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Minusstunden erlaubt?

jTaborYosa


Minusstunden und die soziale Ader

Ok, also, es ist ein leidiges Thema. Die eine Seite sagt das bei uns und die andere das. Der Arbeitgeber sagt natürlich, kommen Sie sie müssen flexibel sein, und ist es nicht schön und nett von mir, daß ich Ihnen heute etwas frei gebe?

Gut, unser Personalrat sagt, und das klingt eindeutig, daß Du durch Deinen Arbeitsvertrag Deine Arbeitskraft für soundso viel Stunden anbietest und zur Verfügung stellst. Dafür kriegst Du dann Geld. Wenn der Arbeitgeber, obwohl Du Zeit hättest, Deine Arbeitszeit im Monat nicht will, ist er selber schuld und es ist sein Problem. Er hat einen Vertrag ausgestellt, und es ist nicht Dein Problem, ob er ihn nutzt. Du warst bereit, diese Zeit für ihn zu opfern, und er hat sie nicht gewollt. Pech. Eigentlich ist er sogar verpflichtet, Dir Arbeit zu geben! Im nächsten Monat dann allerdings angetrabt zu kommen und zu sagen, Sie schulden mir noch soundso viel Stunden, geht nicht. Er hatte seine Chance. Wenn er die verstreichen läßt, Pech. Die neue kriegt er zum Ersten eines jeden Monats. Aus, fertig.

Dann eine Warnung: die Kollegialität wird vielerorts eingespannt und mißbraucht - von höheren Positionen. Es fängt an damit, daß man die Kollegen doch nicht im Stich lassen kann, und der Höhepunkt ist dann irgendwann, daß man die Patienten doch nicht im Stich lassen kann. Die Pflege ist sicher seit bereits sehr Langem mittels ihrem sozialen Bewußtsein erpresst worden. Es ist DER wunde Punkt eines jeden Pflegers und einer jeden Schwester, darüber hat man Verzicht auf bessere Arbeitsbedinungen, -verträge und -vergütung jedes Mal aufs Wirksamste erreicht... Also, es ist gut, wenn ein Team so funktioniert. Aber der Schuß kann eines Tages auch nach hinten los gehen.

I%nteVrexX


@ jaborosa

Das sehe ich genau so !

j?aborxosa


@IntereX

ja, so ist es doch... ich habe die Erfahrungen jetzt wieder hier während des Streikes gemacht. OK, mein Vertrag ist inzwischen ausgelaufen, seit Freitag, und wurde nicht mehr verlängert - nach 5 Jahren seit dem Examen 2001. Ich habe also nur die ersten beiden Wochen des Streikes erlebt. Doch was hier abgezogen wird... Im Moment spielen sie beides aus. Da wird versucht, die Teams zu spalten, da wird der Vorwurf gemacht, daß die Patienten im Stich gelassen werden. Die, die arbeitswillig sind, versorgen "selbstlos" die Patienten - Zitat des medizinischen Direktors der Unikliniken zur Presse - während die anderen einen unsinnigen Streik betreiben, der die Patienten gefährdet und die Kollegen zusätzlich belastet. Daß in der HNO aber z.B. kurz mal eben im Rahmen der Notfallversorgung abstehende Ohren angelegt wurde, verschweigt man natürlich wohlweislich.

WAildDth,inxx


Fehlende Lobby

Ich war selbst Krankenpfleger und kann nur sagen, dass es traurig ist, wie in Deutschland über diesen Beruf gedacht und geredet wird. Der Pflege fehlt einfach die Lobby, die die Metallberufe z.B. haben. Was wird denn in der Pflege "produziert"? - Nichts (also keine Wirtschaftsgüter). Wie stolz sind denn die ganzen Daimler-Arbeiter (ok mittlerweile vielleicht nicht mehr so)? Und was haben die frei und Urlaub? Der Job ist sicher nicht schwerer.

Wie kann es sein, dass eine Krankenschwester in Chicago City (hat sie mir während meines Auslandaufenthalts erzählt) 6000.- Dollar (netto)verdient und in Deutschland gerade mal um die 2200 Brutto locker gemacht werden? Und in den USA gib es keine gesetzliche Krankenversicherung. Also woran liegts?

Der Streik ist gerechtfertigt, finde ich. Die Privatpatienten werden auch von den Pflegekräften versorgt, aber Prosche fahren und Golf spielen darf dann der Chefarzt. Das kanns nicht sein.

I]ntexreX


Bei uns würde ja nicht mal gestreikt, weil eh jeder Angst um seinen Job hab.

Mit dieser Angst kann man im Moment ganz gut spielen. Beim letzten Streik herrschte "wenigstens" noch Pflegenotstand und man musste keine Sorge wegen dem Job haben.

Solidarität vom ärztlichen Dienst hätte man vielleicht wünschen können - aber immer wieder leider feststellbar - kann man nicht erwarten. Schon ein Hohn, wo gerade erst die Ärzte für mehr Geld auf die Straßen gingen. (manche sicherlich auch begründet)

Aber das größte Problem sehe ich auch in der Pflege selbst. Dort herrscht wirklich auch zu wenig Solidarität.

Die hohe Bezahlung in den USA kommt durch die "höhere" Ausbildung und auch höherem Kompetenzbereich.

Allerdings bewegen wir uns hier GENAU dort hin (von der Arbeit her). Es gibt wieder mehr und mehr Hilfskräfte und oft nur eine oder zwei examinierte Kraft (ich rede von Akutkliniken) für bis zu 40 Patienten.

Aber wir bekommen dafür nicht mehr Geld...

Ich den letzten Jahren wurden zuerst die 2 Extraurlaubstage (§15a) gestrichen, danach der Faschingsdienstag...

Mehrarbeit gibt es bei uns nicht! Weil es kommt ja immer eine Schicht nach. *ironie*

LG

reX

jXaqb_o1rosxa


Ich frage mich, was die Leute...

...draußen sagen würden, wenn sie erfahren würden, daß sie schon längst nicht mehr optimal, sondern nur noch ausreichend versorgt werden. Die PD der Kliniken hier macht sich schon gar nicht mehr die Mühe, in den Ausschreibungen als Anforderung etwas anders als "ausreichende Pflege" hinein zu schreiben. Also die vorletzte Stufe in der Pflegegüte.

Aber es gibt noch etwas. Die Pflege hat immer noch nicht kapiert, mit wem sie es zu tun hat. Sie glaubt naiver Weise immer noch, daß sie mit Appellen ankommt, daß ihre Argumente ziehen bei der Gegenseite. Treudoof wie immer... selbst im Protest. Diese Leute dort oben gehen über Leichen, sind eiskalt, und das kapiert die Pflege nicht. "Das können die doch nicht machen!" Doch, das können die, und sie tun es. "Wie soll das denn funktionieren, wie soll ein Familienvater so seine Familie ernähren?" Und naiv wie die Pflege ist, glaubt sie dann, daß die Gegenseite sich denkt: "Stimmt..." Aber die Gegenseite denkt: "Na und? Das ist mir doch egal! Hähä!" Nur kann das die Pflege nicht glauben. Mit anderen Worten: der/die Arbeitgeber ist/sind ein anderes Kaliber. Und die Pflege ist nicht fähig, sich darauf einzustellen.

Hier hat die Arbeitgeberseite unberührt gefragt, wie lange der Streik denn noch dauern soll. Als als Antwort kam 6 Wochen, kalkulierte man kühl durch, was man noch für diese Zeit dann brauchen würde, um die Kosten wieder rein zu kriegen und sagte, OK, dann brauchen wir das und das. Auf Deutsch: Euer Micky Maus Streik interessiert uns nicht, macht Ihr nur. Und das geht nicht in die Köpfe rein. Gutgläubig wie die Pflege ist, kann sie es immer noch nicht fassen, daß es so läuft. Sie guckt nicht über den Tellerrand ihrer eigenen Einstellung.

Ich bin sicher, daß es hier zuerst die 40 Stunden Woche geben wird, als Kompromiß, und irgendwann eben doch die 42. Eigentlich hätten wir für die 35 Stundenwoche mit doppeltem Weihnachtsgeld bzw Urlaubsgeld streiken müssen, damit wir die 38,5 Stunden und das normale Weihnachts- und Urlaubsgeld behalten. Und so lassen sich alle wieder verarschen. Nur nicht so offensichtlich.

Außerdem haben Pflegepersonen fast keine Selbstachtung, zumindest viele. Tragisch, wo man dann fast wieder denken könnte, Euch geschieht es Recht.

AAlacea


Wir haben immer versucht die Stunden so zu planen, das sie im Rahmen von + - 20 Stunden lagen.

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