» »

Ver-rückte Nerven

J/Dx74 hat die Diskussion gestartet


Hallo...

Nachdem ich nun vielerlei Beiträge gelesen und auch einiges daraus erfahren habe möchte ich mich selber einmal melden und umhören, ob es aktuell andere Menschen gibt, denen es ähnlich wie mir geht.

Seit über einem Jahr hat sich mein Leben bzw. meine Gesundheit vehement verändert. Es ging los mit Lagerungsschwindel mitten in der Nacht am Wochenende. Eigentlich ganz klassisch. Dabei auch keine große Panik o.Ä. meinerseits aber dennoch am Folgetag Besuch der Notfallambulanz da sich auch Sehstörungen dazu gesellten. Diagnose Lagerungsschwindel mit dem Rat, die Nervenleitbahnen testen zu lassen. Der Test einige Wochen später (da war der Lagerungsschwindel selbst schon wieder weg, dank der üblichen Übungen) war dann so auffällig, dass ich direkt in der Berliner Charité auf MS etc. getestet wurde (MRT und Liquor) - zum Glück ohne Befund. Mit einer unklaren Diagnose nach Cortison-Stoßtherapie ("für alle Fälle") und dem Rat, Psychopharmaka zu nehmen und eine Therapie zu machen, wurde ich entlassen. Die Neurologin sagte, sie könne mir nicht weiter helfen. Manchmal seien Nervenbahnen temporär geschädigt. Karpaltunnelsyndrom. Das könne auch an den Botenstoffen im Gehirn liegen - daher die Antidepressiva.

Vor über einem Jahr, nachdem ich aus dem KH entlassen wurde, habe ich tatsächlich brav Citralopram ausprobiert - da verschlimmerte sich alles so sehr, dass ich nach 2 Tagen wieder aufgehört habe. Seither und unabhängig davon keinerlei Medikamente.

ABER - seither begleiten mich eine Vielzahl an seltsamen "Symptomen"/Gefühlen und Einschränkungen. All das ist so schwer in Worte zu fassen und zu erklären, da es keine konkrete Beschreibung gibt und sich so verrückt anhört:

1. mein Kopf ist fast immer "wuschig" - wie ein innerer Schwindel - ein Drehen hinter den Augen, verbunden mit Kribbeln innen und aussen am Kopf. Eine pulsierende Fehlschaltung. Ein bisschen wie schnellere Autos, die einen auf der Autobahn überholen. Oder das kribbeln am Ende eines besonders intensiven Gähnens. In bin im www einmal auf das Thema "brain zaps" gestossen, das trifft es vielleicht am ehesten - aber ohne Stromstoss.

2. Wirklich extreme Müdigkeit am Abend; das Gefühl, bald das Bewusstsein zu verlieren (aber nicht wg. Kreislauf). Abends schlafe ich fast immer gegen meinen Willen ein. Die kribbelige Erschöpfung haut mich um. Zu Beginn hatte ich meist Angst, dann nicht mehr aufzuwachen (wie ein Koma). Jetzt kann ich etwas besser damit leben, auch wenn es nach wie vor sehr unheimlich ist!

3. Sehstörungen: Muster und kleine Bewegungen am Rand des Sichtfelds machen mich "wuschig"/schwindelig. Insb. im Dunkeln sehe ich Bewegungen, die nicht da sind (Lichter drehen sich, fest stehende Dinge/Möbel scheinen sich zu bewegen). Autofahren im Dunkeln ist mir unmöglich.

4. Geräuschempfindlichkeit: insb. an den Abenden, an denen ich sehr müde bin, schallen und pulsieren auch kleinste Geräusche wellenartig durch meinen Kopf. Manchmal verschieben sich die Geräuschebenen - kleine Geräusche sind lauter als "normal". Ein paar mal habe ich Dinge gehört, die nicht da waren.

5. Fast jede Nacht eingeschlafene Hände und Füsse. Einmal konnte ich einen Arm garnicht mehr kontrollieren/dirigieren.

6. Einmal hatte ich ganz konkret das Gefühl, mein Bett bewege sich unter mir. Aber zum Glück nur einmal, vor fast einem Jahr.

7. Immer wieder Magen-Darm-Beschwerden mit Blähbauch über Tage hinweg und Ausschlag (Nesselsuchtartig).

8. Unkonzentriertheit, Leistungsschwäche und Gereiztheit. Natürlich inzw. auch Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit...

9. Herzrasen, heisse Wellen, Angst. Vermutlich normal bei all den komischen Empfindungen und den Ergebnissen der Nervenleitbahnen.

10. Immer wieder kleine Episoden so wie erste Sinusitis des Lebens, erste Blasenentzündung des Lebens etc. Aber im Vergleich zum Rest ist das kein Problem.

Manches fühlt sich an, als hätte ich Drogen genommen, die alles verzerren, aus dem Konzept bringen, Halluszinationsartige Empfindungen hervorrufen. Zwar habe ich früher ein paar harmlosere Drogen ausprobiert, aber nie übertrieben. Und nichts davon hat sich jemals so unheimlich angefühlt. Seit Jahren schon habe ich keine Drogen o.Ä. genommen.

Ich würde mir buchstäblich einen Arm abschneiden lassen, wenn dadurch mein Kopf wieder wie vorher würde.

Ich mache seither eine Verhaltenstherapie, was so oder so gut tut und niemandem schaden würde, aber bei mir keine Besserung bewirkt. Ich glaube nicht, dass meine "Probleme" nur psychisch bedingt sind, obgleich sich inzwischen natürlich Angst und geitige Erschöpfung dazu gesellen. Es ging mir vor dem Lagerungsschwindel (bin jetzt 42) immer gut, mein Körper hat mich auch bei zwei Schwangerschaften/Geburten etc. nie im Stich gelassen. Ich war immer robust und unempfindlich - stabil. Mein Leben ist nicht perfekt, aber es gab keine grossen Traumata/Krisen/Probleme. Ich bin happy mit meinem 2 Kindern und meinem Mann (meistens ;-)).

In der letzten Woche nun nahm ich das Antibiotikum Metronidazol. Wg. der Bauchproblem habe ich zwischenzeitlich eine tolle Gastroenterologin gefunden, die mich etwas ausführlicher getestet hat. Sie hat Zinkmangel, Vit-D-Mangel und eine Darmbesiedelung mit Blastocyten festgestellt. Daher das Antibiotikum. Nach der ersten Einnahme haben sich alle Symptome nochmal verschlimmert. Lt. Packungsbeilage kann als Nebenwirkung Polyneuropathie auftreten. Ich habe das Medikament in Absprache mit der Ärztin dennoch lt. Vorgaben bis zum Ende genommen (gestern) und hoffe nun auf Besserung nach der Darmsanierung. Ich ernähre mich ziemlich gesund und "bewusst" (Hallo, Berliner Bio-Läden), nehme jetzt auch Nahrungsergänzungsmittel um die Darmflora "gut" wieder aufzubauen. Vit. D und Zink sollten inzwischen auch wieder erhöht sein (intensive Aufbaukur).

Ansonsten wurde das übliche getestet (Schilddrüse beim Endokrinologen, Magen-Darm letztes Jahr per MRT und Darmspiegelung) und es wurde nichts gefunden. Ich habe keine Ärzteodyssee hinter mir, dafür hatte ich garnicht die Energie, habe nur die offensichtlichen Stellen konsultiert (Neurologie, Endokrinologie, Gynäkologie, Magen-Darm, Hausarzt, Orthopäde).

Aktuell kribbelt es aber sehr, ich habe Wahrnehmungstäuschungen, Wellen im Kopf, Müdigkeit, Schwindelansätze, Probleme mit der Konzentration.... und frage mich, was ich wohl noch machen kann/soll um endlich herauszufinden, was mit mir los ist :-( Immer wieder sage ich mir, wenn es etwas schlimmes wäre hätte es sich im MRT oder Liquor gezeigt bzw. ich wäre schon längst ganz umgekippt. Aber immer wieder schleicht sich das ungute Gefühl ein, all das nimmt kein gutes Ende. Daher auch dieser Beitrag. Vielleicht hat ja jemand einen Rat (auch für eine gute Anlaufstelle in Berlin) oder kennt dieses Kopfgefühl....

Danke... Ist jetzt doch ziemlich lang geworden, der Text.

Antworten

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Neurologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Borreliose


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH