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Lungenkrebs Endstadium mit Morphium

c`hris+-drumJm6er


Liebe Tanja

Nun melde ich mich auch mal wieder. In letzter Zeit rückte das alles in den Hintergrund, mußte wohl erstmal alles sacken lassen.Nur ist es so, dass ich fast jede Nacht irgendetwas von meiner Mutter träume. Letzte Nacht ist sie wieder auferstanden und hat nen Bus gesteuert. Es war, als wäre es real. Unfassbar, echt. Aber es tut immer wieder weh. Neulich hab ich Suppe gekocht, die sie immer machte, wenn wir sie besucht haben. Während des kochens liefen mir die Tränen, unaufhaltsam.

Ach Mensch, es ist wirklich traurig, aber leider wahr.

Aber das Leben geht weiter.(Ich hab tierische Angst vor Weihnachten, am liebsten würde ich flüchten...)

Tanja,es ist schön, dass Du das rauchen so toll aufgeben konntest und dadurch Deinen Kindern etwas geben kannst. Es freut mich, dass es Deinen Kindern dadurch ermöglicht wird, etwas schönes zu erleben.Wenn es den Kindern gutgeht, trägt es zum eigenen Wohlergehen bei. So liebe Tanja, lauch wenn wir tiefe Trauer in uns spüren, müssen wir doch das beste daraus machen.Lass bald mal wieder von Dir hören. Alles Liebe

T oPchter-HTanxja


Liebe Christina,

ja ich bin auch mal wieder hier. Obwohl ich schaue immer mal wieder rein und lese still mit. Es gibt solche und solche Tage. Es geht wieder auf den 4. des Monats zu und dann denke ich wieder wieso er, hätte ich nicht mehr und und und. Ja vor Weihnachten graut es mir auch. Naja wir werden es überleben. Ja nun rauche ich schon 3 Monate nicht mehr. Natürlich fühle ich mich gut habe natürlich zugenommen weil ich nicht ausgepasst habe. Das bekomme ich auch schon wieder runter.

Nein träumen tue ich nicht von meinem Vater. Ich sehe ihn nur immer vor mir. Die letzten Tage und Stunden. Ich werde dieses Bild nicht los. Mir geht es nicht alleine so ich weiß damit werde ich wohl noch Jahre zu tun haben. Da müssen wir wohl durch. Ich werde mal wieder gehen habe das ganze Wochenende gearbeitet bin ziemlich kaputt ich melde mich bald mal wieder. Am Dienstag geht bei uns die Schule wieder los dann tritt der Alltag wieder ein und ich habe wieder mehr Zeit für mich.

Gruß

Tanja

T)ocUhterm-Taxnja


Hallo Christina,

was für ein Tag ich habe gerade bei meinem Sohn (11 Jahre) gesessen wir haben zusammen Hausaufgaben gemacht. Biologie Thema Nikotin - ein Gift als Genußmittel. Wir waren viel am weinen muß das Thema denn auch jetzt schon kommen. Bilder von Raucherlungen und Raucherbeinen. Mein Sohn fragte mich weil ich ja vor 3,5 Monaten auch noch Raucherin war ob ich nun auch so eine schwarze Lunge habe und ich auch an Lungenkrebs sterben werde.

Oh man, naja es hat nie jemand gesagt das das Leben einfach wird oder ist.

Ich hoffe Dir geht es gut.

Gruß Tanja

cGhris8-drummyexr


Hey Tanja

Ja, ein Sch...thema, und das wo alles noch so frisch ist. Das haut einen erstmal um.Aber die Zeit heilt alle Wunden, hab ich mal gehört. Ist wohl auch so, aber Trauer bleibt ewig. Jedenfalls kannst Du stolz sein, dass Du nicht mehr rauchst und Du kanst Deinem Sohn auch noch ein gutes Vorbild sein, denn Du hast es geschafft und bleibst Dir treu!

