» »

Zustände in der Altenpflege tatsächlich so schlimm?

D"umaxl


Was haltet ihr denn von diesem [[http://www.zeit.de/2013/05/Demenzdorf-De-Hogeweyk-Alzey Dorf]]?

R*ainxer99


Die Altenpflegetheorie ist schön, die Praxis nicht.

Zu meiner Zivi-Zeit in den Neunzigern (übrigens auch in Bayern), gab es tatsächlich einige Pflegerinnen, die alle Aufgaben so ausführen wollten, wie sie dies gelernt hatten. Das führte dazu, dass diese nach der Übergabe noch freiwillig und unbezahlt weiterarbeiteten. Denn eine gute Pflege kostet mehr Zeit als derzeit irgendjemand bezahlt.

Einige Highlights?:

Jeder Bewohner hätte Anrecht auf ein Bad in der Woche gehabt. Tatsächlich bekamen das nur die, die es lautstark einforderten. Der Rest wurde maximal 1 mal im Monat gebadet, für mehr blieb schlicht keine Zeit.

Um früh alle Bewohner rechtzeitig zum Frühstück bringen zu können, ging bereits um 7:00 bei den ersten das Licht an, ob sie wollten oder nicht, so ein Waschvorgang dauert halt. Bei den Letzten war dann schon der Kaffee kalt, wenn man sie endlich angezogen hatte.

Private Kleidung? Fehlanzeige. Spätestens die Dementen wurden aus dem Kleiderpool versorgt, der sich hauptsächlich aus "Erbstücken" speiste.

Was ich nicht bestätigen kann, ist die Praxis des Einsperrens. Wobei dies manchmal nützlich gewesen wäre, vor allem Alzheimer-Patienten neigen zu unkontrolliertem Aktionismus und sind im Handumdrehen auf der Straße und verschwunden, während man gerade bei einem anderen Bewohner ist. IdR werden sie dann völlig verwirrt, nach Stunden, von Bürgern oder Polizei zurückgebracht.

Auch Medikamente durften wir nicht selbst verschreiben, meines Wissens darf das nur ein Arzt (der das allerdings oft bereitwillig tut).

Allerdings muss ich auch eine Lanze für die Pflege brechen, viele Leute stellen sich das viel zu einfach vor, was es aber nicht ist. Es ist eine ständige Gratwanderung.

Ich habe Demente erlebt, die:

- ander Bewohner terrorisierten und belästigten

- sich mitten auf dem Gang auszogen und gemütlich ein Häufchen machten

- Geld und Medikamente versteckten und dann behaupteten, bestohlen worden zu sein (zum Glück klärte es sich meist schnell, man kannte irgendwann die Verstecke)

- Demente die grob gewaltätig wurden. Wie soll man einem stark Parkinson-Kranken auf die Toilette helfen, wenn der einem die Arme zerkratzt? Und der Mann war definitiv nicht mehr selbst dazu in der Lage zur Toilette zu gehen. Unkontrollierte Aggressionen können halt zum Krankheitsbild gehören.

- Viele Pflegebedürftige bauen allein durch die fremde Umgebung und den anderen Tagesablauf stark ab und werden verwirrt. Was man 30 Jahre lang gemacht hat, kann man halt nicht von einem Tag auf den anderen abstellen, erst recht nicht in dem Alter.

hhatsKchixpu


Ich glaube nicht, dass sich irgendwer die Pflege leicht vorstellt. Ganz im Gegenteil. das ist so hart, dass es einfach viel mehr Personal braucht,

C>araCmalxa


Ich glaube nicht, dass sich irgendwer die Pflege leicht vorstellt. Ganz im Gegenteil. das ist so hart, dass es einfach viel mehr Personal braucht,

Genau das ist der Punkt. Da kann man noch soviel optimieren und planen, es reicht einfach hinten und vorne nicht und wer kann, der geht über die Grenze hinaus arbeiten, denn in verschiedenen Ländern herrschen andere Bedingungen als hier.

Es ist zudem erstaunlich, dass sich Deutschland als so wohlhabend hinstellt, dass auf der anderen Seite aber in vielen Bereichen ein Billiglohnland geworden ist, denn jeder Zehnte ist nicht mehr zahlungsfähig. War vor kurzem noch ein Bericht im Fernsehen. Und das wirkt sich auf alle Bereiche aus, so dass die menschlichen normalen Bedürfnisse immer weniger zählen.

Dmum9axl


Caramala

Es ist zudem erstaunlich, dass sich Deutschland als so wohlhabend hinstellt

Deutschland ist wohlhabend. Deutschland ist steinreich. Jeder deutsche Staatsbürger könnte eigentlich Gold scheißen. Deutschland ist wahrscheinlich sogar noch reicher...Aber

dass auf der anderen Seite aber in vielen Bereichen ein Billiglohnland geworden ist

es gibt ein Verteilungsproblem. Das Problem ist nicht zu wenig Wohlstand, sondern wie dieser verteilt ist.

MponEikaM65


Das Dorf gefällt mir, im Moment grad unvorstellbar, dass es das bei uns geben wird. Es gibt allerdings Demenzstationen, die besser als ein normales Pflegeheim sind oder Wohngruppen. Das ist allerdings für das Personal alles andere als einfach.

Ccaramxala


Ja genau, Dumal, die Ursache liegt in der Verteilung und so meine ich, an einem Geld- und Wirtschaftssystem, dass genau diese Seite immer wieder hervorbringt, mit entsprechenden Folgen für die Bevölkerung.

Mxichae'lAPxH


Hallo,

ich mache derzeit eine einjährige Ausbildung zum Pflegeassi.

Habe auch schon ein dreiwöchiges "Schnupperpraktika" in einer "Seniorenresidenz" und jetzt im Rahmen meiner Ausbildung in einem "kleinen" Pflegeheim machen können.

Ein paar Gedanken und kleine Erfahrungen aus meiner bisherigen Praxis möchte ich beitragen.

Auf JEDEN !!! Fall sollte man die Entscheidung einen Angehörigen "In welches Heim?" NIEMALS von Prospekten, Flyern oder hübsch gestalteten Internetseiten leiten lassen!

Die Frage die sich mir als Azubi immer wieder stellt:

- Wie hoch ist die Fluktuation und der Krankenstand des personals in einer Einrichtung?

Dies ist ein beredetes Zeichen der Belastung und der Motivation

- Welche und WIEVIEL "Hilfsmittel" für die Pflege gibt es auf den Stationen?

(Drehteller, Aufstehhilfen, Gleitmatten etc.)

Dies ist ein beredetes Zeichen ob "betriebswirtschaftliche" oder Gesunderhaltende

Motive der jeweilige Heimbetreiber hat.

- Wer ist DER Heimbetreiber? Kommt der Eigentümer, der Heimleiter expliziet aus der

Pflege oder nur studierter BWLèr, Architekt?

DANN S O F O R T die Flucht antreten!!!!!!!!!!! (sowohl Bewohner wie Personal!!!)

- Beobachten wie und welches Personal auf den Stationen eingeteilt ist und das

Personal beobachten. Auch mal "nebenbei" nach deren Qualifikation fragen und auf

Überraschungen gefasst sein!

- Einen Tag der "offenen Tür" durch den Hintereingang betreten!

- Wie sieht das "Schwesternzimmer" aus?

Sauber, aufgeräumt, übersichtlich oder chaotisch ...... ??? ?

- Nicht davon ausgehen, wenn man vermeintlich "verwahrloste" Bewohner sieht, das

das Standard ist. Manche Bewohner wollen das so für sich selbst!!!

Wird sowas vom Personal akzeptiert ???

Die Liste mit meinen Azubi Beobachtungen ließe sich noch sicherlich fortsetzen.

Bitte lasst Euch nicht von solchen TV Berichten irre machen- macht Eure eigenen Erfahrungen und vertraut auf Eure eigenen "Bauchgefühle".... und beobachtet genau hinter den Kulissen.

Fragt Euch, wie Ihr selbst gepflegt werden wolltet und nehmt Eure Beobachtungen und vergleicht....

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kranken- und Altenpflege oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH