» »

Unterschied (leichte) Spastik/ Muskelkrämpfe?

pQelz,tiexr86


Sagt dir der Film "die Entdeckung der Unendlichkeit" etwas? Der handelt von der Lebensgeschichte von Stephen Hawking mit Konzentration auf seine Liebe zu Jane und seiner Erkrankung. Der Schauspieler spielt tatsächlich sehr gut (und hat zu Recht einen Oskar bekommen); wenn man ein wenig von der Materie versteht, so sieht man genau, dass er die Anfänge der Erkrankungen, den progressiven Ausfall der Funtkionen und der Spastik sehr realistisch und neurologisch korrekt darstellt.

Insofern kann das ein Lehrstück für alle ALS-Phobiker sein.

Am Anfang merkt er, dass er mit seiner Hand nicht mehr zielsicher greifen kann und auch die Kraft zum Halten einer Tasse fehlt, er hat starke Probleme Dinge vom Boden wieder aufzuheben. Dann fällt zunehmend das Schreiben an der Tafel schwer. Zudem beugen sich seine Finger unwillkürlich, was der Spastik der Flexoren/Beuger in den oberen Extremitäten geschuldet ist. Zeitgleich bleibt er aufgrund der Fuheberschwäche immer mehr mit einem Fuß an Treppen, Unebenheiten, beim schnelleren Laufen hängen bzw. "kleben"; rennen kann er nicht mehr (er verpasst beinahe einen Zug deswegen) und sein betroffenes Bein und sein betroffener Fuß drehen sich nach innen, da die Spastik eine Hüftadduktion und eine Fußinversion verursacht. Durch die Spastik der Extensoren in den unteren Extremitäten (vor allem im Knie und in der Hüfte) kann er zudem immer weniger die Fußheberschwäche mit einer stärkeren Beugung des Knies kompensieren, da das Knie unwillkürlich beim Auftreten gestreckt bleibt und sich nicht mehr beugen lässt.

Und dann breitet sich das ganze aus, bis schließlich auch die bulbäre Muskulatur betroffen ist...

Jedenfalls: wie du siehst, hat das, was du beschreibst, so gar nichts mit Spastik zu tun. Wann eine Spastik bei einer Erkrankung auftritt, hängt im Übrigen von der Erkrankung ab. Man kann nicht generell sagen, dass es ein Spätsymptom ist. Bei der klassischen ALS tritt eine leichte Spastik immer gleichzeitig mit dem Auftreten der Zeichen des unteren Motorneurons, insbesondere mit Paresen, auf. Bei anderen, selteneren Unterformen kann sich zunächst die Spastik und die spastische Lähmung bemerkbar machen. Wiederum bei anderen kommt die Spastik erst spät oder bei einer anderen Unterform gar nicht.

Ich selbst kenne eine leichte Spastik, die sich in unwillkürlichen Kontraktionen, wenn man eine gezielte, willkürliche Bewegung ausführen will, äußert und sie dadurch erschwert. Eine Spastik kann aber auch hilfreich sein, wenn die Muskeltonuserhöhung eine schlaffe Parese zum Teil kompensiert und so dem Betroffenen mehr Kraft zur Verfügug steht trotz der schlaffen Parese. Das ist bei mir auch der Fall. Ich hätte noch stärkere Einschränkungen/Gehbehinderungen, wenn ich meine Spastik nicht hätte.

Charakteristisch für eine Spastik ist zudem, dass je stärker und/oder schneller die Bewegung ausgeführt werden will, also der Muskel angespannt wird, desto stärker wird der Widerstand, der sich augrund der Kontraktion des Antagonisten ergeibt. Eine Spastik betrifft in den unteren Extremitäten meist vor allem die Extensoren, also die Strecker, in den oberen Extremitäten die Flexoren, also die Beuger. (Das hängt mit den ungehemmten Reflexen zusammen). Wann eine Spastik sich vor allem bemerkbar macht, und ob sie eher hilfreich ist oder die Funktion einschränkt, ist von der Körperposition, vom betreffenden Gliedmaß, dem Winkel und der Geschwindigkeit der Bewegung her abhängig.

Außerdem können wie bei mir Spasmen auftreten, kurze, unwillkürliche Muskelkontraktionen eines Muskels oder einer ganzen Muskelgruppe, die sich dann in unwillkürlichen Bewegungen (bei mir Beugung von Hüfte und Knie sowie Fußgelenk und Großzehe zum Körper hin) äußert.

p'elztDier86


Wann eine Spastik sich vor allem bemerkbar macht, und ob sie eher hilfreich ist oder die Funktion einschränkt, ist von der Körperposition, vom betreffenden Gliedmaß, dem Winkel und der Geschwindigkeit der Bewegung her abhängig.

Edit: Bei welchen Bewegungen eine Spastik sich vor allem bemerkbar macht, und ob sie eher hiflreich ist oder die Funkion einschränkt, ist von der Körperposition, vom betreffenden Gliedmaß, dem Winkel, und der Geschwindigkeit der Bewegung sowie der An- bzw. Abwesenheit einer (insbesondere schlaffen) Parese abhängig.

p1e7petxer


Pelztier, vielenvielen lieben Dank!!

