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Vom Gericht angeordnete Betreuung meiner Mutter

T:apss hat die Diskussion gestartet


Nun ist es soweit – oder auch nicht. Nachdem ich nun ein dreiviertel Jahr darum gekämpft habe, dass meine (laut Gutachten) demente und geistig verwirrte Mutter, Hilfe bekommt, hat das Gericht entschieden. Meine Mutter hat einen Berufsbetreuer bekommen.

Dieser Betreuer hat nun entgegen sämtlichen bisherigen Empfehlungen (med. Gutachter, Betreuungsbehörde) alle Aufgabenkreise erhalten.

Doch gesagt hat er mir gleich, dass er mitnichten die wirkliche Betreuung übernimmt. Auf die tägliche Betreuung kommt es mir aber an. Meine Mutter kann nicht mehr weiter in ihrer Wohnung leben, was anderes zieht sie aber (wie ich hier schon mehrfach erwähnt habe) nicht in betracht. Sie braucht inzwischen zu jeder Tätigkeit Anleitung. Sie wäscht sich nicht und niemand kann sie dazu überreden. Sie wechselt ihre Klamotten nicht, man muss sie ihr zwangsweise entreißen. Jedes neue oder auch nur von mir gewaschene Kleidungsstück verschwindet in den Tiefen ihrer Schränke. Natürlich macht sie weder sauber, noch geht sie einkaufen, und kochen ist auch nicht mehr. Und von mir sagen, lässt sie sich nichts (eigentlich noch nie). Sie versteht das auch alles nicht mehr. Da ich nicht in der Nähe wohne (und auch noch die demente Schwiegermutter zu versorgen ist), kann ich bestenfalls alle 2 Wochen zu ihr fahren. Gezwungenermaßen war ich nun jedes Wochenende dort und die ganze Woche über habe ich keine Ruhe mehr. Doch so kann es nicht weiter gehen.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass der Betreuer die Lage erkennen wird und entsprechend handelt. Die Rede war bisher von einer Krankenhauseinweisung zur Untersuchung und anschließenden Unterbringung im Pflegeheim. Von häuslicher Pflege hat der Gutacher zwar gesprochen, es aber als nicht machbar verworfen.

Ich merke nichts davon, dass der Betreuer meine Mutter in dem einen Monat, den die Betreuung nun besteht auch nur einmal aufgesucht und sich ein Bild von ihrem Gesundheitszustand gemacht hat. Nur das Konto, das hat er bereits an sich gerissen, so dass ich nun auch noch sämtliche Einkäufe (wie die dringend notwendige Unterwäsche) aus meiner Tasche bezahlt habe.

Ich bin jetzt in einer absoluten Zwickmühle. Mache ich zu viel, muss der Betreuer davon ausgehen, dass doch alles läuft. Mache ich zu wenig... das will ich mir lieber nicht ausmalen. Zumal bald der Winter kommt. Außerdem fühle ich mich irgendwie kontrolliert. Dass ich die Schritte unternehmen musste, ist schon schlimm genug. Doch wenn alles so weiter geht wie bisher, hätte ich mir das sparen können.

Bin nun ziemlich ratlos und wäre über Hinweise sehr dankbar. Und falls jetzt so gute Ratschläge kommen, wie ich solle meine Mutter doch zu mir nehmen und wie könne ich sie in ein Heim abschieben wollen, der lese meine anderen Beiträge zu dem Thema.

Und jeder, der meine Mutter im Gespräch kennengelernt hat (Sozialpsych. Dienst, med. Gutachter, MA Betreuungsbehörde, Richter) hat mir empfohlen, die Betreuung nicht selbst zu übernehmen.

Was habe ich von einer Betreuung, die keine ist? Was macht ein Berufsbetreuer wirklich? Kennt sich damit jemand aus? Kann er die Hilfe erwirken, die erforderlich ist?

Antworten
T;aps


Ach ja, noch etwas. Der Betreuer hat alle Aufgabenkreise (Aufenthaltsbestimmung, Gesundheitssorge, Wohnungsangelegenheiten, Vermögenssorge, Behördenangelegenheiten...).

d!evilx61


Ach ja, noch etwas. Der Betreuer hat alle Aufgabenkreise (Aufenthaltsbestimmung, Gesundheitssorge, Wohnungsangelegenheiten, Vermögenssorge, Behördenangelegenheiten...).

Genau in diesem Rahmen hat er sie zu betreuen – alles andere ist nicht sein Ding.

Wäsche waschen, Körperpflege, einkaufen und was weiß ich noch was alles dazuzählt sind Sache der Angehörigen oder eines Heimes oder Pflegestift.

Ist leider so. Man kann es ändern wenn man selber die Betreuung für die Person übernimmt.

Hier ist dann aber auch ein jährlicher Pflegebericht zu erstellen.

D.h. Buch führen über das was sich ändert beim "Patienten" und über das was man selber getan hat.

SXunflJowexr_73


Ein Betreuer ist für gesetzliche Dinge zuständig – und nicht die tägliche Versorgung. Beantragt eine Pflegestufe und beauftragt einen häuslichen Pflegedienst, der dann täglich kommt. Diese Alltagsversorgung KANN nur über einen Pflegedienst erreicht werden, nicht über einen Betreuer.

Was das Konto angeht:

Es hat es sich sicherlich nicht unter den Nagel gerissen. Es gehört zu seinen Aufgaben zu verhindern, dass Deine Mutter bspw. sinnlos Geld ausgibt, weil sie es nicht mehr überblickt. Aber sie hat Anrecht auf Taschengeld, was man bspw. für Einkäufe verwenden könnte. Da musst Du mit ihm einfach in Kontakt treten, damit für solche Dinge Lösungen gefunden werden.

Aber für die alltägliche Pflege braucht ihr andere Unterstützung. Im Klartext: Häuslicher Pflegedienst, Heimunterbringung, illegale osteuropäische Pflegekräfte,... Letzteres soll jetzt bitte kein Tipp dahingehend sein.

Du musst Dir klarmachen, dass es auf Dauer ohne Heim nicht gehen wird. In meiner Familie tritt Demenz gehäuft auf, in allen 3 Fällen wollte man den Betroffenen nicht "abschieben". In allen drei Fällen mit Beinahe-Katastrophen (fast abgebrannte Wohnung etc.). In allen drei Fällen dann doch Heimunterbringung.

Mein Vater hat eine beginnene Demenz und schon jetzt wird der Alltag für meine Mutter z.T. echt schwierig mit ihm. Ich kann gut verstehen, dass selber pflegen keine Option ist. Ich könnte es nicht. Aber darum ist irgendwann Heim unumgänglich.

W{olfgHang


Ich merke nichts davon, dass der Betreuer meine Mutter in dem einen Monat, den die Betreuung nun besteht auch nur einmal aufgesucht und sich ein Bild von ihrem Gesundheitszustand gemacht hat.

Das waere allerdings schon seine selbstverstaendliche Aufgabe. Natuerlich muss sich ein Betreuer ein persoenliches Bild von der Lage seiner "Kunden" machen. Am besten gehoert auch ein gewisser regelmaessiger Kontakt dazu, z.B. einmal im Monat oder bei Gespraechsbedarf. Es ist auch sinnvoll, dass ein Betreuer alle zu betreuenden Aufgabenbereiche bekommt. Sollen sich da etwa 4 Betreuer jeweils untereinander absprechen, was sinnvoll ist? Dann wird die Betreueung nur noch schlechter und noch teurer.

Wie oben schon erwahnt ist es aber nicht die Aufgabe des Betreuers taeglich f[r die alltaeglichen Beduerfnisse zur Verfuegung zu stehen. Koerperpflege, Ankleiden, Sauberkeit, Nahrung gehoert nicht als solches zu seinen Aufgaben. Wenn das die Mutter nicht mehr schafft, dann muss der Betreuer aber irgendwie die Pflege regeln. Wahrscheinlich wird er dann die Einweisung und Aufnahme in ein passendes Pflegeheim veranlassen. Aber es gibt auch andere Moeglichkeiten. :)* :)*

Grrotmtig


Dann solltest du dich mit dem Betreuer mal zusammensetzen. Wenn er die Gesundheitsfürsorge hat, dann muss er sich auch "kümmern" das diese gewährleistet ist. Allerdings heisst das nicht, das er selbst diese übernimmt. Es wäre also angebracht eine häusl. Pflege zu bestellen oder die Mutter in ein Pflegeheim zu geben, darum hat sich der Betreuer dann schon zu kümmern.

T6apds


Genau in diesem Rahmen hat er sie zu betreuen – alles andere ist nicht sein Ding.

Was heißt denn das konkret? Was macht der Betreuer z.B. bzgl. Gesundheitssorge? Nicht hingehen und den Gesundheitszustand feststellen? Müsste der Betreuer nicht notwendige Arztbesuche veranlassen? Was wiederum nur durch Zwangsmaßnahmen möglich wäre.

Meine Mutter WILL keine Hilfe, weder von mir noch von anderen. Aber sie ist nicht mehr in der Lage sich selbst zu helfen und auch nicht mehr, dies überhaupt zu verstehen. Gegenüber dem Gutachter und gegenüber dem Richter (die ich in die Wohnung meiner Mutter gelassen habe) hat sie gesagt, sie komme alleine klar und beide haben gesehen dass dies nicht stimmt. Aber was habe ich nun davon?

Von mir als Angehörige lässt sie sich absolut nichts sagen (waschen schon gar nicht). Ich habe nicht die körperliche Kraft, um die Gewalt anzuwenden, die auch nur nötig wäre, um sie umzuziehen. Muss ich sie nun in ihrem Dreck verkommen lassen und niemand tut was?

Dann bin ich doch genau da, wo ich schon vorher war -oder nein eigentlich schlechter dran.

Und was würde es mir bringen, die Betreuung zu haben, wenn ich mit den notwendigen Verrichtungen nicht klar komme?

Pflegedienst gibt es nicht. Sie lässt ja niemanden ins Haus, Außerdem ist sie körperlich topfit, daher vermutlich auch keine Pflege -bestenfalls Stufe 0. Essen auf Rädern, Haushaltshilfe fällt alles aus, siehe Wohnungszugang. Und müsste nicht der Betreuer dies in die Wege leiten? Kann der Betreuer mich zu irgendwas zwingen?

Aufgrund des geistigen Zustands ist eigentlich nur noch eine Heimeinweisung möglich. Ich kann das aber nicht veranlassen und freiwillig geht sie nicht. Der Betreuer ist ja für die Aufenthaltsbestimmung zuständig. Das war doch Sinn und Zweck der ganzen Schritte und des Gerichtsbeschlusses.

Langsam wächst mir die ganze Sache über den Kopf.

TNapxs


Es hat es sich sicherlich nicht unter den Nagel gerissen

Naja das ist mir schon klar. Das war nur die einzige Aktion, die ich feststellen konnte, als ich für meine Mutter Kontoauszüge holen wollte und die Karte verschwand.

Da musst Du mit ihm einfach in Kontakt treten

Das versuche ich ja schon seit Tagen, ich erwische aber immer nur den Anrufbeantworter und es kommt kein Rückruf. Wenn das Büro bei mir vor Ort wäre, könnte ich ja auch dort vorbeigehen und versuchen, ihn zu erwischen, aber so?

S[unflo{wer_x73


Der krasse Weg in dem Fall wäre erstmal eine Zwangseinweisung in die Geriatrie / Gerontopsychiatrie – und von dort dann weiter. Wenn der Betreuer die Gesundheitsfürsorge hat, wäre es sinnvoll, diesen Weg mit ihm zu besprechen. Der Betreuer sollte klar die hier vorliegende Selbstgefährdung sehen (denn das ist es letztlich, wenn auch eher subtil).

Es ist leider ein ziemlich trauriger Weg... aber vielleicht besser so, als hinterher Vorwürfe machen. Zwingen kann der Betreuer Dich nicht, denn rechtlich darf ER alles bestimmen. Wenn er auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht kann, kann er bestimmen, dass Deine Mutter stationär unterbracht wird. Das wäre nicht mal eine Zwangseinweisung in diesem Fall.

Sinnvoll wäre es, mit dem Betreuer in Kontakt zu treten. Hat Deine Mutter einen Hausarzt, mit dem man reden kann?

SJunfloywer_7x3


Da es leider auch immer mal wieder unseriöse Betreuer gibt:

Kontaktiere das Gericht, welches DIESEN Betreuer bestellt hat. Schildere das Problem der Unerreichbarkeit. Ist es ein selbstständiger Betreuer, oder gehört er einem Amt an? Dann ggf. dort nachfragen, ob er Urlaub hat oder krank ist.

TWaps


Hat Deine Mutter einen Hausarzt, mit dem man reden kann?

Nein, sie war seit über 10 Jahren bei keinem Arzt mehr- denn so sie "Was soll ich denn da". Sie fühlt sich kerngesund und hat ihrer Meinung nach keine Probleme.

T*apxs


Soweit ich verstanden habe, ist dies der einzige Berufsbetreuer in dem Ort und hochgelobt. Und er wird von dem Betreuungsgericht immer bestellt. An Urlaub bzw. Krankheit habe ich vor lauter Schreck gar nicht gedacht.

WQolfga1nxg


Wenn die Mutter nicht will, sind alle Beteiligten in einer unangenehmen Zwickmuehle. Juristisch betrachtet zaehlt nun ihr Wille nicht mehr. Genau dafuer ist ja der Betreuer bestellt worden. Wie man nun individuell mit dieser Situation umgeht, das erfordert viel Fingerspitzengefuehl und Erfahrung. :°( Dich, taps, kann der Betreuer aber zu nix zwingen.

Dass der Betreuer die Kontokarte an sich nimmt, das ist schon vernuenftig, ehe jemand anderes – und wenn es die Mutter ist – damit Unfug macht. Es ist der Betreuer, der nun fuer das Konto verantwortlich ist.

d;an"iflexx


Hallo Wolfgang,

für mich stellt sich zunächst die Frage, wieso das Vormundschaftsgericht einen Berufsbetreuer bestellt hat und nicht etwa dich als nahen Verwandten zum Betreuer ernannt hat. Die Bestellung von Berufsbetreuern (die natürlich bezahlt werden müssen) ist nur vorgesehen, wenn keine ehrenamtlichen Betreuer zur Verfügung stehen. Ebenso ist auf die verwandtschaftlichen Beziehungen Rücksicht zu nehmen. Nahe Verwandte sind als mögliche Betreuer eigentlich immer zuerst zu nehmen, sofern sie zur Betreuung fähig und bereit sind. Siehe § 1897 BGB.

Was waren also die Beweggründe des Vormundschaftsgerichts? Hast du dort klar gesagt, daß du zu solch einer Betreuung (nicht) bereit seist? Hat deine Mutter den Willen nach einer bestimmten Betreuung geäußert?

Es wäre durchaus möglich, daß der Berufsbetreuer abberufen wird und du als neuer Betreuer ernannt wirst. Es ist schließlich nicht Aufgabe der Gerichte, Berufsbetreuern Einkünfte in Form von Betreuungsvergütungen zu verschaffen. Dazu müßte man aber erstmal die näheren Hintergründe der Betreuerbestellung wissen.

WJolf)gang


wieso das Vormundschaftsgericht einen Berufsbetreuer bestellt hat

Habe ich das richtig versstanden, dass taps dasnicht machen will / kann?

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