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Was ist nur aus der "Altenpflege" geworden?

Jeackzy78 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen *:)

Es beschäftigt mich, wie sich die Altenpflege in den letzten Jahren entwickelt hat.

Ich bin jetzt seit 15 Jahren in der Altenpflege (stationär), habe vor 11 Jahren mein Examen gemacht und bin bei meinem Arbeitgeber seit 10 Jahren beschäftigt. Eigentlich arbeite ich dort sehr gerne. Arbeitsklima ist gut, die Bewohner sind toll, meine Vorgesetzten, da gibt es auch keine Probleme. Das Personal kümmert sich bei uns wirklich gut um die Bewohner, wir geben jeden Tag unser Bestes. Aber alles drumherum macht einen manchmal echt wahnsinnig.

Ich finde es schlimm, daß es mittlerweile so ist, daß täglich Kalorien gezählt werden müssen, und bei minimalem Gewichtsverlust der Arzt informiert werden muß.

Ich finde es schlimm, daß die Bew. eine Infusion gelegt bekommen, wenn sie ihre Mindesttrinkmenge um einige ml unterschritten haben.

Ich finde es schlimm, daß nur noch dokumentiert wird, für jeden Furz, den der Bewohner läßt, der Arzt angerufen werden muß und man nur noch die meiste Zeit vorm PC oder am Telefon sitzt anstatt diese Zeit mit den Bewohnern zu verbringen :-( :-( :-(

Jeder Kratzer, jedes noch so kleine Pöckchen muß dokumentiert werden.

Es macht mich traurig, daß alte Menschen nicht mehr alt sein dürfen und sterben dürfen sondern bis zum Schluß noch an einer Infusion hängen und das Sterben ihnen unnötig schwer gemacht wird. Wenn alte, kranke Menschen früher nicht mehr essen und trinken wollten, dann hat man sie weitgehend in Ruhe gelassen und sie durften sterben. Viele Ärzte haben damit nix am Hut und verordnen bei Leuten, die im Sterben liegen, noch täglich eine Infusion!

Und sie sollen nach Möglichkeit auch mit über 90 genausoviele Kalorien zu sich nehmen, wie ein gesunder, arbeitender Mensch! Ist das noch normal...?? Rede viel mit meinen Kollegen / innen darüber und sie sehen es auch so u sind genauso wütend u traurig.

Ich finde es schlimm, daß der MDK immer wieder mit neuen Anforderungen um die Ecke kommt, obwohl auch sie mittlerweile wissen müßten, daß viele Anforderungen kaum oder garnicht zu erfüllen sind oder auch einfach nur unnötig sind. Ständig neue Protokolle, die man ausfüllen und unterschreiben muß. Bei uns läuft es so, daß die ex. Kräfte überwiegend damit beschäftigt sind, Doku zu erledigen, Ärzte, Angehörige und Betreuer anrufen usw. Die eigentliche Pflege wird von den Hilfskräften übernommen. Die ex. pflegen zwar auch noch, aber überwiegend ist Büro usw. angesagt. Ich persönlich finde es traurig, denn dann hätte man ja gleich eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen können :-|

Wie ich weiß, läuft es mittlerweile in den meisten Heimen so ( gibt wohl auch noch Ausnahmen aber ich weiß aus meinem Bekanntenkreis, daß es fast überall mittlerweile so läuft)

Sicher müssen all die Sachen auch erledigt werden, aber früher ging das doch auch alles und man war als ex. trotzdem noch voll in der Pflege. Was ist bloß los?? Hauptsache die Doku stimmt, dann passt auch die Note! Der Bewohner selbst scheint nur noch im PC bzw. auf dem Papier zu existieren... Wo soll das noch hinführen?

Ich denke oft wehmütig an die Zeit als Aushilfe oder auch an meine Ausbildungszeit zurück, da war doch noch alles gut und ich fühlte mich als " Altenpflegerin" denn ich habe alte Leute gepflegt! Da wurde nicht so ein Theater gemacht um Kalorien und ml.... :|N :|N

Oder lief das früher auch schon so, und man hat es als Aushilfe bzw. dann als Schüler nur nicht mitbekommen?? ":/

Würdet ihr die Ausdbildung mit dem heutigen Wissen nochmal machen? Was kann man tun und wann beginnt endlich mal ein Umdenken?

Eure Meinung interessiert mich.

Einen schönen Sonntag noch *:) @:) *:) @:)

Antworten
S=unflo%wxer_7S3


Ich komme nicht aus dem Bereich Altenpflege, sondern Psychiatrie (und da auch nicht Pflege). Aber die Erfahrungen, die ich in den letzten zwei Jahren in Kliniken gemacht habe, sind auch eher frustrierend. Dokumentation ohne Ende; dafür geht mehr Zeit drauf als für Patientenkontakte. Dann geht es ständig um Abrechnungsziffern: Statt den Patienten zu behandeln und dies abzurechnen, passe ich die Behandlung den Vorgaben des Kostencontrolling und der Krankenkassen an. Bin aktuell arbeitslos, habe ein Stellenangebot – aber die Vorgaben sind erschreckend, was diesen Aspekt angeht. Bin ziemlich desillusioniert, um ehrlich zu sein.

Sorry dafür, dass ich die Psychiatrie hier ins Spiel bringe – aber es ist gefühlt dasselbe Grundproblem und die Tatsache, dass der Mensch als Individuum mit eigenen Bedürfnissen wenig zählt. Bitter. :(v

Gbou[rmxeta


Würdet ihr die Ausdbildung mit dem heutigen Wissen nochmal machen?

:|N

Ich bin zwar keine Altenpflegerin, sondern Krankenschwester, habe aber eben aus den, von dir genannten Missständen, meinen Beruf vor 10 Jahren an den Nagel gehängt.

Ich habe eigentlich gelernt, Menschen zu pflegen und nicht, sie zu verwalten.

J:ac\kyx78


@ Sunflower

Ja ich denke, das ist in allen Bereichen, in dem man mit kranken Menschen zu tun hat mittlerweile so.

Ob Altenheim, Psychiatrie, Krankenhaus, das Grundproblem ist das gleiche....

Ich hoffe für Dich, daß du schnell eine neue Stelle findest, wo die Anforderungen erfüllbar sind und der Mensch noch im Vordergrund steht. Aber glaube das ist schwierig heutzutage... :)_ :)_

Mehr als Bitter alles... :(v :(

finde es auch mehr als frustrierend. Wäre ich dort nicht schon so lange am arbeiten und würde so an den Bewohnern hängen, hätte ich keinen Festvertrag (Tarif) und so tolle Kollegen, dann wäre ich dort auch schon lange nicht mehr und würde was ganz anderes machen. Sollte ich irgendwann mal bei uns aus irgendwelchen Gründen nicht mehr arbeiten, dann werde ich nicht mehr in den pflegerischen Bereich gehen, soweit bin ich schon :°( :°(

Und das war bis vor einigen Jahren noch mein Traumberuf u ich hätte mir nichts anderes vorstellen können :-( :°(

JMacvky78


@ Gourmeta

Ich habe eigentlich gelernt, Menschen zu pflegen und nicht, sie zu verwalten.

:)^ :)^

Ich denke mal, irgendwann werde ich auch soweit sein und freiwillig das Handtuch werfen, denn lange kann man sowas echt nicht aushalten. Das schlimme ist, indem man jeden Tag zur Arbeit geht, unterstützt man das ja alles noch... Aber was soll ich machen, bin alleine und muß zusehen, daß ich mein Leben bestreite. Aber denke irgendwann werd auch ich den Punkt erreichen wo ich nicht mehr will...

Was machst du jetzt?

G<ourmexta


Was machst du jetzt?

Ich habe fast 6 Jahre lang in der Nachmittagsbetreuung an einer Schule gearbeitet. Jetzt im Moment mache ich nur das, was mir Spaß macht! ;-D Habe das Glück,nicht arbeiten zu müssen

A'nakixn91


Das schlimme ist, indem man jeden Tag zur Arbeit geht, unterstützt man das ja alles noch...

Du hast absolut recht. Ich komme nicht aus der Altenpflege, bin Krankenpflegeschüler im dritten Kurs und mache bald Examen, werde aber definitiv nicht mehr in dem Beruf bleiben. Habe mich bereits für eine neue Ausbildung beworben (was übrigens schon als Kind mein Traumberuf war) und wurde diesmal tatsächlich genommen. Bin einfach nur froh und erleichtert das ich den Absprung geschafft habe und somit nicht mehr auf diesen Beruf angewiesen bin. Bei dem Gedanken mein ganzes Leben lang diese Arbeit zu machen ist mir echt übel geworden. Vor allem weil jetzt schon Pflegenotstand herrscht und die Prognose für die Zukunft ganz mies aussieht.

Ich mochte diesen Beruf wirklich, habe davor ein FSJ gemacht, war hoch motiviert und ein Musterschüler, auch jetzt bin ich noch einer der Besten in der Klasse. Alle waren total entsetzt als sie erfahren haben das ausgerechnet ich diesen Beruf nicht weiter ausüben möchte. Aber, ich will das einfach nicht mehr, wie Du so schön sagtest, unterstützen. :|N

SaaraaP182


Hm, ich bin da zwiegespalten.

Einerseits kann ich dich verstehen, andererseits... hätte ich Verwandte im Heim würde ich auch wollen, dass man so gut es geht darauf achtet, dass sie das bekommen was sie zum Erhalt des Lebens brauchen...

Damit meine ich NICHT jemanden noch monatelang an Maschinen oder soquälen zu lassen, obwohl eh nichts mehr zu machen ist und es ihm nach dem Kampf wohl nicht mehr besser gehen würde.. sowas finde ich auch ganz traurig.

Aber niemand kann in die alten Leute hineinschauen und wissen wie es um ihren eigenen Lebenswillen aussieht. Ich finde nicht, dass man sagen kann "Herr Z. hatte einen Schlaganfall, ist kaum noch mobil, kann kaum noch sprechen, hjetzt achten wir weniger darauf, dass er noch so und so viel Kalorien bekommt."

Wenn die meiste Zeit am Computer statt mit den Menschen verbracht wird empfinde auch ich das als traurig

, aber ebenso finde ich sollte man sich nicht das Recht herausnehmen zu sagen, ab wann es nichts mehr bringt Menschen die notwendige Menge an Kalorien zukommen zu lassen, die sie brauchen.

Schwieriges Thema, aber ich finde man muss da beide Seiten durchleuchten und ich kann es schon ein Stück weit verstehen, dass es geregelt ist wie es eben ist.

DNocupit\chkutmateriNnu


Ich glaube das dort schon ein großes Stück System hinter steht, da man mit alten und kranken sehr viel Geld verdienen kann... aber eben nur solange sie leben. Es wird nur kaum jemand aussprechen sondern es unter dem Deckmantel der modernen Medizin und einem angenehmen ruhigen Lebensabend begründen :-/

Da werden medizinische Angehörige sogar noch bestraft wenn sie die Menschen in Würde gehen lassen...

CUranEk:s6hafxt


Hallo mein Problem liegt darin das mein chef die Dienstbesprechung dazu nutzt um seine Mitarbeiter runter zu machen, wir werden pausenlos angeschrien, wir werden beschuldigt Sachen zu klauen oder Medikamente zu vertauschen. :(v Ich habe normalerweise eine 40std wochen arbeite aber weit über 200std im Monat und wir werden aus dem Urlaub gerissen ohne grund. :-( Ich hoffe mir kann jeman weiter helfen was ich jetzt tun soll?

JEennxson


Also ich sehe es genauso wie meine Vorredner.

Ich war bis vor kurzem selbst noch krankenpflegeschülerin und habe die Ausbildung im 2. Lehrjahr jetzt abgebrochen. Am Anfang war ich auch noch hoch motiviert weil mir die Arbeit mit den Patienten auch viel Spaß gemacht hatte, meine Noten waren auch gut und keiner kann/konnte verstehen weshalb ich abreche/abgebrochen habe. Ich war schon sehr traurig am Anfang aber es ging nicht mehr. Die Belastung in meinem KH war riesig (Stress, mein Personal ihr kennt's ;-)) so, dass ich nur noch mit Bauchschmerzen auf die Arbeit bin, was ja auch nicht sein kann!!

Jetzt Bewerbe ich mich anderweitig und hoffe das ich etwas finde was mir genauso viel Spaß macht . Dachte da an Hebamme , physio oder als letzte Wahl Arzthelferin . Lg :)

GArievsuhx1


Ja, ja die liebe Bürokratie.

Im ambul. Bereich ist es kein deut besser.

Ich nenne nur einmal die Pflegeverträge die mit den Kunden abgeschlossen werden müssen.

Als ich vor 10 Jahren meinen PD eröffnete hatten die Pflegeverträge eine DINA 4 Seite vorne und hinten bedruckt.

In diesen Verträgen stand alles was gebraucht wurde.

Mittlerweile besteht so ein Pflegevertrag aus 4 Doppelseiten mit bis zu 7 Anlagen, einschl. einer extra Datenschutzerklärung.

Sobald es eine Einigung mit den Kasen zur Zeitpflege u. den Betreuungsleistungen, abrechenbar über die Kombileistung einer Pflegestufe gibt, werden sich die Pflegeverträge nochmals um 2 Seiten erweitern, da diese neuen Möglichkeiten mit aufgenommen werden müssen. Zusätzlich sind dann Kostenvoranschläge nach den Leistungskomplexen und der Zeitpflege als zusätzliche Anlagen bei zulegen, da beide Leistungsarten angeboten werden müssen.

ja ja die liebe Bürokratie.

Unabhängig davon würde ich wieder jeder Zeit den Beruf erlernen.

Frust schieben und gar aussteigen verbessert die Situation nicht, sondern ganz im Gegenteil sie verschelchtert sie nur.

Da hilft nur eines GEMEINSAM gegen diese Missstände vorgehen. Aber bringe einmal 5 Pflegekräfte unter einen Hut -- das ist so gut wie nicht möglich.

Statt dessen wird wie in keinem anderen Berufsbild, sich das Leben unter Kollegen schwer gemacht und gemobbt was das Zeug hält.

HZanna8-Maxria


Was ist nur aus der "Altenpflege" geworden?

... eine Farce. Es ist ein Tummelfeld für Abzocker, Pharmavertreter, Betrüger und Versicherungshaie geworden. Die Arbeit verrichten frustrierte Weltverbesserer, unverbesserliche Workaholics, völlig unterbezahlte Menschen mit Helfersyndrom und Selbstwertproblemen und daher jede Menge Burnout-Gefährdete. Im Vordergrund stehen ausschließlich Verwaltung und betriebswirtschaftliche Interessen. Die Tendenz ist nur noch mehr Büroktatie und noch weniger Menschlichkeit....

Aber es gibt – Gott sei Dank oder leider Gottes – noch immer so viele beruflich Pflegende, die sich aufopfern und damit dieses Rädlein am Drehen erhalten. Ohne wirklichen Rückhalt in der Gesellschaft, ohne Lobby in der Politik und ohne Aussicht auf Besserung... %:|

wYisJpy


Die Tendenz ist nur noch mehr Bürokratie und noch weniger Menschlichkeit...

das ist definitiv so, leider – und ich befürchte, es wird sich nicht so schnell ändern.

F}ischxi


@ Hanna-Maria

... eine Farce. Es ist ein Tummelfeld für Abzocker, Pharmavertreter, Betrüger und Versicherungshaie geworden. Die Arbeit verrichten frustrierte Weltverbesserer, unverbesserliche Workaholics, völlig unterbezahlte Menschen mit Helfersyndrom und Selbstwertproblemen und daher jede Menge Burnout-Gefährdete. Im Vordergrund stehen ausschließlich Verwaltung und betriebswirtschaftliche Interessen. Die Tendenz ist nur noch mehr Büroktatie und noch weniger Menschlichkeit....

Aber es gibt – Gott sei Dank oder leider Gottes – noch immer so viele beruflich Pflegende, die sich aufopfern und damit dieses Rädlein am Drehen erhalten. Ohne wirklichen Rückhalt in der Gesellschaft, ohne Lobby in der Politik und ohne Aussicht auf Besserung...

Du sprichst mir aus der Seele.

Was ich auch noch hinzufügen möchte, ist die Situation der pflegenden Angehörigen.

Ich frage mich, warum ein pflegender Angehöriger, der rund um die Uhr verfügbar ist, 235 Euro im Monat bekommt, während ein Pflegeplatz im Heim 3000 Euro und mehr wert zu sein scheint. Für mich einfach unverständlich.

Euch allen wünsche ich viel Kraft :)*

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