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Opa will nicht im Seniorenheim bleiben

dIol2oroxus hat die Diskussion gestartet


Hallo,

es handelt sich um den Opa meines Mannes. Dieser ist dement, wobei diese nicht konstant ist. Er hat viele klare Momente, kann sich auch an viele kurzfristige Geschehnisse erinneren. Ein andermal verlässt er das Haus, findet nicht mehr nach Hause und wird viele Stunden später total verwirrt von Polizei/Passanten aufgegriffen und nach Hause gebracht. Von diesen Ausflügen weiß er jeweils nichts mehr. Die Oma war so fertig, dass sie eine Kurzzeitpflege für Ihren Mann organisiert hat. Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen. Mittlerweile ist er nun im dritten Seniorenheim, Kurzzeitpflege ist natürlich längstens vorbei. Doch er will nach Hause und wird (schon seit Beginn dieser Demenz) sehr rabiat. Zwischenzeitlich ist die Oma auch für längere Zeit im Krankenhaus und hat im Anschluss eine Anschlussheilbehandlung vor sich. Opa will unbedingt heim. Das geht aber - trotz klarer Momente - nicht.

Seine Kinder schliessen die Augen und mein Mann ist immer wieder gefragt, Opa zu besänftigen, damit er im Heim bleibt. Nur wohnen wir 500 km entfernt und es ist langsam unmöglich, über Nacht dorthin zu fahren, um Opas Koffer am nächsten Tag wieder auszupacken. Wir sind selbstständig und das Geschäft leidet schon massiv.

Was könnten wir denn für Maßnahmen ergreifen? Die eine Tochter hat eine Generalvollmacht, ist aber total überfordert. Kann Opa betreut werden? Hat das Seniorenheim dann das "Recht", ihn dort festzuhalten, wenn er abhauen möchte?

Sorry für den langen Text, aber wir sind mittlerweile am Ende unserer Nervenkraft. Das ganze geht schon seit vier Jahren.

Wir hätten beide bei uns aufgenommen damals, aber Oma wollte Opa mehr oder weniger loshaben. Und alleine schaffen wir es nicht, ihn bei uns aufzunehmen.

Antworten
MIosqEuixt%


Na, sowas bleibt natuerlich trotz "Demenz" ein Merkfaktor.

Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen.


Mittlerweile ist er nun im dritten Seniorenheim, Kurzzeitpflege ist natürlich längstens vorbei. Doch er will nach Hause [...]

Man kann sich immer selber fragen, ob man gegen eigenen Willen in einem Seniorenheim festgehalten werden wollen wuerde. Aus der gewechselten Perspektive kommen dann vielleicht Ideen.

__________

Signatur:

Geh' zum Arzt.

n}ankc'hen


Mosquit%,

hast du im Leben mal Jemanden betreut, der dement ist? Kannst du dir vorstellen, was das für eine Arbeit ist? Soll die Oma sich um den Opa kümmern oder was soll man in deinen Beitrag hinein interpretieren?

Meine Großeltern wollten damals auch nicht in ein Heim, eine Alternative gab es nicht. Aber sie wollten es nicht wahrhaben. Jetzt wohnen beide zusammen seit ein paar Jahren in einem Heim bei meiner Tante direkt um die Ecke.

m*ariKposxa


Mosquit%, geh zum Arzt. %-|

m{ari.posxa


dolorous

Die eine Tochter hat eine Generalvollmacht, ist aber total überfordert. Kann Opa betreut werden? Hat das Seniorenheim dann das "Recht", ihn dort festzuhalten, wenn er abhauen möchte?

Wenn die Tochter eine Vollmacht inclusive Aufenthaltsbestimmungarecht, dann darf sie bestimmen, wo sich der Großvater aufhalten darf. Da kann auch ein Heim sein, denn offenbar braucht er die Betreuung.

Das Heim darf ihn aber nicht festhalten! Wenn z.B. fixiert werden muss, ist ein richterlicher Beschluß nötig.

mCariXpo3sxa


Aufenthaltsbestimmungsrecht

WsinsterfXesxt


ich denke, ihr seid da in einer Situation, die uns allen aktiv und passiv blühen wird. Im Alter kann man eben oftmals nicht mehr alleine, kann daher auch die Entscheidungen über das eigene Leben und Verbleiben nicht alleine treffen, die anderen können die Fremdbetreuung gegen den Willen kaum mitansehen und aber auch nicht zuhause pflegen.

So herzlos es klingen mag: Wenn keiner die Betreuung stemmen kann, dann muss er im Heim bleiben. Eine 24 Stunden Pflege ist auch nicht immer das Mittel der Wahl, da diese Frauen eigentlich eher keine Altenpflegerinnen und schon gar nicht ausgebildete Pflegerinnen für Demenzkranke sind. Ihr hättet dann eben - auch mit Hilfe zuhause - einen dementen Familienangehörigen im Haushalt, dessen Zustand heute ja nur vorübergehend ist. Ich bin absolut nicht vom Fach, aber es ist ja anzunehmen, dass seine Demenz noch zunehmen wird, oder? Ihr könntet es natürlich probieren, aber wenn ihr da von seinem Willen und seinen Einschätzungen ausgeht, dann vermute ich, dass er auch bei euch (500 km entfernt, auch nicht sein "zuhause") nicht einfach glücklich und zufrieden sein wird.

Gäbe es Alternativen? Übrigens finde ich es auch nachvollziehbar, dass die Oma einer Heimbetreuung aktiv zugestimmt hat. Pflege eines dementen Ehepartners kann manchmal wirklich über die Kräfte gehen, sowohl körperlich als auch emotional. Manche möchten das stemmen, andere wollen und können das nicht. Ich finde, dass "abschieben" ein hartes Wort dafür ist, dass andere eine Entscheidung treffen, vor der man selbst noch nicht gestanden hat.

S:chMnexehexe


Besteht eine Betreuungsverfügung?

Ein andermal verlässt er das Haus, findet nicht mehr nach Hause und wird viele Stunden später total verwirrt von Polizei/Passanten aufgegriffen und nach Hause gebracht. Von diesen Ausflügen weiß er jeweils nichts mehr. Die Oma war so fertig, dass sie eine Kurzzeitpflege für Ihren Mann organisiert hat. Dieser wurde dorthin verfrachtet gegen seinen Willen

Ich denke mal, dass man bei einer Demenz nicht unbedingt nach dem Willen des Erkrankten gehen kann. Wenn man zu Hause keine lückenlose Betreuung sicher stellen kann (Demente kann man überhaupt nicht alleine lassen) ist eine Unterbringung in einem Heim sicher besser.

Jetzt könnt ihr mich in der Luft zerreißen, aber ich habe in meiner Familie einen ähnlichen Fall und weiß wovon ich schreibe. Es ist nicht einfach, aber eigentlich nur zum besten der betroffenen Person. Wenn eine ausgeprägte Weglauftendenz wie in unserem Fall innerhalb der Familie besteht, bewahrt man die Person nur davor irgendwo hilflos umher zu irren wir suchen meine Schwiegermutter immer wieder mal, und glaubt mir, das ist keine Spaß.. Außerdem ist es für Angehörige sehr schwer wenn sie dann auch noch aggressiv werden.

M&osqyuivt%


Mosquit%, hast du im Leben mal Jemanden betreut, der dement ist?Kannst du dir vorstellen, was das für eine Arbeit ist? Soll die Oma sich um den Opa kümmern oder was soll man in deinen Beitrag hinein interpretieren?Meine Großeltern wollten damals auch nicht in ein Heim, eine Alternative gab es nicht. Aber sie wollten es nicht wahrhaben. Jetzt wohnen beide zusammen seit ein paar Jahren in einem Heim bei meiner Tante direkt um die Ecke.

nanchen

Mosquit%, geh zum Arzt.

mariposa

TE bat um Rat, ich schrieb ein paar Zeilen, die - durch Veraenderung der Perspektive - vielleicht ihr eigene Idee bringen koennte. Ich schreibe hier nicht, um komplette Handlungskonzepte auf den Tisch zu pfeffern,

und auch nicht das, was ohnehin schon 30 Andere schrieben, schreiben und zu schreiben gedenken.

Genau daher ruehrt uebrigens meine ironische Signatur.

_______

Signatur:

Geh' zum Arzt.

H_anxca


@ dolorous

Erstmal möchte ich Dir sagen, dass dieses "nach Hause wollen" zur Demenz gehört.

Meine verstorbene Mutter war auch dement. Sie hat fast bis zum Schluß bei meinem Vater gelebt, also in ihrem Zuhause, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat.

Trotzdem kam eine Zeit, in der sie dies Zuhause nicht mehr erkannt hat. Sehr oft hat mein Vater mich spät abends angerufen, weil er mit meiner Mutter nicht mehr klar gekommen ist.

Ich bin dann hingefahren und habe meine Mutter gefragt, welche Probleme sie hat. Sie meinte dann, dass ein fremder Mann (mein Vater) sie hier festhalten wolle und sie nicht nach Hause lassen würde. Erklärungsversuche haben nicht geholfen.

Also habe ich sie "nach Hause gefahren". Wir haben ein paar Runden um den Block gedreht und dann habe ich sie wieder bei meinem Vater abgesetzt, den sie dann erleichtert begrüsst hat.

Nun konnte sie beruhigt schlafen gehen.

Es stellt sich also die Frage, ob euer Opa überhaupt die Bedeutung von "nach Hause wollen" noch versteht.

Ich würde an eurer Stelle mal einen Familienrat halten mit der Oma und auch den Kindern eures Großvaters.

Wenn keiner den Großvater aufnehmen und betreuen kann, wäre zu überlegen, ob ihr ihn in eure Nähe holt und bei euch in einem Heim unterbringt. Immerhin scheint Dein Mann den größten Zugang zu dem Großvater zu haben. Es könnte dem Großvater sehr helfen, sich in einem Heim zurecht zu finden.

Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.

Eine Generalvollmacht ist etwas anderes und kann auch aufgehoben werden, wenn die Vollmachtnehmer überfordert sind.

Mit der Bestellung zum Betreuer bekommt ihr dann die Aufgabenkreise wie z. B. Sorge für die Gesundheit, Aufenthaltbestimmungsrecht und was sonst noch nötig ist. Damit seid ihr handlungsfähig. Man bekommt dafür auch eine jährliche Aufwandsentschädigung.

Ich würde für den Großvater ein Heim suchen, welches speziell auf demente Menschen eingerichtet ist. Dort kann er auch nicht ohne weiteres weglaufen.

dnol~oroUus


Vielen Dank für Eure Beiträge! Ich werde im nächsten Schritt mal eruieren, ob das Aufenthaltsbestimmungsrecht in der Generalvollmacht inkludiert ist. Mein Mann ist kommende Woche wieder dort, denn Opa hat schon wieder seine Koffer gepackt und will nach Hause.

@ Mosquit% - aufgrund der Tatsache,

dass wir uns das schlimm vorstellen, ins Heim "abgeschoben" zu werden und dort zu verkümmern (aufgrund verschiedener heute unabänderlicher Lebensgewohnheiten), hatten wir vorgehabt, die Grosseltern bei uns aufzunehmen. Wir haben unsere Firma im Haus und hätten mit Hilfe eines Pflegedienstes vielleicht die Chance gehabt, beiden eine schöne Zeit zu gestalten. Und klar wäre es uns allen am liebsten, er könne daheim sein. Aber er, nein, eigentlich beide lehnten und lehnen seit vielen Jahren einfach alles ab, was echte Unterstützung bringen könnte. Zuerst wurden alle herannahenden Probleme negiert und dann kam das große Aufwachen. Uns wurde der "Maulkorb" angelegt, wenn wir diese Themen zur Sprache bringen wollten. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Opa erfasst die Situation nicht mehr, er versteht nicht mehr, dass er eine Dauerbetreuung haben müsste zu Hause. Und Oma sagt Opa nicht einmal, dass sie das eigentlich gar nicht will. Dass er im Heim bleiben soll. Das ist so verzwickt und vertrackt. Und in den Opa hineinversetzen ist da echt schwer. Vor allem, weil er so jähzornig geworden ist.

B"ambi[ene


Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.

:)z

Ich finde es auch wichtig mit dem behandelnden Arzt zu reden und sich Tips zu holen. Welche Pflegestufe hat er denn?

An einem geeigneten Heim führt wohl kein Weg vorbei. Es gibt gute und weniger gute Heime für demente Menschen. Wäre es nicht möglich, dass Oma mit ihm ins Heim geht? Einfach damit er nicht so allein und fremd ist.

Ein Heim in eurer Nähe, würde euch die Möglichkeit zu einem schnellen Besuch zwischendurch geben. Oder ihr könntet Opa mal für ein paar Stunden zu euch heim oder zu einer Unternehmung holen. Demente Leute vergessen zwar viel/alles, aber Zuwendung und Wertschätzung spüren sie doch. Und in der Anfangszeit, wenn sie selber noch lichte Momente haben und begreifen was los ist, stell ich mir diese Krankheit grausam vor. Für alle Beteiligten.

Ich wünsche euch viel Kraft. :)* :)* :)*

Muadamel -CharNentoxn


ist den wenigstens eine Altenpflegerin in dem Heim in Validation geübt?

dass demente Menschen nach Hause wollen kommt oft vor - dürfte aber nur dann zum Problem werden wenn zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist, denn dann hat er die Möglichkeit abzuhauen.

wenn er klar Momente hat, kann er dann begründen warum er nach Hause will? (schlechtes Essen, kleines Zimmer, etc etc.)

C*orneWlia59


Wenn das mit dem Heim so gar nicht funktionieren will, wie wär's denn dann mit einer Pflegerin (aus Polen), die mit im Haus wohnt?

Zum anderen: über welchen Zeitrahmen reden wir hier? Innerhalb welcher Zeiträume wurde dreimal das Heim gewechselt? Ich frage, weil das zur Desorientierung eines dementen Menschen extrem beitragen kann, und es kann auch Agressivität auslösen. Ich spreche aus Erfahrung, wir hatten das Problem, als unsere Mutter nach langem KH-Aufenthalt und anschließender Reha mehrere Male innerhalb kurzer Zeit verlegt werden mußte (leider war das nicht anders möglich, würde jetzt zu weit führen). Sie konnte zwar damals nicht weglaufen, aber es gab auch Attacken auf Pfleger. Wochen später, als sie dann im endgültigen Heim zur Ruhe kam, kam auf einmal wieder der ursprüngliche Mensch zum Vorschein, und die Demenzsymptome gingen zurück. Heute lebt sie (überhaupt nicht dement) ganz zufrieden immer noch im selben Heim.

Dort gibt es übrigens mehrere demente Menschen, die häufig im Heim herumwandern. Ansprechbar sind sie eher nicht, aber sie werden immer wieder von den Pflegern liebevoll dort abgeholt, wo sie gerade unterwegs sind und zum Essen geholt. Bei einem von ihnen habe ich die Eingewöhnung miterlebt. Er war erst gar nicht bereit, zum Essen im Gemeinschaftsraum zu kommen, drückte sich immer an der Tür rum und wollte nicht rein, er fremdelte regelrecht. Das ging über einige Wochen, und irgendwann fühlte er sich sicher genug, um hereinzukommen. Heute macht er keine Probleme mehr... mal abgesehen davon, daß er gerne in fremde Zimmer wandert und alles auffuttert, was er findet. Aber daran haben sich inzwischen alle gewöhnt und finden es eher lustig, und die Pfleger "schnappen" ihn im allgemeinen, bevor er wieder mal auf Raubzug geht.

Wäre es eventuell möglich, dem Vater einen GPS-Sender umzuhängen? Meines Wissens gibt es solche Teile genau für den Zweck!

n`anechxen


Von Uhren mit GPS-Sender habe ich schon gehört.

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