Und auch vielen Dank an die anderen, das hat mir wirklich weitergeholfen!;

Gibt es denn auch"harnlose" Ursachen für spasmen? Wohl er nicht oder?

L*ucIi32


Für Spasmen gibt es durchaus auch harmlose Ursachen.

pWepetxer


Was denn zum Beispiel?

E)hemRa!ligZer Nu-tzer (#E469485)


Ist doch irrelevant, da Du ja keine Spastik hast. Wenn wir Dir jetzt die möglichen Ursachen für eine Spastik aufzählen fährst Du eh nur unnötiges Kopfkino

pOehlzti.erx86


Spasmen sind nicht dasselbe wie Spastik, obwohl die beiden Phänomene verwandt sind und zusammen auftreten können.

pReppeuter


Spasmen sind krämpfe (das hab ich) und spastiken das mit dem beuger und strecker rchtig?

Sind Spasmen auch ein ms Symptom?

L*uci3k2


Muskelspasmen können ohne Spastik auftreten auch in vollkommen gesunde Menschen. Spasmen können einfach bei einem Krampf auftreten. Bzw. ist quasi ein Krampf.

Spastik ist etwas ganz anders als Spasmen.

ERhemaliger N6utz(er (}#4694x85)


Und NEIN, auch Deine Spasmen sind KEIN MS-Symptom. Für MS benötigt es wesentlich mehr Symptome.

Hat denn jemand aus Deiner Familie MS oder warum bist Du so extrem dadrauf versteift?

E3hevma.liger 7Nutz er (#46948x5)


Also sagen wir es mal besser so:

Spasmen KÖNNEN bei MS auftreten, aber isolierte Spasmen, wie bei Dir, haben absolut NICHTS mit MS zu tun.

peepe>texr


Okay.

Danke!!

Ich habe trotzdem das Gefühl, meine eine Wade verkrampft total schnell bei Belastung.

Habt ihr eine Idee was das sein könnte?

p^elztie>rx86


Spasmen sind krämpfe

Nein, ganz genau genommen werden Spasmen von Krämpfen neurologisch gesehen getrennt, auch wenn sie manchmal als Synonym verwendet werden.

Du hast Muskelkrämpfe, also eine meist nur relativ kurz anhaltende und durch manuelle Manipulation lösbare Kontraktion eines Muskels. Dabei verhärtet sich die Muskulatur. Sie sind häufig in der Wadenmuskulatur zu finden. Krämpfe sind sehr häufig und per se harmlos.

Spasmen sind aber häufig repetitive, häufig durch Trigger auslösbare (z.b. durch Berührung bzw. andere sensorische Reize), mehr (Minuten) oder weniger (Sekunden) lang andauernde Kontraktionen meist von Muskelgruppen, die entweder in einer Bewegung, z.b. in einer Beugung von Knie, Hüfte und Fuß oder einer Streckung , z.b. der Beine, oder aber statisch und langanhaltender sind (tonischer Spasmus), resultieren, und nicht manuell lösbar sind.

Spasmen sind meist pathologisch; bei neurologischen Erkrankungen unterscheidet man zudem in Extensor und Flexor-Spasmen, je nachdem, ob der Spasmus eine Beugung oder eine Streckung des Gliedmaßes induziert. Und nein, das ist nicht zu verwechseln mit einer Extensor bzw. Flexor-Spastik, obwohl die Phänomene verwandt sind. Ferner werden Spasmen danach unterschieden, ob sie eine andauernde Kontraktion verursachen, oder eine abwechselnde Kontraktion und Entspannung. (Klonische Spasmen, tonische Spasmen)

Allerdings gibt es auch harmlose Phänomene wie Schluckauf (repetitive Kontraktion und Entspannung des Zwerchfells), die eine Beispiel für einen klonischen Spasmus sind.

Ist letztlich aber alles irrelevant für dich, weil du nichts weiter als Muskelkrämpfe hast.

tFat2uxa


Ursache für verkrampfte Waden...

Zuviel oder zuwenige Bewegung

Magnesiummangel und andere Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt

Anspannung (man verkrampft die Muskeln unwillkürlich wenn man unter Stress steht)

Verkürzte Muskeln durch einseitige Bewegungsabläufe

Dies fällt mir spontan zu dem Thema ein, wahrscheinlich gibt es viel mehr.

Warum probierst du nicht mal simple Dinge wie Magnesiumtabletten, Dehnübungen, Wärme an die Muskeln,...bevor du dir einen Riesenkopf machst.

pMep2eter


Ok, und dass das ganze bei mir nur einseitig auftritt (es sind nicht muskelkrämpfe wie man das kennt sondern eher ein verkrampftes Gefühl) lässt nicht an ein neurologisches Problem denken?

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Neurologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Borreliose


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH