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Slow transit obstipation: OP ja oder nein?

E4siBnqedx88 hat die Diskussion gestartet


Hallo bin 25Jahre und habe eine slow transit obstipation. Ich wurde sehr lange, was viele von euch kennen als simulant abgestempelt.

Bei mir wurden nun endlich mal nähere untersuchungen durchgeführt wie die transitzeit (106std) und es wurde gesehen, das mein quercolon im kleinen becken hängt und der absteigende darm sowie der enddarm zulang sind. Jetzt bin ich zurzeit in einem Kh in behandlung und die Chirurgen würden operieren und die Gastroenterologen sind dagegen. ich bin gerade ziemlich verzweifelt weil ich nicht weiß was ich machen soll. Achso im quercolon und im absteigenden darm sind kaum muskeln vorhanden.

Ich wäre dankbar für jeden rat.

lg

Antworten
SXunflowxer_73


Operieren kann man immer. Wichtiger wäre jetzt die Frage, ob man bspw. medikamentös etwas machen kann. Wäre auf jeden Fall einen Versuch wert, bevor man direkt operiert.

E[sin(ed8x8


Also ich habe mehrere dinge ausprobiert wie ballaststoffreiche ernährung movicol,constella, resolor etc es brachte keine wirklichen erfolg

Sjunfl*owexr_73


Was schlagen denn den Gastros vor, die NICHT operieren wollen?

Ich hab' keine Ahnung von der Thematik, aber solange es vernünftige Alternativen gibt, sollte man die zumindest ausprobieren. Wenn aber nix mehr zum Probieren bleibt...

Letztlich müssten die Gastros noch eine gute Idee entwickeln, wenn sie die OP ablehnen.

EusinPed8x8


Die Gastros meinen, das ich 1. noch zu jung bin, da die op nicht ohne ist, 2. sind die der meinung das mein darm sonst soweit gesund ist also zb keine divertikel und sie meinen das i-wann etwas kommen würde auch wenn ich mal 3wochen warte. Die Aussage war dann noch, das ich dann nicht so auf die schmerzen achten soll. Die haben aber wohl auch bedenken, dass mir die op evtl nicht viel helfen würde oder ich dann unter ständigen Durchfällen leide.

qyui@ckfixsh


Hallo Esined,

Ich bin genauso alt wie du und hab's schon hinter mir.

Meine OP lief nicht komplikationslos – ich musste danach nochmal notfallmäßig ins Krankenhaus.

Trotzdem würde ich mich jederzeit wieder dafür entscheiden.

Die Beschwerden, Symptomatik etc. werden nicht besser werden; im Gegenteil, diese Sache (STC) zieht nur x Folgen (Stichwort Beckenboden etc.) mit sich.

Nach der OP hat mein zweites Leben begonnen x:)

E9si=ned8x8


hallo quickfish, hab dir ne PN geschickt :)

qiuic2kQfxish


Ups, das hat sich überschnitten! ;-)

M,onsxti


Die Beschwerden, Symptomatik etc. werden nicht besser werden; im Gegenteil, diese Sache (STC) zieht nur x Folgen (Stichwort Beckenboden etc.) mit sich.

Das verstehe ich nicht. Könntest Du das bitte konkretisieren? Ich denke, hier lesen viele Leidensgenoss(inn)en mit und sind froh über jede Info.

Dankeschön und LG

qjui>ckfxish


Mit Vergnügen!

Das dt. Synonym für Slow Transit Constipation lautet "neurogene Darmlähmung". Dies umschreibt eine Symptomatik, der die Gruppe der Hypo- und Dysganglionosen zugrunde liegt; also ein fehlerhafter Zustand der Darmwandnervenzellen. (Die Aganglionose wird nicht unter STC gefasst, da diese als M. Hirschsprung schon vor langer Zeit abgegrenzt und beschrieben wurde). Ich will mit dieser Ausführung nur meine Aussage untermauern, dass eine Beschwerdebesserung bei Vorliegen der Diagnose STC nicht zu erwarten ist. Einmal fehlentwickelte Ganglienzellen besitzen nicht die Fähigkeit, zu ihrer normalen Form und Funktion zurückzukehren. In den allermeisten Fällen kommt die Dys-/Hypogangliose in der Embryonalentwicklung durch fehlerhafte Ausreifung zustande – > angeboren. Eine im Laufe des Lebens erworbene Störung dieser Art ist äußerst selten und wenn, dann am ehesten immunologisch begründet – durch Abführmittelmissbrauch jedenfalls ist so etwas nicht zu "schaffen", um mal einem verbreiteten Irrglauben zu widersprechen!

So. Auf dem Boden dieser Überlegung/dieses Wissens fiel mir die Entscheidung zur OP leicht.

