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Pflegenotstand- aber bitte nicht bei meiner Mutter

S+üntxje


OrangeCAnyon

was du schreibst berührt mich.

Das sollte in der Tat selbstverständlich sein.

Ich arbeite im Krankenhaus nicht im Heim, das habe ich ausprobiert und habe es wieder gelassen. Hier habe ich also nicht die Erfahrung, aber das wäre für mich als Angehörige auch selbstverständlich und das würde ich auch einfordern.

Du schreibst, du erwartest keine "Gute-Nacht-Geschichten", das ist in meinen Augen mein Beispiel vom stündlichen WC-Gang, eben eine unrealistische Forderung.

Gestern hab ich auf meiner Station zum ersten Mal gesehen, wie tatsächlich jemandem das Essen völlig außer Reichweite gestellt wurde. Ich dachte bislang immer, das sei eine völlig überzogene Schilderung, aber nun weiß ich das auch besser.

Sowas geht ganz klar nicht.

M\onixka65


Ich habe diesen Faden gestern erst entdeckt und wollte ihn mal wiederbeleben. Ich arbeite auch - zum Glück nur Teilzeit - in der Pflege, Altenpflege. Ganz kurz zum vorherigen Beitrag, bei uns wird einmal pro Woche geduscht, wenn alles klappt - keine Mitarbeiternotstand. Mehr nicht. Wir arbeiten oft mehr als die Pflegeeinstufungen vorsehen (zum Beispiel einfache Hilfe zu Bett gehen mit 1-2 Minuten anrechnen ist ein Witz angesichts der langsamen Bewegungen vieler Bewohner), mehrmals Duschen die Woche gibt es nicht. OrangeCanyon würde mit einer diesbezüglichen Beschwerde gar nichts erreichen. Es ist ein Heim eines der großen Sozialverbände. Das ganze Pflegestufensystem passt hinten und vorn nicht, und in Zukunft wird, was ich gehört habe, die privaten Zuzahlungen für stationäre Pflege noch höher werden. Ich verstehe jeden, der fragt, wo das ganze Geld hinfließt, nur, so viel ist sicher, zu uns Pflegenden nicht. Nicht mal das, was die Angehörigen nach dem Versterben ausdrücklich für die Pflegekräfte an Geld "schenken", kommt bei uns an, sondern landet in der Verwaltung.

Das Problem, Angehörige haben wir auch immer wieder. Ich selber bin auch Angehörige, meine Mutter und meine Schwiegermutter sind beide im Heim, und ich käme niemals auf die Idee, mich so zu verhalten, wie manche Angehörige es tun. Vor allem, wenn sie "Anweisungen" erteilen, die der Bewohner selber gar nicht umsetzen will oder die einfach fachlichem Rat widersprechen. Und unsere Fachkräfte sind nun mal Fachkräfte, wenn sie feststellen, dass ein Bewohner Mobilisierung nicht mehr gut oder gar nicht verträgt, hat man das als Angehöriger hinzunehmen. Wer das nicht will, soll die Pflege selber übernehmen.

SrünXtje


OrangeCanyon würde mit einer diesbezüglichen Beschwerde gar nichts erreichen

Monika, du meinst OrangeCanyon erwartet schon zuviel?

Was sie schreibt kann ich gut nachvollziehen und würde ich auch erwarten.

ich käme niemals auf die Idee, mich so zu verhalten, wie manche Angehörige es tun. Vor allem, wenn sie "Anweisungen" erteilen, die der Bewohner selber gar nicht umsetzen will oder die einfach fachlichem Rat widersprechen

wie ist denn dann im Heim zu reagieren? Schickt ihr diese Angehörigen weiter zur Heimleitung oder wie handhabt ihr das?

M#omnikea6x5


Monika, du meinst OrangeCanyon erwartet schon zuviel?

Ja, mehrmals pro Woche duschen oder baden kann sie nicht erwarten. Bei uns wird das einmal gemacht, das ist in Duschplänen und im Computer so vorgesehen, mehr ist nicht drin. Wird nicht bezahlt.

wie ist denn dann im Heim zu reagieren? Schickt ihr diese Angehörigen weiter zur Heimleitung oder wie handhabt ihr das?

Kommt darauf an, wie es verläuft und wie der jeweilige Wohnbereichsleiter damit umzugehen weiß. Die PDL wird relativ rasch hinzugezogen, viele Beschwerden landen auch direkt bei ihr. Heimleitung in krasseren Fällen dann ebenfalls.

Bei uns ist es gerade wieder so eskaliert, dass eine Pflegekraft bereits die Angehörigen hat wissen lassen, dass sie im Wiederholungsfall auch nicht vor eine Anzeige zurückschrecken würde. (Verleumdung). Manchmal entwickelt sich das wirklich ganz krass.

MconiAka56x5


Ich habe auch in Behindertenheimen gearbeitet, da war zum Beispiel Duschen jeden 2. Tag üblich. Der Mitarbeiterschlüssel war günstiger als in der Altenpflege.

P helnolphHtaleixn


Hallo ihr Lieben! Ich fand es eben sehr informativ diesen Faden zu lesen, um auch mal die Sicht der Pfleger/Innen zu hören. Ich habe eine Oma und hatte einen Opa im Heim. Habe ein sehr positives, aber auch ein sehr negatives Beispiel. Bei meinem Opa war es leider eine totale Katastrophe. Wir haben ihn täglich besucht, meist abends. Essen (abends) und zu Bett bringen hat immer komplett die Familie übernommen. Es kam leider nicht nur einmal vor, dass mein Opa um 11 (normal steht er um 7 auf) noch im Bett lag und man ihn einfach vergessen hatte, geschweige denn ihn beim Frühstück vermisst hätte. Noch dazu war er Diabetiker. Er konnte nicht alleine aufstehen. Er hat geweint und war eingenässt. wie erniedrigend muss sich sowas anfühlen? Er war dabei noch vom Vortag angezogen, auf Nachfrage hieß es dann, dass sie gestern eben nicht die Zeit gehabt hätten ihm das Pyjama anzuziehen. Aha. Deshalb haben wir dann auch immer versucht abends da zu sein, weil niemand gerne in seinen Alltagsklamotten schläft. Ist auch so was schon zu viel verlangt? Katheter bekam er sowieso sofort, zur Toilette begleiten war von Anfang an nicht drin. Bei meiner Oma hingegen, in einem anderen Heim, haben wir bei gleichem Betreuungsschlüssel ganz andere Erfahrungen gemacht. Gut ich muss dazu sagen, meine Oma ist noch recht selbstständig. Auch bei ihr sind alle ständig gestresst. Trotzdem herrscht dort eine ganz andere Atmosphäre, weil man seine Klienten als Menschen wahrnimmt. Den Senioren wird dort sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und man sieht immer mal wieder nette Gesten und liebevolle Worte. Ich frage mich selbst wie sie das immer bei dem ganzen Stress hinbekommen, aber die Heimleitung ist sehr bemüht, dass sich die Leute dort Zuhause fühlen. Ich beneide niemanden in einem Pflegeberuf, verstehe hier alle frustrierten Beteiligten und hoffe inständig, dass sich die Situation ändert, bevor ich alt werde :-/

rjoo'mless=pl;acxe


Mal ehrlich, auf der einen Seite sind irgendwelche fremden Geizhälse, die für die Misere verantwortlich sind und auf der anderen Seite das Familienmitglied. Mir ist es wurscht ob Personalmangel herrscht, ich sehe es genauso: Nicht bei meiner FAMILIE!

Wenn meine Mutter sich einpinkeln und derart erniedrigen würde, weil man nicht genug Personal ranschaffen kann, und du hättest mir ins Gesicht gelacht, ich glaube da könntest du dich auch darauf einstellen, dass ich alles versuche, dass das Konsequenzen hat.

Ich hab bei meiner Oma erlebt wie besch...eiden die Versorgung im Pflegeheim ist und da kann ich jeden verstehen, der da auf die Barrikaden geht. Dass die Pfleger nichts dazu können ist zwar wahr, aber die alten Leute noch viel weniger.

Choupette_Finnian

Nun, was nicht geht, geht halt nicht. Süntje kann sich keine Mitarbeiter aus den Rippen schneiden.

Wie blöde ist denn die Aussage: aber nicht bei meiner Familie? Hast du einen Gegenvorschlag? Vielleicht Leute von der Straße holen? Du hast vielleicht Nerven.

Dann pflege halt selber und bleibe mit auf der Station, wenn du nochmal in so einer Situation bist.

M#oni;kxa65


Das, was du von deinem Opa schilderst, kommt bei uns nicht vor, von Ausnahmen abgesehen. Es gibt gelegentlich Leute, die man kaum pflegen kann, weil sie extrem aggressiv und ablehnend sind. Aber wie gesagt, das ist nicht die Regel.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass er einfach vergessen wurde, vielleicht war man der Meinung, er könne allein aufstehen und sich umziehen. Eigene Ressourcen des Bewohners dürfen und sollen auch erhalten bleiben, also keine unnötige Hilfe. Es gibt Bewohner, die verweigern sich einfach auch, obwohl sie dies und das könnten, zum Beispiel auch umziehen. Anders kann ich es mir halt nicht vorstellen, weil man nicht einfach Leute vergisst. Wir hatten aber auch schon Bewohner, die in der Lage waren, sich selbst die Nachwäsche anzuziehen und es einfach nicht gemacht haben. Dann kann das schon mal vorkommen, dass sie in Alltagsklamotten im Bett liegen. Der eigene Wille des Bewohners ist immer noch maßgeblich, außer bei sehr dementen Personen.

Katheder wird übrigens von den Ärzten angeordnet und niemals von den Pflegekräften in eigener Regie eingesetzt. Zur Toilette werden Leute schon begleitet, wenn sie im Prinzip noch kontinent aber unsicher auf den Beinen sind. Das ist immer eine Einzelfallentscheidung, inkontinente bekommen Einlagen. ABer wie gesagt, DAuerkatheder ist normalerweise medizinisch begründet.

S-ün0tje


Anzeige wegen Verleumdung? Das ist ja echt dann richtig heftig.

Bei uns wird leider immer beschwichtigt von Seiten der PDL, das nervt mich schon sehr, aber deshalb werde ich auch nie einen leitenden Posten haben, da ich in bestimmten Fällen die Wogen garnicht glätten möchte. Aber Krankenhauspolitik muss anscheinend so funktionieren.

Phenolpthalein,

ich kenne es auch so, dass es manchmal nicht drin ist, Patienten abends umzuziehen. Manche verweigern plötzlich alles und man kann sie dann besser in Ruhe lassen als sie noch mehr aufzubringen. Aber es ist dann natürlich auch Tagesform, wenn ich Zeit habe, kann ich ja mehr versuchen, ich kann versuchen abzulenken und dann doch irgendwann den Schlafanzug anziehen, ich kann vielleicht später nochmal wieder kommen, denn eine halbe Stunde später kann es schon wieder ganz anders aussehen, ich kann eine Kollegin schicken, die vielleicht eher Zugang findet... Aber wenn ich sowieso durch die Station hetzen muss, dann beibt Hr. Mustermann heute eben in Tageskleidung im Bett, wenn er nicht gleich mitmacht. Auf individuelle Befindlichkeiten richtig einzugehen ist oft ganz und gar unmöglich geworden.

Und Angehörige sehen dann nur, ihr Papa hat keinen Schlafanzug an..

PChePnoalphtjaleixn


Hi Süntje,

das verstehe ich natürlich. Und als es nur einmal vorkam, haben wir auch keinen großen Radau gemacht, sondern haben das eben selbst übernommen, indem eben abends immer einer von uns da war. Wir sahen ja den Stress. Das war jetzt auch nicht direkt als Vorwurf gemeint, mir ist schon klar, dass es eben nicht geht auf jeden Hans extra einzugehen. Er hat ja keinen direkten Schafen genommen, aber seine Würde hatte damals schon ziemlich gelitten. Bei meinem Opa ist es so, dass er ein sehr ruhiger Mensch war, und er hat sich auch nicht geweigert sich umziehen zu lassen. Er war im Kopf auch noch voll da und hat sich uns ggü geschämt, da so im Bett zu liegen. Es ist schlicht niemand vorbei gekommen. Einmal ok, zweimal ok...aber bei monatlichen 3800 fragt man sich dann auch wo zur H denn das Geld hin fließt. Und das mit dem morgentlichen Vergessen: Fragt mich nicht wie das nicht auffallen konnte. Wir konnten es uns selbst nicht erklären. Da gabs aber Donnerwetter von meinem Vater, einfach der Diabetes wegen, kann man das nicht bringen. Da geht es jetzt auch nicht mehr um Extrawünsche, sondern grundlegenden Bedürfnissen: Essen.

Ihr sitzt ja direkt an der Quelle, gibt es da den einen Ansatz an Bestrebung was an der Situation zu ändern? Also von oben? Bei uns ist die Situation so, dass es relativ viele Altenpfleger gibt, die aber keine Stelle finden, weil sie nicht ausgeschrieben werden. Bedarf wäre ja da, aber kein Geld. Das Problem wird ja nicht kleiner in der Zukunft, bei immer älter werdenden Menschen.

Mmo=nikax65


Welche Pflegeeinstufung hatte er denn?

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass Angehörige kommen sollten, um einen Bewohner umzuziehen. Das sollte schon noch drin sein. Möglicherweise war dieses Haus unterbesetzt. Was war das für ein Träger? Beschwerden von solcher Art kann man auch mal direkt an die Heimaufsicht/MDK weiterreichen.

Ihr sitzt ja direkt an der Quelle, gibt es da den einen Ansatz an Bestrebung was an der Situation zu ändern?

Es gibt nur Bestrebungen vom MDK gute Noten zu bekommen, das ist nicht immer der Fall und das muss dann schleunigst geändert werden, denn gute Noten sind die Dinge, die für Angehörige wichtig sind. Wie diese Noten zustande kommen, wissen sie ja nicht. Das betrifft in 80 Prozent der Fälle die Dokumentation und Pflegeplanung, das ist dem MDK immens wichtig.

P!hheno9lp'htaSlein


Puh bzgl Pflegestufe kann ich dir jetzt leider keine Antwort geben, das weiß ich nämlich nicht. Ich lebe nicht in D. Naja aber wenn die Pfleger komplett überfordert sind, dann musste es eben von uns übernommen werden. Der Leidtragende war in erster Linie ja mein Opa. Da ist mir die Zuständigkeit im ersten Moment auch egal.

MfoniDkax65


Der Leidtragende war in erster Linie ja mein Opa. Da ist mir die Zuständigkeit im ersten Moment auch egal.

Schon klar, ich hätte versucht ein besseres Heim zu finden. Die Grundpflege muss gewährleistet sein. Habe auch Angehörige im Heim, aber nicht vor Ort, ich könnte gar nicht jeden Tag hinfahren. Und es gibt Leute, die einen gesetzlichen Betreuer haben und niemals von Angehörigen besucht werden, entweder weil keine mehr da sind oder kein Interesse besteht. Was würde dann aus denen?

Pjhenloluphtalexin


Ja das ist mir durchaus klar. Deshalb ist diese Situation ja einfach nur traurig. Das Heim war bei uns im Ort und für meine Oma (keinen Führerschein) war es so am einfachsten, ihn jeden Tag zu besuchen. Wir haben lange überlegt ihn woanders unterzubringen, wo wir aber tlw auch einige Horrorgeschichten von anderen Angehörigen gehört hatten und am Ende abgewogen haben, dass es wohl besser ist er bleibt dort. Auch sein Bruder und eine andere Schwester waren dort untergebracht.

MXongaxta


Während meines Studiums habe ich als Pflegehilfe sowohl im Krankenhaus als auch im Altenheim gearbeitet.

Die Pflege im Krankenhaus hat mir besser gefallen, weil das Medizinische im Vordergrund steht und man mit einer vom Krankenhaus auferlegten Struktur die Grunddinge (waschen ab 7h, essen ab 8h/12h/17h, anziehen, ausziehen, Toilette) abarbeiten kann. Diese Struktur ist festgelegt und da kann kein pflegebedürftiger Patient dran rütteln. Und wenn jemand, der voll mobil ist, schon das dritte Mal wegen einer Tasse Tee klingelt, die er sich ohne Probleme vom Flur hätte besorgen können, dann darf man auch schonmal höflich anmerken, dass man für sowas keine Zeit hat.

Im Altenheim müssen die Pfleger - eigentlich - den Gästen noch sehr viel mehr Liebe und Geduld entgegenbringen. Ich habe es so empfunden, dass man, weil man die individuellen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen muss, oft in Stress und Chaos versinkt. Und, es tut mir leid, auch wenn das Angehörige anders sehen: viele alte Menschen können ungemein bockig werden. Im Krankenhaus hätte ich dann gesagt:"Jo, Sie wollen nicht, aber wir müssen. Das ist hier vorgeschrieben". Im Zweifelsfall noch:" Der Doktor hat das gesagt!" Im Altenheim musste ich die absurdesten Verweigerungen respektieren.

Und leider aus genau dieser (eigentlich richtigen und wichtigen!) Freiheit, kommen dann Probleme zustande.

