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Komplettes Versagen der Muskulatur

pJitth.s hat die Diskussion gestartet


Sehr geehrte Doktoren,

meine Frau liegt seit dem 10.11.11 stationär in einer psychiatrischen Fachklinik. Diagnose Katatoner Stupor (ICD-10: F20.2) Katatone Schizophrenie

Meine Frau brach am 10.10.11 zusammen und hatte keine Kontrolle mehr über ihren Körper. Keine Verkrampfungen, sondern eher schlapp, also regungslos. Selbst Mund und Augen konnten nicht kontrolliert werden, obwohl Sie weitestgehend mitbekam was passierte, aber nicht antworten konnte! Der Körper war wie resetet. Kein Muskel angespannt oder kontrollierbar. Am 10.11.11 passierte dies ähnlich als sie im Bett lag und sie dachte sie bekäme eine Grippe. Am 16.11.12 in der Klinik legte sie sich kurz hin, da sie sich plötzlich erschöpft fühlte und wurde nach einiger Zeit von einer Zimmergenossin gefunden. Sie versuchte meine Frau ohne Erfolg zum Mittagessen zu wecken. Die örtlichen Ärzte ließen Sie durch einen Notarzt in die Intensiv eines anderen Krankenhauses verlegen. CT, MRT des Kopfes und Echo des Herzen ohne Befund. Ist nun wieder in der psychiatrischen Fachklinik. Es gab bei allen Fällen keine vorgehenden Stresssituationen. Meine Frau hat keinerlei Warnvorstellungen oder ähnliches. Das einzige ist das Versagen der ganzen Motorik!

Ich bin mir nicht sicher, ob hier tatsächlich die richtige Diagnose gestellt wurde, oder ob hier nur wertvolle Zeit verloren geht und es auch ein Zeichen zum Vorläufer eines Schlaganfalls sein könnte.

Für eine Hilfestellung der scheinbar sehr seltenen Symptomatik wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Vielen Dank

P. Schunk

Antworten
m5idniightladuy4x1


hat man sie denn schon mal auf borelliose untersucht?

so ein bisseiner zecke kann schlimme folgen haben, auch im nervensystem.

ist nur so ein gedankevon mir.

Rtemju-lRa


Ursachen für Stupor können, zusätzlich zu dem was bei deiner Frau schon ausgeschlossen wurde, bestimmte Infektionen, bestimmte Vergiftungen, Vitamin D Mangel, und hypertensive Enzephalopathie sein. Ein komplettes Blutbild wurde ja gemacht, nehme ich mal an, also Organversagen ausgeschlossen?

g6arcPia75


wow,

mit den datumsangaben komme ich jetzt nicht ganz klar, liegt sie seit nov. 2011 ?

ist aber auch egal,

sie hatte im vorfeld keinerlei anzeichen ?

ich kenne eine frau, die auch an der störung litt, sie hatte aber im vorfeld massivste wahnvorstellungen, war in behandlung, auch medikamente und hatte schon lange vorher therapie. dann brach die katatone schizophrenie aus. es war ein sehr langer weg zurück in die realität. hat deine frau jetzt wahnvorstellungen ?

sei penetrant, sprech alle an die helfen könnten, hausarzt und co ...,

das hört sich schon alles sehr seltsam an ":/

_(ParEvatxi_


Irgendwie klingt das eher nach ein physischen und nicht nach einem psychischen Problem. Aber Ärzte machen gerne mal ein psychisches daraus, wenn sie nicht mehr weiter wissen...

Wie ging es denn deiner Frau bevor sie zusammen brach? Hatte sie schon vorher irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden? Zum Beispiel Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen o.ä.? Hat sie Vorerkrankungen? Hat sie irgendwelche Medikamente eingenommen? Hat sie mal eine Zecke gebissen? (Den Gedanken mit der Borreliose, der hier schon aufgeführt wurde, würde ich auch mal nachgehen.) Sind Nährstoffmängel mal ausgeschlossen worden?

Wie alt ist deine Frau?

prittx.s


Erst mal vielen Dank für die doch recht prompte Beteiligung.

Dann hier noch ein paar angefragte Punkte. Meine Frau ist 44 Jahre, die Blutwerte sind unauffällig.

Keinerlei vorherige Medikamenteneinnahme. Ansonsten sind auch keine Vorerkrankungen bekannt.

Zeckenbisse sind nicht bekannt, hatten wir auch schon in Frage genommen, aber keinen Nachweis für erhalten. Das Einzige was 2 Tage vor dem ersten Vorfall zu erwähnen wäre, ist eine Grippeschutzimpfung. Auch die hatte wir auf der Liste.

Meine Frau hatte eine längere Zeit Stress, da ich 8 Jahre von einer Trigeminusneuralgie geplagt war, unsere Jungs (17+19) nicht im unproblematischen Alter sind und auch Teilweise Stress auf Ihrer Arbeit (Gesundheitsbranche) hatte. Alles hatte sich nun langsam normalisiert, da meine Trigeminusneuralgie erfolgreich behandelt wurde, unsere Jungs und auf der Arbeit mehr Ruhe eintrat. Sie Blüte immer mehr auf, bis dann von jetzt auf gleich dieser Zusammenbruch kam.

Es gab keinerlei Vorzeichen! Wir, die Familie gingen eigentlich lange Zeit von einem Burnout aus. Die Ärzte in der psychiatrischen Fachklinik schossen sich aber schnell auf Katatone Stupor ein.

Dagegen spricht aber, dass Sie keinerlei Verkrampfungen hatte, eher im Gegenteil. Als ich Sie das erste man in der Wohnung liegend vorfand und ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste was mit ihr ist, brachte ich Sie in die Schocklage. Sie konnte die Beine nicht hochhalten, wir mussten sie festhalten, damit sie nicht vom Hocker rutschten. Genauso verhielt es sich mit den Armen, die immer wieder von der Couch rutschen wollte. Als ich sie zuvor die Treppe rauf trug, lag sie wie ein lebloser Körper in meinen Armen, also keinerlei Anzeichen für Verkrampfungen. Auch die von dem ersten Arzt in der Klinik gestellte erste Diagnose, Katatone Schizophrenie scheidet meiner Meinung nach aus, da wir keinerlei Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen o.ä., weder vorher noch während dieser aktuellen Phase feststellen konnten. Burnout ist für uns noch nicht vom Tisch, wurde von den Ärzten aber auch noch nicht näher in Betracht gezogen. TIA (Transitorische ischämische Attacke) wäre auch noch eine Vermutung, auch wenn dort meist von halbseitigen Problemen die Rede ist! Das könnte immerhin ein Vorbote für einen Schlaganfall sein. Diese Zustände halten dann zwischen 2-3 Stunden an, dann bekommt sie vom Kopf an zu den Füßen nach und nach die Kontrolle zurück. Das dauert ca. 20-30 Min., dann ist Sie zwar für ein paar Stunden körperlich noch sehr schwach, hat aber dann alles wieder uneingeschränkt unter Kontrolle.

_uPa`rvati_


Diese Zustände halten dann zwischen 2-3 Stunden an, dann bekommt sie vom Kopf an zu den Füßen nach und nach die Kontrolle zurück. Das dauert ca. 20-30 Min., dann ist Sie zwar für ein paar Stunden körperlich noch sehr schwach, hat aber dann alles wieder uneingeschränkt unter Kontrolle.

Aha, das hast du anfangs ja gar nicht erwähnt... Ist mal Epilepsie ausgeschlossen worden?

Annsonsten hätte ich jetzt nur noch den Tipp eventuell eine Klinik aufzusuchen, die aich auf seltene Erkrankungen spezialisiert hat. In Tübingen gibt es z.B. eine.

S|unflo/werx_73


Es gibt mehrere Unterarten von Schizophrenie – nicht immer hat man die klassischen Wahnvorstellungen! Es gibt eben auch diese Formen, wo jemand einfach komplett "weg" ist.

Außerdem kann so ein körperliches Totalversagen auch im Rahmen einer heftigen Depression auftreten; diese gar maskieren. Das würde dazu passen, dass ihr selber schon auf Burout getippt hat. Sie war im Vorfeld des Geschehens also NICHT völlig fit/gesund?!

Eine Ischämie dauert nicht STUNDEN/TAGE/WOCHEN an; ist somit also eher unwahrscheinlich.

Hier kam der Verdacht auf, dass man die Symptomatik vorschnell als "psychisch" einstuft. Ja, grundsätzlich besteht das Risiko. Aber es ist einiges an Diagnostik gelaufen. So ein Stupor ist (relativ) selten und auch durchaus bedrohlich (Ernährungssituation!), so dass da keine Psychiatrie vorschnell zu dieser Diagnose greift. Man erlebt das auch in der Psychiatrie seltener als viele andere Dinge, so dass man immer sehr genau abklärt.

Was sagen denn die Ärzte, abgsehen von der Diagnose? Was sagen sie zu den wachen Phasen; was zum weiteren Vorgehen? Wie sieht aktuell die Behandlung aus? Die "wachen" Phasen könnten ja darauf hinweisen, dass die (medikamentöse) Behandlung anschlägt.

Ansonsten:

Als Laie einen Stupor zu verstehen, ist extrem schwer. Ich würde den Begriff "Schizophrenie" erstmal ausklammern, weil er hier nicht zielführend ist (weil der Laie mit Schizophrenie halt Wahn und bizarres Verhalten verbindet). Stupor kann – wie gesagt – auch bei schwersten Depressionen auftreten. Was zum Burnout-Verdacht passt.

Momentan bleibt leider nur abwarten und abklären, wie die Behandlung aussehen soll.

Wenn es eine kleine Psychiatrie ist und Du nicht zufrieden: Veranlasse ggf. eine Verlegung in eine große Psychiatrie einer Uniklinik.

Aber blende Schizophrenie und vorhandene Vorurteile aus. Und frage Dich (das meine ich jetzt völlig neutral), inwieweit DU ein Problem damit hast, die (seltene, angsterregende, befremdliche) Diagnose "Stupor" zu akzeptieren.

Wenn CT und MRT gemacht worden sind, sind hirnorganische Ursachen (= Schlaganfallrisiko) auszuschließen. Das hätte man gesehen.

Sprich' offen mit den Ärzten über Deine Zweifel... frage genau nach, was im Hintergrund an Labordiagnostik etc. gelaufen ist. Suche das Gespräch – aber akzeptiere auch, dass es wirklich rein psychisch sein kann. Zumal eine doch umfassende Diagnostik gelaufen ist. Die Psyche ist mächtig... und "interessant" finde ich, dass es erst IN der Klinik, beim zur-Ruhe-Kommen, zum Stupor kam. Es kann gut sein, dass Klinikaufnahme, Distanz zu einigen Problemen bzw. Bewusstwerden zu diesem Komplett-Zusammenbruch geführt haben.

Alles Gute!

S`unfl'owerN_73


Schau mal hier (Ursachen für Stupor):

[[http://flexikon.doccheck.com/Stupor]]

Die Ursachen wurden via CT/MRT und (vermutlich/höchstwahrscheinlich) Blutbild ausgeschlossen.

Rqemwux-la


"interessant" finde ich, dass es erst IN der Klinik, beim zur-Ruhe-Kommen, zum Stupor kam.

Mmmh, er sagt aber dass es zum ersten mal zu Hause passiert ist.

Ist sie denn bei Bewusstsein wenn sie die Kontrolle über ihren Körper verliert? Dann ist es ja kein echter Stupor, oder? Soweit ich es verstehe (kann natürlich verkehrt sein) gibt es beim Stupor kaum Reaktionen, nur bei starken Reizen.

Nässt sie sich auch ein dabei? Oder betrifft es nur die grossen Muskeln, also Arme, Beine, Hals etc?

Du solltest die Ärzte genauestens befragen welche Labortests gemacht wuden, ob seltene Infektionen und Mangelerscheinugen ausgeschlossen wurden.

_>Paprvagti_


Vielleicht kannst du ja auch mal ein aktuelles Blutbild von ihr hier rein stellen. Man kann sich eine Kopie ausstellen lassen. Dazu hat man einen Anspruch.

Ich weiß nicht, ob vielleicht auch eine Funikuläre Myelose in Betracht kommen könnte ":/

S[un,flYower_7X3


Beim Stupor ist man völlig wach und bewusstseinsklar, nur kommt es halt zum völligen Aktivitätsverlust. Siehe auch mein Link zum DocCheck Flexicon ([[http://flexikon.doccheck.com/Stupor)]].

Ursachen:

Stupor tritt bei einer Reihe von vorwiegend psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen auf:

- Schizophrenie (Katatonie)

- Depression

- Hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS)

- Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)

- Morbus Parkinson

- Konversionsneurose

- Enzephalitis

- Akute Porphyrie

- Azidose (diabetische Ketoazidose)

- Hepatische Enzephalopathie (Leberzirrhose)

- Hyperkalzämie

Eine weitere häufige Ursache des Stupors ist die unkontrollierte Einnahme von Hypnotika (Benzodiazepine, Barbiturate) und hochpotenter Opioid-Analgetika (z.B. Morphin).

Aufgr. von MRT, CT und (hoffentlich!) entsprechendem Blutbild dürften diese Ursachen ausgeschlossen worden sein. Aber eine Ketoazidose, eine Leberzirrhose und auch die Hyperkalzämie findet man schnell.

pQittx.s


Vielen Dank vor allem für die teils sehr umfangreichen Ausführungen.

Kann heute nicht alles beantworten, werde mich auf die hier angesprochenen Fragen aber kundig machen und auch ein Blutbild besorgen.

Ich verstand unter einem Stupor eigentlich eine Art Starre, meine Frau ist aber eher wie ein Wackelpudding, total relaxst! Es ist ja auch nicht das erste Mal in der Klinik aufgetreten, sondern erst das dritte Mal. Sie hat in dieser Phase keine Temperatur und der Kreislauf ist normal.

@ Remu-la

Meines erachtens alle Muskel, denn Mund und Augen sind zunächst auch nicht kontrollierbar. Sie sagte immer "ich wollte was sagen, aber es ging nicht".

Einnässen tut sie auch nicht.

@ Sunflower_73

Zitat: Eine Ischämie dauert nicht STUNDEN/TAGE/WOCHEN an; ist somit also eher unwahrscheinlich.

////

Ich hatte das TIA aufgrund dieses Eintrags nicht ausgeschlossen:

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Transitorische_isch%C3%A4mische_Attacke]]

Auszug:

Eine TIA dauert definitionsgemäß nicht länger als 24 Stunden; bis dahin haben sich alle Symptome zurückgebildet. Meist geschieht dies allerdings schon während der ersten 1–2 Stunden, weshalb zur Zeit Diskussionen über eine neue Definition der TIA im Gange sind.

Die Diagnostik der TIA ist aber nicht nur durch die kurze Dauer der Symptome, sondern auch durch mehrere mögliche Differentialdiagnosen erschwert. Meist sind die Symptome bei Einlieferung ins Krankenhaus schon abgeklungen und auch bildgebende Verfahren können keine eindeutige Diagnose liefern, wobei das MRT mit Diffusionsgewichtung (50 % Sensitivität) die beste Untersuchung darstellt.

Das würde aber bedeuten, das ein MRT zum verspäteten Zeitpunkt unnütz bzw. in diesem Fall nicht aussagekräftig ist, oder? Das erste CT wurde eine Woche nach dem zweiten Vorfall und das MRT zwei Wochen nach dem CT (also Drei Wochen später) gemacht.

sichne cke1/98x5


Ich bin auch nur Laie aber bei mir hat bei der Beschreibung dieser Satz angesprungen:

Diese Zustände halten dann zwischen 2-3 Stunden an, dann bekommt sie vom Kopf an zu den Füßen nach und nach die Kontrolle zurück. Das dauert ca. 20-30 Min., dann ist Sie zwar für ein paar Stunden körperlich noch sehr schwach, hat aber dann alles wieder uneingeschränkt unter Kontrolle

Eine Freundin von mir leidet unter gelegentlichen epileptischen Anfällen und diese Schilderung hat mich an ihre Erzählungen erinnert. Soweit ich weiß gibt es sehr viele verschiedene Formen der Epilepsie, die sich unterschiedlich äußern. Nur so als Anregung @:)

bIud?dleuia


Gibt es auch ein Angio-MR, eine Gefäßdarstellung der Gefäße im Kopf?

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