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Asbest eingeatmet: Wann ist eine Diagnose möglich?

34er'lexi hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich bin 30 Jahre alt und derzeit sehr besorgt.

Durch eine Renovierug während der letzten Wochen haben wir ohne Atemschutz dutzende der sogenannten "Floor-Flex" Fliesen entfernt. Wie sich nun durch einen Laborbefund herausstellte, waren diese Fliesen asbesthaltig. Da während der Entfernung viel Staub und somit wahrscheinlich unzählige Asbestfasern freigesetzt wurden (die Fliesen sind teilweise gebrochen), haben wir diese Fasern sicherlich auch eingeatmet.

Ich habe gelesen, dass man beim Lungenfacharzt einen Lungentest machen lassen kann bzw. Asbestfasern auf dem Röntgenbild zu erkennen ist. Meine Frage ist, ab wann so ein Test möglich ist bzw. was man sonst für Möglichkeiten hat, das überprüfen zu lassen?

Ich weiß, dass Lungenkrebs durch Asbestose meist erst nach 20 bis 30 Jahren eintrifft und unheilbar ist, aber wenn es frühzeitig erkannt wird, stehen die Chancen vielleicht besser...?

Antworten
A1LTIA


kann mir nicht vorstellen das du da wegen einem Mal gleich Krebs kriegst. Ich kenn einen der is 60 und hat vor 30 Jahren Asbest geflext, und is zusätzlich noch Raucher, der hat auch keine Probleme.

MfG

i3xcxhxd!xoxcxxh


Das ist das teuflische an asbest ; ein paaar partikel an der richtigen (falschen) stelle und... Aber im allgemeinen, vor allem wenn Du einen recht feuchten hals gehabt hast, vielleicht was getrunken, dann geht das unbenutzt durch den verdauungstrakt wieder raus.

t0he-c[axver


Asbestose und Tumor sind 2 völlig verschiedene Dinge: Die Asbestose entsteht nur bei Asbestarbeitern, die über längere Zeite starke Exposition hatten, wird bei Dir also nicht auftreten.

Ein Tumorrisiko (Pleuramesotheliom) besteht theoretisch auch beim Einatmen einer einzigen Asbestfaser – es ist aber natürlich extrem gering. Bei einmaliger Exposition ist das Risiko so gering, dass es nicht messbar ist. Also Entwarnung, wenn Du nicht gerade wochenlang mit aufgebrochenem Asbest gearbeitet hast.

Asbestfasern sind übrigens nicht auf Röntgenbildern erkennbar, dazu sind sie viel zu klein. Irgendwelche Untersuchungsmöglichkeiten gibt es aktuell also nicht – erst die durch Asbest verursachten Erkrankungen könnte man erkennen. Aber Dein Tumorrisiko ist so minimal, dass es keinen Grund für regelmäßige Röntgenaufnahmen gibt. Solche Untersuchungen wären erst ab einer Asbestdosis von 01, Faserjahren sinnvoll – näheres zu den Risiken und der Berechnung z.B. hier:

[[http://www.rehabern.ch/fileadmin/user_upload/Reha_Bern/Downloads/Asbest_exponiert_Dr_Martin_Rueegger.pdf]]

Grüße

3Gerlexi


Ich danke euch fürs "Mut machen" und den Link!

So eine Ungewissheit ist wohl immer am schlimmsten. :-|

iPstdo2chMJistsoxwas


Da ist die Wahrscheinlichkeit an Lungkrebs durch Passivrauchen und Luftverschmutzung zu erkranken um ein vielfaches höher. Die Leute die wirklich an Krebs wegen Asbest erkranken, haben Jahrelang das gemacht was du nur ein paar Tage gemacht hast. Da sollten deine Sorgen bzgl. tot im Straßenverkehr oder Ärzte Pfusch wesentlich höher sein, als wegen dem Asbest. Du wirst zu tun haben die nächsten 20 30 Jahre zu überstehen, da kann soviel passieren und wenn du soweit bist, kannst du dir Sorgen wegen Asbest machen.

34erlxei


Da hast du sicher Recht, aber durch das Brechen der Platten haben wir ja wie gesagt bestimmt sehr viele Fasern freigesetzt, die jetzt noch immer in der Wohnung umher fliegen.

Ein Fachmann wird das bei uns untersuchen und hoffentlich Entwarnung geben.

*VC*


Hallo 3erlei,

wir haben ein ähnliches Problem, haben auch unwissentlich mit Asbest (Laborbefund steht noch aus) gearbeitet. Es wurde zwar im Freien damit gearbeitet aber ich habe immer noch Angst, dass die Fasern auf der Terrasse herumschwirren und ständig eingeatmet werden können.

Hattet Ihr nun schon einen Fachmann vor Ort, wie ist das Ergebnis ausgefallen? Welche Berufsbezeichnung hat denn dieser Fachmann? Habe bei uns im Branchenbuch nachgeschaut, da wir auch fachlichen Rat einholen wollen, aber keinen Fachmann ausfindig machen können.

Viele Grüße

3berlexi


Hallo *C*,

ja, wir hatten mittlerweile Fachleute hier. Die nennen sich Sanierungsvorarbeiter bzw. Sanierungsfacharbeiter, d.h. ihr müsstet einfach nach Sanierungsunternehmen suchen. Am besten bei Google nach "[Eure Stadt bzw. die nächst größere] Asbestsanierung" suchen. Die können aber auch nicht sofort sagen, ob etwas asbesthaltig ist oder nicht – sie werden euch aber gute Ratschläge geben, was man machen kann. Wichtig ist jedoch zu wissen, ob ihr es wirklich mit Asbest zu tun hattet. Aber dafür habt ihr ja schon eine Laboranalyse in Auftrag gegeben.

Wenn ihr im Freien damit gearbeitet habt, dürftet ihr größere Chancen haben, als wir. Ich hoffe jedenfalls, ihr habt "nur" Asbest gebrochen und z.B. nicht mit einem Hochdruckreiniger gearbeitet. So lange ihr den (gebundenen) Asbest nur transportiert habt, müsst ihr euch mit Sicherheit überhaupt keine Sorgen machen. Die Fasern werden freigesetzt, wenn das Material zerstört wird. Ganz schlimm sind wie gesagt solche Dinge wie Hochdruckgeräte oder Fräsen, also wenn es richtig zerbröselt wird.

Um das tatsächliche Risiko festzustellen haben wir eine Luftanalyse bestellt – das scheint die einzige Möglichkeit zu sein. Wir wissen, dass wir definitiv Asbestplatten zerstört haben und können nur so das Ausmaß der Zerstörung in Erfahrung bringen. Da diese Luftmessung aber leider sehr aufwendig ist, gibt's das aber leider nicht geschenkt. Wir denken aber, das uns nichts anderes übrig bleibt. Eine Luftanalyse gibt es z.B. beim TÜV oder bei der Dekra und kostet mehrere hundert Euro.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr mit dem Schrecken davon kommt!!! Vielleicht stellt sich bei der Laboranalyse heraus, das die Aufregung umsonst war. Und selbst wenn nicht: Dann kommt's darauf an, was ihr mit dem Asbest gemacht habt. Wenn nichts zerbrochen wurde, würde ich mir gar keine Sorgen machen. Aber wenn ihr ganz sicher gehen wollt, kommt wohl nur eine Luftanalyse in Frage, wenn euch es euch das wert ist.

t he_t6itSanixc


Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, doch da er beim Google Ranking recht weit oben ist, wird er vermutlich häufig aufgerufen und ich wollte kurz antworten.

Wie vielen Leuten unter 30 war auch mir nicht bewusst, wie häufig Asbest eingesetzt wurde und immer noch Anzutreffen ist. Es ist eigentlich erschreckend, wie wenig das den meisten auch älteren Leuten bewusst ist. Vor Asbest gewarnt wird man auf jeden Fall selten. Da kann man schon mal in eine Situation wie 3erlei geraten. Auch ich habe eine ähnliche Situation erlebt und mich halb wahnsinnig gemacht. Ich möchte kurz erzählen, was mich wieder etwas beruhigt hat; und zwar die Statistik:

Ich habe mir die Maßzahlen für die wichtigste durch Asbestfasern ausgelöste Krebserkrankung angeschaut: [[https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2015/kid_2015_c45_mesotheliom.pdf?__blob=publicationFile Krebsdaten.de]]

Deutschlandweit werden 2016 also 1800 Personen neu an diesem Krebs erkranken. Mehr als dreimal so viele Männer als Frauen, das hat aber hauptsächlich damit zu tun, dass früher mehr Männer in Berufen gearbeitet haben, in denen man Asbest augesetzt war.

Weiter unten im Text steht dass von den 1800 Erkrankungen ca. 900 von der Berufsgenossenschaft anerkannt werden. Das heisst, mindestens die Hälfte der Krebserkrankungen (vermutlich aber bis zu 80%) betrifft mal Leute, die beruflich viel mit Asbest zu tun hatten. Nur weil die restlichen 900 Fälle nicht anerkannt wurden, bedeutet das nicht, das diese Personen keinen häufigen Kontakt zu Asbest hatten. (z.B.Leute, die in der Nähe von Asbestwerken gewohnt haben, Frauen, die die verstaubte Kleidung der Männer reinigten, LWK Fahrer, die viel auf Baustellen unterwegs waren...)

Wie gesagt werden in diesem Jahr 1800 Personen in ganz Deutschland an einem durch Asbest hervorgerufenen Krebs erkranken. Das relative Risiko ist laut der Statistik bei den heute 80-84 Jährigen am höchsten. Diese Leute waren in den Asbesthochzeiten der 1970er in der Blüte ihres Arbeitslebens. Zu den am stärksten betroffenen Berufsgruppen zählten unter anderem: Schlosser, Schweißer, Elektriker, Installateure, Dachdecker, Maurer, Bauarbeiter, Kraftfahrzeugtechniker und Fliesenleger. Von 100.000 Männern, die in den 1970ern um die 40 waren, erkranken laut der Statistik jetzt jedes Jahr jedoch "nur" knapp 21 an dem asbestbedingten Krebs. Natürlich waren nicht alle 100.000 in einem gefährdeten Beruf und natürlich sind nicht die anderen durch Asbest ausgelösten Erkrankungen wie Asbestose berücksichtigt (kommt aber wohl nur bei sehr starker Belastung vor). Wenn man aber bedenkt, wie vielfältig der Einsatz von Asbest war und wie viele Personen tagtäglich auch Privat den Belastungen ausgesetzt waren (auch früher wurden Fließen gewechselt, die Eternit Platten geschrubbt und asbesthaltige Materialien im Haushalt verwendet), finde ich das Risiko einer einmaligen Asbestexposition zur Entwicklung eines Mesothelioms relativ gering.

Natürlich ist trotzdem jede Neuerkrankung eine zu viel. Ich hoffe, dass die Leute bei Renovierungsarbeiten auch an die Gefahren des Asbestes denken. Ich werde in Zukunft sicher öfters drauf hinweisen, wenn mir so etwas auffällt.

F%rau +Franszx_i


Hallo :-)) ist denn 3erlei noch online hier? Ich fände es sehr interessant, zu wissen, was diese Luftprobe ergeben hat. Wir sind selbst Betroffene, haben aber erst viel später den Sachverhalt bemerkt und daher ist eine Luftprobe heute nicht mehr möglich... :-( ( Liebe Grüße

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