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Demenz, was mache ich nur?

aWg.adir2b00 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

mein Vater 83 Jahre leidet an Altersdemenz. Das Problem bei ihm ist, dass er sich nicht bewegen will. Er ist eigentlich Pflegeleicht, schläft etwa 20 Stunden am Tag, macht keine Wunder oder sonstige Dinge. Er macht nichts mehr alleine. Kann zwar noch essen und trinken, bekommt aber alles vorgesetzt und zerkleinert. Wenn er etwas tun soll, wird er aggressiv. Es ist insoweit auch kein Problem nur mit dem Laufen. Da er sich weigert längere Strecken (20 Meter) zu laufen baut seine Muskulatur ab. Er kann sich kaum noch alleine Vorbewegen. Auch die Motorik hat schwer gelitten. Er kann die Beine kaum noch koordiniert bewegen. Was kann ich da machen um ihn noch einige Zeit vor dem Pflegeheim zu bewahren. Das weitere Problem ist, er ist stark Übergewichtig und wiegt 130 Kilo.

Leider hat er seine schlechten Eigenschaften behalten. Er war schon immer sehr bequem, hat viel gegessen und wurde aggressiv wenn er etwas nicht wollte oder bekam.

Er lässt zwar alles mit sich machen, nur er will selbst nichts tun.

Wer kann mir einen Rat geben?

Gruß Günter

Antworten
d)acke5lhxugo


ja mein lieber, so einfach ist das alles nicht...... um dir einen rat zu geben ...... ich glaube auch wenn es dich bedrueckt das pflegeheim ist die beste loesung..... vorallem weil dein vater dort durch ausgebildetes personal gepflegt werden koennte..... ich kann mir vorstellen dass es dir schwerfaellt eine solche entscheidung zu treffen...... aber ich glaube es ist die beste loesung vorallem fuer deinen vater und natuerlich auch fuer dich... :)* :)* :)* :)* :)* :)* alles liebe und halt die ohren steiff :)^

JZacqiueliyne80


Hallo Agadir200!

Erst einmal möchte ich dackelhugo fragen, ob er dein Anliegen mal richtig durchgelesen hat!?

Zitat: "... das Pflegeheim ist die beste Lösung... "

Diese Meinung teile ich absolut gar nicht mit ihm!!! Ich selbst bin Altenpflegerin und arbeite in einem Pflegeheim. Dies kann nur, ohne dackelhugo zu nahe zu treten, von jemanden kommen, der keine Ahnung hat von einem Pflegeheim. Sorry aber so drastisch muss ich mich mal ausdrücken.

Als aller erstes: lebst du mit deinem Vater zusammen? Oder lebt er noch allein?

Weißt du, dass du dich bei seiner Krankenkasse kundig machen kannst, welche Leistungen dir zu stehen, vorausgesetzt du bist der jenige, der ihn pflegt?

Hat Dein Vater schon eine Pflegestufe? Demenz ist für eine Pflegestufe anerkannt.

Man kann eine Pflegestufe bekommen, wenn 3 Faktoren nicht mehr gewährleistet sind:

1. Mobilität -> du hast geschrieben er kann sich kaum noch fortbewegen. (Ihm würde somit auch ein Hilfsmittel, wie z.B. ein Rollator oder ein Rollstuhl, zustehen! Wird von der Krankenkasse ge- bzw. bezahlt) Dies ist eine Vereinsamungsgefahr!

2. Ernährung -> dein Vater kann sich die Nahrungsmittel nicht selbstständig besorgen und zubereiten, wie sieht es denn eigentlich mit Medikamenten aus? Die kann er sich ja demzufolge auch nicht selber besorgen, vorbereiten und bei Demenz evtl. auch falsch oder gar nicht einnehmen...

3. Körperpflege -> hier ist dieser Fakt ja auch wieder nicht gegeben, denn du schreibst, dass er zwar alles mit sich machen lässt, aber eben von selbst nichts macht. Wir haben übrigens sehr viele Demente Leute bei denen das genauso ist, dein Vater ist also nicht anders! Da die Körperpflege nicht gewährleistet ist besteht hier eine Gefahr der Verwahrlosung!

Man könnte zu einen ambulanten Pflegedienst gehen und sich beraten lassen. Wenn mehrere amb. Pflegedienste in der Nähe sind, dann nicht zögern, sondern überall mal eine Beratung einholen. Die meisten Laien machen einen großen Fehler, denn sie gehen nur zu einem und nehmen ihn dann auch als erstbesten Pflegedienst. Hole dir viele Angebote ein.

Damit wäre die Körperpflege und medizinische Angelegenheiten abgesichert. Für Demenzkranke gibt es seit neuesten auch einen Betrag für zusätzliche Betreungsleistungen, erklärt aber alles auch entweder der Pflegedienst und / oder die Krankenkasse auf jeden Fall.

Bezüglich der Probleme mit der Motorik und ähnliches bitte mit dem Hausarzt deines Vaters besprechen, dass er ein Rezept ausstellt für eine Ergotherapie und Physiotherapie. Die meisten Ärzte machen das auch, nur wissen die Angehörigen das nicht.

Wegen dem Gewichtsproblem - es ist wirklich eine schlechte Situation: wenig Bewegung und viel Essen... Atemprobleme vorhanden? Herzkrankheiten schon bekannt? Bluthochdruck vorhanden? Diabetes? Alles Folgen eines solchen Problems.

Es gibt z. B. auch Pflegeheime die eine Tagespflege anbieten, die Menschen werden früh von zu Hause abgeholt, werden in der Tagespflege beschäftigt, sind rundum versorgt und werden dann am Nachmittag wieder nach Hause gebracht. Hab auch schon gehört, dass es für die nachtaktiven Demenzerkrankten Menschen dasselbe System wie bei der Tagespflege gibt - man gibt sie zum Abend ab und bekommt sie morgens wieder.

Es gibt soviele Möglichkeiten, z.B. steht einem pflegendem Angehörigen ein Urlaub zu, das heist, der Demenzkranke kann für 28 Tage in eine Kurzzeitpflege gegeben werden, damit die Angehörigen mal Urlaub machen können und sich erholen können.

In meinem Kopf sind jetzt soviele Gedanken, was deine Frage, wie man einen demenzkranken Vater noch etwas von dem Pflegeheim fernhalten kann, aber ich glaub für heute reicht es erst einmal und ich schreibe morgen nochmal mit noch mehr Informationen. *:)

Also dann liebe Grüße

Jacqueline *:)

aHgadoir2x00


Hallo Jacqueline80,

danke für Deine Antwort. Mein Vater hat eine Pflegestufe.

Ich lebe bei meinen Eltern im Haushalt. Sie sind Beide 83 Jahre alt.

Habe nebenbei auch noch einen Beruf bei dem ich im Sommer etwa jeden Tag 10 Stunden nicht im Hause bin. Meine freien Tage verbringe ich damit, das Grundstück und Haus wieder auf Vordermann zu bringen.

Mein Vater will einfach nicht. Eine Gehhilfe hat er, nur laufen will er nicht. Ein Krankenbett ist beantragt. Einen Pflegedienst habe ich auch, nur der hat mir gesagt, wenn er nicht mehr läuft, können sie ihn nicht mehr häuslich pflegen.

Der Arzt hat meinen Vater schon aufgegeben. Er kommt nicht einmal mehr raus, wenn es ihm schlecht geht. Mit der Begründung, dass nichts mehr zu machen ist.

Medikamente bekommt er nur gegen Bluthochdruck.

Ich hatte ihn schon im Krankenhaus, aber die haben auch nichts gemacht. Nach 5 Tagen hatten sie ihn wieder nach Hause geschickt.

Ich habe bei meinem Vater eher den Verdacht auf Alzheimer.

Eine Bekannte hatte denselben Krankheitsverlauf.

Er kann sich absolut nicht mehr versorgen. Kann weder telefonieren, schreiben, reden etc.

Er erkennt mich nicht einmal mehr. Kennt meinen Vornamen nicht mehr oder meine Geschwister. Meistens schläft er, und wenn er wach ist, komme ich kaum noch an ihn ran. Er entfernt sich immer weiter. Er bekommt immer Schübe, dann verschlechtert sich sein Zustand weiter. Erst waren die Abstände recht groß, aber in den letzten 14 Tagen hatte er 3 davon. Seit dem kann er kaum noch sein rechtes Bein bewegen.

Manchmal antwortet er mit ja oder nein, nur nicht der Situation entsprechend. Er sagt einfach etwas, weil er gefragt wurde.

Ich denke, wenn er ganz den Weg zum Umfeld verloren hat, im Bett liegen bleibt und dauerhaft inkortinent ist, werde ich ihn doch in ein Heim bringen lassen.

Ich denke dabei auch an meine Mutter mit ihren fast 84 Jahren, wird es dann doch zuviel.

Es wird wohl das kleinere Übel sein.

Gruß agadir2000

JfacHqueLlinex80


Hallo Agadir200,

wenn ich deine Antwort so lese, habe ich ganz ganz großen Respekt vor dir und vor allem vor deiner Mutter!!!!

Irgendwann muss es, denke ich, eine Situation gegeben haben, dass sich dein Vater dann aufgegeben hat. So liest es sich jedenfalls.

Es muss wirklich eine riesengroße Belastung für euch alle sein, vor allem muss es sehr schlimm für dich sein, wenn dein Vater dich nicht mehr erkennt. Aber es ist der Lauf der Erkrankung.

Wir hatten damals in der Ausbildung eine Diskussion zum Thema Alzheimer/Demenz -> Medikamente ja oder nein? Die Sache ist die, man kann mit Medikamenten die Symptome hinauszögern aber die Krankheit an sich kann nicht geheilt werden. Man zögert diese Schübe, wie du das ja bei deinem Vater immer wieder feststellst, zwar immer weiter hinaus, aber sie kommen dann irgendwann umso heftiger.

Es tut mir wirklich leid für euch, dass man ihm nicht helfen kann und dann wäre die Überlegung wirklich sinnvoll, ein Pflegeheim in Erwägung zu ziehen. Wenn ich da ein Tipp geben darf:

Schaut euch ein Pflegeheim aus, welches zertifiziert ist vom MDK. Diese Heime sind laut Qualitätsstandard wirklich gut. Es gibt auch private Heime und öffentliche Heime, die nicht zertifiziert sind, da würde ich allerdings davon abraten. Es gibt viele Misststände in den Heimen, allerdings nicht in Heimen die vom MDK zertifiziert sind.

Falls du noch Fragen hast und ich dir bei irgendwelchen Problemen vielleicht helfen kann, dann melde dich einfach, ich helfe gerne!!!

Seid lieb gegrüßt von der Jacqueline :)*

aqgadiDrx200


Hallo Jacqueline,

danke für Deine Antworten.

Ich denke auch, das es irgendwann nötig ist, meinen Vater in ein Pflegeheim zu bringen Allein zum Schutze meiner Mutter.

Ich kann nicht sagen, dass mein Vater irgendwann aufgegeben hat. Er war sein Leben lang schon immer sehr bequem. Seine Demenz hat er sich selbst zuzuschreiben. Er hatte bestimmt 12 Jahre zu hohen Blutdruck. Haben ihn oft gebeten zu Arzt zu gehen, aber er wollte nie. Irgendwann hatte er unserem Druck nachgegeben, ging zum Arzt und hatte dann das Rezept verschwinden lassen. Also nichts gegen den zu hohen Blutdruck unternommen.

So etwas erfährt man dann im Nachhinein vom Hausarzt. Der wollte ihn auch schon vor Jahren ins Krankenhaus einweisen lassen.

Es ist nach der Aussage des Arztes, eine Folge von dem zu hohen Blutdruck und seinem Übergewicht. Dazu kam dann noch seine Antipathie gegen jegliche Art von Bewegung.

Mit den Heimen in der Umgebung habe ich schon abgecheckt. Auch die Kosten die auf uns zukommen.

Das einzige was mir im Moment Probleme macht, ist die Lähmung seines rechten Beines. Er kann deshalb kaum noch laufen und knickt nach rechts weg.

Der Hausarzt unternimmt nichts dagegen. Er hat ihn schon abgeschrieben. Auch wenn mein Vater einen neuen Schub hat, kommt er nicht mehr. Ich kann es ja verstehen, dass auch er machtlos dagegen ist und er hat sein Alter, aber man fühlt sich alleine gelassen.

Auch würde es meine Mutter helfen, wenn sie wüsste, dass ein Arzt ihr zur Seite steht.

Ich benötige ihn auch ehr für sie, als für meinen Vater, damit sie sich keine Vorwürfe macht, nicht alles für ihn getan zu haben.

Sie gibt sich die Schuld, dass es so gekommen ist. Nur mein Vater war schon immer starrsinnig und rücksichtslos, aber meiner Mutter kann ich es schwer begreiflich machen.

Dann gibt es noch die Vorwürfe von außen, von Menschen die keinen Einblick haben.

Reden dummes Zeug ohne ein Hintergrundwissen. Also muss ich noch die psychologische Betreuung für meine Mutter machen, damit sie nicht dabei seelisch baden geht.

Zumindest erlaubt es mir mein Job, dass sie am Nachmittag für 3 Stunden einen Freiraum für sich hat, und ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nachgehen kann. So das sie sich nicht ganz zurück zieht. Verwandte und bekannte meiden uns schon. Es kommt niemand mehr zu besuch. Das ist aber auch eine Folge von der Erkrankung. Viele Menschen wollen und können nicht mit Kranken umgehen.

Danke noch einmal für Deine Hilfe.

Gruß agadir200

zhelixne


Ich wollte nur einen kurzen Vorschlag machen, da ich dasselbe Problem von meiner Mutter kenne. Das Schlimme ist, dass die Erkrankten sehr leiden unter ihrem Zustand. So ist es jedenfalls bei ihr. Auch bei meiner Mutter hörte ich Aussagen von der Hausärztin wie; na in dem Alter, da kann man nichts mehr so viel machen. Allerdings ist sie 91. Aber das finde ich egal. Man sollte tun, was die Lage für den Erkrankten erleichtert. Ich habe einen Neurologen gefunden, der, hingegen aller Aussagen, zu ihr ins Haus gekommen ist. An Hand von bestimmten Testergebnissen vermutet er eine Alzheimererkrankung. Es gibt die Möglichkeit, mit Medikamenten die Entwicklung zu verlangsamen. Außerdem kann bei Deinem Vater auch eine Depression dazugekommen sein. Das ist oft der Fall. Das kann man mit Antidepressivern verbessern.

Ergotherapie zusätzlich scheint mir etwas ganz Wesentliches zu sein.

Meine Mutter bekommt auch Physiotherapie, selbst sitzend kann man die Muskeln stärken, so dass der Verfall aufgehalten wird.

Liebe Grüße Zeline

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