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Rat eines Proktologen zu proktolog. Erkrankungen

wPerxt32 hat die Diskussion gestartet


Ich bin ein erfahrener Chirurg in leitender Krankenhausposition mit Spezialgebiet Bauchchirurgie und Koloproktologie.

Auf vielfachen Wunsch mehrerer Forumsteilnehmer, ich war schon in anderen foren beratend tätig, gebe ich gerne tips bei proktologischen Beschwerden, z. Bsp. Blutungen, Schmerzen, Juckreiz, Fisteln, Hämorrhoiden usw..

Ich freue mich auf eure beiträge und auf eine lebhafte Diskussion-

Euer Wert

Antworten
MloTnstxi


Hallo Wert,

das ist super! Ich hätte nämlich auch gleich eine Frage.

Seit Anfang 2004 fehlen mir seit einer postoperativen Peritonitis/Sepsis ca. 3 m Darm (u.a. der Dickdarm), und ich habe ein endständiges Ileostoma, das nicht zurückverlegt werden kann.

Ich habe aber noch einen ca. 5 cm langen Hartmannstumpf, der mittlerweile so eng geworden ist, dass eine Rektoskopie selbst mittels Säuglingsrektoskop äußerst schmerzhaft ist. Da ich im Rektum bereits mehrere Polypen hatte, wäre mir sehr daran gelegen, dass der Stumpf ab und zu mal in Augenschein genommen wird, zumal ich auch eine rektovaginale Fistel habe. Reichen da 5-Jahres-Abstände? Gibt es in diesem Fall die Möglichkeit einer Betäubung?

Zusatzinfos: Ich bin 50 Jahre alt. Darmkrebs ist in meiner Familie noch nie vorgekommen.

Liebe Grüße von

Angie

wberxt32


Hallo Monsti

Du beschreibst einen komplizierten Verlauf nach welcher Grunderkrankung, eine subtotole Colektomie nach einer Peritonitis, warum ?

Die zweite Frage, die sich mir aufgdrängt, warum lässt du deinen Hartmann stumpf nicht excidieren, er macht ja nur probleme, u.a. ist er die ursacher deiner rektovaginalen fistel.

Hattes du vielleicht einen Morbus Crohn?

M9onxsti


Hi Wert,

ich hatte von Geburt an eine IND (Kombination M. Hirschsprung langes Segment und IND Typ B, Megacolon und C. elongatum = rekordverdächtige 2,60 m :-o ) und zum Schluss komplette Darmlähmung (Ileus). Leider wurde meinem Problem erst nach Eintreten des Ileus nachgegangen. Es wurde zunächst eine subtotale Kolektomie durchgeführt. 20 cm des "gut aussehenden" C. aszendens blieben mir zunächst, es wurde eine End-zu-End-Anastomose gemacht.

5 Tage später erfolgte dann wegen der Peritonitis/Sepsis die Not-OP mit Entfernung aller nekrotischen Darmteile, d.h. Restdickdarm, Teilen des Rektums und Teilen des terminalen Dünndarms, mit Anlage des endständigen Ileostomas. Geblieben ist mir o.g. Hartmannstumpf, weil die Chirurgen an der Uniklinik Innsbruck die Option einer Pouch-Lösung offen lassen wollten. Die geht bei mir aber nicht, wie sich wenige Monate später im AKH Wien (Prof. Herbst) herausstellen sollte.

Eine Entfernung des nervigen Stumpfs hatte ich natürlich auch schon angestrebt, doch ist dies wegen schwerster Verwachsungen nicht mehr möglich. Der Stumpf ist eine sehr innige Verbindung mit dem Dünndarm, dem Uterus und der Blase eingegangen. Der Dünndarm ist breitflächig mit der Bauchdecke verwachsen. Ich bin mittlerweile leider das, was man einen "Bauchkrüppel" nennt. Kein Chirurg geht da nochmals ran, wenn nicht ein lebensbedrohlicher Notfall (z.B. Ileus) vorliegt.

Fakt ist also, dass ich den kleinen Stumpf noch habe und auch weiterhin haben werde, so sehr er mich auch ärgert.

Reicht Dir das an Infos, um mir meine Eingangsfragen zu beantworten?

