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Zustände in der Altenpflege tatsächlich so schlimm?

b'el[lagia


Was mich sehr erschreckt hat ist, dass diese beiden Heime so gut bewertet waren.

Ich kenne das Problem von meiner Mutter, die bis vor über 10 Jahren als Altenpflegehelferin gearbeitet hat.

Es kam vor, dass sie auf der Station (mit 16 Bewohnern) ganz alleine war, z.B. wenn jemand krank war.

Man erwartete von ihr, dass sie dann Aufgaben erfüllt, die eine Helferin gar nicht darf. Sie hat dann immer eine examinierte der Nachbarstation "genervt" und sich Hilfe gesucht.

Sie hat ihre Arbeit trotzdem gerne gemacht. Aber die Zustände wurden schon zu dieser Zeit zunehmend schlechter.

A;hor/nblxatt


Meine Schwiegermutter war dement und hatte Krebs, dazu ein zurückliegender Oberschenkelhalsbruch.

Sie kam in ein Heim, gerade 6 Monate zuvor eröffnet. Alles schnieke. Aussen hui, noch mal hui, man durfte nur nicht hinter die Fassade gucken.

Wir wohnten 300 m entfernt, meine Frau war 5 Monate bis zu ihrem Tod von morgens um 8 Uhr bis abends um 19 Uhr dort. Warum?

Das Heim hatte bereits die 3. Pflegeleitung. Auf der Station waren 30 Heimbewohner und eine augebildetet Pflegekraft, der Rest bestand aus Teilzeitkräften, Pflegehelferinnen oder was auch immer, zuletzt waren es Polinnen, die kaum Deutsch sprachen. Diese zuerst positiv engagierten Frau haben nach 2 Monaten hinschmissen, weil sie statt 20 STunden 40 arbeiten mußten – dafür aber nicht bezahlt bekamen.

Medikamente wurden oft mal so mal so ausgegeben. Meine Frau wußte genau, welche Tabletten ihre Mutter bekommen sollten. Statt der weißen, waren da auch mal ein paar grüne oder rote drin.

Meine Schwiegermutter konnte nicht allein essen. Ihr wurde aber ein Tablett auf den Nachttisch gestellt, mit dem sie aber gar nichts anfangen konnte. Füttern?

Meine Frau ist morgens dort aufgetaucht, weil sie ihre Mutter füttern wollte. Oftmals lag ihre Mutter morgens in einer wild stinkenden Pampers, die noch nicht gewechselt war. Also fand keine Pflege statt. Durch die Anwesenheit meiner Frau, die unmißverständlich klar machte, so ginge es nicht, kam das aber zum SChluß gar nicht vor, die Präsenz wirkte. Dafür stank es auf dem Flur nach Pisse von anderen Bewohnern, die dann wohl eben nicht gewaschen wurde.

Dann folgten ein Aufenthalt im Krankenhaus, wo keine Zeit für Windelwechsel war, die Mutter bekam einen Dauerkatheter. Zurück im Heim, bemerkte meine Frau, dass der Urinbeutel sich nicht füllte und die zunehmende Unruhe bestätigte, dass der Katheter verstopft war, die Blase gefüllt war. Artikulieren konnte die Mutter das nicht.

Die Schwester sagte, sie könne keinen Katheter wechseln, sie hätten auch keinen da. Es war Mittwoch nachmittag, Kleinstadt, Arztpraxen dicht. SChulterzucken. Es muß doch was geschehen. Ja, morgen käme ja der Hausarzt ins Haus. Wie bitte??

Meine Frau rief mich an. Wir berieten und kurz und baten drum, den Notdienst anzurufen, damit ein Arzt ins Haus käme. Nein, sie dürfen für so was keinen Arzt rufen.

Wir haben dann selbst angerufen, der Arzt konnte die vorgewölbte Blase ertasten, er bestellte einen Krankenwagen, Mutter kam ins Krankenhaus, wo man entsetzt den Katheter wechselte, es waren 1, 2 Liter Urin in der Blase gewesen. Mutter wurde mit einem Krankenwagen zurück ins Heim gefahren.

Aufstand am nächsten TAg mit der Heimleitung. Wir hätten die Kompetenzen überschritten. Entgegnung: und sie haben unterlassene Hilfeleistung betrieben.

Das mit dem verstopften Katheter passierte bis zum Tod noch 2 x, immer wurden wir aktiv. Wir haben vom Hausarzt neue Katheter verschreiben lassen, sie lagen im STationszimmer, aber wenn Not am Mann war, war niemand da, der ausgebildet war, diese wechseln zu können. Also haben wir bösen Angehörigen wieder von uns aus den Notdienst angerufen. Diese Ärzte schüttelten nur mit dem Kopf und meinten, so was gäbe es doch gar nicht. Und was für ein Kostenaufwand, die Mutter ständig hin und her zu karren.

Wäre meine Frau nicht täglich dagewesen, die Mutter wäre verreckt. Sie wäre nicht gefüttert worden, sie hätte in der SCheiße gelegen und die Körperpflege wäre nicht die gewesen, worauf wir bestanden haben.

Aber in den Nachbarräumen vegetierten Menschen dahin, der Geruch ließ erahnen, wann da mal Pflege betrieben wurde. 2 x am Tag. Ansonsten konnte ja gestunken werden....

Meine Frau war das Sprachrohr für die nicht mehr sprechen könnende Mutter. Später haben wir noch den Hospizdienst angefordert, um meine Frau zu entlasten, damit sie mal ein wenig frei hatte.

Das Personal wechselte unter den Bedingungen ständig. Die Polinnen waren sehr bemüht, aber zu wenig, die Verständigung ein Radebrechen.

Heim? Uns kamen gestern wieder die erlebten Mißstände hoch, wir hatte Tränen im Gesicht. Nein, hier mußte RTL nichts aufbauschen. Genau so isses. Und wir als kümmernde Angehörigen waren auch die Ausnahme. Viele Alte kriegen kaum oder gar nicht Besuch, die schauen weg, weil sie selbst hilflos sind, weil sie zu weit wegwohnen, arbeiten müssen etc.

Diese Scheiße gestern bei RTL war nur die Spitze des Eisbergs.

b{el)lagixa


Füttern?

Bei Senioren sollte man dazu "Essen anreichen" sagen, hat meine Mutter mir immer gesagt.

Soll keine Belehrung an dich sein Ahornblatt, auch gestern Abend in der Sendung sagten sie Füttern, aber eigentlich ist das Wort für Babys.

A5hornb7laxtt


Bei Senioren sollte man dazu "Essen anreichen" sagen, hat meine Mutter mir immer gesagt.

Soll keine Belehrung an dich sein Ahornblatt, auch gestern Abend in der Sendung sagten sie Füttern, aber eigentlich ist das Wort für Babys.

Die Mutter war wie ein Baby. Man mußte ihr den Löffel in den Mund schieben, wie bei einen Baby. Es war ein Füttern. Dem Hund stelle ich den Napf in und lasse ihn fressen, das heißt Füttern, hier bei der Mutter war es ein liebevolles fütterndes Versorgen mit Nahrung. Ich bleibe dabei, ist mir wurscht, wie man es im Fernsehen nannte.

Die Probleme der in Heime in Scheiße liegender Menschen kannst Du ja auch gerne anders betiteln, die stinkende Scheiße bleibt dieselbe....

A#horbnblxatt


Und der Mutter wäre zu Zeiten mit Verstand auch der Begriff füttern lieber gewesen, glaub mir.

Bei "Essen anreichen" hätte die nen höchst unvornehmen Lachanfall bekommen, sie stand immer mitten im Leben und mit Essen anreichen hätte sie nix am Hut gehabt.

Ciorne*lxia59


@ Katzenpfötchen

Das ist die Margarethenhof-Gruppe. Hat insgesamt einen sehr guten Ruf, soweit ich weiß.

C~orneeliax59


@ Ahornblatt

Das tut mir leid, daß ihr so extrem schlechte Erfahrungen machen mußtet. Wäre denn eine Verlegung in ein anderes Heim möglich gewesen?

M:onik2a65


Wir sagen Essen eingeben und nicht füttern, egal ob nun einzelne Leute das gut finden oder nicht. Jeder Beruf hat so seine Fachsprache.. da denkt man gar nicht mehr darüber nach. Es gibt Vorgaben, seitens des Qualitätsmanagements und dazu gehört eine angemessene und respektvolle Sprache. Zum Beispiel neben dem genannten, dass man nicht vor den Bewohnern und Angehörigen von Windeln oder Latz spricht. Das ist ein wichtiger Punkt und es ist mit Sicherheit nicht jedem egal. Das trägt mit zur Atmosphäre bei.

Ahornblatt

Das Verhältnis examinierte Kräfte und Pflegehilfskräfte ist gesetzlich vorgegeben, es muss eine bestimmte Anzahl Fachkraftstunden eingehalten werden und pro Schicht auch eine examinierte Kraft anwesend sein. Die Fachkräfte arbeiten in aller Regel Vollzeit, die anderen Teilzeit (auch da natürlich in der Regel..). Meine Erfahrung, die Fachkräfte haben ein paar Kompetenzen und Verpflichtungen mehr, die anderen haben oft mehr Geduld, nach einiger Zeit in der Grundpflege mindestens den gleichen Standard und sind weniger ausgebrannt und geduldiger. (Alles natürlich nicht ohne Ausnahme..)

Die Sache mit dem verstopften Katheder passiert immer wieder mal, es sollte aber nicht Sache der Angehörigen sein, es überhaupt wahrzunehmen. Allerdings wird das dann, wenn es passiert, auch immer im Krankenhaus gemacht, das ist zumindest normal und nicht außergewöhnlich.

AJhornbl4att


Eine Verlegung wäre für den Schwiegervater ein harter Schlag gewesen, da das Heim ja quasi in der Nachbarschaft lag, wo er in seinem hohen Alter eben auch allein hingehen konnte, um seine Frau zu besuchen. Und auch für uns wäre es umständlich gewesen, die nächsten Heime wären nur mit dem Auto erreichbar gewesen.

Wir haben ja alle an einem Strang gezogen und es der Schwiegermutter aus Eigeninitiative versucht, komfortabel zu machen. Darauf kam es uns an. Wir haben sie im Pflegeheim umsorgt, soweit wir das konnten. Wir haben für Körperpflege gesorgt, für Nahrung (oftmals die Lieblingsnahrung auch selbst gekocht und mitgenommen, was sehr gut ankam. Wenn die Sinne auch nicht mehr so gut funktionierten, aber der Geschmack brachte immerhin mal ein Leuchten in die Augen (trotz Fütterung!!!).

Und die Unterbesetzung des Personals war ein dauerndes Thema. Durch unsere Präsenz wagte man hier nicht, bei uns zu luschern. Man hatte offensichtlich Ärger genug. Trotzdem hatte man im Heim Augen für rechts und links...

Die Freundin unserer Tochter war 2 Monate dort, eigentlich Erzieherin in einer Behindertenwerkstatt, wegen Umzugs nahm sie erst mal diese Stellung an. Sie sollte als ungelernte Pflegerin Medikamente stellen, wo sie sich weigerte, was ihr sofort Minuspunkte einbracht. Soweit zu examinierten Kräften, die es wohl gab, aber wohl nicht in jeder Schicht und auf jeder Station. Haben wir oft erlebt, dass auf eine Frage erst mal geantwortet wurde: da muß ich mal da und da anrufen...

So richtig kompetentes Personal gab es irgendwo schon, war immer nur die Frage, wo.

G_ricesuxh1


Lieber Herr Wallraff, berichte doch einmal über die 99% der Heime in denen es nicht so abläuft.

Ach so, das interessiert doch keine Sau.

Klar, mit diesen Bildern hat man -die Reporter ein Aufreisserthema und die Einschaltquote stimmt wieder.

Mmo7nikEa65


nd die Unterbesetzung des Personals war ein dauerndes Thema

Das ist das generelle Problem, nicht nur in dem von dir geschilderten Heim, obwohl ich das, was ich da lese, schon extrem finde. Wer war denn der Träger? Privat?

AOhor.nb/latxt


Ach ja, das Essen dort war auch bescheiden. In den 5 Monaten habe ich immer die gleiche Billigwurst von Aldi gesehen, im Eintopf am Wochenende waren nicht 2 Würstchen sondern gerade mal 2 Wurststückchen enthalten, der alte Herr, der im Nebenzimmer wohnte, wurde nie satt.

Es gab auf jedem Stockwerk eben die Küche, wo andere Heimbewohnern der Tisch gedeckt wurde. Es waren immer die gleichen in Alu verpackten Essen auf Rädern drin, offensichtlich von einem Billigstanbieter. Selten war das wirklich appetitlich angerichtet.

Ich habe in der Küche immer eigenen mitgebrachten Kaffee gekocht und das mitgebrachte Essen für die Schwiegermutter noch mal erwärmen dürfen und bekam deutlich mit, dass sich Heimbewohner resigniert in ihr Schicksal gefügt hatten. Dafür hatten sie nachmittags aber Belustigungsangebote von Beschäftigungstherapeuten die ins Haus kamen. Immerhin.

Der Träger war überhaupt eine private GmbH. Auf den Tellern war jedenfalls nicht viel Gutes zu sehen von dem kassierten Pflegegeld.....

M+on(ika 65


Ahornblatt

Nebenbei mal ganz generell, selbstverständlich geht es Bewohnern, die von den Angehörigen mitbetreut werden, besser. Du schilderst es, als ob das, was ihr für eure Angehörige getan habt, generell Aufgabe der Pflegekräfte sein sollte. Das ist aber nicht der Fall, viele glauben, im Heim und das wars dann. Das stimmt im Prinzip, aber eben nur im Prinzip, die Betreuung und das Kümmern der Angehörigen sollte nicht deshalb ganz aufhören. Dazu zählt dann zum Beispiel sowas wie Verabreichen von Lieblingsessen, überhaupt ab und zu Essen eingeben, das machen viele Angehörige, so wie du es schilderst, ein wenig Umsorgen, gemütlich machen, einfach da sein. Wenn noch möglich, mitnehmen, spazieren gehen, mit nach Hause nehmen an bestimmten Tagen etc. Das ist (auch) Aufgabe der Verwandten und die Bewohner, die es nicht haben, sind echt ärmer dran auch wenn sie ja versorgt werden.

G"rie~suh1


Monika schrieb:

Die Sache mit dem verstopften Katheder passiert immer wieder mal, es sollte aber nicht Sache der Angehörigen sein, es überhaupt wahrzunehmen. Allerdings wird das dann, wenn es passiert, auch immer im Krankenhaus gemacht, das ist zumindest normal und nicht außergewöhnlich. ---------

Als Betreiber eines ambul. PD's frage ich mich:

können examinierte Pflegefachkräfte keinen DK wechseln?( Das höre ich immer wieder von Pflegeheimen)

DK wechsel hat jede examinierte gelernt.

In der ambulanten Pflege gehört DK wechsel bei Mann u. Frau zum tgl. Brot einer jeden examinierten Pflegefachkraft.

Ahornblatt: Fütterung- ein scher schlechtes Wort- gibt es bei Tieren,

beim Mensch nennt man es Nahrung anreichen, (hört sich besser an)

L8iverpuoxol


Ich hab die Reportage nicht gesehen aber heute morgen kurz mit Kollegen drüber gesprochen.

Ich kenne berufsbedingt rund 30 Pflegeheime Rettungsdienst. Sind in den Heimen mehr oder weniger regelmäßig "zu Gast" und in einigen der Heime herrschen durchaus Zustände, wie im Beitrag gezeigt. Gerade die Situation, dass man zum Notfall gerufen wird und minutenlang keiner vom Personal zu finden ist. Auch wurden Bewohner von uns schon in den unmöglichsten Zuständen aufgefunden. Und statt examinierten Kräften trifft man regelmäßig völlig überforderte Schüler oder Pflegehelfer an. Und in den vielen Häuser auch Personal, welches nur sehr geringe Deutschkenntnisse hat. Das bedeutet zwar nicht zwingend, dass sie ihre Arbeit schlecht machen aber die Verständigung leidet eben doch sehr. Vor allem auf dem Land, wo viele ältere Leute auch noch ausgeprägten Dialekt sprechen.

Auch trügt der äußere Schein auch sehr. In einigen sehr schönen und ansprechenden Neubauten herrschen katastrophale Zustände. Dafür kenne ich nur ein Heim, in dem man immer gut ausgebildetes, kompetentes Personal antrifft und das Haus sieht so schlimm aus, dass ich dort nicht mal begraben sein wollte.

In keines der, mir bekannten, Heime würde ich meine Angehörigen vorbehaltlos geben. Es gibt einige Heime, bei denen ich insgesamt weniger Bauchweh hätte und ihr Hoffnung, dass es doch halbwegs klappt aber deutlich mehr Heime, die ich keinem aus meiner Familie zumuten wollte.

Doch letztens Endes ist es eben auch eine Geldfrage und nicht für jeden ist es möglich, in einem der wenigen schönen Heime hier zu leben.

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