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Ich fühle mich vom Leben bestraft, weil ich MS habe

Jvaeal Sfaloxme hat die Diskussion gestartet


Hallo, :°(

Ich bin 22 Jahre alt und versuche mich kurz zu fassen:

- vor einigen Monaten sah ich auf einem Auge alles wie durch einen Schleier. Der Augenarzt diagnostizierte eine Sehnerventzündung.

- es folgte eine Untersuchung, die sich VEP nennt. Beurteilung: "Hinweis auf eine diskrete demyelinisierende Leitungsstörung."

- MRT-Aufnahmen des Kopfes zeigten fünf Entzündungsherde, drei davon haben eine Schrankenstörung. Beurteilung des Radiologen: "Es kann von einer ED ausgegangen werden. Weitere neurologische Diagnostik erforderlich."

- weitere neurologische Untersuchungen stehen noch an.

Da kein Arzt Klartext reden wollte und die Neurologen unerreichbar erscheinen, ging ich zu meinem Hausarzt und erfuhr: ED ist das gleiche wie MS!

Ich habe höchstwahrscheinlich MS. :-(

Was hinzu kommt: Ich habe starke irrationale Schuldgefühle. Ich fühle mich so, als hätte ich mir das selbst verursacht. Es trifft ja ausgerechnet mich, also muss ich doch irgendetwas getan haben. Ich denke fieberhaft darüber nach, womit ich das verdient haben könnte.

Obwohl ich weder an Götter noch ans Karma glaube, fühle ich mich vom Leben bestraft. Ich muss erwähnen, dass ich von Alkohol, Zigaretten und Drogen immer die Finger gelassen habe und ein einigermaßen gesundes Leben geführt habe und keinen Menschen wissentlich Leid zugefügt habe. Trotzdem fühle ich mich bestraft.

Von den ganzen anderen Ängsten (z.B. dass man in 5,7,10 Jahren zum Pflegefall werden könnte, weil die Therapie nicht anschlägt und man anderen Menschen zur Last fallen könnte, weil die Krankheit fortschreiten kann...) will ich gar nicht erst anfangen.

Gibt es vielleicht jemanden, der diese dreckigen und irrationalen Bestrafungs- und Schuldgefühle kennt? :°(

Antworten
J%aeol Sa)lome


Gibt es denn niemanden, der etwas dazu sagen kann? :-(

E=l&afRemMicih08/1x5


Na ja, du hast noch keine gesicherte Diagnose. Bisher gibt es nur Hinweise. Du sagst ja selber das noch weitere Untersuchungen ausstehen.

Darüber hinaus kann die Ursache alles mögliche sein. Aber ganz bestimmt ist es nicht irgendeine selbst eingeredete, diffuse "Schuld" deinerseits.

]:D 50 Jahre nicht rauchen und dann an Lungenkrebs sterben...

Aber ja, ED ist das gleiche wie MS, nur ein anderer Name dafür.

Ich drück dir auf jeden Fall alle Daumen. Aber warte erstmal die konkrete Diagnose ab.

Dqelp:hinxe


Das tut mir leid für dich. :)* Du musst jetzt positiv denken und daran glauben, dass alles gut wird. Leider ist das Leben ungerecht, manche saufen und rauchen ihr Leben lang und werden gesund 90 und andere erhalten in jungen Jahren so eine Diagnose. :°_

Das einzige, das du jetzt machen kannst, ist es den Ärzten zu vertrauen, dass sie die geeignete Therapie für dich finden. Ich kenne auch eine recht junge Person, die MS hat und ein recht normales Leben führt, da die Therapie gut anschlägt.

SEilberEmondpauge


@ Jael Salome

Du schreibst dass noch Untersuchungen anstehen. Ich hoffe, Dein Hausarzt hat Dir erklärt dass bei Dir der VERDACHT auf MS besteht.

Es kann auch eine einzelne Sehnerventzündung sein. Die einmal kam und dann nie wieder kommen wird.

Bei mir war auch mal der Verdacht auf MS. Da hieß es nur, es sei wohl eine Nervenkrankheit, welche, das müsse man herausfinden. Das Wort MS hat NIEMAND in den Mund genommen, erst hinterher erfuhr ich, dass der Verdacht bestand.

Und selbst wenn es MS IST:

a) landet längst nichg jeder im Rollstuhl

b) gibt es viele ältere Menschen die Pflege brauchen

c) ja auch ich hatte schonmal solch irrationale Ängste, in anderer Beziehung, ich denke, es gibt viele Leute mit solchen Ängsten (bestimmt meldet sich auch jemand hier). Wenn man sie nicht von selber wegbekommt dann kann eine Psychotherapie helfen.

A7pyhre>na


Liebe Jael Samone,

erst einmal tut es mir leid, dass es dich möglicherweise mit so einer schweren Krankheit treffen könnte. Du bist sehr jung und das ist sehr schwer. Ich verstehe deine Ängste sehr gut. Falls es doch wirklich MS ist, gibt es aber auch viele "gute" und sanfte Verläufe. Es muss nicht immer gleich so heftig sein. Nur ca. 20% aller MS-Kranken sitzen nach vielen vielen Jahren im Rollstuhl. Die anderen kommen ganz gut ohne aus. Einschränkungen wird es natürlich geben und Hilfe in manchen Dingen wirst du vielleicht auch brauchen. Aber vielleicht auch nicht oder nur sehr wenig. Gehe doch mal in eine MS-Forum. Die können dir sicher besser weiter helfen.

Zum Thema Schuldgefühle würde ich dir auch zu einer Therapie raten. Ich habe wegen zwei chronischen Krankheiten eine Schwerbehinderung von 50% und kann auch viel nicht mehr machen. Ausgelöst wurde das meiste durch meine Kindheit, ich hatte einen psychisch kranken und sexuell übergriffen Vater. Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich annehmen konnte, dass dies in meinem Leben passiert ist. So nach dem Motto "shit happens". Es war Scheiße und hat viel Folgen gehabt, allerdings gebe ich mir nicht mehr die Schuld dafür. Aber es war ein Stück harte Arbeit.

Meine persönliche Meinung ist, dass es eine Strafe solcher Art nicht gibt, weder von Gott noch vom Leben. Manches hier läuft nicht harmonisch, gesund, rund. Das ist im Tierreich so, und bei den Menschen auch. Du hast ganz ganz sicher niemals etwas falsch gemacht!!! Und es ist ganz ganz sicher keine Strafe. Es passiert eben. Manchmal kennt man die Ursachen (so wie ich), manchmal findet man sie nicht heraus, und manchmal gibt es keine.

Vielleicht hilft dir das ein bisschen. Ich drücke dich.

Liebe Grüße

A~pyrexna


... sorry: Salome

Sjab[rinaxA


Wie schon richtig geschrieben wurde, warte erstmal ab!

Ich verstehe deine Ängste.. so jung und schon so eine Diagnose.. ist nicht leicht. Aber sieh es, WENN es MS ist nicht als Strafe für irgendwas, da wirst ja nie wieder glücklich ;-)

Bei mir lief es sehr ähnlich, Schleier vorm Auge MRT, LP und so weiter, bis ich dann die Diagnose bestätigt hatte. War erstmal nicht einfach, ganz sicher nicht, aber man merkt auch, dass das Leben auch mit dem MistStück weiter geht ;-)

Ich sehe die MS mittlerweile als Stolperstein im Leben, der einem zwischendurch einfach mal in die Quere kommt. Dann stolpert man, fällt hin, steht wieder auf, richtet das Krönchen und weiter gehts ;-)

Und MS heißt nicht zwingend, dass man über kurz oder lang im Rollstuhl sitzt und zum Pflegefall wird. Ich selbst, habe davor gar keine Angst mehr.

Und nochmal: Warte erstmal ab.

Alles Gute :)*

Sabrina

RKio Gurandxe


Krankheitsbewältigung nennt man das was du durchmachst.

c6hKaot


Ja hofentlich bewäldigt sie es gut. Ich kann dir nur Kraft wünschen. :)*

Cparaamexla


Hallo Jael,

ich kann dich gut verstehen. Ich habe selbst MS seit etwa 2 Jahren, richtig gesichert (also mit Diagnose etc.) seit 3 Monaten. Das muss man erst mal sacken lassen, mich hat es erst mal extrem getroffen.

Auch dieses Hadern kenne ich gut - ich bin Vegetarier, lebe sehr gesund und habe mich immer bemüht, als guter Mensch durchs Leben zu gehen. Und dann sowas... :|N

Inzwischen habe ich Medikamente bekommen, bei gesicherter MS bekommst du dann normalerweise eine Basistherapie. Ich spritze mir jeden Tag Copaxone und nach einigen kleineren Anlaufschwierigkeiten klappt das gut und es geht mir besser.

Ich wünsche dir alles Gute - lass den Kopf nicht hängen. Du bist nicht allein, und MS ist zwar eine unheilbare Krankheit, aber inzwischen gut behandelbar.

B0reBmenwsie


ich bin 65 und habe die schleichende Form der MS. meine Diagnose habe ich 2010 bekommen. Die Beschwerden wie u.a. Gefühlsstörungen, Gangunsicherheit oder auch schnelle Ermüdbarkeit hatte ich aber schon 2013. Mein damaliger Neurologe hat gemeint ich hätte Polineuropathie.

Dann kam ich wegen eines Umzuges zu einer Neurologin. Die hat gleich nicht an Polineuropathie geglaubt. Ich zum gründlich durchecken ins KH. Heraus kam MS.

In der Wohnung kann ich mich noch ohne Hilfsmittel bewegen. Es gibt dort immer ein Möbelstück an dem ich mich zur Not festhalten kann.

Für draußen bin ich auf einen E-Rollstuhl angewiesen. Aber das ist für mich kein Grund mit dem Schicksal zu hadern. Wo andere sich in einem großen Einkaufscentrum die Füße platt laufen kann ich fahren.

Ich habe sogar vor gut einem Jahr einen Lebenspartner kennen gelernt der auch auf einen E-Rollstuhl angewiesen ist. Und nun rollen wir gemeinsam durchs Leben.

Ich habe vor 40 Jahren eine Sehnerventzündung gehabt. Da hat sich meine MS zum ersten Mal gemeldet. Ich bekam im KH damals eine Kortisonstoßtherapie. Ich habe den Arzt dort gefragt woher das käme und ob es wieder kommen kann. Er hat auf beide Fragen mit ich weiß nicht geantwortet. Ich habe auch meine Sehfähigkeit zu 100% wieder bekommen.

Meine MS hat dann sehr lange geschlummert bis sie sich dann seit 2013 immer mehr in mein Leben gedrängt hat.

Je eher du weißt ob du MS hast um so schneller kannst du mit einer Therapie anfangen. Und es gibt auch ganz milde Verläufe der MS.

Lass dich einfach mal von mir virtuell umarmen und dir so ein wenig Kraft und Stärke geben.

F6orev6er.Yiouros


Mein Mann hat mit Anfang 20 die ersten Schübe der MS gehabt, inkl. Diagnose. Weil danach nichts mehr kam, hat er auch nichts mehr getan und hatte für gut 16 Jahre Ruhe ohne irgendwelche Therapie. Vor zwei Jahren kam die MS wieder mit Kribbeln/Gefühlsstörungen. Der Linke Arm ist seitdem taub, dennoch hat er beihnahe die volle Motorik zurückgewohnen. Man merkt ihm nicht an, dass er im Arm sehr wenig spürt, lediglich Gitarrespielen ist nicht mehr möglich. Mittlerweile betreiben wir seit gut zwei Jahren die Interferontherapie.

Alles in einem geht es um aber gut! Keine nennenswerten Einschränkungen. Behinderungslevel auf der Skala 1 von 10, wg. der Gefühlsstörungen und das nach so vielen Jahren MS...

Lass dich von der Diagnose nicht verunsichern. Es kann genauso gut auch sehr milde verlaufen. Ebenso wie es jeden "gesunden" Menschen plötzlich mit einer schweren Erkankungen erwischen kann. Dein Leben bestimmst du, nicht die Krankheit. :-)

A+py?r`exna


Wie ist denn jetzt der aktuelle Stand?

J6aelI Saulxome


Ich habe eine Lumbalpunktion gemacht und eine MRT des Rückenmarks steht noch an. Die Ergebnisse kriege ich im Januar. Ich habe dem Neurologen gesagt, dass er sich ruhig Zeit lassen kann.

Ich bin mir sowieso ziemlich sicher, dass da nichts gutes bei rauskommt. :-(

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