Ich hab im Moment echt zu kämpfen, denn meine Mutter meldet sich dauernd in meinen Träumen, als wolle sie mir was sagen. Gestern hielt ich es nicht mehr aus und habe eine Frau angerufen, die mit verstorbenen Seelen kommunizieren kann. Das war schon irre, denn die sagte mir, dass meine Mutter sich noch nicht von dieser Welt abgenabelt hat. Sie ist beunruhigt und muß noch einiges "erledigen". Ich weiß nicht, wie Du zu solchen Sachen stehst, daher fällt es mir nicht leicht, dass zu erklären.Als mein Vater starb, habe ich ihn gespürt und es war oft nicht leicht, da ich zu jung war um das einzuordnen. Jetzt komme ich damit besser klar.

Wie dem auch sei, eine Trauer ist da und manchmal bin ich auch absolut unbeschwert. Aber ich denke, dass wird vielen so gehen.

Gestern habe ich für meine Familie einen Flug gebucht und wir besuchen über Weihnachten unseren Sohn in Ägypten. So ist das leidige Thema -Weihnachten- erst mal vom Tisch, zum Glück.

Liebe Tanja, ich freue mich immer sehr, wenn ich mal wieder was von Dir höre(lese). Ich wünsche Dir einen schönen Tag, auch wenn das Wetter nicht soviel dazu beitragen wird. Mach was draus!

Alles Liebe!!!!!

Bis bald

Christina

Tio{chtxer-Tanjxa


Liebe Christina,

ich melde mich auch mal wieder. Bin zwar jeden Tag hier um still andere Beiträge mitzulesen. Aber heute habe ich das bedürfnis Dir mal wieder zu schreiben.

Ich weiß auch nicht was mit mir los ist heute. In der Familie bei mir ist alles okay ich habe auch viel zu tun im moment nicht so das mir langweilig ist und ich viel nachdenke. Aber es scheint trotzdem etwas mit mir nicht zu stimmen. mir geht es heute schrecklich ständig sehe ich meinen vater auf seinem sterbebett liegen. Die letzten Stunden alles fährt schon den ganzen tag in meinem kopf rum schrecklich. Das immer noch flüssigkeit aus meinen augen kommt ist ein wunder. Oh wie schrecklich.

Ich finde es super das ihr zu weihnachten zu eurem sohn fahrt. Weihnachten naja ich hoffe nicht das das so schlimm wird. Wir waren so zur weihnachtszeit nicht zusammen wie andere Familien. Seitdem er von seiner frau getrennt war wollte er eh nur alleine sein. Apropo Frau vielleicht bin ich auch so ausgewühlt weil ich seine Ex-Frau und meine kleine Stiefschwester am Totensonntag wahrscheinlich wieder sehe. Ich will das aber nicht, ich will mit denen nicht reden. Aber ich will in die stadt fahren wo er gewohnt hat und beim gottesdienst dabei sein.

Mal sehen vielleicht schaffe ich es ihnen aus den weg zu gehen.

So bis dann erst einmal. Wir lesen uns sicher bald wieder.

Lieben Gruß von

Tanja

T-ocht6er-Tawnjxa


Liebe Christina,

ich bin mal wieder hier um zu berichten wie es mir geht. Ich war am gestern am Grab meines Vaters. Denn gestern konnten wir nach 4,5 Monaten endlich alles abschließen. Die Kaution der Wohnung wurde bezahlt und wir konnten endlich den Rest der Beerdigung zahlen. Ich habe glaube ich eine Stunde am Grab meines Vaters gestanden. Ich vermisse ihn so sehr. Immer noch so viele Fragen und keine Antworten. Naja die werde ich auch nie bekommen. Am Totensonntag werde ich nicht zum Gottesdienst gehen. Ich war gestern lange bei ihm am Grab und so werde ich auch nicht seiner Ex-Frau und meiner Stief-Schwester begegnen. Ich will die nie wieder sehen. Nach allem was sie mir angetan haben.

Nun sprechen ich schon wieder nur über mich. (Dafür ist das Forum doch da, oder?)

Wie geht es Dir? Habt ihr mittlerweile alles hinter Euch? Melde Dich mal wieder. Würde mich freuen.

