» »

Mein Bruder (58) hat Lungenkrebs

jpessixco hat die Diskussion gestartet


Er ist wegen eines nicht heilenden Hustens zum Arzt gegangen und bekam ein Hustenmitteln. Es wurde nicht besser also schickte man ihn zum Röntgen der Lunge. Entdeckt und behandelt wurde eine Lungenentzündung. Es wurde nicht besser also rein ins MRT. Zwei Tumore im linken Lungenflügel. Weitere Untersuchungen ergaben Metastasen im Rückgrat. Gesamtergebnis: Stufe 4, nicht kleinzellig ! aber nicht Heilbar. Ist das schon Endstadium ?

Mein Bruder lebt allein. Er war schon immer ein schwieriger Mensch mit zum Teil sonderbaren Ansichten, was ihm auch einen extrem überschaubaren Freundeskreis verschaffte. Was mich mit meinem Bruder verbindet, ist dass er, noch unser älterer Bruder und ich sehr früh unsere Mutter verloren und daher ein zwar entferntes aber doch ein miteinander verschweißtes Verhältnis haben. Nun ist er ganz allein! Er hat furchtbare Angst und ist wie gelähmt. Jetzt muss er zur stationären Behandlung mehrmals die Woche ins Krankenhaus aber was er bräuchte wäre eine mehr oder weniger rund um die Uhr Betreuung. Da er einfach nicht allein sein kann. Es geht ihm nach der Chemo und den Bestrahlungen sowohl seelisch als auch körperlich sehr schlecht und man kann ihm quasi beim Verfall zusehen. Es ist so grauenvoll.

Er steht kaum aus dem Bett auf, hat keinen Appetit und macht sich deshalb auch nichts zu essen. Er schwankt immer zwischen Panikattacken und Depressionen. Mein Bruder und ich, versuchen so oft und so intensiv wie es geht für ihn da zu sein und ihn aufzufangen aber ich merke auch, wie mich das seelisch so belastet, dass auch mein Leben und das meiner Familie darunter leidet. Ich telefoniere täglich mehrmals mit ihm, lade ihn zum Essen bei uns ein,unternehme mit ihm Ausflüge, begleite ihn zu Ärzten oder geh zu ihm ins Krankenhaus, und immer reden wir nur über Krebs, sterben und seine Ängste. Am liebsten würde er bei mir oder meinem Bruder einziehen, was ich aus seiner Sicht ja verstehen kann aber ich schaff das nicht. Ich habe solche Panikattacken und das schlechte Gewissen, Verlustängste, Wut auf ihn, weil er schon immer der war, der am meisten Aufmerksamkeit beanspruchte und ich auch ein wenig das Gefühl habe, dass er nicht mal den Versuch unternehmen wird die Verantwortung für sich und diese abscheuliche Krankheit zu übernehmen, und Wut auf mich, dass ich nicht in der Lage bin mich emotional mehr auf Abstand zu bringen um ihm dauerhaft zu unterstützen und zu pflegen ohne kaputt zu gehen. Seitdem wir wissen dass er unheilbar erkrankt ist, nimmt das Thema Krebs, sterben und Angst mein ganzes Leben gefangen. Ich weiß nicht mehr wie ich damit umgehen soll. Ich will ihn auf gar keinen Fall "abschieben" aber was er bräuchte, wäre wirklich ein stationärer Aufenthalt oder betreutes Wohnen damit er nicht allein mit seinen Ängsten ist. Was machen wir nur ? Es gibt auch keine Antwort darauf wie lange er wird leiden müssen. 5 Monate ? Jahre ?

Warum gibt es eigentlich für alleinlebende Angstpatienten die mit einer solchen Diagnose nach Hause geschickt werden keine adäquate Versorgung wie betreutes Wohnen oder ähnliches ? Ich weiß nicht mehr wie das weitergehen wird. Ich habe auch solche Angst. Hat jemand ähnliche Erfahrungen ?

Antworten
C^omraxn


Jessico, tut mir leid, dass dein Bruder diese Diagnose erhalten musste. :°_

Bei all der Belastung ist es aber wichtig, dass du für dich Grenzen setzt. Mach es nicht zu deiner Aufgabe, dich für ihn aufzuopfern. Du wirst das nicht schaffen und bei Überlastung wirst du ihm keine Hilfe sein. Deine Seele und dein Körper geben dir Signale, die du ernst nehmen solltest. Wenn es wirklich unheilbar sein sollte, werden die letzten Wochen sehr schwierig werden. Das kannst du nicht leisten, ohne rundum bei ihm zu sein.

Ich kann dir (aus eigener Erfahrung) nur dringend raten, dich frühzeitig beim Sozialen Dienst in deiner Heimatstadt über Möglichkeiten zu erkundigen. Die stellen Kontakt zu Pflegekräften her und auch zu Freiwilligen der Hospizvereine. Auch haben Palliativärzte viel mehr Möglichkeiten, dem Patienten einen erträglichen Tag zu bereiten als es der Hausarzt oder ein Krankenhaus tut.

Die Aufgabe deiner Familie wird es sein, das Thema Begleitung und Pflege ihm näherzubringen. Vielleicht nutzt ihr auch schon die Zeit, wo er jetzt im Krankenhaus liegt, dass er dort schon mal besucht wird.

Ich wünsche euch, dass ihr in dieser Zeit viel Kraft entwickelt (man wächst daran, wenn man den Schock erst mal verdaut hat - das dauert eine Weile). Und deinem Bruder natürlich alles Gute. :)* @:)

j]e7ssicxo


Hallo Comran, danke für Deine Antwort. Ich habe einen Fehler beim schreiben gemacht. Er ist nicht mehr stationär sonder seit Donnerstag nur noch ambulant im Krankenhaus. Danach und davor, ist er quasi uns überlassen. Wie gesagt, da er fürchterliche Angst und Panik vor dem Alleinsein hat, ist ihm gefühlsmäßig eigentlich nicht zuzutrauen ihn auch mal ein paar Tage sich selbst zu überlassen. Obwohl er durchaus körperlich noch in der Lage wäre. Er hat nun auch keinen Beruf mehr der ihn irgendwann wieder auffangen würde und ihn ablenkt. Leider hat er keine Interessen, keine Hobby's, nix. Das einzige war lesen aber da kann er sich natürlich auch nicht drauf konzentrieren. So sitzt er also - wenn wir mal keine Zeit haben - in seiner Wohnung, starrt auf die Uhr und grübelt sich im wahrsten Sinne zu Tode.

Es tut mir so leid ihn so leiden zu sehen aber ich habe jetzt schon das Gefühl zu ersticken. Leider bin ich überhaupt nicht in der Lage abzuschalten und obendrauf fängt jetzt mein ältester Bruder auch an zu schwächeln und will einen "Plan" machen, wer von uns wann für den Bruder zuständig ist. Das alles ist so ein unfassbarer Einschnitt in unser aller Leben ! Und noch ist mein Bruder nicht unfähig sein Leben - also rein Körperlich - selbst mit zu stemmen. Ich fühle mich wie ein kleines Stück Treibholz an das sich ein Ertrinkender festklammert. Ich fühle mich furchtbar wenn ich das so schreibe aber das ganze macht auch mir solche Angst, dass ich schreiend davon laufen möchte.

CIomerxan


Denk an meinen Rat. :)_

Noch ist dein Bruder fit, aber seelisch braucht er Unterstützung. Hier bieten die Krankenhäuser auch Kontakt zu psychoonkologischer Betreuung an.

Falls die Behandlung nicht anschlägt und auch palliativ keine Wirkung hat, wird dein Bruder früher oder später professionelle Unterstützung brauchen. Meistens wartet man zu lange damit und will sich beweisen, dass man es selbst schafft. Das geht leider nur in Grenzen, und das merkst du jetzt schon.

HNype?rixon


Ein Beitrag wurde gelöscht

czroXssxie


jessico

Es geht ihm nach der Chemo und den Bestrahlungen sowohl seelisch als auch körperlich sehr schlecht und man kann ihm quasi beim Verfall zusehen. Es ist so grauenvoll.

wenn er nur noch seine Geschwister hat ist es doch mehr als verständlich das er nach so einer Diagnose an euch klammert "Er hat furchtbare Angst und ist wie gelähmt".

Um etwas von deiner Verantwortung abzugeben müsstest du mal mit seinem behandelnden Arzt sprechen, welche Prognose/Lebenserwartung er stellt und dich an den Krankenhaussozialdienst wenden, die dich/euch beraten können welche Hilfsmaßnahmen es gibt und wie man deinen Bruder zur Zeit am besten betreut und ihm zur Seite steht.

Ich habe meinen Vater begleitet und als er im Krankenhaus die Diagnose bekam, kam ungefragt eine Dame auf mich zu die mir einen Prospekt über den Hospizverein gab und mir erklärte wie sie einem beistehen. Ich hatte das zuerst abgelehnt, aber nach kurzer Zeit doch gemerkt das es für mich alleine zu viel Verantwortung und Druck ist. Ab da sind wir ganz toll mit Rat und Tat betreut worden, alle haben sich viel Zeit genommen und sie sind auch auf mich und meine Gefühle eingegangen. Ich kann den Weg darüber nur empfehlen. Schließe mich dem was Comran dir geschrieben hat an!

N2ascshmonsAterpMixzza


Ich hab dir eine PN gesendet. Ich hoffe das war ok @:)

j$es"sicxo


Crossie; Unsere Eltern leben noch und ich habe noch 2 Brüder. Aber jeder von Ihnen - genau wie ich - hat eben auch sein eigenes Leben. Und ja, natürlich hat er Angst, und natürlich unterstütze ich ihn. Mein Problem ist , dass ich einfach nicht die ganze Verantwortung für meines Bruders Leben tragen kann.

Tsrapgisc7herCl/ownf'iscxh


Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen. Einerseits dich, dass du maßlos überfordert bist (so ginge es mir auch), aber auch deinen Bruder kann ich zu 100% verstehen, dass er vor Panik Amok läuft. Es kann nunmal nicht jeder gut mit dem Tod umgehen. Viele Leute drehen vor Panik durch, wenn der Tod naht, und da nutzen dann auch keine Worte der Vernunft. Ich würde wohl auch ausrasten.

Aber was nun tun?

Ich würde auch raten, die Betreuung, vor allem die seelische, auf viele Leute zu verteilen, denn ein Einziger geht daran zugrunde.

cQros)sixe


jessico

Mein Problem ist , dass ich einfach nicht die ganze Verantwortung für meines Bruders Leben tragen kann.

Bei meinem Vater habe ich schnell verstehen müssen das ich nicht mehr um sein Leben kämpfe, sondern darum das er mit Liebe und vernünftig gehen kann. Meine Hilfe und Verantwortung war Zeitlich begrenzt.

Hoffentlich hat dein Bruder eine gute Prognose, aber wichtig ist das auch du verstehst um was es geht, auch wie die Diagnose und auch Chemo seine Psyche verändert. Damit du nicht alles in deinen Rucksack packst, sondern nur das was für ihn wirkliche Hilfe ist. Rede mit seinem Arzt und versuch Hilfe von Seelsorgern, Psychotherapeuten oder einem Psychoonkologen zu bekommen, die kennen sich damit aus und können dich am besten beraten.

Von der Deutschen Krebshilfe gibt es einen guten [[http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/010_lungenkrebs.pdf Ratgeber]] der auf einiges eingeht von dem was du gerade mitbekommst.

:)*

c+rossi e


Gibt auch einen [[http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/042_0115.pdf Ratgeber für Angehörige]], habe ich gerade gelesen. Und hier kann man sich kostenlos die Ratgeber bestellen: [[http://www.krebshilfe.de/wir-informieren/material-fuer-betroffene/blaue-ratgeber.html Deutsche Krebshilfe]], wenn du sie auch an die Familie weiter geben möchtest.

b.daPk


Dieser Mensch hier, hatte auch Krebs gehabt - und dann hat er sich hingesetzt, viel geforscht - und dieses Buch geschrieben. Vielleicht könnte es deinem Bruder auch helfen? Ich weiss es nicht. Aber ein Versuch ist es wert. Ansonsten hatte derjenige zuvor über Finanzämter und Steuern geschrieben.

[...]

Dann habe ich übers internet auch das gefunden (über die Emotionen)

[[http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Neue-Medizin-der-Emotionen/David-Servan-Schreiber/e154682.rhd]]

[[https://www.randomhouse.de/leseprobe/Die-Neue-Medizin-der-Emotionen-Stress,-Angst,-Depression:Gesund-werden-ohne-Medikamente/leseprobe_9783442153534.pdf]]

[[http://www.zeit.de/2004/12/st-medizin]]

"Krebs ist eine Reaktion, keine Krankheit":

[[http://www.sokutec.ch/fileadmin/userdata/pdf/Inhalt-Buch4.pdf]]

Vielleicht müsste er tatsächlich an seinen Emotionen arbeiten, und selber versuchen diese steuern und lenken zu können. Du bist keineswegs die Person, die diese Aufgabe für ihn übernehmen kann. Und vielleicht weiss er noch nicht, wie wichtig das ist.

j]es.sixco


Ich Danke Euch sehr ! Ja, ich muss vor allem lernen meine Emotionen in den Griff zu bekommen und wenn für mich nötig, auch mal abzulehnen wenn mein anderer Bruder Forderungen an mich stellt. Ich weiß dass alles demnächst erst richtig viel schlimmer werden wird. Gestern Nacht habe ich ihn - nachdem er seine vorerst letzte Bestrahlung dieses Zyklus bekam und wir einen entspannten Tag hatten - wieder ins Krankenhaus bringen müssen weil er Fieber bekam. Sein CRP Wert lag bei 308 !

Eigentlich kann ich es kaum verantworten dass er allein zu Hause ist, was wenn er in der Nacht Fieber bekommt ? Was wenn er Blut spuckt ?...... Aber er kann auch nicht bei mir wohnen, das schaff ich nicht. Schon psychisch würde ich kaputt gehen, wenn ich dann gar nicht mehr abschalten kann. Abgesehen davon, dass das meiner Familie auch nur begrenzt zumutbar ist. Aber er ist eben auch noch kein Pflegestufe 4 Fall und abschieben will man ihn doch auch nicht solange es ihm noch einigermaßen gut geht. Ich weiß echt nicht, wie das weitergehen wird. Ich muss dauernd darüber nachdenken und finde keine Lösung.

Ich werde mir auf jeden Fall mal die Links anschauen. Auf der Deutschen Krebshilfe Seite war ich schon. Ich werde demnächst dort mal anrufen.

Viele Grüße und viel Kraft euch allen !

c@ro=s-sive


jessico

Gestern Nacht habe ich ihn - nachdem er seine vorerst letzte Bestrahlung dieses Zyklus bekam und wir einen entspannten Tag hatten - wieder ins Krankenhaus bringen müssen weil er Fieber bekam.

ohne deinen Druck noch verstärken zu wollen, aber ich finde toll das du die Kraft aufbringst ihm zur Seite zu stehen! :)* Das es an die Nerven geht ist klar :)_

Aber er ist eben auch noch kein Pflegestufe 4 Fall und abschieben will man ihn doch auch nicht solange es ihm noch einigermaßen gut geht. Ich weiß echt nicht, wie das weitergehen wird. Ich muss dauernd darüber nachdenken und finde keine Lösung.

lese dir das hier auch mal durch: [[https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/pflege/krankenpflege-adressen.php So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner]]

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Lungenkrebs oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Krebs · Krebsangst · Blut, Gefäße, Herz, Lunge


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH