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Vater hatte Schlaganfall, Aphasie, suche Rat und Hilfe

S-uspanqne75 hat die Diskussion gestartet


Guten Abend *:)

Ich habe zwar in einem anderen Faden den Schlaganfall schon angesprochen, weil er da gerade frisch passiert war und ich in meiner Situation (frisch getrennt und schwanger) in diesem Moment auch in meinem bereits eröffneten Faden schreiben wollte – jedoch brauche ich bezüglich meines Vaters und der wahnsinnigen Betroffenheit noch mehr Rat und Hilfe und habe mir heute ein Herz gefasst und noch ein Thema eröffnet.

Dieser Schlaganfall hat in unser aller Leben ein riesen Durcheinander und Trauer gebracht. Mein lebenslustiger und fröhlicher Vater ist seit drei Wochen auf dem Stand eines fünf-jährigen.

Sein Sprechen ist ein furchtbares 'Kauderwelsch', was zu einer Wernicke-Aphasie auch passt. Es ist nicht sein Sprachzentrum kaputt, sondern sein Sprachverständis-Zentrum.

Er bekommt jetzt zwar Therapie, aber es ist sehr, sehr schwer, es länger als zwei Stunden im Krankenhaus auszuhalten. Versteht mich nicht falsch- ich würde mir am Liebsten ein Zimmer in der Stadt nehmen, um täglich bei ihm zu sein..

Aber es ist wahnsinnig anstrengend für beide Seiten, sich zu unterhalten. Das Schlimmste- man sieht ihm die Verzweiflung an, wenn man wieder kein einziges Wort oder zumindest das Anliegen verstehen konnte.

Denn zu seiner Diagnose gehört, das er das teilweise nicht weiss, das er eine völlig fremde Sprache und verdrehte Wörter spricht.

Nun mangelt es uns eigentlich Allen nicht an Phantasie, zumal wir unseren Vater ja auch gut kennen.

Manchmal kann man an Mimik und Gestik erahnen, was er meint.. Ich bin so traurig. Nun, wo sein Enkel unterwegs ist, kann er sich gar nicht mehr freuen und ich schon gar nicht.

Ich sage mir zwar immer, es ist erst drei Wochen her und was sich alles noch durch Therapie und Zeit geben kann, aber den Vater, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand und mit dem ich über alles reden konnte, ist ja definitiv erstmal weg!

Gibt es Schlaganfall-Betroffene oder Angehörige hier, die sich mit mir austauschen können und noch Tipps und Hilfe haben? Danke @:)

Antworten
G>egen_NdiNe_Zeit


Hast eine PN

SSusan6ne7x5


@ gegen_die_zeit

vielen dank nochmal für deine hilfreiche pn! @:)

":/ keiner weiter?

S)chlitzafugex67


Leider kann Dir niemand sagen, ob es durch Therapie besser wird oder nicht.

In meiner Familie war es leider nicht so, dass eine wesentliche Verbesserung eintrat. Wahrscheinlich schon deshalb nicht, weil die Konzentration für die Übungen nicht da war, die Ungeduld zu starken zornigen Ausbrüchen führte und ein MItmachen nicht wirklich gegeben war. Es war eine sehr schwere Zeit damals, die uns an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.

Ich wünsche Dir viel Kraft und ich kann nur dazu raten, sehr auf sich selbst zu achten, um nicht selbst daran kaputt zu gehen. Sprich: Pflege u. U. in entsprechender Einrichtung.

SPunflXower_x73


Leider entwickelt sich jeder Schlaganfall unterschiedlich... Wichtig ist jetzt, dass Dein Vater motiviert bleibt. Und eine intensive Betreuung durch Neuropsychologen und Logopäden mit täglichem Training. Auch Übungen, die scheinbar nichts mit dem Sprachverständnig zu tun haben, können Effekte haben. Da sollte man wirklich mitmachen.

Ist er noch im Krankenhaus? Dann wäre im Anschluss direkt eine stationäre Reha wichtig, in einem Zentrum, wo es Neuropsychologen gibt.

Ich wünsche Euch alles Gute! Wenn Dir die Besuche zu anstrengend werden, halte sie so kurz/lang, wie es halt geht. Das darfst Du!

Es kann auch passieren, dass sich Persönlichkeit und Stimmung Deines Vaters verändern. Da ist es wichtig, geduldig zu bleiben, sich nicht alles gefallen zu lassen – aber Dinge auch nicht persönlich zu nehmen.

Mein Vater hatte mit 39 einen Schlaganfall, da war ich 8: Halbseitenlähmung, Augenlicht linksseitig weg, Sprachstörungen (auch Wernicke). Gut, er war jung, aber: Die Lähmung hat sich noch in der Klinik gebessert, das mit dem Auge hat sich nicht mehr gebessert, die Sprache war auch zu 99% wieder gut. Er verwechselt gelegentlich mal Wörter bzw. verwendet v.a. bei Fremdwörten mal falsche Wörter.

Der Reha-Prozess hat aber EIN Jahr gedauert, in dem es bergauf ging (allerdings nicht immer konstant). Er konnte danach in seinen Beruf zurück und ist jetzt 70.

Man braucht unglaublich viel Geduld und muss auch ziemlich leidensfähig sein, weil man selber so hilflos ist und der Betroffene ja auch. Da helfen oft Gespräche mit den Ärzten und in der Reha dann auch mit den behandelnden Therapeuten der verschiedensten Berufsgruppen.

S5unfMlowe6r_7x3


Wahrscheinlich schon deshalb nicht, weil die Konzentration für die Übungen nicht da war, die Ungeduld zu starken zornigen Ausbrüchen führte und ein MItmachen nicht wirklich gegeben war. Es war eine sehr schwere Zeit damals, die uns an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.

Die Konzentration kann man langsam versuchen aufzubauen. Problematischer sind die Ungeduld und die Ausbrüche. Mein Vater hatte das auch. Wollte in der Ergo "keine Erbsen sortieren" (es ging halt um Feinmotorik). Hat die Therapeuten beschimpft, dass sie ihn kaputtmachen wollen. Ist 2x sogar aus der Klinik abgehauen. Also völlig absurd.

Leider waren einige dieser Persönlichkeitsveränderungen dauerhaft, d.h. Jähzorn, Aggression und Ungeduld sind so geblieben, was es für uns alle seit über 30 Jahren doch schwierig macht. Jetzt setzt sich eine beginnende Demenz drauf und durch den allg. altersbedingten Hirnabbau treten die Folgen der Hirnschäden durch den Schlaganfall (einige Areal sind halt tot) deutlicher zu Tage.

pchoebxe


Ich kenne Leute, die vollständig wiederhergestellt wurden!

Wichtig ist das er diese Therapie macht, das es ihm gut tut und auch fordert. Natürlich musst du auch auf dich selber achten, denn wenn man sich selbst kaputt macht ist man keine Hilfe mehr. Tatsache ist aber, das es gut ist, dass er jemanden hat. Schau dich in Schlaganfall Foren um und erkundige dich was es für Hilfen und Therapien gibt. Alles Glück dieser Welt wünsche ich dir!

b%right%&shixny


Hallo Susanne75

Ich sage mir zwar immer, es ist erst drei Wochen her und was sich alles noch durch Therapie und Zeit geben kann, aber den Vater, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand und mit dem ich über alles reden konnte, ist ja definitiv erstmal weg!

das kenne ich nur zu gut :)_ man braucht viel Geduld. Die Therapie ist jetzt sehr wichtig und das er das kommende Risiko-Jahr übersteht und gut auf Tabletten eingestellt ist.

Mein Vater hatte einen schweren rechtsseitigen Schlag, ein Arzt erklärte uns damals das wäre Glück im Unglück weil bei ihm das Sprachzentrum nicht geschädigt ist, aber dafür die Motorik schwieriger herzustellen ist. Er ist seit elf Jahren linksseitig gelähmt, seit 2006 pflege ich ihn und manchmal ist es schwer, meistens haben wir aber viel Spaß zusammen.

Konzentriere dich auf deine Schwangerschaft und sei geduldig, dass kann nach der Therapie schon ganz anders sein bei ihm und danach geht alles Schritt für Schritt weiter :)*

SEusanMne75


@ Alle

Danke erstmal für Eure Nachrichten. Seit dem Schlaganfall bin ich im ständigen Kontakt mit dem Schlaganfall-Stützpunkt in der Charité Berlin, welche uns bisher gut zumindest durch die medizinischen Notwendigkeiten begleitet haben.

