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Vater verweigert jegliche Hilfe - was tun?

T8ormoento%r667 hat die Diskussion gestartet


Liebe Mitglieder,

nachdem ich nun über Monate und fast Jahre versucht habe, meinen Vater im Dialog zu überzeugen und immer wieder auf die Schnauze gefallen bin, muss ich jetzt handeln, bevor es zu spät ist. Ich versuche die Situation kurz und knapp zusammen zu fassen, damit das nicht in eine Leseorgie ausartet...

Mein Vater ist schwer krank, hatte vor 6 Jahren einen Schlaganfall mit Schädigung des Sprachzentrums, ist Diabetiker, hat Bluthochdruck und baut seit dem Schlaganfall körperlich und geistig immer mehr ab. Dazu kam, dass sich meine Eltern vor 6 Jahren getrennt haben, er allein wohnt und er mit der gesamtem Situation völlig überfordert ist - es aber nicht zugibt und sich auch nicht helfen lassen will.

Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich von einer Selbstgefährdung sprechen muss. Er isst unregelmäßig und falsch (hinsichtlich seiner Diabetis), er kann sich nicht mehr selbstständig messen, spritzt sich falsch und hat dadurch oft Zuckerwerte von unter 50 (sehr gefährlich) und über 300 (auch sehr gefährlich, vorallem auf Dauer). Darüber hinaus lebt er wie ein Messi in einem zu großen Haus im Dreck, ich habe schon öfters die Wohnung auf den Kopf gestellt, aber gegen den Schimmel lässt sich wenig machen und nach 2-3 Tagen sieht alles wieder so aus wie vorher.

Ich bin im Prinzip der einzige, der sich um ihn kümmert, aber ich schaff das alles alleine einfach nicht, ich kann nicht 3mal zu ihm am Tag um ihn zu messen und zu spritzen, ich kann die Wohnung nicht alle 2-3 Tage reinigen und ich kann ihn im Endeffekt nicht komplett pflegen.

Die naheliegendste Lösung wäre ein Pflegedienst und eine Reinigungskraft, der Pflegedienst kümmert sich um seine Medikamente und den Blutzucker, die Reinigungskraft um die Sauberkeit der Wohnung (am besten ohnehin eine kleinere Wohnung für ihn), ggf. noch ein Sozialdienst, der ihm das Essen 3mal am Tag bringt.

Das Problem ist aber dass er sämtliche Lösungen wehement verweigert und wenn man Druck ausübt, er richtig aggressiv wird. Er will keine Pflege, keinen Dienst, keine fremden Leute um sich rum und er ist auch der Meinung dass er das alles nicht braucht - was aber defintiv der Fall ist. Nach seinem letzten Krankenhausaufenthalt im April hatte er 1 Woche lang jemand vormittags da wo ihn beim Spritzen kontrolliert hat, die Dame hat er dann eigenmächtig abbestellt bzw. einfach nicht mehr die Türe geöffnet.

Ich weiß mir im Moment einfach keinen Rat mehr, ich habe keine Ahnung wie ich weiter vorgehen soll und wie ich die Situation lösen kann, damit mein Vater eine gute Betreuung hat und es ihm besser geht. Wenn sich der Zustand in der Form weiter verschlechtert, ist er in ein paar Monaten tot und mit 60 muss das noch nicht soweit kommen!

Deshalb nun die Frage: Wie kann ich weiter vorgehen? Was kann ich tun?

Antworten
Cforne=lia5t9


Wenn du schreibst, er baut geistig immer mehr ab, wäre es dann eine Möglichkeit, ihn unter Betreuung stellen zu lassen? Klar wird er dir das auch übelnehmen, aber immer noch besser, als wenn er hilflos daliegt wegen Zuckerschock. Dann könnte er den Pflegedienst nicht mehr einfach abbestellen. Ich vermute mal, eine Vollmacht oder ein Patiententestament gibt es nicht?

Als erstes würde ich an deiner Stelle aber mal richtig massiv Tacheles mit ihm reden und ihm ein Ultimatum stellen. Entweder er läßt den Pflegedienst zu oder du ziehst andere Saiten auf, Betreuung nämlich. Da könntest du dich mal bei einem Anwalt schlaumachen.

SHunfaloEw5erx_73


1. Schauen, ob ein mobiler Pflegedienst die medikamentöse Versorgung übernimmt. Essen via Essen auf Rädern o.ä.

2 Wenn das nicht reicht, wäre ggf. eine Betreung für die medizinischen Dinge drin. Aber: Ein Betreuer kommt auch nicht mehrfach am Tag und misst die Werte. D.h. man landet bei 1. - oder Pflegeheim.

C;ornjeliIa59


im April hatte er 1 Woche lang jemand vormittags da wo ihn beim Spritzen kontrolliert hat, die Dame hat er dann eigenmächtig abbestellt bzw. einfach nicht mehr die Türe geöffnet.

Das sabotiert der Vater ja offenbar bereits, Pflegedienst wäre also nur über einen Betreuer zu machen. Denn der kann den Schlüssel zur Wohnung an den Pflegedienst geben und auch die Erlaubnis, ihn medikamentös zu versorgen.

CUlzondyxke


1. Gesetzliche Betreuung

2. Pflegestufe schon beantragt ?

B>irk:enzXweMixg


normalerweise würd ich sagen: nu lassen halt machen.. wenner sich in seim dreck wohl fühlt..

da ja aber wirklich n gesundheitliches risiko da is, find ich die idee, druck zu machen, toll. er darf ja dann entscheiden, was passiert. pflegeheim oder pflegedienst. vielleicht solltest du sanft anfangen, nich alles auf einmal. erst sozialstation zum spritzen- schlüssel dahin geben. dann essen auf rädern.. dann die putzfrau.

nur nich zu sehr bemuttern, das mögen die gar nich gerne. dann machen die noch mehr dicht.

qnuackksalbferxei


Wie schauts denn mit dem Hausarzt Deines Vaters aus, sehen die sich regelmäßig? Weiß der Arzt, wie die Situation (damit meine ich in erster Linie die gesundheitliche) genau aussieht? Gab es da schon ausführliche Gespräche zwischen dem Arzt und Deinem Vater, was die Notwendigkeit eines Pflegedienstes betrifft? Manchmal - aber eben auch nur manchmal - hören Eltern eher mal auf fremde Personen ("vom Fach") als auf die eigenen Kinder - erst recht, wenn sich das Eltern-Kind-Verhältnis aufgrund einer Erkrankung/Schwäche "umgekehrt" hat.

CjorKn?elia5x9


Das mit dem Hausarzt halte ich für eine gute Idee! :)^ Stimmt schon, bei so altersstarrsinnigen Menschen braucht es manchmal einen fremden Dritten, der dazu noch mit Autorität auftreten kann wie eben ein Arzt. Mit dem solltest du aber vorher ein bißchen abstimmen, was er sagen sollte.

c(rolssixe


Tormentor667

nimmt dein Papa Psychopharmaka? Falls ja sollte man sie vielleicht mal neu einstellen, falls nein ist es bei Schlaganfallpatienten oft so das sie Ängste haben und sich die Psyche verändert. Da wäre ein Gespräch mit Hausarzt und Neurologe bestimmt schon Hilfreich, damit du ihn dazu bekommst Hilfe von außen zuzulassen.

Oft haben solche Abwehrreaktionen etwas mit der Krankheit und der veränderten Psyche zu tun, eine schlecht eingestellte Diabetes trägt noch ihr übriges dazu bei.

Mein Vater war im ersten Jahr nach Apoplex kaum zu ertragen, wurde dann auf Morgens Citalopram und Abends Mirtazapin eingestellt wodurch er deutlich entspannter und weniger Ängstlich wurde.

d:annhValts]oa8llesk'laxr


Ok, wegen erheblicher Eigengefährdung wegen des Zuckerspiegels kann man in dem Fall ein wenig Bevormundung akzeptieren, aber generell finde ich diese *will-gez-unbedingt-helfen-zur-Not-mit-Gewalt* Pseudohelfer ganz erbärmlich zum Ko****.

Diese Leute haben selber ein Problem und irgendwelche Exoten, denen gegen ihren Willen zwangsgeholfen werden soll, dürfen das dann ausbaden.

Terrorhelfer sind solche Leute, welche mit Gewalt von ihrem "Helfen" abgehalten werden müssen. >:(

Das ist schon der zweite Faden heute, wo ich sowas lesen muss...

P`lüschxbiest


Hast du selbst schon so negative Erfahrungen machen müssen?

Oder warum die Rede von"Terrorhelfern"?

HBudip_fupxf1


Ich finde das auch eine sehr schwierige Situation.

Man kann niemanden z solchen Sachen zwingen, ohne ihn zu entmündigen. Das ist auch nicht so einfach und will gut überlegt sein.

Die Frage ist, wie weit ist er geistig noch zurechnungsfähig.

Ich würde vermutlich auch erst mit seinem Arzt ein vertrauliches Gespräch führen.

Mein 84 jähriger Vater war vor einem halben sehr schwer krank und dadurch auch geistig verwirrt. Er baute immer mehr ab und wollte sich partout nicht bewegen. Sass oder lag nur da und starrte vor sich hin.

Ich hab dann mit seinem Arzt telefoniert und ihm die Situation erklärt. Ich habe ihn gebeten, meinem Vater weitere Reha-Therapie zu verschreiben, denn von alleine wäre nichts mehr gegangen.

Der Arzt sagte meinem Vater bei der nächsten Konsultation, dass seine Gesundheit, wie auch sein Leben auf der Kippe stehe und dass es alleine an ihm liege, wie lange er noch lebt. Er hat ihm dann ein Rezept für die Therapie ausgestellt, einmal die Woche ins Turnen...

Meinen Vater hat das sehr beeindruckt, so sehr, dass er plötzlich zum trainieren Treppen lief und anfing wieder richtig zu essen.

Manchmal ist Altersstarrsinn schon ein Problem, aber Selbstbestimmung ist für Senioren auch sehr wichtig und manchmal kommt es eben vor, dass jemand einfach nicht mehr leben will.

Sollte er aber noch leben wollen, wird ihn der Arzt vielleicht eher davon überzeugen können, dass der Pflegedienst das Zuckermessen und Insulin spritzen übernimmt.

ckroZssHixe


Manchmal ist Altersstarrsinn schon ein Problem, aber Selbstbestimmung ist für Senioren auch sehr wichtig und manchmal kommt es eben vor, dass jemand einfach nicht mehr leben will.

sein Vater ist doch erst 60., paßt es da schon von Altersstarrsinn und Senioren zu sprechen? Bin ich gerade am überlegen ":/ ist Grenzwertig, oder?

HYudripfuxpf1


Ja stimmt, ist noch nicht so sehr alt, aber nach einem Schlaganfall sieht es halt schon oft anders aus.

Dann geht es eben um Starrsinn und das Recht auf Selbstbestimmung.

c-rolssxie


Ja stimmt, ist noch nicht so sehr alt, aber nach einem Schlaganfall sieht es halt schon oft anders aus.

mag so stimmen, ich schrieb ja auch es ist grenzwertig. Da ich seit 12 Jahren mit dem Thema beschäftigt bin habe ich des öfteren mitbekommen das sie sich einen Kreis um sich ziehen in dem alles funktioniert und nichts verändert werden darf, wenn etwas verändert wird sorgt das für Unruhe und Ängste. Tormentor667s Vater hatte einen linksseitigen Apoplex und so wie er den Vater beschreibt scheint es kein leichter gewesen zu sein.

Nach dem Schlaganfall: Auch die Psyche leidet

Nach einem Schlaganfall können sich vielfältige Störungen der Hirnleistung einstellen. Oft leiden die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die Reaktion, das Gedächtnis, das Denken und das Verstehen. Vielen Patienten mangelt es zudem an Einsicht, Kritikfähigkeit und Belastbarkeit, häufig finden sich auch starke Stimmungsschwankungen.

Die plötzliche Hilflosigkeit macht ungeduldig

Oft verändert sich die Persönlichkeit gravierend: Die Betroffenen werden ungeduldig, gebärden sich vorwurfsvoll oder sind nur noch auf die eigenen Bedürfnisse fixiert. Diese Veränderungen haben meistens nicht allein mit der Schädigung des Gehirns zu tun: Sie werden auch befördert durch die hilflose Situation, in der sich die Patienten kurz nach dem Schlaganfall befinden.

Antidepressivum kann bei Antriebsarmut und Niedergeschlagenheit sinnvoll sein

Viele Patienten reagieren auf den Schock auch mit Niedergeschlagenheit und Antriebsarmut. Dies sind Symptome einer Depression, die Angehörige, Ärzte, Pflegepersonal und Physiotherapeuten unbedingt im Blick behalten müssen: Bei starker Ausprägung beeinträchtigen sie den Therapieerfolg. So wird der Patient zum Beispiel bei der Physiotherapie nicht richtig mitarbeiten, seine Medikamente vergessen und schlecht trinken und essen. In machen Fällen kann ein Antidepressivum deshalb sinnvoll sein, heißt es in der Leitlinie "Motorische Rehabilitation nach Schlaganfall" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Das Antidepressivum muss also nicht zu einer Dauerlösung werden, doch es hilft den Teufelskreis zu durchbrechen. [[http://www.vitanet.de/krankheiten-symptome/schlaganfall/ratgeber-selbsthilfe/wenn-die-psyche-leidet Vitanet]]

nur um mal zu verdeutlichen das es mit Altersstarrsinn vermutlich nichts zu tun hat.

War aber von mir nicht überheblich gemeint Hudipfupf1 @:) , ich war wirklich am überlegen wo man die Grenze zwischen Mittelalt und Senior ziehen kann.

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