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Demenz-Erkrankung

LLic~htKriOstallxxX hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben,

im Zuge meiner aktuellen Umstände,die ich in meinem "Faden ohne Überschrift" niedergeschrieben habe,würde ich gerne hier ein Thema startet,um mich selbst fundiert über Demenz als Krankheit zu informieren und vielleicht auch Kontakt mit weiteren Angehörigen demenzkranker Menschen aufzunehmen.

Bei mir ist es die Grossmutter väterlicherseits,die dement ist. Mein ebenfalls dementer Grossvater ist vor fünf Wochen unerwartet verstorben.

Gerne würde ich in Erfahrung bringen,wie andere Menschen mit dieser Krankheit umgehen und einfach hier einen Austausch finden,vielleicht auch über den Alltag und Umgang mit kranken Angehörigen.

Ich danke schonmal im Vorraus @:)

LG

Lichti

Antworten
H)on+igtxau


Umgehen damit?

Ich kann zusehen, wie meine Mutter täglich mehr verblödet. Ein anderer Ausdruck fällt mir zu ihr nicht ein. Es ist hart, aber es ist genau so. Es ist nicht mehr meine Mutter, so wie ich sie kenne. Sie stiert vor sich hin, schaufelt Essen so in sich hinein, dass man es ihr wegnehmen muß, sonst überfrißt sie sich und dann muß sie sich nur noch übergeben...

Sie sagt nur dauernd ja und ach ist das fein. Vor 4 Wochen konnte sie noch Kreuzworträtsel lösen und schaute sich zumindest eine Zeitschrift an. Nix mehr.

Die ganze Familie ist erschüttert. Sie kann laufen wie ein Wiesel, aber im Oberstübchen ist da nichts mehr. Sie ist orientierungslos. Sie ist ins Heim gekommen, da eine Betreuung zu Hause nicht geleistet werden kann.

Es ist traurig....

LvischtoKristaOlylxX


Lass' Dich erstmal drücken :°_ :)_

Tut mir sehr,sehr leid :°(

Wie alt ist Deine Mutter,wenn ich fragen darf?

Hsonig+tau


Meine Mutter ist 84. Wir sind nur froh, dass sie keine Schmerzen zu haben scheint. Sie verneint das jedenfalls und sie macht auch nicht den Eindruck, als wenn sie welche hätte. Wenigstens das....

Hoffentlich ist ihre Welt, in der sie sich geistig aufhält, eine freundliche....

Sie begann vor einem Jahr sich zu verändern. Eine Klinik hat festgestellt, dass Bereiche ihres Vorderhirns gestört sind und dass sie dort nur noch eine Gehirnleistung von 14 % hat. Aber inzwischen scheint da nichts mehr zu sein.... Irgendwelche Zusammenhänge, besonders von Gesprächen, versteht sie überhaupt nicht mehr. Was bis vor kurzem noch funktionierte waren Daten, auch Geburtstage von allen möglichen Personen. Das war alles korrekt. Und eben Kreuzworträtsel hat sie bis vor kurzem auch noch gekonnt, aber das macht ihr wohl jetzt zu viel Mühe.

Sie kann über sich selbst so wenig Auskunft geben, sie kann das nicht artikulieren. Wenn man sie fragt, sagt sie höchstens: ich weiß nicht und ich glaube, mir geht es ganz gut...

Sie hat ziemlich schlechte Blutwerte, hohe Blutsenkungen, man hat vor einem Jahr mal versucht, herauszufinden, was dahinter stecken könnte, es kam aber nichts dabei heraus und der Eifer der Ärzte ist bei einer dementen Frau auch nicht so wirklich dolle. Neuerdings ist sie auch noch schwerhörig, sie kommt aber mit einem Hörgerät auch nicht mehr zurecht. Ihre Welt wird immer kleiner....

Sie mag nicht mit fremden Menschen zusammen sein, im Heim bleibt sie lieber allein auf dem Zimmer. Sie wird schnell aggressiv, wenn man sie "integrieren" will. In ihrem Zimmer aber ist sie völlig friedlich, sitzt im Sessel, hört Schlager im Radio und dämmert in ihrer Welt vor sich hin.

Der Hausarzt vermutet hinter den schlechten Werten Krebs, wir hoffen, ihr bleibt ein langes Leiden erspart und hoffen, dass sie eines Morgens einfach eingeschlafen im Bett liegt. Mein Vater, ebenso alt, lebt nur noch "für meine kleine Süße". Wenn Mutter die Augen schließen würde, ich bin sicher, mein Vater folgt ihr in kürzester Zeit, zumal er auch nicht gesund ist und ein schwaches Herz hat. Er konnte noch nie ohne sie und er sitzt stundenlang bei ihr. Hauptsche, er kann bei ihr sein.

