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Schlaganfall-erst nach ca.9 bis 10 Stunden gefunden

c3alleN_laterxal


Als sonst Mitleserin habe ich mich nun angemeldet um dir ein bisschen Mut zu zusprechen. Ich weiß wie dir zumute sein muss. Deshalb möchte ich dir kurz meine Geschichte erzählen.

Mein Vater hatte letztes Jahr im September einen sehr schweren Schlaganfall mit 67 Jahren. Meine Mutter hat sofort gecheckt, was Sache ist und den Notarzt verständigt. Erschwerend zu der ganzen Situation ist es auch noch im Ausland während ihres Urlaubes passiert. Neben den Verständigungsprobleme wurde er in eine Uniklinik 80km entfernt vom Urlaubsort gebracht. Ich erwähne es nur um zu sagen, dass auch im Falle meines Vaters ein bisschen Zeit vergangen ist bevor er Hilfe bekam. Wobei ich sagen muss, dass ich denke, dass die Ärzte wirklich gut gehandelt haben. Leider hat er dann auf der Intensivstation noch eine Gehirnblutung und einen Krampfanfal erlittenl, infolge dessen er ins Koma gefallen ist. Laut der Ärzte hatte er eine minimale Überlebenschance und sie prophezeiten uns, wenn er es überlebt, dann nur als Schwerstpflegefall.

Nach knapp 3 Tagen ist er aus dem Koma erwacht. Er erkannte uns auf Anhieb und konnte zur großen Überraschung der Ärzte sogar sprechen, wenn auch noch nicht kraftvoll und nur einzelne Worte, aber er konnte. Seine rechte Körperseite war aber komplett gelähmt. Das er sprechen konnte und geistig scheinbar klar war, gab uns sehr große Hoffnung, dass er es nochmal geschafft hat.

Eine anschließende (leider auch verspätete Reha- durch den Umstand, dass es im Ausland passiert ist und mein Vater erst stabil genug für den Rücktransport sein musste) Reha von knapp 4 Monaten machte ihn wieder halbwegs mobil. Er ist nun seit Februar wieder Zuhause und bekommt weiterhin seine Therapien. Einen Rollstuhl braucht er trotz seiner Halbseitenlähmung nicht, denn er kann am Stock laufen. Natürlich sind lange Strecken kräftemäßig nicht möglich und er bewegt sich langsam. Aber auch Treppen kann er bewältigen, wenn es auf beiden Seiten einen Handlauf gibt. Den rechten Arm kann er leider noch nicht wirklich gebrauchen, geschweige denn seine Hand. Seine Sprache ist soweit gut bis auf teilweise noch starke Wortfindungsstörungen. Das Lese- und Schreibeverständnis hat er leider verloren, aber wir hoffen auf die Therapien. Es gibt immer mal wieder kleine Fortschritte und dann auch wieder Phasen, in denen alles etwas stagniert, was nicht nur für den Schlaganfallpatienten frustrierend ist.

Das wichtigste, was ich dir mitgeben kann und auch immer wieder üben muss, ist, GEDULD, GEDULD und nochmals GEDULD! Mittlerweile heißt es ja auch, dass auch Jahre später noch Fortschritte erfolgen können!

Alles braucht seine Zeit! Es ist nicht leicht seinen Vater plötzlich so hilflos zu sehen, aber man muss auch lernen, die Situation so anzunehmen. Es ist wichtig, für den Schlaganfallpatienten da zu sein, ihm Mut zu zusprechen, aber genauso wichtig ist, dass man sich auch als Angehöriger Hilfe sucht, denn es ist mitunter auch eine enorme Belastung für die Angehörigen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Geschichte etwas Mut machen! Gerne können wir auch in den Austausch über PN gehen, wenn du möchtest. Das kann in so einer schweren Zeit vielleicht ganz hilfreich sein.

Nun wünsche ich deinem Vater alles Gute, dass er es schafft und dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit. Wenn du Fragen hast, die ich evtl beantworten könnte, dann schreib jederzeit.

Alles Gute! :)*

Fxe.


Wie dir schon andere geschrieben haben, ist eine Vorhersage, welchen Zustand er erreichen wird, in solchen Fällen kaum möglich. Von "wacht nie wieder auf" bis "wird irgendwann vollständig genesen" ist so ziemlich alles möglich, aber eben nicht nur diese beiden Extrema, sondern auch alles mögliche dazwischen.

Sicher wäre es gut gewesen, wenn man ihn schneller gefunden und behandelt hätte - aber wir stehen ja nun (glücklicherweise) nicht rund um die Uhr unter Beobachtung, da kann sowas halt passieren. Ich hab mich auch schon an Orten rumgetrieben, wo man mich in so einem Fall bestenfalls nach zwei Wochen gefunden hätte. Und dann natürlich als Leiche...

Mach dir darum keinen Kopf, was geschehen ist, ist nun einmal geschehen, und das kann niemand mehr ändern.

Du musst jetzt nach vorne sehen, und da kann sich insbesondere in den nächsten 1, vielleicht 2 Jahren noch vieles tun. Irgendwann werden die Fortschritte dann immer langsamer und es tut sich kaum noch was.

Die erste Frage ist nun, ob er überhaupt jemals wieder aufwacht. Das kann durchaus auch in ein einigen Wochen noch geschehen. Die Frage der Reha stellt sich auch dann erst - solang er nicht wieder aufwacht, ist die Reha wohl ziemlich zwecklos.

E_hema<ligeKr NutzerL 6(#46948x5)


solang er nicht wieder aufwacht, ist die Reha wohl ziemlich zwecklos.

Das stimmt so nicht. Gerade die Frührehabilitation ist hier wichtig. Dafür gibt es neurolog. Rehakliniken mit Intensiv oder stroke unit

Fle.


@ Joker:

Dann weisst du es wohl besser als ich. Was macht denn eine solche Früh-Reha beim Komapatienten? (Offenbar Dinge, die in mein Bild von "Reha" nicht passten.)

Fre.


ok, Antwort erübrigt sich, habs mir angelesen. Das sind Dinge, die auch "Reha" heiße, aber in der Tat nicht in mein Bild von Rehabilitationsmaßnahmen passten.

E;hemhalBiger N5utzer` (#46=948x5)


Fe.

Es ist bei Komapatienten wichtig, soviele Reize wie möglich zu setzen. Und genau das passiert bei der Frührehabilitation.

Die Patienten werden täglich krankengymnastisch, ergotherapeutisch und logopädisch behandelt.

Logopädie macht Fazio-orale Therapie, Ergotherapie und Krankengymnastik arbeiten ähnlich.

Spastiklösende Lagerung z.B. oder auch Mobilisation in den Rollstuhl, Kreislauftraining, etc

Viele Komapatienten reagieren auf äußere Reize mit Schwitzen, Spastikzunahme oder -abnahme, Pulserhöhung oder -senkung.

M"oknsxti


Mein Vater hatte vor fünf Jahren - damals war er 83 - mehrere Schlaganfälle kurz hintereinander. Es geschah um Weihnachten, meine Eltern lebten damals das Winterhalbjahr über auf der Kanareninsel La Palma. Ein Besuch im Krankenhaus Santa Cruz brachte gar nichts, man erklärte meiner Mutter, mein Vater sei aufgrund seines Alters halt dement. Hilfe kam viel zu spät, nämlich erst über eine Woche später. Mein Vater ist seitdem 100%iger Pflegefall, kann kaum sprechen und Gesprochenes nur mühsam verstehen (langsam, laut und in ganz einfachen Sätzen sprechen). Seine Lähmungserscheinungen sind z.T. zurückgegangen. Heute ist er 88 Jahre alt. Ob er den kommenden Winter noch überlebt, weiß keiner.

cComUprexndre


Es tut schon weh, einen Menschen vorzufinden, der eigentlich nur noch eine Hülle darstellt.

Er wird wohl nicht mehr sprechen können.

M@atzKeBerli0n


Also von den Vorerkrankungen her, gab es jetzt nicht auffälliges und mit 62 ist es ja auch noch kein hohes Alter. Es war ein starker Schlaganfall der wohl die rechte Hirnhälfte zerstörte.

Die rechte Seite ist gelähmt und das Sprechen klappt leider nicht. Warnemungen sind wohl gegeben.

comprendre

Wenn das Sprachzentrum betroffen ist und die rechte Seite gelähmt ist, dann ist die linke Gehirnhälfte betroffen.

c~ompr7endxre


Es wird sich halt noch zeigen müssen, ob gewisse Funktionen noch von der anderen Hirnhälfte übernommen werden können.

JXul8i-~Sonnex_


Wie geht es deinem Vater denn?

c=omp/renxdre


Naja, was mir halt am meisten sorgen macht, ist das er halt gerade mal ja und nein sagen kann.

Ich bin zwar froh, daß wir ihn noch haben dürfen, allerdings tut er mir auch richtig leid.

Mit der Lähmung muss man wohl leben.

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