Liebe Grüße von

Angie

w ePrtH32


Monsti

Ein so kurzer Stumpf, da bin ich mir sicher, ist meist ohne grössere probleme von perineal durch einen erfahrenen chirurgen zu entfernen, der Bauch braucht also nicht eröffnet zu werden. Ausserdem lösen sich die meisten verwachsungen nach monaten wieder auf bzw. sind wesentlich leichter zu trennen. Ich darf dieses behaupten, da ich desöfternen sog. wiederanschlussoperationen nach anlage einer hartmann situation durchgeführt habe.

Zur eingangsfrage: ich würde dir zur stumpfspiegelung zeitabstände von 1-2 jahren empfehlen, aussderdem hängt es von der histologie der polypen ab, vom sog. dysplasiegrad (faustregel, Low grade sollte 2 jährig, high grade sollte jährlich kontrolliert werden)

Eine Betäubung ist normaler weise nicht notwendig, du beschreibst allerdings stark schmerzen, deshalb empfehle ich dir, ausser einer vollnarkose, einen sog. sattelblock (Rückenmarksnahe Anästhesie).

Versuches es doch mal mit einer Propofol Infusion, ist sehr gut verträglilch und steuerbar.

Gruss

Wert

M{on)sti


Danke für Deine Antwort!

An Propofol hatte ich auch schon gedacht. Vertrage ich auch gut, hatte ich im August bei einer Port-Revision.

Zur Entfernung des Stumpfes: Da bin ich natürlich von den Aussagen der mich betreuenden Chirurgen abhängig. Alle, die meinen Fall näher kennen, sagen, dass es bei mir ohne weiteren Dünndarmverlust nicht geht. Und das sagten wirklich erfahrene Chirurgen.

Okay, ich werde jährlich zur Rektoskopie gehen. Einer der entfernten Polypen war nämlich schon grenzwertig, zum Glück aber noch nicht infiltrierend, und das in einem Bereich, der eh entfernt ist (8 cm ab ano).

Liebe Grüße und gute Nacht!

Angie

ATlePsia


Hallo,

finde ich ganz prima, dass Du als Arzt hier im Forum Hilfestellung gibst.

Ich habe auch schon lange Probleme mit Verwachsungen durch 2 Bauch-Operationen. Dazu kamen dann Hämmorhoiden, Marisken und Analfissur. Bisher wurde ich je 2 x an Hämmor. und der Fissur operiert. Die letzte OP der Fissur wurde zusammen mit einer gaslosen Bauchspiegelung gemacht. Das war vor 1 Jahr. Trotz des 4-stündigen Eingriffes konnten leider nicht alle Verwachsungen gelöst werden und bedingt durch eine Aussackung (Enterozele) im Darm habe ich immer noch Stuhlprobleme sowie Bauchschmerzen und -krämpfe. Die Nachuntersuchung der Fissur im Frühjahr d.J. ergab keine Beanstandungen, lediglich die Schleimhaut war noch etwas gereizt. Aber ich habe oft starkes Jucken und auch leichtes Bluten am After.

Bei dieser Untersuchung wurde mir von der Proktologin gesagt, dass meine Kohlrauschfalte einen auffällig starken Knick macht.

Im Internet habe ich schon gegoogelt, aber wenig Lesestoff über diese Falte gefunden.

Meine Frage: Kann dieser starke Knick die Verdauung auch beeinträchtigen? Die Proktologin schloss das nicht aus. Ist das etwa angeboren oder wodurch entsteht so etwas?

Ich habe immer so das Gefühl, dass meine Verdauungsprobleme auch mit dem After zusammenhängen. Ab und zu benutze ich eine Salbe, die ich auch einführe und da klappt es mit der Verdauung auch gleich besser. Ich habe meist recht festen Stuhl. Wenn ich aber etwas mehr presse, weil oft etwas im Darm hängt, dann kommt meist nur klebriger dünner Stuhl, der auch am After kleben bleibt. Nur durch Druck am Damm kann ich manchmal den Rest herausdrücken. Auch habe ich keinen richtigen Stuhldruck, bei mir kündigt sich das meist durch einen bestimmten Schmerz im Bauch an.

Erwähnen möchte ich noch, dass 1999 bei einer Sigmaresektion ca. 30 cm Darm entfernt wurden, der Rest Darm ist am Steissbein festgenäht.

Vielen Dank im voraus für Deine Antwort

Gisela

wPert3O2


Alesia

Ich werde morgen genauer auf dein anliegen eingehen, ist schon spät.

Nur soviel - du scheinst an einer beckenbodenschwäche zu leiden, die enterozehle sowie die darm-op (Pexie) sprechen dafür.

die Kohlrausche falte ist eine anatomische bezeichnung für eine darmfalt etwa 10 vom anus entfernt, diese hat keinen krankheitswert und ist bei jedem vorhanden. Ich habe sicherlich > 5000 Rektoskopie gemacht, der o.g. Befund der Proktolgin ist mir nicht bekannt, vielleicht hast du da auch was falsch verstanden.

Am ehesten leidest du weiter unter deiner beckenbodenschwäche, ggf. mit einem inneren Rektumprolaps. Hier würde ich dir zur Abklärung funktionsradiologische untersuchungen empfehlen (Colontransitzeitbestimmung, Defäkografie), Mit diesen Verfahren, falls sie jemand macht, der sich damit auch auskennt, kommt man deinen beschwerden sicherlich auf die spur.

Gruss und gut nacht

Wert

Aflee0sia


Hallo Wert,

erst einmal vielen Dank für Deine Antwort. Mir geht es auch so, bin ebenfalls müde. Nur soviel, ich habe schon so ziemlich alle Untersuchungen hinter mich gebracht, auch die Defäkographie, da wurde ja die Enterozele festgestellt. Aber ich musste leider die Erfahrung machen, das kaum ein Arzt etwas damit anfangen kann.

Ein Internist sagte mir, er müsse erst einmal in seinen Büchern nachlesen, was das überhaupt sei.

Morgen werde ich Dir noch einmal den Befund detaillierter mitteilen.

Allseits gute Nacht

Gisela

tjiLtatü


Da schließ ich mich doch glatt mal an....

11.05 aus dem Schlaf heraus mit Krämpfen,Übelkeit,Schweißausbrüchen>erstmal Kollaps>dann Durchfall (Dauer 40 min)> 2 Std. später Abgang von dickflüssigem Blut (eher dunkel)>danach noch paarmal Schleimabgang

>Folge davon bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms und Kaliummangel-wurde behandelt und es blieb ein Druck im Oberbauch,der sich im sitzen nach dem Essen bildet und immer stärker wird,wenn ich mich nicht hinlege.

4.06 aus dem Schlaf heraus mit Krämpfen,Schweißausbrüchen,Übelkeit>sofort hingelegt,da der Kreislauf wieder schlapp macht>Darm leert sich schubweise (Dauer 20 min)>2 Std. später wieder Blutabgang-diesmal weniger

>Folge davon bakteriellle Fehlbesiedelung und Kaliummangel

Da beim heben krampfartige Schmerzen einsetzten /Leiste rechts(Bauch da druckempfindlich-im liegen 5 min später als wenn nie was gewesen wäre)Verdacht Leistenbruch aber negativ

Heute: Gefühl,das es sich im laufe des Tages steigert,das der Nahrungsbrei im Bereich rechte Leiste nicht weitertransportiert wird(bei angewinkelten Bein 2-3 std. nach dem Essen).Fühlbare Darmwulst,die sich reinschieben bzw. reindrücken läßt-seit dem reinschieben kein Druck mehr im Oberbauch!

Bis auf ein "recht großes Duodaldivertikel" nichts gefunden (2 Kolo's,1 CT,1 Magenspiegelung)

Dünndarm Röntgen brachte im Bereich rechte Leiste massive krampfartige Schmerzen (ausführender Arzt sagte abklingende Entzündung und war verwundert,das bei der Kolo an der Stelle nichts war)Im Bericht taucht das überhaupt nicht auf!Da man nicht auf die Fehlbesiedelung kam ,entließ man mich mit Reizdarm (12.05)

Mir kommt es vor,wie eine Stenose die im sitzen komplett dicht macht(hab auch Probleme mit faserigem Fleisch und großkörnigen Sachen)

Ich esse abends nur noch spätestens um 18-19 Uhr leichte Kost und geh erst ins Bett,wenn der Darm ruhig ist und versuche möglichst auf dem Bauch oder Rücken zu schlafen aus Angst,das es wieder akut werden könnte.Der Gewichtsverlust von insgesamt 8 kg (durch die Fehlbesiedelungen) läßt sich nicht aufholen.

Ist der Darm sehr aktiv mit rausdrücken,habe ich am nächsten Tag leichte ziehende Schmerzen in der Leiste und 1-2 Tage später Schleimhautauflagerungen auf dem Stuhl

Eigentlich wäre ein Leistenbruch aus meiner Sicht das passentste aber weder Chirug noch Hausarzt finden eine Bruchlücke....

Ich hatte nie Bauch-OP's-also Verwachsungen ausgeschlossen.Es fing aus heiterem Himmel an und es wurde kein Erreger bei den zig Stuhlproben gefunden.CRP war nur ganz zu Beginn bei 3,1

Ich hoffe,ich hab nichts vergessen ;-)

*:)

cVat`4x4


Analfissur

Hallo wert32,

das ist aber sehr nett, dass du anbietest Fragen zu beantworten! Ich hätte dann auch mal eine:

Seit Wochen habe ich eine Analfissur, die immer wieder aufreißt, wenn ich denke, es wäre alles gerade wieder gut verheilt. Dann geht alles wieder vorn vorne los. Ich habe schon Bepanthen Salbe probiert, Faktu akut, Vaseline, Penaten Creme und Puder. Bringt irgendwie alles nicht wirklich etwas. Hättest du vielleicht einen guten Tipp, wie ich das wieder in den Griff kriege?

Die Beschwerden sind nicht so schlimm, dass meine Lebensqualität darunter leiden würde, ich kann auch alles machen (z.B. Radfahren ;-)) und habe nur Schmerzen beim Stuhlgang und zwischendurch, wenn ich den Schließmuskel anspanne. Trotzdem wäre es schön, wenn alles auf Dauer wieder verheilen würde und nicht immer wieder aufreißt.

Bringt es etwas, auf Fleisch zu verzichten oder evtl. andere Nahrungsmittel?

Danke schonmal fürs Lesen!

LG

D{omiQnik 1x985


@cat44:

gegen analfissuren hilft am besten eine regelmäßige dehnung des schließmuskels per analdehner. diesen kannst du dir in der apotheke bestellen. die technik ist ganz logisch: der analdehner wird rektal eingeführt. ganz vorsichtig schiebst du ihn durch den schließmuskel hindurch, bis etwas die hälfte der länge drin ist. dann ziehst du ihn vorsichtig wieder heraus. die prozedur wiederholst jeden tag einmal und erreichst somit eine weiterung des schließmuskels und wirkst den analfissuren entgegen. sollte der analdehner zu teuer sein, so kannst du diese übung auch mit dem zeigefinger machen, wenn du in der badewanne sitzst. das bringt auf dauer eine sehr gute lösung gegen das problem und hat mir persönlich sehr gut geholfen!

mfg aus paderborn,

dominik

A9les.ia


Hallo Cat,

ein Tipp:

wenn Du einen Analdehner in der Apotheke kaufen möchtest, dann bekommst Du ihn für ca. 6,00 Euro zusammen mit der Hämo-Salbe Posterisan.

Viel Erfolg

Gisela

wrerxt32


titatü

Hast du schon mal eine colontransitzeit bestimmung machen lassen, hier könnte auch eine colonfunktionsstörung im sinne einer sog. slow transit constipation vorliegen ?

wmertx32


cat

Ich als chirurg kann dir nur wenige konservative Therapien empfehlen, der erfolg ist meist nur von kurzer dauer (wenn überhaupt). Z.Bsp Botox. Injektionen, Dilzem Salbe oder Nitrat-Salbe (Kopfschmerz als NW). Ziel ist eine Schwächung oder Lähmung der glatten Schliessmuskulatur, was den Analtonus senkt und die Durchblutung und somit Heilung fördert.

Vielfach bringt aus meiner Erfahrung allerdings nur die Operation (Ausschneidung der Fissur, Erziehlung einer frischen Wunde) gute Erfolge (einfache und ambulante Operation), einige Kliniken kombinieren diese OP mit einer Kerbung des inneren Schliessmuskels (mache ich persönlich allerdings nicht so gerne).

In Amerike ist im Gegensatz zu uns die Schliessmuskelkerbung die Therapie der Wahl, noch vor der Ausschneidung der fissur. In Deutschland ist, vor allem aus forensischen Gründen, dies kein Standart.

Wichtig: Dieses Statement bezieht sich nur auf chronische Fissuren, die akuten Fissuren heilen meist ganz gut mit o.g. Dehnertherapie in Kombination mit verschiedenen Salben.

Wenn allerdings die fissuren immer mal wieder aufreissen, so ist die OP sicherlich besser.

Gruss

Wert

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