Wir hatten eine Dame, die gerade dabei war, voll in die Demenz einzusteigen. Die hauste in ihrem Zimmerchen und es roch penetrant nach einem Infekt der Harnblase. Das Essen vergas sie auch andauernd. Jedes Mal, wenn ich dort hineinkam, habe ich die Krise bekommen. Im Krankenhaus hätte ich sie rigoros genötigt! Urinprobe, Antibiotikum, lüften und vor allem hätte ich sie vehement auf das Essen hingewiesen. Das durfte ich im Altenheim aber nicht, denn das hätte unter Umständen dazu geführt, dass man mir "Gewalt in der Pflege" oder das "Ignorieren von Gastwünschen" vorgeworfen hätte. Einen Arzt wollte die besagte Dame bis zu ihrem Tod nämlich nicht mehr sehen (sie hat uns angeschrien, wenn wir mit der Idee kamen, doch mal eine Behandlung einzuleiten) und das Essen wollte sie über den ganzen Vormittag dehnen, weil sie das schon immer so gemacht hätte und es für sie etwas mit Genuss und Ruhe zu tun hätte. Von ihrem Sohn, der ein Mal im Monat zu Besuch kam, durften wir uns dann anhören, dass wir die Frau vernachlässigen würden, so wie es in ihrem Zimmer aussähe ("Da riecht es so streng! Und das Essen rührt sie auch nicht an! Bitte halten Sie sich an die Wünsche meiner Mutter!")

Eine Frau habe ich morgens eingepinkelt und verwirrt in der Ecke ihres Bett gefunden. Sie hat um Hilfe geschrien und war orientierungslos. Mit viel Liebe und Geduld habe ich sie versucht zu beruhigen und habe sie liebevoll, aber bestimmend in das Badezimmer gebracht. Nur leider hatte diese Frau unheimliche Angst vorm Duschen. Ich habe es mit aller möglichen Behutsamkeit versucht, wie bei einem kleinen Kind. Ich habe versucht sie aufzuheitern, abzulenken, denn es war einfach notwendig, dass sie geduscht wird. Bei den Angehörigen kommt dann aber am Ende an:" Die waren gemein zu mir. Sie haben mich nackt in eine Ecke gestellt und mit Wasser bespritzt und dabei haben sie mich ausgelacht."

Im Krankenhaus hatten wir wiederum eine Dame mit Verstopfung, die alle 15 Minuten der Meinung war, dass endlich etwas käme. Nachdem wir sie in einer Schicht schon das vierte Mal vom Schieber hoch und wieder runter geholt hatten, sagte sie beim fünften Versuch (als wir nach 10 Minuten wiederkamen), dass sie noch ein bisschen so sitzen bleiben wolle. Nach weiteren 10 Minuten kam ich wieder rein und fragte, wie es aussähe. Sie wollte immernoch drauf sitzenbleiben. Ich sagte, dass ich dann in 10 Minuten wiederkäme. Als ich dann reinschaute, war plötzlich ihre ganze Familie da und ich wurde angeblafft, was mir einfiele, die arme Oma eine halbe Stunde lang auf dem Schieber sitzen zu lassen. Dass ich immer die 10-Minuten-Absprachen mit der Betroffenen getroffen hatte, wurde da einfach nicht eingesehen. Kann ja schließlich jeder Pfleger behaupten... und Oma hat sich dazu dann auch nicht geäußert. Ist ja schließlich schön, wenn die Familie um einen besorgt ist.

Wohlgemerkt: Es ist definitiv NICHT gut, wenn Fehler passieren. Sei es nun eine vergessene Medikamentengabe, oder das Vergessen, einem Patienten/Gast bei der Nahrungsaufnahme helfen zu müssen oder auch keine Zeit zu haben, eine Stunde vor der Abendrunde (bei der auch Windeln gewechselt werden), die volle Windel von jemandem zu wechseln. Das sind aber keine böswilligen Handlungen oder absichtliche Fehler. Sie sind Resultat eines knochenharten Jobs, der völlig unterbezahlt ist und mit wahnwitzigen Arbeitsdiensten auffährt, bei zeitgleicher Unterbesetzung der Schichten. 12 Tage am Stück Schichtdienst, am besten noch mit wechselnden Schichten dazwischen (von spät auf früh) - Leute, ihr seid dann körperlich und psychisch am Arsch und seid froh, wenn ihr selbst noch dazu kommt, euch zu duschen und euren Haushalt sauber zu halten. Und trotzdem erlebe ich Pflegerinnen und Pfleger im großen Anteil als immernoch menschenliebe, viel zu hilfsbereite und empathische Menschen.

Und übrigens: Ich liebe Angehörige, die die Pflegekräfte wertschätzen und selbst helfen, wo sie können. Das erleichtert die Arbeit so sehr und hilft den pflegebedürftigen Menschen, sich ihre Selbstständigkeit zu erhalten und sich familiär integriert zu fühlen.

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