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Pflegenotstand- aber bitte nicht bei meiner Mutter

S8ünOtjxe hat die Diskussion gestartet


Ich arbeite im Krankenhaus, meist auf der Geriatrie.

Die Forderungen von Angehörigen werden (gefühlt von meinen Kollegen und mir) immer anspruchsvoller und, ich formuliere jetzt mal bewusst überspitzt, absurder.

Die Medien sind voll vom Schlagwort des Pflegenotstandes, andauernd Berichte über katastrophale Zustände in sämtlichen Einrichtungen, egal ob Pflegeheim oder Krankenhaus, wir kriechen auf dem Zahnfleisch und dennoch werden die unglaublichsten Ansprüche gestellt.

Ich frage mich, sieht das niemand? Die TV-Berichte? Liest niemand die Reportagen? Oder glaubt man es einfach nicht?

Anlass zu diesem Faden ist eine Beschwerde einer Tochter über mich.

Sie kam gestern sehr erbost auf mich zu und motzte in einem sehr scharfen Ton auf mich ein, warum wir ihre Mutter nicht stündlich zum WC führen.

Ich muss dazu sagen, die Grippe wandert auch bei uns im Haus, wir arbeiten auch unter der Woche in Wochenendbesetzung, wir können alle nicht mehr, ist einer wieder da, meldet sich der nächste krank und in dieser Situation kam die Tochter mit stündlichen Toilettengängen auf mich zu.

Ich habe mich sehr unproffessionell verhalten und habe gelacht.

Das war so absurd, wir haben Nöte das Allernötigste zu erledigen, und sie beschwert sich, dass die Vorlage ihrer Mutter nass ist, da wir sie nicht stündlich!! zum WC bringen.

Ich habe dann versucht zu erklären, dass es wünschenswert wäre ein Toilettentraining durchzuführen, dass es aber von uns nicht zu leisten ist.

Daraufhin meinte die Tochter: "Ich weiß, es ist Pflegenotstand, aber das darf meiner Mutter nicht schaden. Sie werden von mir hören"

Ich frage mal hier in die Runde, macht ihr bei euren Angehörigen auch die Augen vor der Realität zu und erwartet 24 Stunden rundum Betreuung?

Antworten
C%hou(pettRe_F.inni_an


Ich frage mal hier in die Runde, macht ihr bei euren Angehörigen auch die Augen vor der Realität zu und erwartet 24 Stunden rundum Betreuung?

Mal ehrlich, auf der einen Seite sind irgendwelche fremden Geizhälse, die für die Misere verantwortlich sind und auf der anderen Seite das Familienmitglied. Mir ist es wurscht ob Personalmangel herrscht, ich sehe es genauso: Nicht bei meiner FAMILIE!

Wenn meine Mutter sich einpinkeln und derart erniedrigen würde, weil man nicht genug Personal ranschaffen kann, und du hättest mir ins Gesicht gelacht, ich glaube da könntest du dich auch darauf einstellen, dass ich alles versuche, dass das Konsequenzen hat.

Ich hab bei meiner Oma erlebt wie besch...eiden die Versorgung im Pflegeheim ist und da kann ich jeden verstehen, der da auf die Barrikaden geht. Dass die Pfleger nichts dazu können ist zwar wahr, aber die alten Leute noch viel weniger.

nhim}ue88


Süntje, ich verstehe dich. Die Leute verstehen es einfach nicht. Natürlich das eine emotionale Sache, wenn der Mutter etwas "vorenthalten" wird - in dem Fall der Toilettengang. Aber es ist einfach nicht möglich.

Hatte dazu mal eine Diskussion mit einer anderen Praktikantin in einer Psychiatrie (Demenzklinik). Sie meinte, die Pfleger sind einfach zu faul, Essen wird hingestellt und wenn der Patient nicht gegessen hat wird das Essen wieder mitgenommen. Man müsse halt die Leute zum Essen motivieren, füttern....

Manche Leute verstehen es nicht, dass einfach die ZEIT FEHLT. Und wenn ich die Mutter stündlich aufs WC bringe, fehlen mit die 1,5 Stunden am Tag anderswo. Es ist tragisch für die Patienten, das ist ganz klar. Aber ich verstehe dein Lachen ob der Absurdität. Was sollen die Pfleger tun? Die können einem Tag auch nicht mehr als 24 Stunden geben. Und wenn nicht mehr Personal da ist, dann ist nicht mehr Personal da.

TCestraKle


Bei uns im Krankenhaus sind sehr oft Patienten aus Südlichen Ländern und bei denen ist es fast selbstverständlich, das FAST IMMER eine Familienmitglied, meist die Schwester oder Tochter, oder die Mutter) als Begleittperson mit aufgenommen wird. Es scheint in diesen Ländern üblich zu sein, das die Pflege im Krankenhaus von der Familie geleistet werden MUSS. Eine Krankenschwester ist dort nur für medizinische Tätigkeiten zuständig. Körperpflege und Essen anreichen gehört anscheinend NICHT dazu.