Wir Kinder leben 250 km entfernt, kommen aber häufig zu Besuch, würden im Notfall auch sofort anrücken, aber wir können nicht mal so kurz am Nachmittag vorbeischauen.... Das beschränkt sich auf die Wochenenden.

Der Vater wird von einer Perle versorgt, die sich um Haushalt, Essen und Wäsche kümmert. Wenigstens nimmt er diese Hilfe an, sonst müßten wir Kinder uns noch mehr sorgen, denn wir sind eigentlich mit dem eigenen Leben schon beschäftigt genug.... Aber wir fahren abwechselnd jedes Wochenende hin.

Ljich^tK,ristFallxxX


Vielen Dank für Deinen Bericht,Honigtau @:)

Wünsche Euch wirklich ganz,ganz viel Kraft :)* :)* :)* :)* :)*

Was bis vor kurzem noch funktionierte waren Daten, auch Geburtstage von allen möglichen Personen. Das war alles korrekt. Und eben Kreuzworträtsel hat sie bis vor kurzem auch noch gekonnt, aber das macht ihr wohl jetzt zu viel Mühe.

Meine Grossmutter ist 82 Jahre alt.

Ja,das war bei ihr ähnlich. Sie baute in kürzester Zeit ab. Vor etwa 6-7 Monaten hat sie noch Essen gekocht(allerdings wurde letztes Jahr auch schon ein Brand verursacht in meinem Elternhaus),Kreuzworträtsel gelöst und ist Fahrrad gefahren. Aber nun geht es steil bergab.

Sie kocht nicht mehr,sie löst keine Kreuzworträtsel mehr,sie will pardout das Haus nicht verlassen.

Man kann mit ihr keinen zusammenhängenden,inhaltvollen Satz mehr sprechen,sie kann sich nicht an den Vormittag geschweige denn an den Vortag erinnern.

Ich kann zusehen, wie meine Mutter täglich mehr verblödet.

Ja,ich sehe das auch sehr oft an ihrem Blick...ein richtig leerer,nichtssagender Blick.... :°( :°( :°(

Seit wann ist Deine Mutter im Heim?

HIonigxtau


Meine Mutter ist seit Januar im Heim. Von Oktober 2009 bis Januar 2010 habe ich sie zu Hause gepflegt, aber es mußte eine andere Lösung gefunden werden, da ich durch den 24 stündigen Einsatz (sie wandert nachts umher) völlig erschöpft war und es auch von den Räumlichkeiten nicht mehr ging. Ich hatte nicht einmal ein eigenes Zimmer und war kurz vor dem burn out.

Das Heim ist zufällig quasi vor der Haustür meines Vaters, so dass es kein Problem ist, dass er dort ständig ohne Mühe hinkann. Was er ja auch nutzt. Und was auch gut ist: wenn meine Mutter aus dem Fenster schaut, schaut sie auf die ihr bekannte Straße, die sie täglich gegangen ist. Und die ihr auch noch vertraut zu sein scheint.

L_icqhtKriZstaxllxX


Meine Mutter ist seit Januar im Heim. Von Oktober 2009 bis Januar 2010 habe ich sie zu Hause gepflegt, aber es mußte eine andere Lösung gefunden werden, da ich durch den 24 stündigen Einsatz (sie wandert nachts umher) völlig erschöpft war und es auch von den Räumlichkeiten nicht mehr ging. Ich hatte nicht einmal ein eigenes Zimmer und war kurz vor dem burn out.

Das kann ich gut verstehen.

Ich befinde mich gerade quasi in einer ähnlichen Situation.

Mein Vater,der mit seiner Lebenspartnerin im Hause meiner Grosseltern lebt,"verlangt" von mir,dass ich sie jeden Tag besuche für 2-3 Stunden,damit sie nicht alleine ist.

Leider ist dieser Zustand für mich untragbar,weil ich dieses Leid ständig vor Augen habe und auch in diesem Haus ständig an meinem verstorbenen Grossvater erinnert werde,den ich doch sehr vermisse.

Als ich sagte,dass ich das nicht mehr möchte,wurde mir nur gesagt,dass sie seit unseren Besuchen 6 Kilo zugenommen hat und es wurde mir suggeriert,dass ich eine Verantwortung für sie zu tragen hätte,ihr Zustand quasi mit mir steht und fällt.

