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Opa will nicht im Seniorenheim bleiben

d~olorxous


Wir kommen gerade vom Besuch bei den Grosseltern meines Mannes zurück und ich kann ausführlicher antworten.

@ Mariposa

Wenn die Tochter eine Vollmacht inclusive Aufenthaltsbestimmungsrecht, dann darf sie bestimmen, wo sich der Großvater aufhalten darf. Da kann auch ein Heim sein, denn offenbar braucht er die Betreuung.

Das Heim darf ihn aber nicht festhalten! Wenn z.B. fixiert werden muss, ist ein richterlicher Beschluß nötig.

Die Generalvollmacht enthält vieles, aber kein Aufenthaltsbestimmungsrecht. Vom Heim weiss ich nun, dass diese nicht einmal eine Pflanze vor den Aufzugsknopf stellen dürfen, um "den Fluchtweg" etwas besser zu verstecken.

@ Winterfest

Ich bin absolut nicht vom Fach, aber es ist ja anzunehmen, dass seine Demenz noch zunehmen wird, oder? Ihr könntet es natürlich probieren, aber wenn ihr da von seinem Willen und seinen Einschätzungen ausgeht, dann vermute ich, dass er auch bei euch (500 km entfernt, auch nicht sein "zuhause") nicht einfach glücklich und zufrieden sein wird.

Da wirst Du recht haben. Wobei er im Seniorenheim extrem abgebaut hat. Ich habe ihn ja nun länger nicht gesehen und bin wirklich sehr erschrocken.

Gäbe es Alternativen? Übrigens finde ich es auch nachvollziehbar, dass die Oma einer Heimbetreuung aktiv zugestimmt hat. Pflege eines dementen Ehepartners kann manchmal wirklich über die Kräfte gehen, sowohl körperlich als auch emotional. Manche möchten das stemmen, andere wollen und können das nicht. Ich finde, dass "abschieben" ein hartes Wort dafür ist, dass andere eine Entscheidung treffen, vor der man selbst noch nicht gestanden hat.

Sie will ihn halt gar nicht mehr sehen, das versteht er nicht. Sie möchte nicht einmal, dass er sie im Krankenhaus besuchen darf. Und er ist nicht so dement, dass er das nicht kapiert. Er erkannte mich problemlos, übrigens auch meine Stimme am Telefon, immer.

@ Schneehexe

Wenn eine ausgeprägte Weglauftendenz wie in unserem Fall innerhalb der Familie besteht, bewahrt man die Person nur davor irgendwo hilflos umher zu irren wir suchen meine Schwiegermutter immer wieder mal, und glaubt mir, das ist keine Spaß... Außerdem ist es für Angehörige sehr schwer wenn sie dann auch noch aggressiv werden.

Das Problem ist, die Weglauftendenz ist eben auch im Seniorenheim da und es macht die Sache nicht einfacher, wenn er von dort abhaut. Manchmal wird das erst Stunden später bemerkt und es gibt nicht mal eine grobe Idee, wo er hin sein könnte (Großstadt). Das war von seinem Zuhause aus einfacher.

@ Hanca

Es stellt sich also die Frage, ob euer Opa überhaupt die Bedeutung von "nach Hause wollen" noch versteht.

Ja, das versteht er noch. Er steht auch immer wieder vor seiner Haustüre und findet dort hin. Er weiß nur nicht, wie. Er kann kilometerweise laufen oder mit dem Fahrrad (letzteres ist nun passé) fahren. Daran erinnert er sich dann absolut nicht mehr. Sobald er aber aufgegriffen wird, ist er wieder klar.

Ich würde an eurer Stelle mal einen Familienrat halten mit der Oma und auch den Kindern eures Großvaters.

Wenn das nur möglich wäre. Die Familie ist ... komisch ...

Wenn keiner den Großvater aufnehmen und betreuen kann, wäre zu überlegen, ob ihr ihn in eure Nähe holt und bei euch in einem Heim unterbringt. Immerhin scheint Dein Mann den größten Zugang zu dem Großvater zu haben. Es könnte dem Großvater sehr helfen, sich in einem Heim zurecht zu finden.

Das ist eine Möglichkeit, die ich nach dieser Woche ernsthaft in Betracht ziehe. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Dafür solltet ihr beim Amtsgericht die ehrenamtliche Betreuung für euren Großvater beantragen.

Eine Generalvollmacht ist etwas anderes und kann auch aufgehoben werden, wenn die Vollmachtnehmer überfordert sind.

Mit der Bestellung zum Betreuer bekommt ihr dann die Aufgabenkreise wie z. B. Sorge für die Gesundheit, Aufenthaltbestimmungsrecht und was sonst noch nötig ist. Damit seid ihr handlungsfähig. Man bekommt dafür auch eine jährliche Aufwandsentschädigung.

Danke für diese Tipps. Ich gebe sie an meinen Mann weiter.

Ich würde für den Großvater ein Heim suchen, welches speziell auf demente Menschen eingerichtet ist. Dort kann er auch nicht ohne weiteres weglaufen.

"Eigentlich" ist er in einem solchen Heim.

@ Bambiene

Ich finde es auch wichtig mit dem behandelnden Arzt zu reden und sich Tips zu holen. Welche Pflegestufe hat er denn?

Er hat Pflegestufe I. Als das evaluiert wurde, zeigte er sich total klar. Erst hatte er Pflegestufe 0, soweit ich weiß. Es war schon ein Kampf, dass er auf I hochgestuft wurde.

An einem geeigneten Heim führt wohl kein Weg vorbei. Es gibt gute und weniger gute Heime für demente Menschen. Wäre es nicht möglich, dass Oma mit ihm ins Heim geht? Einfach damit er nicht so allein und fremd ist.

Das wäre super und würde viele Probleme lösen. Aber Oma will - von einem Tag auf den anderen - nichts mehr mit ihrem Mann zu tun haben.

Ein Heim in eurer Nähe, würde euch die Möglichkeit zu einem schnellen Besuch zwischendurch geben. Oder ihr könntet Opa mal für ein paar Stunden zu euch heim oder zu einer Unternehmung holen. Demente Leute vergessen zwar viel/alles, aber Zuwendung und Wertschätzung spüren sie doch. Und in der Anfangszeit, wenn sie selber noch lichte Momente haben und begreifen was los ist, stell ich mir diese Krankheit grausam vor. Für alle Beteiligten.

Das wird, wie weiter oben auch schon einmal geschrieben, die Lösung sein.

Ich wünsche euch viel Kraft. :)* :)* :)*

Vielen Dank, das können wir wirklich gebrauchen. *:)

@ Madame Charenton

ist den wenigstens eine Altenpflegerin in dem Heim in Validation geübt?

ja, es gibt mehrere. Sie schaffen es auch, dass er zum Bingo/Singen/sonstige Aktivitäten geht. Trotzdem fühlt er sich sehr einsam.

dass demente Menschen nach Hause wollen kommt oft vor - dürfte aber nur dann zum Problem werden wenn zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist, denn dann hat er die Möglichkeit abzuhauen.

Selbst wenn die Pfleger in beim Fluchtversuch ertappen, dürfen sie ihn nicht festhalten. Und er wird dann rabiat und geht einfach.

wenn er klar Momente hat, kann er dann begründen warum er nach Hause will? (schlechtes Essen, kleines Zimmer, etc etc.)

Zu teuer, das Hotel. Und meinen Fernseher musste ich auch noch selber mitbringen! Oder - ich komme prima alleine zurecht, dann esse ich halt Haferflocken mit Milch, das kann ich mir schon noch selbst zubereiten (was auch stimmt).

Er glaubt in dem Moment auch nicht, dass er zigmal vermisst war, etc und ist sehr beleidigt, wenn man ihm das sagt.

@ Cornelia59

Wenn das mit dem Heim so gar nicht funktionieren will, wie wär's denn dann mit einer Pflegerin (aus Polen), die mit im Haus wohnt?

War vor Jahren schon ein Vorschlag unsererseits. Da wollten es beide nicht. Heute sagt seine Frau, sie kann und will nicht mehr mit ihm zusammenleben.

Zum anderen: über welchen Zeitrahmen reden wir hier? Innerhalb welcher Zeiträume wurde dreimal das Heim gewechselt? Ich frage, weil das zur Desorientierung eines dementen Menschen extrem beitragen kann, und es kann auch Agressivität auslösen.

Danke, dass Du das schreibst. Das sagte ich auch und wurde von der Tochter böse angefeindet. Er kam im Januar in Kurzzeitpflege, jetzt ist er im zweiten Heim. Seit ca. 2 Monaten.

Ich spreche aus Erfahrung, wir hatten das Problem, als unsere Mutter nach langem KH-Aufenthalt und anschließender Reha mehrere Male innerhalb kurzer Zeit verlegt werden mußte (leider war das nicht anders möglich, würde jetzt zu weit führen). Sie konnte zwar damals nicht weglaufen, aber es gab auch Attacken auf Pfleger. Wochen später, als sie dann im endgültigen Heim zur Ruhe kam, kam auf einmal wieder der ursprüngliche Mensch zum Vorschein, und die Demenzsymptome gingen zurück. Heute lebt sie (überhaupt nicht dement) ganz zufrieden immer noch im selben Heim.

Diese Zeilen machen Hoffnung! Danke dafür @:)

Dort gibt es übrigens mehrere demente Menschen, die häufig im Heim herumwandern. Ansprechbar sind sie eher nicht, aber sie werden immer wieder von den Pflegern liebevoll dort abgeholt, wo sie gerade unterwegs sind und zum Essen geholt. Bei einem von ihnen habe ich die Eingewöhnung miterlebt. Er war erst gar nicht bereit, zum Essen im Gemeinschaftsraum zu kommen, drückte sich immer an der Tür rum und wollte nicht rein, er fremdelte regelrecht. Das ging über einige Wochen, und irgendwann fühlte er sich sicher genug, um hereinzukommen. Heute macht er keine Probleme mehr... mal abgesehen davon, daß er gerne in fremde Zimmer wandert und alles auffuttert, was er findet. Aber daran haben sich inzwischen alle gewöhnt und finden es eher lustig, und die Pfleger "schnappen" ihn im allgemeinen, bevor er wieder mal auf Raubzug geht.

Der Opa lässt sich halt nicht "schnappen". Er ist unglaublich stur in dem Moment und setzt seinen Kopf durch.

Wäre es eventuell möglich, dem Vater einen GPS-Sender umzuhängen? Meines Wissens gibt es solche Teile genau für den Zweck!

Die werden weggemacht, aus der Jacke (eingenäht) herausgeschnitten etc. etc. Er möchte nicht "kontrolliert" werden, er sei ein erwachsener Mensch, habe die Nazizeit mitgemacht und müsse sich heute nicht mehr sagen lassen ... usw usf

WIinterxfest


Konntet ihr einmal mit seiner Ehefrau darüber sprechen, warum sie sich so verhält? Kam das nun erst, oder hat das abrupt etwas mit der Demenz zutun? Hat sie Probleme mit ihrem dementen Mann, will nicht sehen, wie dieser abbaut? Hat sie Berührungsängste mit einem Menschen, den sie eigentlich so gut kannte und der nun zunehmend anders wird?

Oder war sie in einer Beziehung, aus der sie nun endlich entkommen ist? Manchmal leben Menschen ja jahrzehntelang zusammen und wenn der eine stirbt, ins Heim kommt oder ähnliches, dann erst nimmt sich der andere die Freiheit, die er vielleicht vorher schon hätte haben wollen.

Antworten auf diese Fragen lösen euer Problem nicht, machen es aber vielleicht leichter, eine Alternative zu finden. Wenn sie tatsächlich absolut nichts mehr mit ihm zutun haben will, die Beziehung für sie also zu Ende ist, dann spricht doch erstmal nichts dagegen, für eine Unterbringung in eurer Nähe zu kämpfen.

C<or~nTeliax59


Die werden weggemacht, aus der Jacke (eingenäht) herausgeschnitten etc. etc. Er möchte nicht "kontrolliert" werden, er sei ein erwachsener Mensch, habe die Nazizeit mitgemacht und müsse sich heute nicht mehr sagen lassen ... usw usf

Wie wär's dann mit einem Seniorenhandy, das (ohne daß er davon weiß) eine Ortungsfunktion eingebaut hat? Das könnte man ihm doch als "damit du dich melden kannst, wenn du irgendwo abgeholt werden willst" verkaufen?

Ansonsten würde ich anregen, daß er unter Betreuung gestellt wird. Dann kann der Betreuer seinen Aufenthalt festlegen, und das Heim hat dann auch die Möglichkeit, ihn zurückzuholen, wenn er wieder versucht, abzuhauen. Wie verwirrt ist er, findet er z. B. den Weg nach Hause selbständig? Eine andere Möglichkeit wäre sonst vielleicht noch, ihn in eine Art betreutes Wohnen zu geben, speziell für Demente. Dort hätte er die Möglichkeit, sich nach seinen Bedürfnissen wenigstens teilweise selber zu versorgen und auch einigermaßen selbständig zu wohnen, weil er dort eben nicht nur ein Zimmerchen, sondern eher eine Art Wohnung hätte. Teilweise werden solche Wohnformen auch von den Heimen selber angeboten, also z. B. oben im Haus sind dann entsprechende Seniorenwohnungen. Könnte er sich damit eher arrangieren?

Aber es muß mal Klartext mit ihm gesprochen werden, nämlich, daß es für ihn kein "zurück nach Hause" mehr geben wird. Und das muß notfalls so oft wiederholt werden, bis es in seinem Kopf angekommen ist. Immer nur um den heißen Brei herumreden bringt nur immer neue Fluchtversuche von seiner Seite ein. Die Schaukelpolitik von seiten seiner Tochter und der Ehefrau macht das Ganze doch nur noch schlimmer.

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