Gruß

Tanja

cHhris-bdrum%mer


Liebste Tanja

Tut mir leid, hab schon so oft daran gedacht, mich mal wieder zu melden.Hab einfach zuviel stress und mag nicht an meine Mutter denken, denn es macht mich traurig. deshalb wollte ich auch erstmal nicht in Forum schreiben. es kommt dann alles wieder hoch. Ich weiß, das sollte ich nicht, aber leider bin ich Meister im Verdrängen, wenn es um Trauer geht. Aber heute hatte ich Lust dazu.

Tanja, Du hast noch einiges zu knapsen mit Deiner Family. Das ist alles sehr ärgerlich und ich finde es richtig, dass Du sie aus deinem Leben verbannst. Richtig, denn wozu sich noch unnötig ärgern.

Oh, werd gerade abgeholt. Ich meld mich morgen!!!!!!!!!!!

Christina

c|hrist-d]rummexr


Hey Tanja

wie gesagt, immer ist irgendwas. So kurz vor Weihnachten ist es schlimm. Bin immer nur auf dem Sprung.

Wie gesagt, ich bin am wegrennen, ganz schlimm. Hauptsache Weihnachten ist bald vorbei.

Tanja, ich denke, wir sind alle schnell "angepiekt", da die ganze Sache einfach noch zu frisch ist. Ist doch ganz klar, bei knapp 4-5 Monate Trauer, das geht nicht spurlos vorüber. Kann ja auch sein, das Du/Ihr , sobald eine lange Zeit dazwischenliegt, Euch wieder anders begegnen könnt.

Ich merke gerade, wie alles wieder hochkommt. Ich kann Dich gut verstehen, auch dass Du so lange am Grab gestanden hast.Was wäre es doch schön, noch einmal was sagen zu können. Mir hat es auch geholfen, meiner Mutter, zumindest am Grab, nah zu sein.

Dieses Gefühl kann nur jemand verstehen, dem es ebenso geht.

Liebe Tanja, ich fliege übermorgen und deshalb wünsche ich Dir schon jetzt ein wunderschönes Weihnachten(ich weiß, es wird hart aber trotzdem genieße die Zeit mit deinen Kindern und deinem Mann). Kannst ja mal erzählen, wie es war.Ich drück Dich in Gedanken und werde an Weihnachten an Dich denken-werde ein paar Sonnenstrahlen schicken.

Alles Liebe

Gyala?xi


Mein Mutter hat auch Lungenkrebs und sie erhält Morphiumpflaster, ich habe angst um sie .

Mir ist es nicht leicht darüber zu schreiben ,bisher hab ich diese

Fäden gemieden ,weil alles so traurig ist.

Ich bekamm zu erst die traurige Nachricht letztes Jahr Heiligabend als ich meine Eltern zum Essen eingeladen hatte.

Ich war den Tränen nahe , aber ich wollte nicht weinen ,weil ich allen eine Freude machen wollte ,besonders den Kindern.

Also lächelte ich für sie alle , aber ich konnte eigendlich weinen.

Das tat ich fast ein Jahr lang , wollte meine traurigkeit nicht so zeigen. Meine Mutter ist im diesem Jahr immer im wechsel ,

Krankenhaus gewesen nach Hause und wieder zurück. Sie hat alles mit machen müssen .Doch wieder mal bekamm ich die schlechte Nachricht im November das es noch viel schlimmer mit ihr sei.

Die Ärzte können ihr nur eine Lebensverlängerung geben ,doch diese hat sie abgesagt.

Jetzt ist es wieder schlimmer ,sie bekommt noch mehr Schmerzmittel. Wir haben für sie heute Weihnachten vorgelegt und die Kinder dürften ihre Geschenke heute von ihr schon auspacken ,sie wollte sehen das die Kinder sich darüber freuen.

Es ging für sie nicht anders ,weil sie das Schmerzpflaster neu hat und es sonst nicht aushält wenn die Wirkung nach läst.

Man bekommt immer wieder eine riesen Schreck wen man nur hört wie es um sie steht.

Und morgen ist wieder Heiligabend/ Weihnachten ich habe angst um sie wie es weiter geht und das neue Jahr kommt auch noch was wird dan sein? Das frag ich mich.

Ich bin schon etwas länger hier im Forum med1 und ich habe mich nicht getraut so zu schreiben über sie ,es liegt mir sehr nahe und macht mich sehr traurig .

hxag


Galaxi :°_ ich drücke dich mal--es ist schwer für dich und noch zu solchen tagen.aber glaube mir ihr habt es richtig gemacht--jeder tag den deine mutter mit ihren enkeln verbringen kan ist sicherlich eine freude für sie.freudt mich das du es geschafft hast zu schreiben.aber schaue auch nach vorne--las deine mutter teilhaben an dem fest egal wie es aus geht oder was noch kommen mag.sie wird ihren frieden finden.sei gegrüsst noch mal

G}a"l[axi


@ hag

Das haben wir schon heute für sie ,Weihnachten mit ihr gefeiert es geht nicht anders mit Ihr da das Schmerzmittel nach läst und sie es sonst nicht aushalten kann vor Schmerzen Sie konnte heute auch nicht lange bleiben . Ich weis nicht einmal wie ich das alles sagen kann aber eins sag ich ,wir lassen sie alles Teilhaben was sie auch noch mit machen kann.

cRhris-(drummxer


Hallo Galaxi

Schoen, dass Du Dich getraut hast, zu schreiben.

Ja, ich kann Dich sehr, sehr gut verstehen. Das mit dem Morphium ist ne gute Sache. Ich kann Euch aber nur raten, die Dosis erhöhen zu lassen. Deine Mutter braucht überhaupt keine Schmerzen zu haben. Das braucht kein Patient. Sprich unbedingt mit dem Arzt darüber. Mit Morphium ist sie zwar in einem dämmerzustand, aber immer noch besser, sie mit Schmerzen zu sehen. Tut Euch selbst den Gefallen und macht das ganz schnell.Wie klappt denn die Betreuung zu Hause? Habt Ihr schon mal an ein Hospiz gedacht?

Ich bin in Gedanken bei Euch und wünsche Euch ganz, ganz viel Kraft!!!!!!!!!!!!!!!

GbaZla`xi


@ Chris – drummer

hallo und danke für deine Antwort

Meine Mutter bekam immer wieder Chemotherapie und Bestrahlung , Sie war immer wieder Krankenhaus zu Haus und

Zurück und das fast ein ganzes Jahr lang . Die Morphium pflastert bekommt sie auch jetzt stärker . Sie kann auch noch

eigenständige wenige Dinge allein machen und mit einer noch höheren Dosierung mit einem Dämmerzustand wäre für meiner Sicht undenkbar , da sie es nicht mehr alleine könnte.

Das muss Sie alleine entscheiden können , wenn Sie es überhaupt nicht mehr aushalten würde .

Zu Hause ist Sie noch gut aufgehoben , aber ich weis nicht wie Wir haben auch nicht nach einem Hospiz nach gedacht.

Wir waren auch froh gewesen als Sie noch vor Weihnachten nach uns kam für eine kurze Zeit.

es werden kann und was noch alles auf uns zu kommen wirdWeihnachten wurde vorverlegt und die Kinder konnten noch vor Ihr die Geschenke auspacken . Weil es sonst nicht anders ginge. Doch wir bekamen alle mit wie es Ihr ging .

Ich weis nicht wie es weiter geht mit Ihr :°(

Fqried(emaBnn Schxerzer


Nachdem ich nun schon tagelang die Erfahrungsberichte lese, und mit meinen eigenen Gedanken nicht so recht klarkomme, habe ich mich dazu entschlossen,

meine Geschichte zu erzählen. Obwohl es mich sehr wundert, daß die letzten Beiträge schon mehrere Jahre alt sind.

Nach fast 26-jähriger engster und ehrlicher Beziehung ist mein Lebenspartner gestern vor drei Wochen in meinen Armen sanft eingeschlafen. Wir wußten seit fast genau einem Jahr von der Diagnose Lungenkrebs im Stadium IIIb. Von diesem Moment an hat sich – wie bei allen bestimmt auch – unser Zusammenleben schlagartig verändert. Im Juli und August hatten wir eine Serie mit 10 Chemotherapien, die relativ gut vertragen wurden. Im Anschluß standen uns 55 Strahlentherapietermine bevor, die allerdings extrem anstrengend und kräfteraubend waren. Nachdem die Nebenwirkungen mehr oder weniger gut verdaut waren, ging es ihm auch relativ gut, die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen konnten sich sehen lassen. So um die Weihnachtszeit hatte er plötzlich mit starker Atemnot zu kämpfen, die mit Cortisonspray aber gut behandelt wurde. Ende Januar feierten wir im kleinen Kreis seinen 70. Geburtstag

und kurze Zeit danach gings dann los: Ende Februar waren die ersten Metastasen im Hals. Es hieß, man könnte gut dagegen angehen mit einer neuerlichen Chemotherapie, zuvor muß aber ein Teil dieser Metastasen operativ entfernt werden, um genau zu sehen von welcher Art sie sind. Nach diesem Eingriff kam es leider zu einer schweren Lungenentzündung wieder mit extremer Atemnot, d. h.

eine Chemotherapie war erstmal nicht möglich. Zuhause wurde es immer schwerer, die alltäglichen Dinge im Haushalt waren nur mit größten Anstrengungen möglich, hinzu kam eine wahnsinnige Müdigkeit. Auch das mittlerweile vorhandene Sauerstoffgerät brachte wenig Erleichterung. Ein neuer Termin im Klinikum zeigte jede Menge Flüssigkeit in der Lunge, und zwar links.

Nach ca. einer Woche als nichts mehr kam stand der Entlassungstermin bevor, aber ich war recht ratlos, da sein Allgemeinzustand sehr schlecht war. Da machte man uns den Vorschlag in ein Pflegeheim zu gehen. Ich war entsetzt!

Es ging ihm immer schlechter und bei einer neuen CT stellt man fest, daß nun auch rechts alles voller Flüssigkeit sei. Also wurden die Schläuche neu gelegt...

Am Mittwoch, 1. Juni rief mich der behandelnde Arzt an und bat mich um eine Entscheidung: Entweder man läßt die Geschichte so weiter laufen wie bisher, dann wird der Patient in spätestens 2 Wochen äußerst qualvoll ersticken, oder ich willige schriftlich ein, daß er täglich und permanent eine bestimmte Dosis Morphin

erhält. Dieses bewirkt, daß der Patient in einen geistigen Zustand versetzt wird, der ihm die Angst und Sorge nimmt und die Atemnot einfach nicht mehr so wahrnimmt. Und er würde sehr viel schlafen und so irgendwann einschlafen und eben nicht mehr erwachen. Auf meine Gegenfrage was ich mir unter irgendwann vorzustellen habe hieß es, so 3, 4, vielleicht 5 Tage.

Ich willigte ein und bat darum mir es möglich zu machen, "am Ende" dabeisein zu können. Gleich an diesem Mittwoch hat man damit begonnen mit 0,5 mg in den Bauch. Er wußte nichts davon, er hat sich in diesen Dingen immer auf mich verlassen. Am Tag danach stand bereits ein separates Zimmer bereit, nur für uns zwei! Ich glaube ich werde diesem phantasischen Ärzte- und Pflegerteam ein Leben lang dankbar sein für dieses Engagement. Für mich begann jetzt die schwerste Zeit unserer Beziehung, da ich auch zwecks der Beruhigung mehrmals die Unwahrheit sagen mußte. Schwierig war es nach einer plausiblen Erklärung zu suchen, warum man ihn in ein Einzelzimmer verlegt, obwohl das Bett im vorherigen 3-Bettzimmer nicht gebraucht wurde für einen anderen. Es fiel mir sehr schwer, aber irgendwie waren wir auch glücklich. Ich durfte ihn jeden Morgen waschen, rasieren und eincremen. Es hat ihm gut getan und mir geholfen.

Am Sonntag dann hat man ihn an ein Gerät angeschlossen wo er permanent 2,0 mg Morphin bekam. Das gab mir heftig zu denken... In der Nacht auf Montag ist ein sehr langes heftiges Gewitter gewesen. Bei jedem Donnerschlag saß er im Bett, hat mich mit riesigen Augen und einem ängstlichen Blick angesehen und viel wirres Zeug erzählt. Für mich war diese Nacht die Hölle. Der Arzt erzählte mir am Montag, daß ein Sterbender so ein Unwetter noch viel intensiver erlebt. Heute war der erste Tag, an dem ich ihn füttern mußte, weil er einfach zu schwach war. Im Lauf des Vormittags hat man die Dosis auf 3,0 erhöht. Er war nur noch selten wach, kaum ansprechbar, aber die leisen Gespräche im Zimmer hat er verstanden. Manchmal nämlich lieferte er einen schwer verständlichen Kommentar

ab. Ich war hin und hergerissen und am Zweifeln, ob meine Entscheidung die richtige war. Am Nachmittag sank seine Körpertemperatur auf 34° ab, er war eiskalt und schwitzig, klagte aber über zuviel Wärme im Zimmer. Am frühen Abend stieg sein Fieber auf knapp 39° und seine sonst so schlanken Hände und Finger wurden ganz dick. Schwestern und Pfleger gaben sich die Klinke in die Hand, haben mich bestärkt und immer wieder gesagt, daß sie das alle so gut finden, wie ich das bewerkstellige. Das hat mir schon gut getan, aber wie es in mir aussah, wußte niemand, wie auch! So ungefähr um 00.00 Uhr hörte ich ein leises gehauchtes "Drücken". Ich rollte mich rüber, legte mich auf ihn, stützte mich mit den Knieen und Ellbogen ab und merkte wie er seine schwachen dünnen Ärmchen um mich rumlegen wollte. Genau in diesem Moment schaute die Nachtschwester nach uns, beeilte sich und legte seine Arme auf meinen Rücken. Ich hörte ein wohliges Grunzen. Nach kurzer Zeit lag ich dann wieder neben ihm, händchenhaltend und verspürte um 01.44 Uhr einen recht festen Druck. Sofort schoß ich hoch, wir blickten uns an und er atmete ganz tief und leise ein und aus.

Naja, somit war es vollbracht.

Vielleicht ist meine Geschichte zu lang und ausführlich geraten, aber es wäre mir nicht möglich gewesen anders zu antworten. Ich bin nämlich auch der Meinung, daß es schon das Morphium ist, welches den Tod herbeiführt. Schließlich ist ja zu lesen, daß es die Atmung lähmt bis zum Stillstand.

Mein Problem, welches täglich größer wird ist, daß ich weiß, daß meine Einwilligung zu einem schnellen Tod geführt hat. Das heißt die Todesursache war eigentlich keine natürliche, eher eine gewollte, manipulierte. Natürlich wäre das Ersticken auch keine gute Alternative gewesen.

Abschließend möchte ich nur noch erwähnen, daß er sehr zufrieden ausgesehen hat am Ende und mir kam es so vor, als ob seine geistige Wahrnehmungsfähigkeit

plötzlich wieder da war. Wir haben also mit dieser Art der medizinischen Behandlung eigentlich keine direkt "schlechten" Erfahrungen gemacht, ich würde wieder so entscheiden. Liebe Grüße an alle anderen Betroffenen.

J.essic}axM


Friedemann Scherzer das hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Wenn ich all diese Geschichten lese um´s Sterben dann erinnert mich das immer an den Tod meiner Tante. Sie hatte ein Magenkarzinom und Knochenmetastasen. Hat gekämpft wie eine Löwin und sich irgendwann selbst in ein Hospiz eingewiesen. Wir haben dann immer abwechselnd im Zimmer gesessen und ihr auch mehr oder weniger beim Sterben zugeschaut. Sie bekam auch Morphium und hatte die Augen immer zu. Wenn ich ihre Hand nahm drückte sie auch manchmal, obwohl sie sonst zu schlafen schien. Sie bekam dann auch keine Nahrung mehr, das würde den Tod nur noch weiter hinauszögern sagte man uns. Alles sehr heftig was man da miterleben muß, aber man will seinem geliebten Menschen ja auch auch zur Seite stehen. Jeder der Familie hat quasi nur darauf gewartet dass sie es schafft von uns zu gehen. Die Schwestern baten uns dann mal sie alleine zu lassen, daraufhin hat es dann nicht mehr lange gedauert. Als ihr Mann dann wieder kam ist sie eingeschlafen.

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