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21.02.10 09:35
Die Fakten:
Mein Vater leidet an vaskulärer Demenz bzw. Morbus Binswanger.
Er ging, als ich 16 war, nach USA, ich lebe seit mehr als 25 Jahren in Österreich.
Er lebt nun seit 12 Jahren wieder in der alten Heimat.
Wir haben kein sehr herzliches Verhältnis, er nimmt mich in die Pflicht, und er verhält sich ziemlich egoistisch. Nach einem Krankenhausauftenthalt, bei dem auch Verdach auf Parkinsonismus vorlag und er Levodopa erhielt, entwickelte er Wahnvorstellungen. Nachträglich wurde festgestellt, dass Wahnvorstellungen durch die Einnahme von Levodopa stammen. Zu diesem Zeitpunkt stimmte er nach anfänglichen Wehren der Heimlösung zu. Nach dem Spitalsaufenthalt konnte er nicht gehen, trug Windeln lediglich Essen konnte er selbständig.
Es war auch gar nicht einfach einen Heimplatz zu finden, ziemlicher Aufwand und Nervenkrieg sogar. Ich fand das Heim zwar einerseits etwas deprimierend (so viele betagte Menschen, teilweise auch in fortgeschittenem Stadium der Demenz), andererseits aber auch: gutes Essen, freundliches und engagiertes und geschultes Personal, gute Betreuung (Physiotherapie, Gehschule etc.) Die Rehabilitation war sehr schnell erfolgreich.
Meine Argumentation für Heimlösung ist folgende: nach ärztlicher Meinung benötigt er 24 Stunden Aufsicht. Aufgrund der vaskulärer Demenz hat er neurologische Ausfälle, er kann sehr schwer gehen, manchmal fällt er auch hin. Zudem auch recht aggressives verbales Verhalten, zuweilen.
24 Stunden: Das ist im Heimatland finanziell nur im grauen Bereich machbar.
Ich wohne ca. 7 Stunden Zugfahrt entfernt... Er ist Witwer und hat niemanden, auch viele Freunde wandten sich ab.
Heimaufenthalt war nach ca. 5 Wochen beendet, mit Hilfe eines Nachbarn "flüchtete" er nach Hause, da wurde auch eine Haushaltshilfe organisiert.
Mich lügte er an und verbündete sich mit einer fremden Person. (Mir erzählte er: bleibt zumindest ein halbes Jahr, er hat eine Ooperation in der Heimatstadt etc. Das Heim war 180 km entfernt, in der Heimatstadt ist es unmöglich, kurzfristig einen Platz zu finden, Kurzzeitpflege wird nicht angeboten).
Ich wurde nicht einmal gefragt oder eingebunden, sondern vor die Fakten gestellt.
(Beim Nachbarn, mit dem er erst seit ca. 1 Jahr befreundet ist, bin ich auch nicht im klaren über seine Motive.)
Mittlerweile ist er mit dem Nachbarn zerstritten, die Heimhilfe hat von sich aus gekündigt.
Alles was ich organisiere: nimmt er nur an, wenn er extrem geschwächt ist, oder anderes schiefgelaufen ist.
(Auch offizielle Heimhilfe der Heimatstadt wurde boykottiert.)
Nun werde ich eine Firma mit legalen Kräften engagieren.
Sind zwar weniger Stunden möglich, aber zumindest vertraglich abgesichert, und Ersatz für Urlaub, krankheit etc.
Ich bin zwar nicht persönlich pflegend, aber die Situation macht mich fertig.
Im November und Dezember fuhr ich 7 mal nach Hause...nahm ständig Urlaub, es kostete auch jede Menge, das geht auf Dauer einfach nicht.
Mein Alltag ist von dieser angespannten Situation bestimmt, zwischendurch ruft er mich 3 bis 5 mal am Tag an... Ich kann auch nur so viel tun, von hier aus, und ich kann/will nur so oft fahren.
Ich will eine Lösung, die auch für mich akzeptabel ist: eine verlässliche Aufsicht und Pflege!
Diese halblegalen Kräfte: die ich nicht wöchentlich kontrollieren kann... das geht einfach nicht gut. Man ist auch erpressbar. (War ja so der Fall mit der letzten Haushaltshilfe... sie reduzierte die Stunden willkürllich - bei gleich bleibender Bezahlung).
Ich kann und will nicht alle 14 Tagen fahren, ich habe auch ein eigenes Leben (in einem anderem Land) und einen recht anstrengenden Beruf.
Und wie weiter umgehen:
Ich bin ziemlich wütend - weil ich wenn es nicht funktioniert:muss ICH immer einspringen , kaum geht es besser, agiert er wieder unvernüftig...spielt Menschen gegeneinander aus...
Seine Demenz: ist keine Vergesslichkeit... sondern eben: Gangstörung, Stürze, (geleugnete) Inkontinenz, usw.
Dazu kommt das Unvemögen mit dem Geld, im November hat er sämtliche Konten, Kreditkarten etc. bis zum Limit überzogen. Teilweise auch wissentlich.
Ich habe eine Art Generalvollmacht. (Sachwalterschaft für besondere Fälle), allerdings hat er seine volle Geschäftstüchtigkeit)...
