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Therapieoptionen bei Senkfüßen außer Einlagen?

FTluchtdgedxanke hat die Diskussion gestartet


Hallo allerseits,

Ich wollte mal fragen ob hier jemand Ideen hat was Frau gegen Senkfüße machen kann.

Ich bin 22 Jahre alt, habe kein Übergewicht und habe vor etwa einem Jahr die Diagnose "Senkfüße" erhalten und gleich dazu ein Paar Einlagen.

Als ich dann endlich Schuhe hatte in die die Dinger passten (war im Winter völlig unmöglich, warme Füße hatten Vorrang) hab ich sie auch brav verwendet.

Tja, mir ist aufgefallen dass das mit den Füßen schlimmer wird, dabei hat mir der "nette Orthopäde" in seiner Eispraxis doch versprochen dass sich mit den Einlagen nichts mehr verschlimmert und eher bessert.

Nur sehe ich das Gegenteil, bei regelmäßiger Verwendung der Einlagen konnte ich meinem Fußgewölbe fast beim Einfallen zuschauen.

Gibt es da Fußgymnastik oder so mit der man was erreichen kann? Mir steht nicht gerade der Sinn danach auf schöne oder einfach luftige Schuhe verzichten zu müssen und meinen Füßen mit den Einlagen scheinbar mehr zu schaden als zu helfen.

Antworten
S$he7exp


Ob orthopädische Einlagen gut sind oder nicht, darüber lässt sich streiten. die Ärzte, die ich kenne, hallten alle absolut nix davon. Ich, mit meinen Senk-Spreiz-Knickfüßen ebensowenig. Das Problem bei den Einlagen ist, wenn man sie einmal für längere Zeit getragen hat, dann muss man sie auch wirklich ständig tragen. Dadurch, dass die Füße gestützt werden, muss die Fußmuskulatur auch nicht mehr soviel arbeiten und wird daher schwächer. Trägt man die Einlagen dann mal einige Zeit nicht mehr, kann das schließlich zu starken Schmerzen führen und das schadet dem Fuß im Grunde mehr. Es lebt sich besser ohne Einlagen. Man sollte dann eher beim Kauf von Schuhen auf das Fußbett achten. Ein gutes Fußbett haben z.B. die Marken Birkenstock oder Josef Seibel. Schuhe mit sehr hohen Absatz oder Flip-Flops sind hingegen Gift für die Füße und sollten eher gemieden werden.

Eohem/aliger\ Nutzer0 (#P32573x1)


Am besten trägt man Einlagen bei der größten Belatung, sprich beim arbeiten und ansonsten viel Barfuss laufen zuhause etc. Und Fußmuskulatur stärken. Ohne die bringt das alles nichts

ceofr9idoxwo


Barfußlaufen und zwar am besten im Sand oder auch auf der Wiese!

Fußgymnastig jeglicher Art, vor allem mit den Zehen greifen, Zehenstand , Versenstand, mal auf den Außenkanten laufen, überhaupt viel laufen und dabei gut abrollen.

Die sogenannten MBT Schuhe sind auch sehr gut, für den ganzen Körper, aber auch sehr teuer.

Nun ja, und eine Gewichtsreduzierung hilft sicherlich auch.

Llila


Mir hat der Orthopäde damals einen Fußmassageroller empfohlen (und elastische Stützmanschetten, die leider auch kaum mit normalen Schuhen tragbar waren – schon gar nicht mit offenen). Das ist ein Quadrat mit beweglichen Holzkugeln. Darauf sollte ich täglich 10-15 Minuten herumrollen mit beiden Füßen. Effektiver dürfte aber tatsächlich gezielte Fußgymnastik (wie von Eduard555 beschrieben) sein. @:)

LxilXa


cofridowo, wozu Gewichtsreduzierung, wenn sie kein Übergewicht hat ???

FRluchtge~dankxe


@ cofridowo:

Bislang hielt ich Untergewicht für ziemlich ungesund, gibt es da neue Studien? ]:D

Danke für die bisherigen Ratschläge, dann kann ich ja nachher beim Spiel anfangen^^

FXussve)rbieIger


Über Einlagen gibt es die Unterschiedlichsten Meinungen. Es gibt allerdings auch die unterschiedlichsten Materialien und Anformungsvarianten.

Darum ist die Frage "sind Einlagen gut" so einfach nicht zu beantworten. Stellt man die Frage, "wie schnell fährt ein Auto", könnte man diese ebenfalls nicht beantworten,- es sei denn, man gibt zwischen 6 und 460 km/h als Antwort ein und damit würde sich kaum jemand zufrieden geben....

Blicken wir in die 1930ér Jahre zurück. Damals war die Fußgesundheit der Bürger ein großes Anliegen der Regierung (man weiß warum). Die Fußorthopädie war ein sehr wichtiger Faktor bei der Gesundheitserziehung, denn das Deutsche Kind musste gesund und kräftig sein.

Die Lehrzeit zum Orthopädieschuhtechniker betrug damals zwei Jahre,- die 60 Stundenwoche war damals ganz normal.

Die Ausbildung war um einiges besser als heute, weil man sich damals mehr auf das Wesentliche beschränkt hat,- dieses aber besser und intensiver vermittelt hat, als es heute der Fall ist.

Damals hatte man schon gewusst, dass "durchgetretene" Füße eine reine Schwäche der Muskulatur ist und dass man im Kindesalter durch Barfußlaufen auf weichen Naturböden den Senkfuß erst garnicht entstehen lassen muss. Ohnehin waren damals Schuhe sehr teuer und somit liefen die Kinder und Jugendlichen häufiger barfuß als heute.

Dennoch hatten damals rund 25% der Jugendlichen Senkfüße, die direkt mit Einlagen therapiert wurden. So wollte es das deutsche Reich....

Damals wurden vorwiegend Einlagen aus Stahl verwendet. Die thermoplastischen Materialien waren zwar schon in der Entwicklung, jedoch wurde die Entwicklung wegen der Kriegsvorbereitung gestoppt und die Kunststoffe dienten dem Waffenbau etc.

In den Nachkriegsjahren boomte die Wirtschaft und auch das Orthopädie- Handwerk ging mehr und mehr vom Protesenbau (wegen der Kriegsverletzungen) ab und weil die Menschen wieder Schuhe hatten, gab es den "Luxus" Einlagen wieder.

Damals wurden für Knick- Senkfüße sehr feste Schuhe und starre Einlagen "vorgeschrieben". Diese Einlagen brachten solange sie im Schuh waren, wirklich eine Hilfe für die Füße und Beine,- insbesondere für die Kniegelenke.

Allerdings führten diese starren Einlagen auch dazu, dass die Fußmuskulatur keine Chance hatte, sich aufzubauen. Man kann daher die starren Edelstahleinlagen der 50ér bis 70ér Jahre als "Fußkrücken" bezeichnen.

Darum sollten die Kinder damals viel Fußgymnastik machen (so wie heute ebenfalls).

Ab den 60ér Jahren wurden die Metalleinlagen zunehmend von thermoplastischen Einlagen aus Plexidur abgelöst. Plexieinlagen waren thermoplastisch verformbar und brachten eine erhebliche Arbeitsentlastung für den Schuhtechniker, der zuvor die Metalleinlagen mit einem Hammer in die richtige Form schlagen musste.

Die Anzahl der Fußschwachen Kinder stieg mit dem Wirtschaftswachstum rasant an. Alte Statistiken sagen aus, dass es 1965/1967 rund 50% "Fußkranke" Jugendliche gegeben hat.

(Fußkrank ist ein nicht korrekter Begriff, weil Senkfüße etc. keine Krankheit sind).

In den 70ér Jahren wurden fast nur noch Plexidur und auch Kork-Leder Einlagen verschrieben. Nur ganz misstrauische Ärzte, die "dem neuem" nicht trauten, verschrieben weiterhin Metalleinlagen, die dann aber auch mit einem Lederbezug zu haben waren.

Die s.g. 68ér Generation mit dem Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung war den Eltern und Ärzten nicht mehr so hörig, wie es die zuvor geborenen waren. Somit wurden auch solche Sachen wie das Aussuchen von Schuhen und die Notwendigkeit von Einlagen in die eigene Hand genommen. Also blieben die Einlagen bestenfalls im Schuhregal oder im Keller, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Mutter legte großen Wert darauf, dass ich Einlagen trage und um Ruhe zu haben, ging ich mit den Plexieinlagen direkt in den Fahrradkeller und versteckte sie auf dem Abwasserrohr.

In den 70ér Jahren stieg die statistische Zahl der "Fußkranken" auf 60%,- die Orthopäden gaben damals den Turnschuhen die Schuld an dieser Entwicklung (was aus heutiger Sicht absoluter Unsinn ist).

Die typischen Orthopädieschuhmacherbetriebe verschwanden nach und nach. Dafür gab es immer mehr Sanitätshäuser.

Die Lehre der Orthopädie kam zu dem Entschluss, dass starre Einlagen zu unbequem sind und darum die Anzahl der Einlagenträger rückläufig war.

Man entdeckte ein neuartiges Korkmaterial und Weichschaum.

Die Einlagen waren nicht besonders haltbar,- das sollten sie auch im Sinne des Umsatzsteigerung nicht sein. Schließlich zahlten ja die Krankenkassen alle drei Monate neue Einlagen und der Orthopäde musste ja auch gut leben....

Auch die Schuhindustrie wuchs zunehmend und es wurde für die meisten Mütter selbstverständlich, dass das Baby sogar schon in der Wiege Schuhe braucht. Warme Füßchen, Lauflernschuhe ab den ersten Schritten sollte die von Natur aus geforderte Entwicklungsmöglichkeit der kleinen Füßchen ausbremsen,- das ist leider auch heute noch so.

Ende der 80ér Jahre wurden die früher regelmäßig durchgeführten Schuluntersuchungen nach und nach abgeschafft. Auch die Gesundheitslehre in der Biologie wurde zusammengestrichen und heute können weniger als 10% der Bundesdeutschen einen Senkfuß vom Normalfuß unterscheiden!

Fazit: Mehr als 70% der erst 10 Jährigen Kinder zeigen einen deutlichen Fußverfall und oft sogar schon deutlich sichtbare Knick- Senkfußfolgen an den Beinen.

In eigenen Untersuchungen bei 150 Schülern konnte ich feststellen, dass die 10 - 12 Jährigen, die absolut nichts für eine Festigung der Fußmuskulatur getan haben, vier Jahre später stärkere Fußschwächen zeigten, die bei einigen schon vor dem Berufsantritt zu massiven Knieproblemen geführt haben.

Die Ärzte lernen an den Universitäten, dass der Nutzen von Einlagen umstritten ist. Man lernt heute, dass sich kindliche Knick- und Senkfüße sowie X-Beine "auswachsen".

In meiner über 30 Jährigen Erfahrung habe ich das allerdings noch nicht gesehen....

Wenn Einlagen verschrieben werden, führen Weichschaumeinlagen die "Hitliste" an. Zwar ist belegt, dass diese Einlagen keinen großartigen Nutzen bringen, aber der Gewinn ist wahnsinnig hoch, weil soche Einlagen und auch Kork- Leder Einlagen maschinell gerfertigt sind und dem Sanitätshaus kaum Arbeitszeit kosten.

Weil einfache Weichschaumeinlagen beim Knickfuß tatsächlich oft mehr schaden als nutzen, ist es keine Besonderheit mehr, wenn man ein Kind ein paar Jahre lang mit diesen schädlichen Einlagen versorgt, um es später operieren zu können!

Ich kenne dutzende an Beispielen und regelmäßig sehe ich neue Opfer des deutschen Gesundheitswesens.

Einlagen können sehr viel bringen und sogar kontrakte Plattfüße können "aufgebaut" werden. Es kommt allerdings auf das verwendete Einlagenmaterial an und auf die Gewölbesprengung, die ganz individuell angepasst werden muss.

Auch heute ist die Fußgymnastik unverzichtbar, denn nur die Kombination Einlagen und Gymnastiktherapie, führt zum gewünschtem Erfolg.

Leider kommt der klassische Kassenpatient, der sich zunächst beim Orthopäden ein Rezept für Einlagen besorgt, um dieses später im Sanitätshaus einzulösen kaum in den Genuss des kassenfinanzierten vollen Therapieprogramms.

In der biologischen Fußtherapie gilt folgende Faustregel für Kinder oder Jugendliche mit Knick- Senkfüßen:

Die Füße müssen zunächst ständig gestützt werden, die Ferse und damit die Beinachse muss korrigiert werden, gleichzeitig soll die Fußmuskulatur animiert werden.

Der junge Mensch bekommt in der Regel ein paar Einlagen für die Freizeitschuhe, ein Paar für den Sport, ein Paar für die Hausschuhe und im Sommer ggf. ein Paar für Sandalen.

Dazu kommen leichte Übungen, die man zweimal am Tag (gerne auch mehrmals) zuhause macht,- etwa beim Zähneputzen (dann vergisst man es nicht).

Diese Therapie wird von immer mehr von auf Füße und Beine spezialisierte Orthopäden bevorzugt,- allerdings kann sie für gesetzlich versicherte Patienten kaum per Rezept verordnet werden. Man muss sich demnach privat an einem entsprechenden Facharzt oder Therapeuten wenden. Die Kosten liegen aber vielerorts im Rahmen des möglichen und für Kinder kostet solch ein volles Therapieprogramm oft nicht mehr, als 10% des Kindergeldes (es gibt auch Angebote mit monatlicher Zahlungsweise).

Kurz um:

Beim Senkfuß keine Einlagen zu tragen, führt in der Regel zu einer Verschlimmerung des Fußverfalls und im Alter zu den typischen Arthroseproblemen in den Mittelfußknochen. Durch das häufig vom Senkfuß veränderte Abrollverhalten über die Großzehe kommt es zu Vorfuß- und zu Zehenproblemen.

Beim Knickfuß kommen fast immer die Knieprobleme hinzu, die durch die einseitige Überlastung des Knies zwangsweise auftreten.

Es gibt die Spiraldynamic nach Dr. Larsen, die logisch nachvollziehbar ist und sicher ein Leben ohne Einlagen ermöglichen kann. Voraussetzung ist hierbei jedoch, dass man sich wirklich bei jedem Schritt ganz genau auf sein Aufsetz- und Abrollverhalten konzentriert. (In meinem Berufs- und Freizeitalltag ist das nicht möglich).

Die Mehrheit der vom Fußverfall und vom Knickfuß betroffenen, wird um Einlagen nicht herum kommen. Desto früher man die Füße durch eine optimale Einlagentherapie aufbaut, um so besser ist es für das spätere Leben!

Darum empfehle ich allen Eltern und Jugendlichen, sich mehr Gedanken über das Thema Fußgesundheit zu machen. Das Internet ist dabei eine sehr hilfreiche Angelegenheit!

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