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Migräne

B}uchlcingx88 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Mein Freund leidet häufig unter einseitigen (immer rechts) pochenden Kopfschmerzen mit Übelkeit und allem drum und dran. Man kann dann auch, wenn man die Finger auf seine Schläfe legt, das Pochen spüren. Die Ärztin hat Migräne diagnostiziert (ohne weitere Untersuchungen, also nur aufgrund seiner Schilderungen).

Jetzt nimmt er seit ein paar Monaten jeden Abend vorm schlafen gehen Triptyl 10 mg (Amitriptylin. Hydrochlorid), was auch hilft, die Häufigkeit nimmt dadurch stark ab. Sobald er die Tabletten aber mal nicht/unregelmäßig nimmt, kommt wieder ein Anfall. Für akute Anfälle nimmt er dann Miranax 550 mg (Naproxen).

Ich habe jetzt gelesen, dass Amitriptylin ein Antidepressivum ist – warum gibt man das denn bei Migräne? :-o Und gibt es keine andere Lösung, als jeden Tag diese Tabletten zu nehmen?

Ich mach mir ziemliche Sorgen, weil er vorher wirklich mehrmals pro Woche Anfälle hatte – muss man das ganze dann nicht noch weiter untersuchen?

Antworten
UPltioaEngeli


Ich habe jetzt gelesen, dass Amitriptylin ein Antidepressivum ist – warum gibt man das denn bei Migräne?

Vieleicht hilft es seinem Körper zu entspannen und wenn man entspannt ist hat man weniger Migräne. Ich bin auch so ein Migränefall und bekam damals Betablocker zur Vorbeugung. Und für abends bekam ich leichte Beruhigungstabletten. Ich konnte nachts wieder gut schlafen war ausgeruht und entspannt und hatte dadurch auch nur noch ca. 1-2 Mal im Jahr Migräne. Was dein Freund machen könnte wäre mal zu einem Neurologen zu gehen. Meistens haben die mehr Ahnung als ein normaler Hausarzt.

Kgors<texn


Huhu Buchling88,

ich habe selber Migräne und Spannungskopfschmerzen.

Migräne kann man nur durch Ausschluss-Diagnostik stellen. Das heißt man kann ein CT/MRT, EEG machen, um andere Krankheiten auszuschließen. Und durch die Anamnese(Krankheitsgeschichte) wird dann die Diagnose gestellt.

Für akute Migräneanfälle kann man statt/zusätzlich auch Triptane nehmen. Dies sind extra Migräne-Schmerzmittel. Sollte vom Neurologen verschrieben werden.

Antidepressiva werden verschrieben, da diese eine Serotonin-Ausscheidung verhindern. Ziel dieser medikamentösen Behandlung chronischer Schmerzen muss daher eine Wiederherstellung der Schmerzfilter sein. Durch eine bestimmte Medikamentenklasse können die Botenstoffe, insbesondere das Serotonin, im Hirnstamm wieder angereichert werden. Bei regelmäßiger Einnahme über einen Zeitraum von 6-9 Monaten füllen sich so die Speicher wieder auf, der Körper kann Schmerzen wieder selbständig ohne Hilfe von außen bewältigen.

Ich hoffe ich konnte deine Fragen beantworten

Gute Besserung

Kerstin

B7uchliEng8x8


Vielen Dank ihr beiden! Ich werde ihm auf jeden Fall sagen, dass er mal zu einem Neurologen soll, er wollte im August sowieso nochmal zum Arzt deswegen.

Das heißt, er sollte das Amitriptylin für etwa 6 – 9 Monate nehmen und dann mal schauen, ob es besser geworden ist? Und ist Naproxen nicht extra für Migräne? Die Ärztin hatte gemeint, das wären Migräne-Schmerzmittel... ":/

B?uc^hli]nxg88


Ah, ich hab die Tabletten verwechselt – Naproxen hat er vorher von nem anderen Arzt bekommen, jetzt hat er andere, die sind aber leer und er weiß den Namen nicht. Aber laut Ärztin Migräne-Schmerzmittel.

aglithMeaa


Amitriptylin wird auch bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen (z.B. Fibromyalgie) als Schmerzmedikament eingesetzt und ist deshalb nicht grundsätzlich verkehrt. Ich habe viele Jahre Migräne gehabt und mir haben nur Entspannung und Triptane geholfen. Ich kann Deinem Freund nur empfehlen, sich genau untersuchen zu lassen und vielleicht mal bei seiner Krankenkasse nach einem Migräneseminar zu fragen. Ich habe dort eine Menge über Migräne und was ich selbst tun kann (z.B. Ernährung) gelernt. Heilen kann man Migräne leider nicht, aber man kann lernen, sie anzunehmen und damit -besser- zu leben. Meine Migräne war zum Glück überwiegend hormonell bedingt und seitdem ich in den Wechseljahren bin, liege ich nur noch 1-2mal im Jahr flach. Für ganz schwere Fälle gibt es übrigens auch spezielle Schmerzzentren :)*

BOuchdlin6g88


Wir wohnen in Finnland, ich weiß nicht, ob es hier sowas gibt ":/

Die Tabletten sind übrigens Sumatriptan.

t4he-ca`ver


Die Ärztin hat Migräne diagnostiziert (ohne weitere Untersuchungen, also nur aufgrund seiner Schilderungen).

Das ist auch o.k. so: Für die Migräne gibt es klare Diagnosekriterien. Wenn diese zutreffen (kann man nachlesen z.B. bei www.ihs-klassifikation.de) und die körperlich-neurologische UNtersuchung unauffällig ist, braucht man keine weiteren Untersuchungen.

Migräne kann man nur durch Ausschluss-Diagnostik stellen. Das heißt man kann ein CT/MRT, EEG machen, um andere Krankheiten auszuschließen.

Falsch! Migräne ist eben keine Ausschlussdiagnose sondern wird nach klaren Regeln diagnostiziert (nachzulesen in jedem beliebigen Kopfschmerz-Lehrbuch oder im INternet in den Kopfschmerz-Leitlinien der dt. Gesellschaft für Neurologie). Bildgebung und EEG sind dazu in den allermeisten Fällen überflüssig, auch wenn sie in Deutschland viel zu oft gemacht werden. Unter den Bedingungen des finnischen Gesundheitswesens dürfte es ziemlich schwierig werden, solche überflüssigen Untersuchungen zu bekommen - aber wozu auch?

Amitriptylin wird, wie schon erwähnt wurde, auch zur Migränevorbeugung eingesetzt. Wenn der Freund mit 10mg täglich hinkommt, ist das ein Super-Erfolg, sollte man so weitermachen. Sumatriptan im Anfall ist o.k.

Trotzdem solte man natürlich auch nichtmedikamentöse Methoden der Vorbeugung nutzen, z.B.Entspannung, Ausdauersport und vor allem Identifiziren und Bearbeiten der persönlichen Anfallsauslöser (Stress, unregelmäßiger Tagesrhythmus, bestimmte Nahrungsmittel u.s.w). Viele Infos von einem der führenden deutschen Kopfschmerzexperten findet man auf [[www.migraene-schule.de]]

Grüße

B[uchl)ing88


Meinst du, man kann nach einer gewissen Zeit versuchen, das Amitriptylin wieder abzusetzen? Vielen Dank auf jeden Fall für die Seite, ich werd sie mir gleich mal anschauen.

körperlich-neurologische UNtersuchung

Was hätte den untersucht werden sollen? ":/ Oder hab ich dich da falsch verstanden?

mUoonnxight


was auch helfen würde um evtl. die ursache herauszufinden wann und woher er die migräne bekommt, wäre ein migränetagebuch zu führen.

t_he-caHver


Einen Absetzversuch macht man normalerweise nach etwa einem jahr. Erfolgreich verläuft das in der Regel aber nur dann, wenn sich in der Zwischenzeit etwas an den anfallsauslösenden Bedingungen geändert hat, also z.B: die Stresssituation bearbeitet wurde, der Tagesrhythmus regelmäßiger ist – ist ben je nach Auslöser unterschiedlich. Den Vorschlag mit dem Tagebuch kann man übrigens nur unterstützen, findest Du so auch in der "Migräne-Schule".

Klinisch-neurologische UNtersuchung: Das sind die Spielchen mit Hämmerchen, Lämpchen, Finger-zur-Nase u.s.w. Das trägt zur Diagnosefindeung in aller Regel nichts bei, schließt aber andere neurologische Erkrankungen mit guter Sicherheit aus. Ist also nur so eine Art Sicherheitsgurt, falls man mit der Diagnose doch mal danebengelegen haben sollte.

Grüße

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