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Palliativpflege für alte Menschen?

T;onNi8Y76 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

meine seit ca. 3 Jahren bettlägerige Großmutter (97 Jahre) wird derzeit von ihrer Tochter und ihrem Enkel gepflegt. Nach einem Sturz vor ein paar Wochen habe ich nun jede Hoffnung aufgegeben, daß konzentrierte Physiotherapie bzgl. Mobilität noch etwas bewirken könnte, sie ist mittlerweile auch nicht mehr ansprechbar und kann sich auch nicht mehr mitteilen.

Eine Anhebung auf Pflegestufe 3 ist wohl realistisch, seit einiger Zeit erwägen wir auch ein Pflegeheim.

Ich selbst bin nicht vor Ort, aber nach der Entwicklung die ich bei meinen Besuchen feststellen konnte, sowohl physisch als auch psychisch, scheint mir das bloße Aufrechterhalten der Lebensfunktionen irgendwie nur noch ein aufgezwungenes Dahinvegetieren zu sein (was auch mit den teils verzweifelten diesbezüglichen Äußerungen meiner Großmutter in Einklang steht).

Es gibt ja nun den Gedanken der Palliativpflege, der nicht die Heilung/Behandlung um jeden Preis sondern "nur" die möglichst schmerzfreie Gestaltung der verbliebenen Lebenszeit in den Vordergrund stellt. Im Web sehe ich dazu aber nur Infos zu schwerkranken Menschen, deren Krankheit keine Aussicht auf Besserung hat, und der Tod in absehbarer Zeit mehr oder weniger besiegelt ist. In Bezug auf "nur" alte Menschen, denen keine konkrete Krankheit, sondern "nur" das Alter, die Demenz, die fehlende Mobilität und Schmerzen ein unwürdiges Dasein aufzwingt, kann ich nichts finden.

Mir ist das ethische Problem in dieser Angelegenheit bewusst (Schlagwort Sterbehilfe). Aber konkret würde ich meiner Großmutter wünschen, daß man die bisherige indirekt lebenserhaltende Medikation einstellt (v.a. zur Blutverflüssigung um Schlaganfälle zu verhindern, zT ebenfalls lebensnotwendige Stuhlgang-Unterstützung), und sich stattdessen auf die Ermöglichung einer möglichst schmerzfreien und würdevollen letzten Lebenszeit konzentriert.

Meine Frage: Ist sowas in Deutschland vom rein rechtlichen Standpunkt her überhaupt denkbar, und hat jemand hier damit schon Erfahrungen gemacht?

Antworten
M<r.VP_uscShexl


Hi,

ich versteh jetzt nicht so ganz was Du Dir wünschst.

Du wünschst Dir die medikamentöse Therapie einzustellen oder was ist es genau.

Von der anderen Seite, sie ist 97 und hat sicherlich keine mehr sehr hohe Lebenserwartung.

Was wünscht sie sich?

Hat sie eine Patientenverfügung, einen Betreuer oder einen gesetzlich bBevollmächtigten.

Bql0bb


Der Fall deiner Großmutter ist sehr tragisch und du hast mein großes Mitgefühl.

Aber eine Aufenthalt auf einer Palliativ-Station wirst du nicht erreichen können. Dafür gibt es leider keine Indikation, denn es gibt keine zugrunde liegende Krankheit die einen baldigen Tod absehen lässt. Deine Großmutter kann in 2 Wochen sterben, aber vielleicht auch erst in 3 Jahren.

Außerdem: auf einer Palliativstation werden indirekt sterbehelfende Maßnahmen auch nicht durchgeführt. D.h. (außer bei Patienverfügung) wird auf jeden Fall medikamentös (auch z.b. Blutverdünnung) gearbeitet! Denn es wird neben der Schmerzfreiheit auch probiert eine Besserung, soweit möglich, der Symptomatik zu erreichen!

Eine Palliativ-Indikation ist leider nicht gegeben. Jedoch kannst du trotzdem mit Hilfe einer Verfügung, die weitere Behandlung regeln und anweisen was gemacht werden soll und was nicht.

dtanIiflexx


@ Toni

Wie schon geschrieben wurde, ist hier vor allem eine Frage von Bedeutung: hat deine Großmutter in den Tagen, wo sie noch ansprechbar und geschäftsfähig war, eine Patientenverfügung erstellt, aus der ihre Wünsche für so einen Fall hervorgehen? Wenn nicht, hat sie sich zumindest in Gegenwart von Zeugen eindeutig dazu geäußert? Was die weitere Behandlung betrifft, haben sich Ärzte vor allem nach dem Wunsch des Patienten zu richten.

Hat sie schriftlich einen Bevollmächtigten ernannt, oder wurde vom Gericht ein Betreuer bestellt?

Zu den rechtlichen Möglichkeiten findest du im Internet reichlich Informationen, einfach mal suchen. Zwischen (aktiver) Sterbehilfe und dem Einstellen lebensverlängernder Maßnahmen besteht auch noch ein Unterschied.

TKoni8d76


Du wünschst Dir die medikamentöse Therapie einzustellen oder was ist es genau.

Ich kann nicht sagen daß ich mir das wünsche. Ich kann es nur schwer mit ansehen, wie meine Großmutter mehr leidet als lebt.

Hat sie schriftlich einen Bevollmächtigten ernannt, oder wurde vom Gericht ein Betreuer bestellt?

Meine Mutter ist die Pflegebetreuerin.

Wie schon geschrieben wurde, ist hier vor allem eine Frage von Bedeutung: hat deine Großmutter in den Tagen, wo sie noch ansprechbar und geschäftsfähig war, eine Patientenverfügung erstellt, aus der ihre Wünsche für so einen Fall hervorgehen?

Nein, leider nicht.

Wenn nicht, hat sie sich zumindest in Gegenwart von Zeugen eindeutig dazu geäußert?

Eindeutig genug für die die sie kennen, ich fürchte aber nicht eindeutig genug um etwaige gesetzliche Erfordernisse zu erfüllen.

Zu den rechtlichen Möglichkeiten findest du im Internet reichlich Informationen, einfach mal suchen.

Ok, werd ich machen.

Danke für eure Tipps und Hinweise!

d^andifxlex


Mir ist nicht ganz klar, was du mit "Pflegebetreuerin" meinst. Ist deine Mutter eine vom Vormundschaftsgericht förmlich eingesetzte Betreuerin deiner Großmutter, oder soll das lediglich heißen, daß sie sich um die Pflege und sonstige Belange kümmert?

Schau dir bitte vor allen Dingen die §§ 1901 bis 1904 BGB an. Diese Paragraphen wurden erst zum September 2008 im Hinblick auf diese Sachverhalte neu gefaßt.

Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, müssen zunächst Betreuer/Bevollmächtigter und behandelnder Arzt anhand tatsächlicher Anhaltspunkt den mutmaßlichen Willen des Patienten feststellen, was die weitere Behandlung angeht. Das wird auch für allgemeine lebensverlängernde Maßnahmen wie etwa künstliche Ernährung gelten. Nahe Angehörige oder sonstige Vertrauenspersonen sollen dazu angehört werden. Es wäre hier sehr hilfreich gewesen, wenn eine frühere Patientenverfügung exisitiert hätte.

Besteht keine Einigkeit zwischen Arzt und Betreuer/Bevollmächtigtem hinsichtlich des mutmaßlichen Patientenwillens, muß das Vormundschaftsgericht eingeschaltet werden, das dann diese Entscheidung nach Anhörung von Sachverständigen trifft. Für den Arzt kann ein Behandlungsabbruch (vor allem ohne Vorliegen einer entsprechenden Patientenverfügung) ja auch sehr problematisch werden.

Das ist für alle Beteiligten eine sehr schwierige und tragische Situation, die man niemandem wünscht.

dXanipflex


Korrektur: §§ 1901 ff. im September 2009 neu gefaßt.

GMr|ies]uh1


Hallo, fgast jede Klinik hat ein Palliativteam. Vermutlich auch die Klinik in der deine Großmutter zuletzt war. Frage dort einmal an, welche Möglichkeiten das Palliativteam in Zusammenarbeit mit den Angehörigen und einem ambulanten Pflegedienst zu euerer Unterstützung an Hilfe anbieten und leisten können.

Jede Stadt und Gemeinde hat ein Seniorenbüro. Dort könnt ihr genaues in Erfahrung zu den Patientenverfügungen und den amtl bestellten Betreuungen erfahren.

LG

s|chne~cke1I9x85


Soweit ich weiß, kriegt man, wie schon geschrieben, Palliativbehandlungen im Hospiz nur dann, wenn der Todeszeitpunkt ungefähr abzusehen ist.

B,lw0bb


Man sollte hier auch beachten: Hospiz ungleich Palliativpflege!

G5riesuxh1


Hallo, Hospitz ist nicht gleich Palliativversorgung.

Eine Palliativversorgung kann auch im häuslichen Bereich erfolgen. Dabei geht es darum, die letzen Monate so angenehm wie möglich für den Betroffenen zu gestalten. Sei es mit einer ausreichend angesetzten Schmerztherapie, oder einer umfassenden Wundversorgung, Grundpflege, Entlasstung der Angehörigen und so weiter.

Wie schon zu vor gesagt, fast jede Klinik hat ein Palliativtaem.

Tnoni8x76


Mir ist nicht ganz klar, was du mit "Pflegebetreuerin" meinst. Ist deine Mutter eine vom Vormundschaftsgericht förmlich eingesetzte Betreuerin deiner Großmutter, oder soll das lediglich heißen, daß sie sich um die Pflege und sonstige Belange kümmert?

Ersteres.

Das ist für alle Beteiligten eine sehr schwierige und tragische Situation, die man niemandem wünscht.

Ja, und ich merke schon wie mir diesbezüglich schon wieder der (blödes Wort in dem Zusammenhang) "Mut" abhanden kommt. Das hört sich ja doch alles irgendwie nach planmäßig organisiertem Mord an, denn nach friedlichem Einschlafen lassen. Mich schüttelts gerade :-(

Trotzdem danke für eure Hilfe und Infos.

SxüntXje


vielleicht will sie ja noch gar nicht friedlich einschlafen?

ich versteh deine "Wut" nicht so ganz, was wird denn noch alles gemacht?

regelmäßige Abführmaßnahmen sind ja nun keine Quälerei. Was passiert denn noch so mit deiner Oma?

F@riedeal|i=nxa


Was das weglassen von Medikamenten betrifft,da solltet ihr euch einfach mal mit dem Hausarzt in Verbindung setzten.Medikamente zur Blutdruckregelung und auch zur Schlaganfallprophylaxe würde ich nicht weglassen.

Und solange die Oma noch Nahrung zu sich nimmt auch nicht die Medis zur Unterstützung der Verdauung.Denn ein Schlaganfall oder einen Darmverschluss soll die Oma nun nicht bekommen.

Pallativpflege bedeutet ja nicht das Weglassen von Medis sondern vielmehr das man z.b.keine Magensonde legt bei Nahrungsverweigerung und das man schmerzstillende Medikamente,auch Morphine, gibt,wenn es nötig ist.

Pallativmedizin bedeutet aber auch das man eine Hilfe durch Sauerstoff bei der Atmung geben kann,das verlängert das Leben nicht wirklich sondern erleichtert die Atmung und der Mensch hat nicht das Gefühl zu ersticken.

Abmira_HSunQflowxer


Schlagwort Sterbehilfe

Wie Sie sicher wissen, ist Sterbehilfe in Deutschland unter Strafe gestellt.

Ein Hospiz nimmt Personen auf, die austherapiert sind und ein schweres Krankheits- und Leidensbild haben und kurz vor dem letzten Lebensabschnitt stehen.

Die von Ihnen genannte Person wäre sicher ein Fall für das Altenheim, ich denke nicht, dass sie im Hospiz aufgenommen wird.

Möglicherweise wäre das mit den Medikamenten möglich, insofern sie zum früheren Zeitpunkt eine entsprechende Patientenverfügung verfasst hätte.

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