Diese Zustände dominieren mein Leben. Ich versuche zu helfen, aber eben so: dass es auch für mich akzeptabel ist. Dies wird jedoch gezielt untermininiert. Geistig: ist er voll da, wenn es um Durchsetzen seiner Wünsche geht. Zwischendurch immer wieder schlaflose Nächte und kann mich auf meine Arbeit und mein Leben gar nicht konzentrieren.
Ja, er ist mein Vater, aber auch schon als Kind mochte ich ihm nicht so besonders, er war immer ein wenig ein Tyrann. Ist so. Und durch das getrennte Leben...meine Eltern in den USA, ich in Österreich: entstand auch diese Distanz...
Als meine Mutter krank war: hatten sie auch alle ihre Eheprobleme bei mir deponiert, damals nahm ich das einfach hin.
Alle seine noch verbliebenen Freunde (eher in seinem Alter), sehen das alles mehr aus seiner Perspektive. Der Neurologe im Krankenhaus sprach sich auch (trotz Diagnose und seiner eigenen Einschätzung, das 24 Stunden Aufsicht /Pflege erforderlich ist) vehement gehen Heim aus... Was erwarten diese Menschen? Dass ich meinen Beruf aufgebe und in die alte Heimat ziehe um den Vater zu pflegen?
Zugleich habe ich auch schlechtes Gewissen.
Danke fürs Lesen. Ich hoffe es ist nicht allzu verwirrend, ich versuchte, eine lange Geschichte kurz zu erzählen...)
Ist zu erwarten, dass er mal selbst einsehen wird, dass es so nicht mehr geht?
Soll ich gezielt mal nicht zur Hilfe eilen, wenn wieder Mist gebaut wurde?
(Er schätzt den eigenen Zustand überhaupt nicht realistisch ein...Vor 14 tagen fiel er rückwärts hin und die Balkontüre aus Glas ging zu Bruch, zufällig war der Nachbar anwesend)
Trotzdem bin ich mir der privilegierten Position bewusst: er hat eine recht hohe Pension, mit der einiges mehr finanziert werden kann, im Heimatland sind viele Einrichtungen noch aus der sozialistischen Zeit übrig geblieben, Heim z.b. und stadtlich subventionierte Heimhilfe, auch Medikamente: alles sehr günstig!!!
Wie kann ich agieren, dass ich nicht Nerven verliere und mich aufrege?
Gibt es eine Möglichkeit, ihm zu überzeugen, so dass er vernünftigen Lösungen zustimmt? (Dass zB. ein Student bei ihm wohnt, lehnt er ab...)
Soll ich selbst Therapie machen? Es kommen mir auch einige Sachen hoch...von mir wird erwartet: sich kümmern und organiseren, andererseits: hat er mich als erwachsene Person nie akzeptiert, es interessierte ihm auch vor der Krankheit nicht wirklich, wie es mir geht. Nur: wie man zu sein hat...
Ich habe Schiss, dass dieser Zustand ewig so gehen wird...
Zu Hause ist finanziell dennoch nur eine Teilzeitpflege/Aufsicht von ca. 3 bis 4 Stunden möglich...
21.02.10 19:24
Hallo,
es wird nicht ganz klar, wo sich das alles abspielt. Wohnt dein Vater jetzt in Österreich? Du selbst auch? Das wäre wichtig, weil die rechtlichen Regelungen von Land zu Land anders sein können.
Wie alt ist denn dein Vater?
Aus meiner Sicht mußt du dir grundsätzlich eines klarmachen. Bei aller Sorge für deinen Vater ist es immer noch seine Sache, wie er sein Leben einrichtet, solange er nicht andere durch unvernünftiges Verhalten gefährdet oder sich selbst großen Gefahren aussetzt. Grundvoraussetzung für Hilfe ist, daß sich jemand auch helfen lassen will. Du kannst niemandem Hilfe aufzwingen, auch wenn es objektiv noch so gut gemeint ist.
Mit einer Generalvollmacht kannst du nur Handlungen im Auftrag oder zumindest im mutmaßlichen Interesse des Vollmachtgebers vornehmen. Ich weiß jetzt nicht, was mit der "Sachwalterschaft für besondere Fälle" gemeint ist. Wenn aber beispielsweise dein Vater mit Geld nicht mehr umgehen kann, solltest du dir (sofern gesetzlich möglich) vom Gericht eine entsprechende Handlungsvollmacht beschaffen, damit dies hier in geordneten Bahnen verläuft und kein Geld verschwindet. Das wäre sicher auch nicht im wohlverstandenen Interesse deines Vaters.
Wenn dein Vater einen Heimaufenthalt ablehnt und ihn seine Freunde sowie die Ärzte darin unterstützen, wirst du nichts machen können. Natürlich ist es dann auch dir nicht zumutbar, dein eigenes Leben völlig nach der Pflege auszurichten. Du hast ja auch Beruf und Familie, da mußt du auch mal mit gutem Gewissen "nein" sagen können. Was die Haushaltshilfe oder Betreuung betrifft, solltest du aus den von dir erwähnten Gründen nur an legale Lösungen denken.
Das ist alles leider nicht sehr befriedigend, aber eine Patentlösung wird es wohl kaum geben. Alles Gute trotzdem für deinen Vater und dich.
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