In Deutschland ist leider das Problem, das examinierte Pflegepersonen ALLES machen müssen, 70% sind Pflegefremde Tätigkeiten. Es gibt in Deutschland kaum Assistenzkräfte, die z.B. Essen austragen, oder Botengänge für die Patienten erledigen.

n"imu(e88


Mal ehrlich, auf der einen Seite sind irgendwelche fremden Geizhälse, die für die Misere verantwortlich sind und auf der anderen Seite das Familienmitglied. Mir ist es wurscht ob Personalmangel herrscht, ich sehe es genauso: Nicht bei meiner FAMILIE!

Wenn meine Mutter sich einpinkeln und derart erniedrigen würde, weil man nicht genug Personal ranschaffen kann, und du hättest mir ins Gesicht gelacht, ich glaube da könntest du dich auch darauf einstellen, dass ich alles versuche, dass das Konsequenzen hat.

Ich hab bei meiner Oma erlebt wie besch...eiden die Versorgung im Pflegeheim ist und da kann ich jeden verstehen, der da auf die Barrikaden geht. Dass die Pfleger nichts dazu können ist zwar wahr, aber die alten Leute noch viel weniger

Das ist ungefähr das Verhalten der Leute, die auch die Kassiererin am Supermarkt anschreien, wenn Sachen teurer werden oder wenn irgendwas ausverkauft ist. Nur dass die Pfleger noch direkt unter der Situation leiden.

Meine Schwester arbeitet in der Altenpflege und sagt übrigens, dass sehr viele Angehörige ihr sonstiges nicht-kümmern mit Herumschreierei gegen das Pflegepersonal kompensieren wollen. Aus schlechtem Gewissen, dass man zu selten da ist mischt man ordentlich den Laden auf - damit man wenigstens etwas getan hat :=o

MgiMahMxaus


Hallo Süntje,

Die Forderungen von Angehörigen werden (gefühlt von meinen Kollegen und mir) immer anspruchsvoller und, ich formuliere jetzt mal bewusst überspitzt, absurder

Auch mir fällt es zunehmend auf, dass viele Angehörige schlichtweg absurde Vorstellungen haben! Häufig sind dies Wünsche und Forderungen, die in IHREM Aufgabenbereich liegen oder es sind Dinge, die der Pflegebedürftige überhaupt nicht will oder absolut unnötig sind.

Ich werde häufig mit Dingen konfrontiert, in denen ich auch am Liebsten laut loslachen würde!!

Kann man sich nicht vorstellen, mit welchen Sachen die da ankommen %:|

Mir ist durchaus bewusst, dass häufig eine Überforderung mit der Situation, ein schlechtes Gewissen oder sonstwas an diesem Verhalten schuld ist. Aber oft bin ich weitaus mehr damit beschäftigt, Angehörige zu therapieren, als mich adäquat um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern zu können.

Viel zu oft herrscht auch die Einstellung " Mutti ist jetzt im Heim/ Geriatrie...Jetzt hab ich mit nichts mehr zu tun. Müssen die sich drum kümmern"!

Wie oft kommt es vor, dass die Menschen keine Kleidung mehr haben...aber hauptsache die rote Tischdecke liegt auf dem Tisch! Wehe dem, wenn das Personal da schlampt :(v

Natürlich ist eine nasse Vorlage nicht schön! Jedoch ist ein stündlicher Toilettengang, gerade wenn wegen Krankheit unterbesetzt ist, wohl kaum möglich.

Es liegt ja nicht am " nicht wollen ".

S]ünUtjxe


Choupette_Finnian

Wenn meine Mutter sich einpinkeln und derart erniedrigen würde, weil man nicht genug Personal ranschaffen kann, und du hättest mir ins Gesicht gelacht, ich glaube da könntest du dich auch darauf einstellen, dass ich alles versuche, dass das Konsequenzen hat.

das würde ich sehr begrüßen. Wir als Pflegepersonal sind ja am meisten daran interessiert, dass endlich Konsequenzen gezogen werden.

Ich habe auch kein Problem mit der Beschwerde, ich rate jedem Angehörigen der irgendwie unzufrieden ist, sich eine oder mehrere Stellen höher zu beschweren.

Es ging mir um die absurde Forderung wo eigentlich jeder aufmerksame Mensch wissen muss, dass das nicht mehr funktioniert

HGoney9/1_mit_KMinxi13


Würdest du es dulden dass eine Erzieherin im Kindergarten dein Kind mit vollgepinkelter Hose Stunden lang rumlaufen lässt?

Würdest du gerne, als hilfsbedürftige, stundenlang im eingepullerten Bett deinen Hintern wund liegen? Nein? Dann lach nicht über solche Sorgen!

Klar habt ihr ein Notstand, aber ihr kümmert euch um MENSCHEN nicht um leblose Computer!

T'estraxle


Liebe Honey

ich bin auch Krankenpfleger

Es geht nicht um EINE Omi, die frisch gemacht werden muss, auf meiner Station mit 35 Bettten sind 80% der Patienten nicht fähig, alleine zu Essen, zu trinken, sich selbst zu reingen usw usw.

Wir sind 2 Pflegekräfte im Spätdienst. Wie soll man alle Patienten trocken und sauber halten, wenn du tausend andere Dinge zu erledigen hat, der Chefarzt Ruft weil er Visite mchen will und VERLANGT eine Pflgeperson dabei zu haben, seine Visiten dauer fast 1 stunde. Dann kommt das essen, das muss innerhalb von 2 stunden ausgeteilt und wieder eingesammt werden, weil sonst der Essenswagen nicht mehr in die Küche kommt, und es kein Essen in der nächsten Schicht geben würde, dann Fällt Omi Schmitz aus dem Bett, sie muss mit 2 Leute in Bett gehoben werden, einer muss sie zum Röntgrn fahren und die ganze Zeit dabei bleiben, das heisst, das dann für fast eine Stunde nur eine Pflegeperson auf Station ist.. uswusw

a;vantWi


Klar habt ihr ein Notstand, aber ihr kümmert euch um MENSCHEN nicht um leblose Computer!

und jetzt? Jeder, der in der Pflege arbeitet,4 weiß das.

Nur: wenn nicht mehr Personal da ist, ist nicht mehr Personal da. Das ist schlimm. Ja. Aber das Pflegepersonal ist nicht die richtige Stelle für Beschwerden. Auch nicht für besonders polemische.

MxiMa]Maxus


Würdest du es dulden dass eine Erzieherin im Kindergarten dein Kind mit vollgepinkelter Hose Stunden lang rumlaufen lässt?

Würdest du gerne, als hilfsbedürftige, stundenlang im eingepullerten Bett deinen Hintern wund liegen? Nein? Dann lach nicht über solche Sorgen!

Darum geht es doch überhaupt gar nicht :|N

Der Vergleich hinkt mir zu sehr!

Ja, das Lachen war unprofesionell...das sagte Süntje ja selber!

HooneXy91_mxit_Mini13


Der Vergleich hinkt mir zu sehr!

warum hinkt der Vergleich? Ob Nun Kinder oder hilfsbedürftige Menschen - ob fremde oder ob es mich irgendwann selbst betrifft - für mich ist das alles das selbe.

Ich kenne aktuell 3 Pflegeheime hier bei uns, 2 da ich dort Verwandte habe, eins als Praktikant für damals 4 Wochen: Klar jede Stunde ist zu viel verlangt. Aber dann kann es wenigstens eine Windel geben damit die Frau nicht in ihren nassem bett rumliegen muss, wenn man weiß dass sie das Wasser nicht so lang halten kann.

nEi?muxe88


Dann erzähl mal, Honey. Wenn du X Minuten Zeit pro Patienten zur Verfügung hast - wie willst du das bewerkstelligen, dass jeder alles bekommt, wenn die Zeit einfach viel zu knapp bemessen ist? Der Stunde mehr Minuten geben, ich zweiteilen?

Rummosern ist natürlich immer einfach, aber das sollte auch das Potential zur Verbesserung bergen. Die einzig richtige Stelle für solche Beschwerden ist die Leitung. Das Personal kann da nichts dafür.

n6im/unex88


Aber dann kann es wenigstens eine Windel geben damit die Frau nicht in ihren nassem bett rumliegen muss, wenn man weiß dass sie das Wasser nicht so lang halten kann.

Erst lesen, dann aufregen.

Das war so absurd, wir haben Nöte das Allernötigste zu erledigen, und sie beschwert sich, dass die Vorlage ihrer Mutter nass ist, da wir sie nicht stündlich!! zum WC bringen.

SoünRtj{e


Klar habt ihr ein Notstand, aber ihr kümmert euch um MENSCHEN nicht um leblose Computer!

da bin ich in der Tat schon sehr abgebrüht.

so eine Aussage kann ich gar nicht mehr ernst nehmen, das ist Meilen von meinem, unserem Alltag hier entfernt.

Weil wir mit Menschen arbeiten, reißen wir uns regelmäßig den Arsch auf, springen dauernd ein anstatt die Freizeit für uns oder die Familie zu nehmen, schlucken Schmerzmedikamente um eine Schicht durchzustehen, streiken nicht wie Lokführer oder Piloten, arbeiten länger und verzichten auf geplanten Urlaub.

Sorry Honey, das kann ich nicht ernst nehmen.

Und zu deinem Beispiel mit dem nassen Kind, ich würde nicht erwarte, dass eine Erzieherin

mein Kind stündlich aufs Töpfchen setzt, dass sie das bei 25 anderen Kindern nicht leisten kann, ist mir völlig klar.

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