Allerdings ist diese Verantwortung für mich einfach nicht lebbar. Ich bin selbst Mutter eines 5 1/2 Monate alten Sohnes und habe dadurch genug Verantwortung.

Das heisst auch nicht,dass ich sie nie wieder besuchen will oder ihr ihren Urenkel vorenthalte,sondern dass ich einfach nicht ,überspitzt ausgedrückt,für Leben und Tod verantwortlich sein will und kann.

Heute bin ich Zuhause geblieben,weil dieser Zustand sich schon auf meinen Körper niederschlägt und ich immense Magenprobleme bekommen habe;es schlägt mir buchstäblich auf den Magen.

Mein Partner ist deswegen mit meinem Sohn alleine dort hingegangen,was kein Problem für ihn ist und ich bin ihm dafür auch sehr dankbar.

Mein Vater bekommt seinen Angaben zufolge 225 Euro Pflegegeld für meine Grossmutter und einmal die Woche kommt wohl eine Pflegekraft von der örtlichen Sozialstation.

Auf die Frage hin,ob diese nicht öfter vorbeikommen könnte,meinte er nur,dass es nicht nötig sei,,denn er sei ja ihr Betreuer...

:-/ ":/

Es ist derzeit alles gar nicht einfach,leider. :°(

Lhicht0KristalxlxX


:°( :°( :°(

LKilliHmax 50


Hallo Lichti,

es gibt die Möglichkeit, einen Kurs über Demenz zu besuchen, mach Dich mal schlau. Caritas, Diakonie, Selbsthilfegruppen, Arbeitsamt.

Das Geheimnis ist Validation, positiv auf Gesprochenes eingehen und nicht verbessern. Z.B. schimpft die Kranke, dass ihr lange verstorbener Mann zu spät zum Essen kommt. Dann nicht sagen, der ist doch schon ewig tot, sondern mitschimpfen: ja,ja, diese Männer – oder sonstwie bestätigen. Sonst werden dieses Menschen frustriert und agressiv oder traurig, je nachdem. Es ist natürlich sehr traurig, wenn man es in der eigenen Familie erlebt, mit "Fremden" ist es leichter zu ertragen, es geht einem nicht so unter die Haut. Wenn es die Zeit ermöglicht, viel mit der Großmutter beschäftigen, alles, was sie noch kann, selber machen lassen. Sich erinnern, was sie gerne hat, vielleicht Handarbeiten, Musik, es gibt viele Möglichkeiten!

Alles Gute Dir und nimm es nicht so schwer ( ich weiß, leicht gesagt....)

Lieben Gruß

Lillimax50 *:)

M0essAagxgio


Ich kann zusehen, wie meine Mutter täglich mehr verblödet.

Hoffentlich sprechen meine Kinder nicht mit dieser Wortwahl einmal über mich. :°(

Sie wird schnell aggressiv, wenn man sie "integrieren" will

Der Umgang mit Demenzkranken, die auf ihre Umwelt mit Aggressionen reagieren, wird wesentlich erleichtert, wenn ihnen nicht widersprochen wird. Gegen ihren Willen sollten keine Verhaltensregeln aufgezwungen werden.

Recht geben, auch wenn die Situation noch so absurd ist, die Kranken beruhigen sich dann, da sie in einer anderen Welt leben.

M<essagbgoio


Lillimax 50, :)= @:)

danke für deinen Beitrag, genauso sehe ich es auch.

A9zrabelx01


ich habe bis vor kurzem auf einer demenzstation gearbeitet. es ist echt hart zu sehen wie menschen immer mehr verändern. es tut weh wenn sie einen nicht mehr erkennen. ich habe schon oft kinder und enkelkinder bei uns gehabt die am weinen waren weil mutter oder vater sie nicht erkannt haben und sie beschimpften das sie nicht ihre kinder seien.

es fängt an das sie etwas "tüdelig" werden bis hin zum nur "noch vor sich hin stieren."

am besten sie in ihrer welt belassen und wenn sie etwas fantasieren einfach "mitspinnen". sie fühlen sich dann wohl und verstanden und bleiben meist friedlich.

man brauch eine unendliche gedult und muss viel einstecken können. ich bin schon von einer 75 jährigen dame mit einem kleiderbügel verprügelt worden und habe auch schon ein knie in die weichteile bekommen.

man muss sich dann immer nur vor augen führen das sie krank sind und man ihnen nicht böse sein darf. wenn es zu hart wird hat sich bei uns eine kleine auszeit bewährt. das heist das derjenige der kurz davor ist sauer zu werden oder schon ist, kurz den raum verläßt und sich beruhigt.

LgicAhZtKristaxllxX


Danke für Deinen Bericht Azrael01

Gibt es einen Zeitraum,in dem die Krankheit fortschreitet bis zum Endstadium oder ist das individuell verschieden?

L-ichtTKristxallxX


:)D

N7i}lpferxd


Als ich sagte,dass ich das nicht mehr möchte,wurde mir nur gesagt,dass sie seit unseren Besuchen 6 Kilo zugenommen hat und es wurde mir suggeriert,dass ich eine Verantwortung für sie zu tragen hätte,ihr Zustand quasi mit mir steht und fällt.

(...)

Mein Vater bekommt seinen Angaben zufolge 225 Euro Pflegegeld für meine Grossmutter und einmal die Woche kommt wohl eine Pflegekraft von der örtlichen Sozialstation.

Auf die Frage hin,ob diese nicht öfter vorbeikommen könnte,meinte er nur,dass es nicht nötig sei,,denn er sei ja ihr Betreuer...

Nachdem ich in der Verwandtschaft inzwischen einige Demenzfälle erlebt habe, bin ich der Meinung, dass man den Anspruch, möglichst viel Pflege in der Familie und zu Hause leisten zu wollen, nicht verzweifelt aufrecht halten muss.

Meine Schwiegermutter hat Alzheimer, inzwischen kann man gar nicht mehr mit ihr kommunizieren – wobei man natürlich nicht weiß, was sie noch unterschwellig mitbekommt. Als sie noch (mit ihrem Mann zusammen) zu Hause gewohnt hat, war neben dem Pflegedienst (der von der Pflegekasse bezahlt wird und "nur" die körperliche Pflege leistet) jeden Tag auch noch jemand von der Diakonie da, der auf sie aufgepasst hat, sie gefüttert hat usw., wenn mein Schwiegervater Besorgungen machen musste oder einfach mal etwas unternehmen wollte. Außerdem ist sie eine Zeitlang in eine Tagespflege für Demente gegangen, das war echt eine gute Einrichtung. Inzwischen ist sie in einem Pflegeheim, wo es ihr – zugegebenermaßen – besser geht, als zu Hause. Dort hat sie fast nur im Bett gelegen, im Heim sind die Möglichkeiten viel besser, so dass sie tagsüber im Rollstuhl sitzt, der Katheter entfernt werden konnte etc.. Wahrscheinlich haben wir auch Glück mit dem Heim gehabt, aber dort kümmert man sich professionell und trotzdem liebevoll um sie.

Meine Großmutter war altersdement, sie hat noch lange alleine gelebt, war auch eine Zeitlang in einer Tagespflege, zum Schluss hat sie dann in einer Wohngruppe mit ca. 16 Bewohnern gelebt, die speziell für Demente war und wo viel gesungen, gebastelt, vorgelesen, gekocht etc. wurde.

Was ich sagen will – Ihr müsst nicht alles selbst leisten. Es ist so schwierig, mitzuerleben, wie ein Angehöriger sich so stark verändert, wie er sich von einem entfernt und irgendwann nicht mehr erkennt. Man kann und muss nicht selbst die körperliche Pflege machen, auf Essen und Trinken achten, die Wohnung in Schuss halten und auch noch die emotionale Nähe erhalten.

Es gibt inzwischen so viele Angebote, die den Angehörigen helfen, den Alltag zu bewältigen – ein ambulanter Pflegedienst und "Besuchsdienste" sind für den Anfang eine gute Lösung. In der Regel gibt es bei den Sozialverbänden oder bei der Stadt auch ein Beratungsangebot, wo man sich informieren kann.

Wenn man im Alltag entlastet ist, fällt es einem auch leichter, sich um den Menschen, der ja (wenigstens am Anfang) auch miterlebt, wie er sich verändert, der Ängste hat und unglücklich ist, zu kümmern.

Was den Umgang mit der Vergesslichkeit angeht – ja, es ist schwer, nicht zu sagen "Du musst Dich doch erinnern, wo der Schlüssel liegt", oder "Hermann ist schon 10 Jahre tot" – aber man tut den Dementen damit keinen Gefallen. Sie werden nur noch unsicherer. Besser ist es, den Schlüssel einfach unkommentiet selbst zu holen, und zu sagen, dass Hermann heute nicht zum Essen kommt.

Es ist echt nicht einfach – wünsche Dir viel Kraft und vergiss Dich selbst nicht dabei *:)

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