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Alt, krank, aber nicht zum Arzt gehen

c"et\eruUm \cexnseo hat die Diskussion gestartet


Mein Vater (Ende 70) wohnt allein, aber wirtschaftet teilweise gemeinsam mit einer Bekannten, die in seiner Nachbarschaft wohnt.

Sein Verhalten wird seit ein paar Jahren immer merkwürdiger. Er fühlt sich ständig verfolgt (so würde ich es bezeichnen), schreibt ständig Briefe an Gerichte und Ämter (mit denen er gar nichts zu tun hat) und überwirft sich mit immer mehr seiner früheren Freunde. Mich deckt er mit falsch adressierten und neuerdings unfrankierten Briefen ein (in denen Kopien uralter Briefe stecken). Heute hab ich ihn zufällig getroffen, und er grüßte mich wie einen Fremden. Seine Bekannte macht ihm etwas den Haushalt, der sonst hoffnungslos verwahrlosen würde. Manche bezeichnen sein Verhalten als dement, manche als manisch, manche als schizophren (er hatte immer mal lichte Momente). Man braucht das Thema aber gar nicht ansprechen, würde nur Unfrieden stiften. Er hält sich erstens für gesund, zweitens mißtraut er jedem. Er würde nie zum Arzt gehen! Was soll ich tun? Bei jedem anderen würde ich sagen: wenn er nichts mit mir zu tun haben will, dann auch ich nichts mit ihm, und gut ists. Aber er ist mein Vater! Wenn seine - kranke - Bekannte mal nicht mehr kann, dann geht er vor die Hunde. Muß man so lange warten, bis man ihn verdreckt und halbverhungert aus einer verwahrlosten Wohnung holt und in ein Heim verfrachtet? (Was ihm sicher den Rest geben würde...)

Antworten
T(apxs


Hallo ceretum censeo,

ich habe mit meiner Mutter dasselbe Problem. Sie lebt völlig abgeschieden, will niemanden sehen, leidet unter Verfolgungswahn, hat äußerst bizarre Ansichten, verlässt kaum noch das Haus (würde nie einen Arzt aufsuchen). Viele Symtome deuten auf Demenz hin. Sie ist im letzten halben Jahr ziemlich abgemagert, nimmt von mir aber keine Lebensmittel an. Sie mag nicht essen, vergisst es vermutlich auch. Ich bin schon froh, wenn sie mich überhaupt noch in die Wohnung lässt.

Meine Schwester, die zig km weg wohnt sagt, lass sie doch vor sich hinpusseln (sie sieht sie ja nicht), im Heim würde sie eingehen. Womit sie wohl Recht hat. Meine Mutter hat einen ziemlich geringen Bildungsgrad und hatte noch nie viele soziale Kontakte. Alles Reden, alle Überzeugungsversuche prallen völlig an ihr ab.

Als ich mich mal mit meinem Arzt darüber unterhielt, meinte er, solange wie derjenige sich nicht helfen lassen will, kann man gar nichts tun. Andere wiederum sind der Meinung, ich solle den sozialpsychatrischen Dienst einschalten.

Ich weiß auch nicht, was man tun soll. Ich kann es kaum mitansehen, aber sie will wohl nicht mehr. Vielleicht muss man das akzeptieren.

naan5ch^en


ceterum censeo,

ich weiß nicht, wie deine Lebenssituation im Moment so aussieht.....

Ich kann leider nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber habe mich viel mit dem Thema Demenz beschäftigt.

Du könntest in deiner Näheren Umgebung nach einer Selbsthilfegruppe schauen oder dich an einem Altenheim wenden, dass einen Dementenbereich hat, die Fachkräfte sollten so gut ausgebildet sein, dass sie dir in dieser Situation helfen können. Der Soziale Dienst kann dir auch helfen als Ansprechpartner.

B>utxch


ceterum censeo

Hi,

das ist unheimlich schwierig und professionelle Ratschläge kann ich dir leider nicht geben, aber ich kenne das Problem.

Bei mir in der Strasse lebte bis vor kurzer Zeit ein älterer Herr, der zwar einen guten Job hatte, aber nie Familie und vor allem durch den 2. Weltkrieg Traumata erlitten haben soll.

Er wurde 98 Jahre alt und hat bis zuletzt in seiner eigenen Wohnung und seiner eigenen Welt gelebt. Er ist sogar noch Auto gefahren und hat auch sämtliche Nachbarn und anliegende Firmen fotografiert, verklagt und hatte zahlreiche Klagen am Laufen.

Ich habe ihm manchmal geholfen und den Stromzähler abgelesen etc.

So schwer es sein mag, habe ich ihn in seiner stinkenden Bude auch nur noch als ziemlich jämmerlich und bemitleidenswert wahrgenommen.

Wenn pflegebedürftige Menschen ihr eigenes Ding durchziehen wollen, kann man nicht helfen. Gegen den Willen geht nichts.

c0eterum Ucenseo


Ich war inzwischen beim sozialpsychiatrischen Dienst gewesen, um mich beraten zu lassen. Das Ergebnis war etwa das erwartete: sie können nichts machen, sofern derjenige, um den es geht, das nicht will. Sie würden sogar vorbeikommen und um ein Gespräch bitten, aber mein Vater könnte sie rausschmeißen und würde das auch tun. Zudem darf der soz.-psych. Dienst nicht verheimlichen, von wem sie informiert wurden. Die Folge wäre noch Krach mit den wenigen verbliebenen seiner Verwandten und Bekannten.

Ich würde ihm so gern helfen, bin aber irgendwie machtlos. Zudem sieht es so aus, als wenn ich in absehbarer Zeit aus seiner Nähe wegziehe.

Seine Telefonnummer hat er auch gewechselt, und er sagt die neue keinem...

Gestern kam wieder ein Brief von ihm, natürlich unfrankiert und mit meinem Absender. Ich wollte die Annahme (wie immer) verweigern, aber da sagt der Angestellte: "Können Sie nicht, der Brief ist ja von Ihnen". :-o :-o :-(

s(chnatRtexrgusche


Dein Vater hat sich in seine Welt zurückgezogen. Er ist wie er ist, und aus seiner Sicht ist das völlig normal. Das geht uns doch allen so. Es sind immer die Anderen, die anders sind. ;-)

Laß ihn in seiner Welt, und versuch es so zu akzeptieren. Auch wenn es schwerfällt. Zeig ihm Deine Liebe. Und wenn Du stark bist, kannst Du sie auch zeigen, wenn er sie in seinem Zustand mit Füßen tritt. Wenn er Dich nicht auf seiner Seite sieht, wird er auch keinen Rat von Dir annehmen.

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