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Welche Medikamente verwenden Heime zum "Ruhigstellen"

L`ieWbido hat die Diskussion gestartet


Es ist ja leider so, dass viele Heimbewohner medikamentös "eingestellt" werden, das heißt ruhiggestellt werden.

Ich habe mir vom Heim mal die Liste an Medikamenten geben lassen, die meiner demenzkranken Angehörigen täglich verabreicht werden.

täglich 50 mg "Seroquel":

täglich "5 Einheiten" (was immer das genau bedeuten mag) "Orfiril-Saft":

täglich Torasemid 10 mg

Nach der Einnahme wird sie deutlich müde, quasi ruhiggestellt, was ich nicht gut finde. Auch kurz vor dem MDK-Termin zur Höherstufung wurden mindestens diese Medikamente verabreicht, was ich vom Heim schon unseriös finde.

Vielleicht kennt sich jemand aus und kann diesen Medikamentencocktail bewerten? Körperlich ist sie relativ gesund, das Kernproblem ist die schwere Alzheimerkrankung.

Danke.

Antworten
FArotteeeMf9urxie


Also,Torasemid ist ein "Entwässerungsmedikament",was Wassereinlagerungen im Körper z.B. bei Herzschwäche verhindern soll.

Orifiril ist ein Antiepileptikum

und Seroquel ist ein Psychopharmakum,das bei Unruhezuständen eingesetzt wird.

Ist deine Angehörige sehr unruhig,d.h. läuft sie vielleicht dauernd rum,auch wenn sie körperlich eigentlich nicht mehr könnte,ist sie verbal sehr unruhig?

sCoundsxo


Orfiril/z]

Hat sie denn Epilepsie?

Orfiril wird bei Epilepsie eingesetzt.

LhiyeCbidxo


Also herum laufen kann sie nicht mehr, da sie in der Regel im Rollstuhl sitzt (das Gehen ist ihre körperliche Schwäche). Wenn sie wach ist, erzählt sie einiges (inhaltlich nicht mehr ganz verständlich), spielt mit Puppen, essen tut sie gerne und reichlich. Insgesamt ist sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten noch aktiv, wenn auch manchmal etwas unruhig.

Laut den Beipachzetteln verstärkt sich die Müdigkeit auch noch, wenn Seroquel und Orfiril zusammen genommen werden :-(

Das trifft auch tatsächlich zu.

Mir ist es viel lieber, wenn sie noch etwas macht als wenn sie meistens im Halbschlaf vor sich hindämmert :-/

Ljieb}ido


@ soundso:

Epilepsie hat sie nicht.

sEou|ndsxo


Epilepsie hat sie nicht

Dann würd ich dort mal nachfragen, weshalb sie dann Orfiril

bekommt.

cFonn


Vielleicht hat das Orfiril ja doch seinen Grund. Es gibt verschiedene Medikamente, die eine erhöhte Krampfneigung hervor rufen...da wirkt man dann mit Orfiril entgegen. Vielleicht hat sie irgendwann mal einen kleinen Anfall gehabt, der medikamentös bedingt war und nimmt seit dem das Orfiril. Absetzen sollte man es nicht von Jetzt auf Gleich, da dann die erhöhte Gefahr der Epilepsie besteht (also wenn, dann ausschleichen).

Torasemid als "das Mittel zum Pullern" :-D muss nicht unbedingt schlecht sein...wird gerne in Verbindung mit ein paar Herz-Pillchen gegeben.

Seroquel...hm...kann ich so jetzt schlecht einschätzen. Als Angehöriger geht man in erster Linie davon aus, dass der Heimbewohner/derPatient "überwiegend" am Tag ruhig gestellt wird. Aber es gibt prinzipiell Gründe der Ruhigstellung. Ich habe schon mehr als einmal Tänzchen mitmachen dürfen (meistens im Nachtdienst) mit Leuten, die ein wenig neben der Spur gefahren sind. Man kriegt die nicht dauerhaft unter Kontrolle, gerade wenn man die Verantwortung für mehr als eine Person zu tragen hat. Und bevor irgendwas passiert - bin ich ganz ehrlich - bin ich dafür, die "Unruhegeister" ein wenig zu dämpfen.

Lxieb@ido


Ich habe in bisherigen Heimen die Erfahrung gemacht, dass die schwerer Demenzkranken ca. 80% des Tages am Tisch sitzen (oder schlimmer noch meistens im Bett liegen) und -auch medikamentös bedingt- vor sich hindämmern.

Aber zum Beispiel mal spazieren zu fahren oder eine etwas intensivere persönliche Betreuung zu haben ist kaum möglich und in Heimen personell wohl auch nicht machbar. Wer keine sich kümmernden Freunde bzw. Angehörigen hat, ist arm dran.

Torasemid hat sie offenbar mal wegen Wassereinlagerungen in den Beinen bekommen, diese hat sie aber nicht mehr. Es wird möglicherweise nur vorbeugend verabreicht.

nuiceuwomaMn


das Heim kann ja nicht von sich aus Medikamente ansetzen, absetzen, erhöhen oder wie auch immer, das muss ja über den Hausarzt angeordnet, rezeptiert und die Dosierung bestimmt werden.

Vielleicht fragst du einfach mal den Arzt, wenn er bei deiner Angehörigen ist, warum er diese Medikamente verordnet und ob es Alternativen dazu gibt.

Luiebxido


Das werde ich auch tun, aber ich informiere mich gern aus mehreren unabhängigen Quellen. Der Arzt hat die Medikamente nur auf Basis der Informationen des Heims verordnet. Ich werde ihm gegenüber meine Sicht der Dinge äußern.

Zwischenzeitlich habe ich meinen Bruder gefragt (er ist Doktor der Pharmazie). Er stellt Seroquel als fragwürdig dar und Orfiril im konkreten Fall als völlig nutzlos und kontraproduktiv. Ein Grund mehr, den Arzt damit zu konfrontieren.

mFissmyar\plex9


Zitat:Dann würd ich dort mal nachfragen, weshalb sie dann Orfiril

bekommt.

hei liebido. also, kenne mich ein kleines bisschen mit medikamenten aus, da ich in der psychiatrie arbeite, und diese medikamentennamen mir kein fremdwort sind, die du aufgezählt hast. habe unseren stationsarzt mal gefragt, warum er einem pat. orfirilsaft verordnete, der gar kein epileptiker ist. er meinte, das orfiril auch ein bisschen stimmungsaufhellend ist. was heisst den 5 einheiten orfirilsaft?? in welcher menge?? lg miss......

aylexal777


Hallo Liebido,

manche Medikamente stellen nicht nur ruhig sondern helfen den Betroffenen über starke Gefühlsschwankungen und Depressionen hinweg.

Und wie du schon sagst, besser ruhiggestellt als "abgeschossen".

Mit Fragen bzgl. der Medikamentenverordnung, wendest du dich am besten an den behandelnden Arzt. Der wird dir eine Erklärung geben können warum er diese Medis verabreicht (vorausges. er wurde von der Schweigepfl. entbunden oder du hast die rechtl. Betreuung deiner Angehörigen).

Alles Gute

sTupi20x05


In der Regel Melperon als Tropfen oder Tabletten, Risperdal oder Haldol. Würde es allerdings nicht unbedingt als "ruhigstellen" bezeichnen sondern eher eine Erleichterung für die Leute und fürs Pflegepersonal. Wenn du so wie ich auf einer Station arbeitest wo du überwiegend Demenzkranke sind ,bist du froh das es sowas gibt. Die Leute sollen ja damit nicht vollgempumpt werden sondern beruhigt. Auf längere Sicht können diese Medikamente erhebliche Schäden hervorrufen, aber das brauche ich ja keinem zu erzählen. Auf meiner Station ist eine Frau die bettlägerig ist und jedem Mitarbeiter das Leben zur Hölle gemacht hat, die hat jeden nur angemacht und angeschrien und geschlagen. Seit dem sie Risperdal bekommt ist sie umgänglich geworden. Ganz normal halt. Ich will das jetzt net gutheißen aber in so einem Fall bleibt dir zwangsläufig nichts anderes übrig. :)D

Liebe Grüße

supi2005 ;-)

LCiebcidxo


Ich sehe schon, dass die Pflege-Mitarbeiter/-innen mit einigen Bewohnern einen schweren Stand haben. Andererseits: Wenn die Einstellung mit Medikamenten so weit geht, dass Bewohner fast den ganzen Tag vor sich hindösen, ist das eindeutig zuviel des "Guten".

Ich habe mit dem Neurologen, der die Medikamente verordnet hat, vor 10 Tagen telefoniert.

Als Begründung für die Verordnung nannte er, dass die Medikamente "schon früher von einem anderen Arzt mal verordnet gewesen seien" und er habe nur die Verordnung verlängert.

Da ich mit so einer "Begründung" nicht zufrieden bin, habe ich ihn gebeten, sich noch einmal zu melden, was er bis heute nicht getan hat.

Ich werde ihn nochmal darauf ansprechen.

sLupi20x05


Das es soweit geht, das die Leute den ganzen Tag nur vor sich hindösen, ist das natürlich nicht in Ordnung. Denn das ist nicht Sinn und zweck der Sache. %-|

supi2005

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