Kind bewusst oder unbewusst immer wieder dazu die Rolle die ihm vermeintlich von Geburt an in die Wiege gelegt wurde einzunehmen..

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