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14.08.10 10:39
Tagchen Leute,
ich habe ein paar Fragen zur Leukämie. Ich verstehe nicht wirklich, was genau im Körper "kaputt" ist, wenn man von einer Leukämie spricht und wie es auf den Körper wirkt. Entschuldigt, dass ich so doof frage, aber wenn ich versuche, mich im Internet darüber zu erkundigen, finde ich nur Seiten, auf denen die Krankheit Leukämie in Fachsprache mit Wörtern, mit denen ich absolut nichts anfangen kann, erklärt wird.
Mich würde auch interessieren, ob sich bei einer Leukämie auch Tumore und Metastasen bilden können, wie bei anderen Krebsarten. Ich versteh das alles nicht so ganz, weil die Leukämie ja im einfachsten Sinne ausgedrückt, bedeutet, dass man zu viele oder in manchen Fällen auch zu wenige Leukozyten hat. Aber welche Auswirkungen hat das auf den Körper, sodass die Leukämie zu einer tödlichen Krankheit wird?
Ich hoffe, meine Fragen sind nicht allzu doof. Aus irgendwelchen Gründen interessiere ich mich total für diese Krankheit (ich weiß, hört sich irgendwie doof an
), aber ich verstehe diese Fachsprache absolut nicht.
Grüße
Jamar
14.08.10 13:51
Hallo Jamar 
Ich möchte versuchen, deine Fragen zu beantworten, ob mir das gelingen wird, kann ich dir aber noch nicht sagen
Zuerst einmal hast du vollkommen richtig gesagt, dass sich bei einer Leukämie die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, stark vermehren. Das ist die Gemeinsamkeit mit anderen Krebserkrankungen: Unkontrolliertes Wachstum von Zellen durch verschiedene Einflussfaktoren, hier eben der Leukozyten (Da gibt es aber auch wieder verschiedene Unterformen, z.B. Granulozyten) im Knochenmark. Die Leukozyten, die dort in viel zu großer Zahl heranwachsen, sind aber unreif und somit nicht funktionstüchtig. Da im Knochenmark sämtliche Blutkörperchen mithilfe von Blutstammzellen produziert werden, verdrängen die unbrauchbaren Leukozyten die Blutstammzellen und somit die Produktion der restlichen Blutbestandteile (Blut besteht aus Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten).
Es entstehen Anämien (Blutarmut) durch den Mangel an roten Blutkörperchen, die normalerweise den Sauerstoff transportieren. Außerdem sind zu wenig Blutplättchen vorhanden, die Blutungen stillen und zu wenig funktionstüchtige weiße Blutkörperchen, die der Krankheitsabwehr dienen. Die Folgen, die daraus resultieren sind vielfältig: Durch den Mangel an roten Blutkörperchen kommt es zu Blässe und Schwäche. Außerdem findet man häufig eine Blutungsneigung und blaue Flecke ohne Gewalteinwirkung durch die verringerte Zahl der Blutplättchen. Weil es an normalen Leukozyten mangelt, entstehen Anfälligkeiten für Infektionen, die normalerweise abgewehrt werden können.
Des Weiteren verhindern die unreifen Leukozyten nicht nur die Blutbildung im Knochenmark, in dem sie entstehen, sondern sie werden trotzdem (obwohl sie beschädigt sind) ins periphere (in den Blutgefäßen vorhandene) Blut transportiert. Von dort aus gelangen die beschädigten weißen Blutkörperchen natürlich über den Blutkreislauf durch den ganzen Körper. Sie können Leber, Milz und die Lymphknoten durchdringen und dadurch deren Funktion beeinträchtigen.
Es gibt ganz unterschiedliche Formen von Leukämie, je nach Art der weißen Blutkörperchen. Aber so weit ich weiß, gibt es keine Metastasenbildung.
Ich hoffe, dass ich das einigermaßen verständlich erklärt habe, wenn nicht, dann kannst du ruhig noch mal nachfragen.
Liebe Grüße 
Elyse
23.08.10 21:38
Warum intressierst du dich so dafür?
Sei doch froh das du das nicht hast!!
Wenn´s mal wider Erwarten dazu kommen sollte kannst du dich immer noch informieren.
LG lola50
10.09.10 13:50
Ich bin auch sehr erstaunt über diese Neugierde...ich bin damit konfrontiert, weil meine Mutter an Krebs erkrankt ist und werde noch verrückt bei diesen unterschiedlichen Fachbegriffen, Medikationen und Therapien. Mich macht dieses Thema äusserst unglücklich, auch weil ich neben meiner Mom all die anderen Patienten nun "sehe". Ich finde diese Neugier allerdings nicht negativ, wirklich nur erstaunlich.
10.09.10 14:19
Ich finde, dass ein Basiswissen über Krebserkrankungen zur Allgemeinbildung dazu gehört, auch, weil viele Leute davon betroffen sind. Es gibt auch gute Bücher für interessierte Laien zu dem Thema, in denen das gut erklärt wird.
10.09.10 15:39
(aus "Gesundheit und Medizin heute" v. Prof. Dr. K.U. Benner)
akute Leukämie: Verlaufsform der Leukämie, bei der die im Knochenmark übermäßig gebildeten weißen Blutzellen unreife Zellen (Blasten) sind. Unbehandelt verläuft die a.L. innerhalb weniger Wochen bis Monate tödlich. Eine Therapie kann heute häufig eine Lebensverlängerung und sogar vollständige Heilung bringen. Die anomalen Zellen können zweierlei Formen haben: Lymphoblasten (unreifzellige Lymphozyten) bei akuter lymphoblastischer, und Myeloblasten (unreifzellige Formen anderer Arten weißer Blutzellen) bei akuter myeloblastischer Leukämie. Verschiedene Unterformen werden je nach den biochemischen Eigenschaften dieser Zellen unterschieden.
A.L. tritt 20mal seltener auf als chronische Leukämie. In Deutschland ist es weniger als ein Fall auf eine Million Einwohner im Jahr.
chronische lymphatische (CLL): Form der Leukämie, die durch eine Vermehrung der reifzelligen Lymphozyten (Art der weißen Blutzellen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Körpers spielen) hervorgerufen wird.
In Deutschland treten jährlich etwa 10 Fälle je 1 Mio. Einwohner auf. Die Patienten sind meist über 50 Jahre alt. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt.
chronische myeloische Leukämie (CML): Form der Leukämie, auch als Granulozyten-Leukämie bekannt. Eine Knochenmarksstammzelle entartet, vermehrt sich unkontrolliert und bildet neutrophile Leukozyten (eine Gruppe der weißen Blutkörperchen) im Übermaß. Eine große Anzahl dieser Zellen tritt in verschiedenen Reifestadien ins Blut über.
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 10 Menschen auf 1 Mio. Einwohner, wobei der Altersgipfel im mittleren Lebensalter liegt.
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