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Alzheimer: künstliche Ernährung ja oder nein?

S0chnAee5maann64 hat die Diskussion gestartet


Hallo Ihr Lieben,

wir haben in der Familie eine schwere Entscheidung zu treffen: unsere Mutter (Mitte 60) leidet seit einiger Zeit an Alzheimer. Seit 3 Jahren ist es so schlimm, daß sie in einem speziellen Pflegeheim leben muß. Leben ist in dem Fall auch recht viel gesagt. Vielmehr dämmert sie dahin, was uns allen bei jedem Besuch das Herz bricht. Der Mensch, der da vor uns sitzt und uns verständnislos anschaut hat mit unserer Mutter nicht mehr viel gemeinsam. Sie kann werder reden, noch sich sonst wie mitteilen. Körperlich ist sie aber noch ganz gut beisammen (hat aber auch schon stark abgebaut).

Vor einigen Tage wurde ihre Pflegestufe auf 4 erhöht und wir am Wochenende von den Mitarbeitern des Pflegheimes gefragt, wie wir zu einer Magensonde stehen würde (ich bin der Vormund). Sowas würde demnächst anstehen und wäre ein operativer Eingriff, so erklärte man uns. Die Sonde würde durch die Bauchdecke direkt in den Magen führen.

Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir diesen Eingriff zulassen und ihr "Leben" (um jeden Preis) verlängern, oder ob wir sie (aktiv) verhungern lassen. Man könnte auch anders herum Fragen: Lieber ihre Qualen/ihr Dahinvegetieren verlängern, oder würdevoll sterben lassen?

Wie würdet Ihr entscheiden?

Antworten
L)iebIidxo


"Lieber ihre Qualen/ihr Dahinvegetieren verlängern, oder würdevoll sterben lassen? " - Das ist ja schon eine rhetorische Frage. Dennoch bleibt es eine schwierige Entscheidung.

Ich bin Betreuer meiner schwer an Alzheimer erkrankten Mutter (sie ist ca. 80 Jahre alt). Vor ca. 3 Jahren stand ich vor einer ähnlichen Entscheidung, Allerdings hatte sie damals nur Pflegestufe 2 oder 3. Nahrungsaufnahme und Trinken verweigerte sie damals weitgehend. Ich gab eine Zustimmung zur PEG/Magensonde.

Nach einigen Monaten hat sich ihr Zustand soweit gebessert, dass sie wieder selbständig ißt und trinkt. Die Magensonde konnte nach einiger Zeit wieder entfernt werden.

Auch ist sie wieder relativ aktiv und macht meistens einen fröhlichen Eindruck. Die Entscheidung zur Magensonde für die kritische Zeit war im nachhinein betrachtet sicherlich richtig. Der Aufwand für das Legen und Entfernen der PEG ist zudem relativ gering; der Eingriff ist risikoarm.

Mitte 60 ist für eine schwere Alzheimer-Erkrankung sehr jung. Besteht irgendeine Aussicht auf Besserung?

Ich würde z.B. darauf achten, welche Medikamente sie bekommt. In vielen Heimen werden Demenzkranke medikamentös ruhiggestellt. Ist für das Heim und das Pflegepesonal natürlich einfacher.

Folge der Medikamente: Sie dösen nur noch vor sich hin. Mitunter werden diese Medikamente sogar gezielt eingesetzt, um eine höhere Pflegestufe und damit sowohl von den Pflegekassen als auch den Versicherten mehr Geld zu bekommen.

Sgchnee%mann64


@ Liebido

Danke für Deine schnelle Antwort.

Besteht irgendeine Aussicht auf Besserung?

Nein, nach Aussagen der Ärzte nicht. Man hat sogar schon alle Medikamente (bis auf ein Schlafmittel und einen leichten Blutverdünner) abgesetzt. Es scheint wirklich nur noch ein Vegetieren und Warten (auf das Ende) zu sein.

Sie braucht keine Medikament zur Ruhigstellung. Eigentlich sitzt sie nur in der Ecke und starrt ins Leere. Sie bemerkt teilweise noch, wenn jemand in den Raum kommt, verfolgt kurzzeitig, aber weiter nichts.

Dennoch ist die Entscheidung sehr schwer. Vor allem, weil man sie tatsächlich verhungern ließe.

PMr<inz&e&ssx84


Oh man, das ist echt eine schlimme Entscheidung, die dir da bevorsteht.

