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Pflegeheim will Höherstufung

LGieb[idxo hat die Diskussion gestartet


Hallo,

meine Mutter ist im Pflegeheim. Derzeit hat sie Pflegestufe 2. Gründe sind ihre schwere Demenz, sie kann nur mit Hilfe laufen (sie sitzt meistens im Rollstuhl); hinzu kommt Inkontinenz. Ferner hat sie (nur noch für die Flüssigkeitsaufnahme!) eine Magensonde. Ansonsten ist sie körperlich gesund.

Das Pflegeheim hat mich jetzt aufgefordert, einen Höherstufungsantrag auf Pflegestufe 3 zu stellen. Da Pflegestufe 3 zu deutlichen Mehrkosten führen würde, habe ich das Heim gebeten, erst mal eine Aufstellung über den Zeitaufwand für die Pflege zu erstellen, was es auch tat. In der Gesamtabrechnung kommt das Heim auf 245 Minuten Grundpflege täglich, das wäre also gerade eben für Stufe 3 ausreichend.

Allerdings finden sich darin auch m.E. zweifelhafte Positionen wie

- Hilfe für "orale Ernährung" 40 Minuten täglich ? (sie isst selbständig, und zwar so gut, dass schon Übergewicht droht). Sie akzeptiert beim Essen auch keinerlei Hilfe.

- sie hat weder eigene Zähne noch eine Prothese, trotzdem werden 8 Minuten Pflege tgl. dafür ("allgemeine Mundpflege") abgerechnet?

Wenn sie klar in Stufe 3 wäre, würde ich das alzeptieren. Aber so?

Sollte ich trotz der Zweifel einen Höherstufungsantrag stellen (in der Hoffnung, dass der MDK ihn ablehnt) oder warten, bis das Heim von sich aus einen solchen Antrag stellt? Für Meinungen/Erfahrungen bin ich dankbar.

Grüsse

Antworten
MPeerKesezngexl


Hilfe für "orale Ernährung" 40 Minuten täglich

Ach und wer richtet die Mahlzeiten?

sie hat weder eigene Zähne noch eine Prothese, trotzdem werden 8 Minuten Pflege tgl. dafür ("allgemeine Mundpflege") abgerechnet

Ach so :-/ Wenn man also keine eigenen Zähne oder eine Zahnprothese trägt, muss man also auf Mundpflege und verzichten :=o

In der Mundhöhle und im Mundraum können sich nette Sachen wie Soor etc bilden %-|

8 Minuten sind da schon okay :-)

Das Heim wird schon berechtigte Gründe für eine Höherstufung haben.

Und falls der MDK ordentlich arbeiten sollte ;-D wird er auch einer Höherstufung zustimmen.

F3r=ied0a_FliQeder


@Liebido

Zum Essen gehören auch Vor-und Nachbereitung der Mahlzeiten,

Anrichten auf den Tellern,auftragen,abräumen,stopp mal bei dir selbst die Zeit über 4 Mahlzeiten täglich,inclusive des Trinkens.

das Gleiche bei der Mundpflege....

Warst du mal dabei wenn deine Mutter die Zähne geputzt hat,bzw.sie ihr geputzt wurden?

Bei schwer Demenzkranken Menschen dauert das Motivieren schon eine Ewigkeit......

Wie oft muss man sagen:"Nehmen sie bitte die Zahnbürste in die Hand","Spülen sie bitte den Mund aus","Bitte ausspülen"

(PK muss sogar oft mehrmals andeuten wie man ausspuckt!!!!!)

Das dauert unter Garantie mehr als 8 Minuten......es werden allerdings nur 8 Minuten bezahlt,so siehts aus..........

Ich denke das der MDK ganz sicher weis ab wann er welche Pflegestufen zu vergeben hat.

UInd du kannst dir sicher sein,sie vergeben eine Höherstufung niemals ohne triftigen Grund.

GTriesjuxh1


Pflegestufe 3

Hallo Frieda...

Zitat:

Zum Essen gehören auch Vor-und Nachbereitung der Mahlzeiten,

Anrichten auf den Tellern, auftragen,abräumen,stopp mal bei dir selbst die Zeit über 4 Mahlzeiten täglich, inclusive des Trinkens.

Zitat Ende.

Leider irrst du in diesem Punkt.

Nach den Einstufungsrichtlinien nach SGB XI gehört die Vorbereitung, das Auftragen u. abräumen der Mahlzeit nicht zu den pflegestufenrelevanten Tätigkeiten.

Pflegerelevant werden nur die mundgerechte Zubereitung, sprich die Mahlzeit in kleine Häppchen schneiden, pfegerelevant bewertet.Hier sieht der Zeitrahmen der Richtlinie pro mundgerechter Zubereitung maximal 3 Min. vor.

Das was du beschreibtst gehört zur hauswirtschaftlichen Versorgung, genausso wie einkaufen gehen.Dieses wird nach den Einstufungsrichtlinien bei Pflegestufe I u. II mit tgl. 45 Min. u. in PS III mit tgl. 60 Min. pauschal bewertet. Die hauswirtschaftliche Versorgung hat jedoch keinen einfluß auf die Höhe der Pfegestufe.

Was weiterhin zählt ist die Hilfe bei der Nahrungs - und Flüssigkeitsaufnahme, sprich dem Essen u. Trinken reichen. Dafür sieht der Zeitrahmen pro Hauptmalzeit bei voller Übernahme maximal 25 Min. vor. besteht eine Dysphagie ( Schluckstörung) u. Aspirationsneigung ( Verschlucken mit Hustenanfällen), darf der Zeitrahmen mit plausibler Begründung auch überschritten werden.

Bei Sondekosternährung sieht der Zeitrahmen maximal 20 min. tgl. vor.

Hier jetzt die Begutachtungsrichtlinien im einzeln auf zu führen sprengt den Rahmen.

Unter: [[http://www.BPA.de]] findet ihr die 165 Seiten starke Einstufungsrichtlinie, dort könnt ihr nachlesen was alles dazu gehört und wie es zu bewerten ist. Dort findet ihr auch eine Erfassungsbogen, nach dem der MDK arbeitet.

Auch wenn keine Zahnprothese mehr getragen wird ist mehrfache tgl. Mundpflege angesagt ( Siehe vor schreiber). Dafür werden in dem vorgegebenen Zeitrahmen zur Einstufung pro Mund/Zahnpflege 3 Min. angesetzt.

Bitte nicht übelnehmen Libido:

Aus meiner freiberuflichen Tätigikeit als MDK Gutachter kenne ich diese Probeme sehr genau. Ich kann mir gut vorstellen, dass du zu dem Typ Mensch gehörst der, wäre dein Angehöriger bei dir zu Hause in Pflege, der Widerspruch gegen die Pflegestufe II schon vorprogramiert wäre, denn du glaubst subjektiv, du bist rund um die Uhr nur am pflegen. Das erlebe ich tgl. So aber geht es hier um Zuzahlungen die du nicht leisten wilst. Zu Hause würde der Pflegebedürftige in PS III 665 € Pflegegeld erhalten ( PS II= 410€) wer nimmt dieses Zubrot nicht noch gerne mit ???

Sollte ein Pflege - und Hilfebedarf, aus den Bereichen der Körperpflege, Mobilität, Ernährung, der Innerenorgane und der Psyche so wie der Sinnesorgane, der Pflegestufe III erforderlich sein wird dies ein Gutachter sicherlich feststellen.

Grüße von einem MDK Gutachter

F#rieda5_Flied:exr


@Griesuh

Irgendwie bin ich froh nicht ambulant zu fahren ....bei uns in der WG sind wir zwar auch bei einem ambulanten Pflegedienst angestellt,aber die Zeiten sind nicht so aufgepuzzelt sondern zusammengerechnet.........da hat man wesentlich mehr Spielraum

Lzidebixdo


Erstmal vielen Dank für alle Antworten, auch für die ausführlichen fachlichen Erläuterungen von Griesuh1.

Ich will mir grob ein Bild machen, ob die Einschätzung des Pflegeheims realistisch ist; es ist klar, dass das Pflegeheim gerne eine Höherstufung hätte (genauso wie ich ein Interesse daran hätte, wenn sie noch zu Hause wohnte - würde ich gar nicht abstreiten).

Also Mundpflege geht in Ordnung, das mit dem Essen ist nicht so klar (bei 4 Mahlzeiten*3 Minuten für die mundgerechte Zubereitung würde 12 Minuten statt 40 Min ergeben...hm, sie wäre dann weiterhin in Stufe 2. Wie gesagt, es gibt dabei kein Motivationsproblem oder dergleichen, es droht schon Übergewicht).

Mal sehen, letztlich müßte ohnehin ein MDK-Gutachter entscheiden.

Stimmt es eigentlich, dass der Anteil der Pflegebedürftigen in Pflegestufe 3 auf ca. 5% gedeckelt ist und nicht überschritten werden darf? ???

Gmrie#suKh1


Pflegestufe 3

Hallo Liebido,

zu der Zubereitung der mundgerechten Nahrung kommen noch, wenn erforderlich 20-25 Min. pro Hauptmahlzeit reichen, hinzu. Anleitung ud Animation zur Flüssigkeits- u. Nahrungsaufnahme werden zusätzlich mit 1-2 Min pro Verrichtung mit eingerechnet. Das aber nur, wenn der Pflegebedürftige selbst nicht mehr die Nahrung aufnimmt. Bei Unterstützung und Beaufsichtigung der Nahrungsaufnahme wird dementsprechend ein niedriger Zeitwert angenommen.

Ich weis nicht woher dieses Gerücht kommt die Pflegestufen seien von ihrgend wem gedeckelt.

Das ist ein absolutes Stammtisch Märchen. Es gibt von KEINEM, weder von den Pflegekassen noch vom MDK, eine Deckelung.

Der Gutachter vor Ort ist an die Einstufungsrichtlinien gebunden

(siehe [[http://www.BPA.de]] 165 Seiten Einstfungsrichtlinien) und diese Stammen von unseren Gesetzgebern aus Berlin, die Hürden zur Einstufung sind sehr hoch gesetzt. Da kommt selbst ein guter Gutachter ins schwitzen um so manchen in eine pflegestufe zu bekommen.

Für das Ergebniss des Gutachtens ist alleine der Gutachter verantwortlich. Er empfiehlt der Pflegekasse eine Pflegestufe. Ob die Pflegekasse dann mit zieht ist die Entscheidung des jeweiligen Sachbearbeiters der Pflegekasse.

Grüße Griesuh

G<riAesuxh1


Pflegestufe 3

Hallo Frieda...,

die Zeitwerte bei der Begutachtung haben nichts, auch garnichts mit den Zeitvorgaben eines Pflegedienstes oder Pflegeheimes zu tun. Diese Zeitvorgaben dienen alleine dem Zweck die Höhe der Pflegestufe zu ermitteln.

Der Pflegebedürftige erhält dann in PS I 205 € Pflegegeld (Angehörige pflegen), Sach/Kombileistung ( ein Pflegedienst und Angehörige pflegen) 384 €,

PS II = 410€ PFG, Sach/Kombileistung = 921 €,

PS III = PFG = 665 € Sach/Kombileistung = 1432 €.

Wird die Sach/Kombieistung vom PD nicht ausgeschöpft, so wird der Betrag prozentual von der Pflegekasse ausgerechnet und der Pflegebedürftige bekommt prozentual den Betragsüberschuß vom Pflegegeld der jeweiligen PS ausgezahlt.

In den meisten Bundesländern erhält der Pflegedienst für die Verrichtungen bei der Pflege Festbeträge nach Leistungskomplexen.

In Hessen zum Beispiel

für die Großepflege Grundkompex = 14,46 €, egal wie lange für die Pflege vor Ort benötigt wird. Jetzt weis der Pflegedienstinhaber/Inn (PDL)was ihn die Betriebsstunde kostet, das sind im schnitt ca. 30 €. Somit kannst du dir selbst ausrechen wie lange so eine Pflege dauern darf, damit der PD wirtschaftlich arbeitet. Dazu kommen dann noch die möglichen Wahlleistungen, bei diesen verhält es sich genau so, auch sie werden als Leistungskomplex mit einem Festbetrag gedeckelt.

Jo ich weis, das ist sehr kompliziert und nicht einfach zu verstehen, wenn mann sich damit nicht befassen muss.

Ich hofe doch, dass ich es einigermaßen verständlich rüber bringen konnte.

grüße Griesuh

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