Aber das ersetzt natürlich kein Teilen mit Betroffenen und deren Angehörigen. Da wäre mir jetzt ein Austausch ganz wichtig.

Es ist zwar einen sehr komplexe Erkrankung und so wenig abzusehen, wann, was oder ob überhaupt wieder kommt.

Aber die Kraft, in eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Angehörige zu gehen, habe ich jetzt einfach nicht die Kraft.

Durch meine Situation bin ich sehr geschwächt und traurig. Das bisschen Kraft, was ich noch habe, muss ich nun auf die Schwangerschaft und meinen Vater verteilen.. ziemlicher Balanceakt.

Und richtig, einige haben erkannt, dass ich damit recht alleine dastehe in unserer Familie. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und richtiger Austausch mit allen Sorgen und Ängsten ist oft mit Aggressivität begleitet, weil sich jeder als 'der Leidenste' sieht.

Dabei geht es ja darum, das meinem Vater jetzt optimal geholfen wird – gut, darin sind wir uns alle zumindest einig.

Aber das ich z.B. nicht jeden 2. Tag mit meinem runden Bauch über eine Stunde mich durch Berlin quälen kann zum Krankenhaus, da kommt nie mal eine anerkennendes Statement oder nur ganz am Rande.

Das macht einen schon nachdenklich und müde. Ich arbeite zurzeit nicht- aber rechtfertigt das, dass ich als dauer-einsetzbar gesehen werde? :|N

bBlaptt:lauxs


Aber das ersetzt natürlich kein Teilen mit Betroffenen und deren Angehörigen. Da wäre mir jetzt ein Austausch ganz wichtig.

Frag mal in so Informationsstellen für Selbsthilfegruppen. Aphasiegruppen gibt es fast überall, die können euch auch beraten zu Therapeuten usw.!

Es braucht viel Geduld. Ich kenne einige Patienten, teilweise aus der Selbsthilfegruppe. Zwei sprechen nach ca. 5 Jahren wieder ziemlich unauffällig bis auf gelegentliche Aussetzer. Einer hat nach 10 Jahren noch große Probleme, einen vollständigen kurzen Satz hinzukriegen. Eine konnte 2 Jahre lang nur "ja" und "nein" sagen, spricht heute nach 6 Jahren wieder recht gut, nur Schreiben geht kaum (Probleme haben alle damit mehr oder weniger, "mit dem Weg vom Kopf in die Finger").

Wegen Depression in Behandlung ist etwa die Hälfte der Patienten.

STunf.lowerx_73


Nein, das rechtfertigt es nicht.

Daher: Tu, was DU kannst. Vermutlich wird es Leute geben, denen man es eh nicht recht machen kann. Wenn DU aber langfristig engagiert sein und bleiben willst, musst Du mit Deinen Kräften haushalten. Es nutzt niemandem, wenn Du Dich reinhängst und dann zusammenklappst. Oder wg. vorzeitiger Wehen Bettruhe bekommst. Oder oder oder.

Tu das, was DU für angemessen UND machbar hältst. Die anderen können ja gerne mehr tun.

Fehlende Kommunikation hat oft was mit eigenen Ängsten und Verunsicherungen zu tun... Könnt ihr darüber sprechen? Mein Vater redet bspw. bis heute (fast 5 Jahre) NULL über die Darmkrebserkrankung meiner Mutter und wird vor jedem Kontrolltermin massiv aggressiv. Das ist bitter, aber da muss dann jeder für sich (ich als Tochter, meine Ma als Betroffene) sehen, wo man mit den Sachen bleibt. Wer einen wirklich versteht. Leider zeigt sich in solchen Situationen immer auch, was der eigene Freundeskreis taugt.

Halte durch – aber pass' auch auf Dich und den Wurm auf. Du kannst so direkt NICHTS für Deinen Vater tun. Du besuchst ihn so gut es geht. Du bist mit den Behandlern in Kontakt. Du kannst nicht jede einzelne Therapie übernehmen.

Und (gerade wenn Dein Vater mal mies drauf ist etc.): Oft können die professionellen Therapeuten eh besser motivieren und den sprichwörtlichen Popotritt verpassen, weil die ggf. folgende Kritik etc. mehr an ihnen abprallt als an einem Angehörigen, der es dann persönlich nimmt.

Du kannst nun mal nicht 24 im Krankenhaus Händchen halten. Du hast weder die Zeit noch geht es gesundheitlich bei Dir. Und kräftemäßig auch nicht.

Das, was DU tust bzw. das, was bei DIR geht, das ist GUT GENUG. Es mag nicht perfekt sein, man möchte vielleicht selber mehr tun können. Aber man kann es nicht. Und "gut genug" ist nicht perfekt, aber eben gut genug. Und dauerhafter leistbar.

S/unnflowerx_73


Aber die Kraft, in eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Angehörige zu gehen, habe ich jetzt einfach nicht

Da zieht man sich ja ggf. auch viel Leid der anderen mit an Land. Für mich wäre es auch nichts. Für mich sind dann Bekannte besser, die MICH verstehen und sich meine Zweifel etc. anhören und damit umgehen können. Ohne dass ich im Gegenzug von der Seite zum selben Thema noch mehr Probleme aufgeladen bekomme.

SHG ist ggf. langfristig was, wenn es an den Alltag mit Deinem Vater geht. Aber aktuell solltest Du erstmal bei DIR bleiben. V.a. wenn Du selber merkst, dass Du da Hemmungen hast bzgl. der SHG; Dir die Kraft fehlt. Das sagt doch alles. Vertraue auf dne Instinkt!

TZestgralxe


KONSEQUENTE therapie ist das A und O. Logopädie und Physikalische Thearpie, Misserfolge IGNORIEREN, nur die Fotschritte Zählen und sich auch am kleinnsten Fortschritt freuen!!!

b0lasttlauxs


Aber die Kraft, in eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Angehörige zu gehen, habe ich jetzt einfach nicht die Kraft.

Das wäre zumindest zum jetzigen Zeitpunkt auch nix, du musst zumindest derzeit andere Prioritäten setzen.

Ich meinte nur, man kann sich (auch telefonisch) bei Leuten dort Infos holen, z.B. zu guten Rehakliniken in der Region, Therapeuten...

S~us:anneH75


@ blattlaus

Es braucht viel Geduld. Ich kenne einige Patienten, teilweise aus der Selbsthilfegruppe. Zwei sprechen nach ca. 5 Jahren wieder ziemlich unauffällig bis auf gelegentliche Aussetzer. Einer hat nach 10 Jahren noch große Probleme, einen vollständigen kurzen Satz hinzukriegen. Eine konnte 2 Jahre lang nur "ja" und "nein" sagen, spricht heute nach 6 Jahren wieder recht gut, nur Schreiben geht kaum (Probleme haben alle damit mehr oder weniger, "mit dem Weg vom Kopf in die Finger").

Ja, das braucht es wohl, viel Geduld. Der behandelnde Arzt sagte mir noch, dass es auch ein gewaltiger Unterschied ist, ob ein Schlaganfall-Patient Vorerkrankungen hatte und wie alt er ist.

Bei meinem Vater ist so, das er schon vorher Vorhofflimmern hatte und auch ziemlich viele Medikamente einnehmen musste.

Davon wurde jetzt schon ordentlich reduziert. Es war Vieles unmöglich eingestellt und hat zusätzlich zu Verwirrungszuständen geführt.

Bei ihm ist es derzeit so: Mal quält man sich durch endlose 2h Besuch und kann nur per Augen und Körpersprache eine Art Nähe herstellen, weil KEIN einziges Wort auch nur annährend zu verstehen/umzulegen ist.

Dann wieder gibt es Tage, da spricht er Sätze, als hätte es nie einen Schlaganfall gegeben. Dieses Wechselbad von Freude und erneutem Entsetzen musste ich in den letzten 4 Wochen häufig durchmachen.

Irgendwelche Synapsen greifen eben an manchen Tagen und dann eben wieder nicht. Grauenhaft!

Vor Allem gehört mein Vater zu diesen Aphasikern, die es vollständig merken!! Seine Augen sind manchmal derart traurig, das ich mich wegdrehen muss, um nicht vor ihm los zu heulen..

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