Komplikationen einer STC-Verstopfung, oder besser gesagt, Darmlähmung, sind gerade bei Frauen eine Beckenbodensenkung mit den möglichen Folgen von Blasen-, Enddarm- und Scheidensenkungen bis hin zu Vorfällen (Prolaps). Grund hierfür ist das jahrelange starke Pressen, was sich häufig auch bei besserem Wissen nicht verhindern lässt (irgendwie muss es ja raus). Zudem entwickeln sich gerne sog. Rektozelen, also Ausbuchtung der Mastdarmwand gegen die Scheide. Dies alles hat massive Enddarm-Stuhlentleerungsprobleme "on top" zum sowieso schon problematischem Stuhltransport im restlichen Dickdarm zur Folge, was die Verstopfungssituation multipliziert.

Eine andere Komplikation der oben erklärten Darmfehlinnervationen ist das sog. Megacolon, was in dem Zusammenhang bedeutet, dass der Dickdarm im Laufe der Zeit ausleiert (medizinisch gesprochen: dilatiert). Seine Wand kontrahiert sich nicht richtig, bleibt dauerhaft unter Spannung gedehnt und weitert sich immer mehr monströs aus. Dies ist ein Prozess, der im Laufe der Zeit vonstatten geht und erklärt, warum sich die STC's typischerweise im Laufe des Lebens verschlechtern. Der ausgeleierte Darmteil kann den Inhalt immer schlechter transportieren, der unbewegliche Stuhl dickt darin ein und wird noch unbeweglicher, und nicht selten drückt ein solch erweiterter Darmabschnitt auf benachbarte Organe (z.B. Blase) oder einen anderen Darmabschnitt (z.B. Enddarm). Ein Teufelskreislauf.

Meine histopathologische Diagnose war intestinale neuronale Dysplasie Typ B (IND). Dies ist eine Dysganglionose.

Jeder, der hier Leute mit solchen Diagnosen zu Flohsamen und viel Trinken rät, ist disqualifiziert ;-D

qQuickfCi sah


Missverständlich: [...] der hier Leuten mit solchen Diagnosen [...]

S~chlit0zaubge67


Mein DArm war auch zu lang, hatte sich ins kleine Becken abgesengt. Mein Gefühl war es, als würde der Anus von innen erdrosselt. Die Aussage hielt man natürlich für psychisch bekloppt

hoch ³.

Ein Arzt meinte allerdings, die Sache würde ihm nicht gefallen, er wolle eine Bauchspiegelung machen. Obwohl vom röntgen her bekannt war, dass der Darm zu lang war, hielt sich da nie jemand mit auf.

Nun gut, ich wurde also gebauchspiegelt und ich erwachte auf der Intensivstation – 40 cm Darm (Colon) wurden entfernt. Und was war? Es war eigentlich ein Glück, dass ich vorher keinen Einlauf bekommen hatte, so war sichtbar, dass der voll gefüllte Darm sich um den Enddarm geschlungen hatte und den quasi halb erdrosselt hat.

Im Grunde genommen genau so, wie ich es gefühlt hatte.

Ich hatte noch mehrere Monate Probleme mit dem Abführen, aber heute klappt es wunderbar und ohne Schmerzen, allerdings nur mit Flohsamenschalen gemahlen und dazu noch Leinsamen.

Und wie ich heute weiß, habe ich eigentlich nie glutenhaltige Sachen vertragen, die immer für starke Blähungen sorgten. Alles weg.

Meine Transitzeit war auch etwas zu lange und die anderen Sachen hat man vor 15 Jahren allerdings nicht untersucht.

M0onsxti


Hallo quickfish,

danke für diese Ausführungen. Ganz besonders dafür:

Jeder, der hier Leute mit solchen Diagnosen zu Flohsamen und viel Trinken rät, ist disqualifiziert

Nun, meine Diagnose war die gleiche wie bei Dir, außer dass ich zusätzlich noch MH im Rektum hatte. Damit schlug ich mich von Geburt an bis zu meinem 48. Lebensjahr herum. Jahrzehntelang wurde ich nicht ernst genommen, auch nicht, nachdem mich aufgrund der Pressversuche, der vielen Einläufe und des Einsatzes eines Darmrohrs nahezu permanent riesige Perianalthrombosen gequält hatten. Da kamen dann immer die bekannten dämlichen Sprüche, dass man beim Stuhlgang nicht aktiv pressen sollte ... und natürlich auch der Nonsens mit ballaststoffreicher Ernährung. ":/

Mehrere Darmspiegelungen mussten wegen Undurchlässigkeit des Dickis abgebrochen werden. Bei einer Irrigoskopie wurde aufgrund der benötigten Kontrast-Brühe dann erstmals die Länge meines Dickdarms geschätzt: 2,60 m (!!!). Ergebnis der Transitzeituntersuchung: > 150 Stunden, womit ich eindeutige OP-Kandidatin war. Mein Leidensdruck war so groß, dass ich die OP kaum erwarten konnte, obwohl mir klar war, dass sie risikoreich und kein Spaziergang ist.

Meine OP vor 10 Jahren ging prompt gründlich in die Hose. Damals war ich haarscharf am Sarg vorbeigeschliddert. Es folgten drei weitere große OPs. Heute habe ich keinen Millimeter Dickdarm mehr, mein Rektum ist weg, und ich habe ein endständiges Ileostoma.

Heute sage ich, dass ich vom Regen in die Traufe gekommen bin, wobei mir letzteres tatsächlich lieber ist. Das einzige, was mich echt stört, ist die Tatsache, dass ich aufgrund einer viel zu spät erkannten eitrigen Peritonitis und insgesamt 8 Bauch-OPs einen extremen Verwachsungsbauch habe. Auch sind Nerven gestört, so dass ich z.B. eine starke Blasenentleerungsstörung habe. Leider ist es wie bei den meisten Medikamenten: Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen ...

Wer also meint, es sei bei einer IND mit einer radikalen Dickdarmkürzung getan, und danach wäre alles perfekt in Ordnung, der wird in der Regel enttäuscht werden. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der sich für eine solche OP entscheidet. Trotz aller Komplikationen und Folgen habe ich die OP übrigens auch nie bereut.

LG

EPsineVd8x8


@ schlitzauge67

wie lang war deine Transitzeit? oh vor dem Abführen vorher würde es mir auch grauen. Bei mir war der Darm nach 12päckchen kleanprep+5 Tage nichts essen noch net sauber.

Mit dem enddarm beckenbereich habe ich auch probleme. Es wurde bei mir zusätzlich eine rektozele und ein rektumprolaps allerdings "nur" grad 2 diagnostiziert. Ich habe i-wie nur Angst das es eig an meinem Enddarm liegt als an i-etwas anderes, obwohl bei der untersuchung mit den Röntgenmarker die meisten marker im kleinen becken bzw querkolon waren und ein paar in der rechten flexur.

glg

qMuickf{ixsh


Monsti, deine Geschichte ist immer wieder heftig zu lesen...

Wer also meint, es sei bei einer IND mit einer radikalen Dickdarmkürzung getan, und danach wäre alles perfekt in Ordnung, der wird in der Regel enttäuscht werden. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der sich für eine solche OP entscheidet. Trotz aller Komplikationen und Folgen habe ich die OP übrigens auch nie bereut.

Es stimmt – man sollte sich keine 100%ige Gesundung erwarten. Perfekt wird es vermutlich nie, wenn man eine chornische Erkrankung mit sich herumträgt. Das sind unrealistische Erwartungen. Gerade als junger Patient kann man sich aber doch eine weitgehende Normalisierung der Darmsituation erhoffen (heißt: häufigere und regelmäßige Entleerung wie der "normale" Mensch sie hat). Bei einer guten Ausgangslage, einem erfahrenem Chirurgen und fehlenden Begleiterkrankungen besteht nicht zwangsläufig ein Grund, sich nach einer radikalen OP auf eine Enttäuschung einzustellen.

Esined:

Mit dem enddarm beckenbereich habe ich auch probleme. Es wurde bei mir zusätzlich eine rektozele und ein rektumprolaps allerdings "nur" grad 2 diagnostiziert. Ich habe i-wie nur Angst das es eig an meinem Enddarm liegt als an i-etwas anderes, obwohl bei der untersuchung mit den Röntgenmarker die meisten marker im kleinen becken bzw querkolon waren und ein paar in der rechten flexur.

Sagen wir es mal so: Die Wahrscheinlichkeit, dass du dir durch das Grundproblem STC sekundär im Laufe der Zeit eine Rektozele, einen Prolaps und Beckenbodenprobleme zugezogen hast, ist um ein Vielfaches höher als andersrum (also dass du einfach so sowohl eine Rektozele als auch einen Prolaps bekommen hast und deswegen jetzt Extremverstopfung hast). Ich nehme an, du hast keine Geburt hinter dir und auch noch keine anderen Baucheingriffe. Es gibt also keine besonders triftige anderweitige Erklärung, weshalb ein 25-jähriges Mädel multiple Beckenbodenschäden haben sollte.

Die Verteilung der Marker ist erfahrungsgemäß nicht in jedem Fall geeignet, um daraus irgendwelche Aussagen abzuleiten. Kann man, ist aber nicht selten unzuverlässig.

Es bestünde für dich noch die Möglichkeit, eine tiefe Darmwandbiopsie machen zu lassen, so dass der Pathologe nach Ganglienzellveränderungen gucken kann. Das hieße aber eine (weitere) Darmspiegelung und zudem ist eine derart tiefe Biopsie nicht ungefährlich (Darm kann perforiert werden). Letztlich ist auch die therapeutische Konsequenz eines solchen Eingriffs fragwürdig. Denn man behandelt ja keinen histopathologischen Befund, sondern den Menschen. Wenn der Pathologe an der Stelle der Biopsien keine Veränderungen finden kann, ist man nicht schlauer als vorher, denn eine klinische Darmlähmung hast du trotzdem immer noch.

Falls eine Pathologie der Ganglienzellen gefunden würde, wäre man halt realtiv sicher, dass dein Primärproblem nicht im Enddarm sitzt.

Mei... kannst es ja mal bei deinen Ärzten ansprechen.

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