Gibt es keine Patientenverfügung oder hat deine Mutter mal mit dir darüber gesprochen, als sie noch gesund war, "was wäre wenn?"?

Ich weiß nur, dass meine Mutter so nicht enden möchte (ich übrigens auch nicht). In der Ecke hockend und vor sich hin vegetierend.

Ich bin der Meinung, dass man nicht um alles in der Welt den Menschen am Leben erhalten muss. Sie kann oder will keine Nahrung mehr zu sich nehmen, das ist ok, so ist der Krankheitsverlauf.

Du sagst, ihr Zustand wird sich nicht verbessern.

Es ist eigendlich nur noch eine lebensverlängernde Maßnahme mit der Magensonde. Die Frage ist, will sie das?

Auch wenn jetzt die Steine fliegen: ein Tier, dass so krank ist wird eingeschläfert, weil man es ja nicht leiden lassen will. Ein Mensch wird mit allen Mitteln irgendwie am Leben gehalten, er leidet nicht?!

Manchmal sollte man der Natur einfach ihren Lauf lassen, auch wenns weh tut!

Ich wünsche dir die Kraft, eine Entscheidung zu fällen! :)*

a_gnexs


Wenn nicht-sedierte chronisch Kranke nicht mehr essen wollen, scheint das oft ihr Weg zu sein, mitzuteilen, daß sie nicht mehr leben wollen. Sie ziehen dann oft Sonden heraus und die Ernährung wird zum Kampf.

Krebskranke fühlen meist keinen Hunger mehr, wenn es zu Ende geht. Ob das bei Demenz auch so ist, ist schlecht zu sagen, aber daß jemand, der Hunger hat, sich das Essen vorenthält, wenn sonstige Denkprozesse kaum funktionieren, halte ich für unwahrscheinlich.

Sonderernährung scheint bei fortgeschrittener Demenz auch nicht lebensverlängernd zu sein.

Ich persönlich würde mir für mich wünschen, daß, sollte ich in die Situation kommen, man mich nicht per Sonde ernähren würde. Im Gegenteil, ich würde mir aktive Sterbehilfe wünschen.

The best available cohort studies suggest that tube feeding

does not prolong survival in advanced dementia. Tube

feeding has also not been shown to improve nutritional status

or the clinical consequences of malnutrition, such as pressure

ulcers

[[http://jama.ama-assn.org/cgi/reprint/298/21/2527]]

I|ninxi


Ich würde es nicht machen.

Sie hat das Recht, zu gehen.

Alles andere ist aktive Sterbeverhinderung und das ist in meinen Augen schlimmer als Sterbehilfe...

Die Natur hat es so eingerichtet und das ist auch gut so.

Wir haben uns vor Jahren für die Sonder entschiedn, das Siechtum was letztendlich folgte bis dann doch nichts mehr ging war eine Folter. Denn die Sonde wieder entnehmen - das darfst du nicht, dann ist es Sterbehilfe.

Also musst du im Extremfall zuschauen, wie ein Körper bei voller Nährstoffzufuhr rundherum krepiert, weil die natürliche Lösung genommen wurde...

Sech~neem:ann>64


Ich bin der Meinung, dass man nicht um alles in der Welt den Menschen am Leben erhalten muss. Sie kann oder will keine Nahrung mehr zu sich nehmen, das ist ok, so ist der Krankheitsverlauf.

Ja, das denke ich auch und meine, daß es evtl. sogar eine bewußte oder auch unbewußte Entscheidung des Körpers sein kann, die wir zu respektieren haben. So läßt sich die Entscheidung gegen eine Magensonde zumindest für uns als Familie leichter ertragen, auch wenn es sich egoistisch anhört. Wir müssen damit aber weiter leben: mit dem Anblick einer Frau, die mal unsere Mutter war und mit dem Gedanken, ihr Leiden verlängert zu haben, aber auch mit der Entscheidung und den vielleicht ewigen Fragen, wenn wir sie haben gehen lassen.

Eine Patientenverfügung gibt es leider nicht. An so etwas, wie Alzheimer haben wir nicht gedacht. Ihre Krankheit schreitet sehr schnell voran. Vor 3 Jahren hat sie ihren Haushalt noch ganz allein gemacht. Sie war teilweise etwas vergesslich und wunderlich, aber wer ist das ab und zu nicht? Wie sie beerdigt werden will, darüber haben wir gesprochen, aber nicht über Magensonden o.ä.

Es ist eigendlich nur noch eine lebensverlängernde Maßnahme mit der Magensonde. Die Frage ist, will sie das?

Wer will das schon?

Auch wenn jetzt die Steine fliegen: ein Tier, dass so krank ist wird eingeschläfert, weil man es ja nicht leiden lassen will. Ein Mensch wird mit allen Mitteln irgendwie am Leben gehalten, er leidet nicht?!

Das habe ich auch gesagt. Man verweigert einem Todkranken den würdevollen Tod, nur weil man meint, es sei ethischer, ihn um jeden Preis am Leben zu erhalten. Verkehrte Welt!

Manchmal sollte man der Natur einfach ihren Lauf lassen, auch wenns weh tut!

Ja.

S1chnexemannx64


Ich danke Euch - auch, wenn mir grad die Tränen in den Augen stehen, werde ich das hier mal meiner Familie ziegen. Sie denken aber wohl eh schon ähnlich. :°_

PJflGege8txussi


ich bin Altenpflegerin und habe bisher einmal erlebt, dass eine Magensonde nicht gelegt wurde - und ja, die Dame verhungerte und es war furchtbar mitanzuschauen - es zog sich über ca 1 Woche hin und sie quälte sich sehr (schrie, schlug um sich, zuletzt Fieberwahn etc).

Ich persönlich könnte sowas nicht noch einmal mit anschauen - und bei meinen eigenen Eltern/Schwiegereltern würde ich immer pro Magensonde entscheiden, weil ich auch selber nicht verhungern möchte (das hat für mich nichts mit würdevollem Tod zu tun).

Wollte Dir das einfach so mit auf den Weg geben ... und ich hoffe, dass Du die für Dich richtige Entscheidung triffst.

PS: ich für mich habe auch entschieden, dass ich keine lebensverlängernden Maßnahmen will, aber eine Magensonde möchte ich - weil ich nicht verhungern will.

Prfleget]ussi


PPS: das mit der Magensonde habe ich in meiner Patientenverfügung so festgelegt, damit meine Angehörigen auch in meinem Sinn handeln können, falls es bei mir mal so weit sein sollte.

D[ieKruGemxi


ich stehe kurz vor der selben Entscheidung. Es gibt zu dem Thema PEG bei Alzheimer eine gute Stellungnahme des Ethikrates der Caritas, google mal.

Generell ist es ja so, dass du als Betreuer nicht das entscheidest, was DU für richtig hälst, sondern versuchen musst, so zu entscheiden, wie deine Mutter es gewollt hätte. Hat sie sich früher zu dem Thema geäußert "Lebensverlängernde Maßnahmen"?

Ich finde es erstaunlich, dass die Schwestern dieses Thema bei dir angedeutet haben, denn eigentlich ist man inzwischen bei Alzheimer-Erkrankten recht zurückhaltend mit PEG-Sonden.

amgnexs


@ Pflegetussi:

Woher weißt Du, daß die Symptome der Patientin durch mangelnde Ernährung ausgelöst wurden? Wegen Hungers um sich zu schlagen wäre doch eher ungewöhnlich?

Habt Ihr ihr Essen angeboten und sie hat es abgelehnt?

D*ieKGru3emxi


ich bin Altenpflegerin und habe bisher einmal erlebt, dass eine Magensonde nicht gelegt wurde - und ja, die Dame verhungerte und es war furchtbar mitanzuschauen - es zog sich über ca 1 Woche hin und sie quälte sich sehr (schrie, schlug um sich, zuletzt Fieberwahn etc).

Sorry, wenn ich das so sage, aber dann war die begleitende Pflege und Medikation nicht gerade optimal....

PyflegUetjussi


sie konnte nicht mehr schlucken, konnte sich nicht mehr bemerkbar machen, konnte nicht mehr zwinkern etc ...

sie konnte also nicht mehr sagen, ob sie es will oder nicht ... darum wurden die Angehörigen gefragt und die lehnten die Magensonde ab. Und wie es dann weiterging kannst Du oben lesen ...

Und für uns Pflegekräfte war es auf jedenfall furchtbar - man ist ja auch nur ein Mensch.

D!ieKurAuemxi


Generell ist es ja so, dass du als Betreuer nicht das entscheidest, was DU für richtig hälst, sondern versuchen musst, so zu entscheiden, wie deine Mutter es gewollt hätte.

nachtrag: kannst du das nicht ergründen bzw bist dir nicht sicher, entscheidet das Vormundschaftsgericht. Und das entscheidet in dubio pro vita.

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