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Hypoxischer Hirnschaden nach Reanimierung

n]ighCtwishZ0x8 hat die Diskussion gestartet


Mein Partner hatte im Mai 2008 einen Herzinfarkt erlitten. Er wurde 45 Minuten wiederbelebt. Er lag im Koma auf der Intensivstation. Die Ärzte hatten mir nicht viel Hoffnung gemacht, dass er es überleben wird. Aber, nach zwei Wochen hat er die Augen geöffnet. Leider hat er mich nicht erkannt. Es stellte sich dann heraus, dass aufgrund der Reanimierung das Gehirn nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt worden ist. Sein Langzeitgedächtnis ist mittlerweile wieder da, mit Einschränkungen. Aber, er hat sein Kurzeitgedächtnis verloren. Alles, was er gerade erlebt, gemacht hat, vergißt er.

Leider wurde er nach dem Krankenhaus nur für einige Monate in die Reha gesteckt. Anfang Oktober 2008 wurde diese von der Krankenkasse als beendet erklärt, da er zu wenig Fortschritte macht.

Aber, es sind Fortschritte da. Nur eben halt Kleine. Es ist kein Beinbruch der verheilt, sondern das Gehirn, dass neu lernen muss.

Mir wurde von den Ärzten abgeraten ihn nach Hause zu holen, er muß 24 Std. beaufsichtigt werden. So ist er jetzt in einem Förderzentrum untergebracht. Ich habe aber den Eindruck, mit fördern ist da nicht viel.

Hinzu kommt, dass er noch Typ 1 Diabetiker ist. Seine Selbstständige Blutzuckerkontrolle kann er nicht vornehmen.

Ich suche Betroffene, mit denen ich mich austauschen kann. Die so etwas auch bereits erlebt haben oder gerade erleben. Die ganze Situation ist so verdammt schwierig. Ich möchte so gerne helfen, bin aber teilweise so hilflos.

LG an alle

Antworten
cshinas+kxi


Hallo nightwish,

Meine Frau hat im Januar 2008 - also vor fast einem Jahr einen hypoxischen Gehirnschaden erlitten. Allerdings ist sie im Gegensatz zu Deinem Mann ein Vollpflegefall. Die Reha war nach 5 Monaten vorbei, jetzt liegt sie auf einer Wachkomastation im Pflegeheim. Sie macht stetig kleine Fortschritte - seit einigen Tagen scheint sie (endlich!) einfache Aufforderungen zu befolgen - ich hoffe dass jetzt langsam das Bewußtsein wieder kommt - und dann sehen wir weiter. Die Situation ist verdammt schwierig (wir haben kleine Kinder). Du mußt viel Geduld haben, alles was Du machen kannst ist für ihn da sein, allerdings ohne Dich dabei zu überfordern - das war anfangs mein Fehler. Es nutzt keinem was wenn Du schlapp machst oder in der Klappsmühle landest. Hat sich Dein Mann in seiner Persönlichkeit, seinem Charakter verändert ? Ist er aggressiv o.ä. ? Das mit dem Kurzzeitgedächtnis habe ich schon bei einigen Betroffenen erlebt - es kann mit der Zeit besser werden. Es ist toll wenn er Fortschritte macht, das Gehirn kann viel neulernen, bzw. einmal Erlerntes kann wieder kommen. War Dein Mann seitdem schon zu Hause ? Erkennt er alles ? Findet er den Weg zurück wenn er irgendwo hingeht ?

Liebe Grüße

Chinaski

n~ight~wishx08


Hallo chinaski,

als erstes wünsche ich Dir die Kraft, die Du benötigst um Deiner Frau beizustehen. Diese ganze Situation ist so verdammt schwierig und für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Freunde und Bekannte sondern sich bei mir mehr und mehr ab. Sie können nicht verstehen, warum mein Partner nicht mehr so sein kann, wie er mal war.

Er hat sich verändert. Sein ganzes Wesen ist verändert. Er ist antriebslos, dass fängt morgens mit dem Aufstehen an, waschen, anziehen etc. Ein ewiger Kampf mit Gemeckere und motzen. Am liebsten würde er den ganzen Tag im Bett liegen und schlafen oder Fernseh schauen. Er ist sehr auf Essen fixiert, hat kein Sättigungsgefühl mehr. Teilweise wird er mir auch aggressiv gegenüber. Es fehlt auch die Einsicht zu seiner Erkrankung. Er macht bei den Therapien nicht immer richtig mit. Es ist ihm leider alles völlig egal.

Ich hatte ihn schon des öfteren zu Hause. Anfangs fand er sich gut zurecht. Ich hatte ihn auch über die Feiertage und den Jahreswechsel zu Hause, wo ich aber feststellen mußte, dass er sich nicht mehr so gut zurecht gefunden hat. Auch ist er mir wieder aggressiv gegenüber geworden.

Darf ich fragen, was Deiner Frau passiert ist?

Du mußt unglaublich viel Kraft haben, um diese Situation zu meistern. Dann hast Du noch die Kinder. Bekommst Du Unterstützung aus der Familie?

Liebe Grüße

Nightwish

c}hinaiski


Freunde und Bekannte sondern sich bei mir mehr und mehr ab

Kenne ich. Komischerweise machen es bei mir Leute von denen ich es nie gedacht habe während andere (die Minderheit) mir wiederum beistehen so wie ich es nie erwartet hätte. Was aber allen gemeinsam ist - alle scheinen immer weniger Zeit/Lust/Geduld/wasauchimmer zu haben darüber zu reden. Kann ich auch verstehen, ich versuche ja schon bewußt keinen damit zu belästigen, aber manchmal hat man schon Lust das alles aus sich rauszulassen...

Er hat sich verändert. Sein ganzes Wesen ist verändert

Irgendwie habe ich es mir nach Deinem ersten Beitrag gedacht. Ich habe in der Reha und auch jetzt im Pflegeheim einige erlebt die entweder apathisch oder aggressiv - eben anders geworden waren. Ich kenne auch eine Frau die Ihren Freund im Pflegeheim seit Jahren regelmäßig besucht, pflegt usw... gleichzeitig aber vor 2 Jahren geheiratet hat. Der neue Mann mußte aber akzeptieren, dass sie ihren alten Freund nicht fallen läßt. Auch das ist ein denkbarer Weg. Das muß jeder mit sich selbst ausmachen und es braucht viel Zeit sich darüber klar zu werden welchen Weg man gehen will. Ich habe alle Extrema erlebt von "Für mich wird es niemals einen anderen geben" bis sich einfach aus dem Staub machen... Ich selber weiß noch nicht wie ich weiter mache, im Moment habe ich vor meine Frau zu pflegen, mich selbst allerdings nicht komplett aufgeben. Die Kinder machen es einerseits komplizierter, andereseits helfen sie mir durchzuhalten. Als ich meine (hoffentlich war es die) schlimmste Phase durchgemacht habe, war die Verantwortung für die Kinder das was mich nicht durchdrehen ließ. Ich habe verdrängt, ich habe mich zusammengerissen und mich um sie gekümmert. Hilfreich war der Gedanke, dass es genau das ist, was meine Frau von mir erwarten würde. Mein einziger Rettungsanker, überhaupt das einzige dessen ich mir sicher war. Sonst hätte ich die erste Zeit nicht durchhalten können, glaube ich. Gottseidank ist sowohl meine Familie, wie auch die meiner Frau sofort zu Hilfe geeilt. Es klappt auch einigermaßen momentan, wobei ich mir schon viele Gedanken um die Zukunft mache, aber in letzter Zeit wenigstens ein wenig Mut und Selbstvertrauen gefasst habe...

Ich habe Dir eine PN geschrieben.

Liebe Grüße und vieeeel Kraft

Chinaski

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