» »

Spricht man über den Tod?!?

c[rosxsie hat die Diskussion gestartet


ich pflege meinen Vater nach Schlaganfall seit fast 10 Jahren, täglich und dauernd. Bisher hat alles super funktioniert...

Er war ein paar Tage im Krankenhaus, gestern wurde ein CT gemacht und heute Vormittag bekam ich den Befund das er einen Tumor in der Lunge hat und laut Onkologe nur noch weniger als 1Jahr leben wird, ob es sich aber genau um ein paar Wochen oder doch über 1.halb Jahre handelt darauf wollte er sich nicht festlegen. Wir haben gemeinsam beschlossen das eine Behandlung (Chemo) keinen Sinn macht und auch nicht im Sinne meines Vaters wäre.

Mein Vater ist klar im Kopf, etwas verlangsamt aber er versteht alles. Mir gehen jetzt 1000 Sachen durch den Kopf, aber woran ich dauernd denke ist ob ich mit ihm darüber spreche? Die Ärzte haben es nicht gemacht. Ich konnte ihn auch danach mit nach Hause nehmen, er hat vorhin gegessen und mir erklärt das es ihm jetzt wieder gut geht.

Die Frage soll sich nicht so sehr auf meinen Vater beziehen, sondern allgemein darauf ob man bei solchen Diagnosen über den Tod spricht? Sagt man das der letzte Weg begonnen hat? Oder besser "normal" weiter machen?

Ich würde mich über ein paar Gedanken dazu freuen :-)

Antworten
U:rlaube)rvin1x5


Meinen allergrößten Respekt, dass du das schon seit 10 Jahren machst und für deinen Papa in dieser schweren Zeit unterstützt.

Wie geht es dir damit?

Wir haben unsere Oma 3 Jahre gepflegt und wir haben nie wirklich mit ihr gesprochen, wir nahmen es alle so hin wie es gekommen ist. Mal sagte sie, dass sie eingeäschert werden will und oftmals, dass es ihr egal ist, wie wir es machen, Hauptsache uns allen geht es gut dabei.

Als es dann zu Ende ging und wir merkten, dass es nicht mehr lange dauert, bekam sie ihre letzte Ölung (allerdings ein paar Tage davor, sie hat viel gekämpft und sich immer wieder berappelt). Schlief sie einfach ein und wir fanden sie dann.

Es war friedlich und eigentlich genau das, was wir uns alle für sich wünschten. Sie war einige Wochen davor schon weit weg und reagierte nicht mehr wirklich auf Ansprache.

Ich würd dir raten, es deinem Papa schonend bei zu bringen, dass er evt. nicht mehr lange so fit bleiben wird und was er sich für seine Zukunft noch wünscht.

Verbring die Zeit mit ihm wie du kannst und mach es dir mit ihm nochmal schön und schätze die guten Tage.

Ich hoffe wirklich für euch, dass dein Papa einige schöne Monate oder auch Jahre noch hat und er dann friedlich gehen darf.

Vielleicht spricht er das Thema auch von sich an, wenn er Zeit hatte sich damit auseinander zu setzen.

Ich wünsche dir viel Kraft.

CNomraxn


Schwer ... :-|

Weiß er es selber?

Man wird sich irgendwann darüber unterhalten müssen, wenn sein Tag schwieriger wird. Palliativmedizin und gute Betreuung.

Ich finde es gut, wenn man darüber reden kann. Dass man die Zeit nutzt, über seine Wünsche zu sprechen. Aber der Anfang muss gemacht werden. Und das ist schwer.

Meine Mutter konnte irgendwann darüber reden, als sie ihre Krankheit akzeptiert hatte. Es war leichter, wenn der Betroffene damit anfängt.

E@hema}ligfewr Nu;tzerx (#256x823)


Ich kann Dir dazu die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross empfehlen.

Früher oder später wird er doch merken, daß es zu Ende geht, und dann ist es besser, darauf vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

Informier Dich einmal über ihre Bücher, z.B. "Verstehen, was Sterbende sagen wollen" oder "Interviews mit Sterbenden".

Sie machen deutlich, welche Bedürfnisse Menschen haben, die ihrem Ende entgegen gehen, was sie sagen möchten und was sie noch "loswerden" möchten.

hfats#chipxu


Ich finde, es ist das Recht eines jeden Menschen zu erfahren, wie es um seine Gesundheit steht. So kann er selbst entscheiden, was er bis dahin noch machen oder sagen möchte, was wie erledigt werden soll usw. Ich halte nichts von Verschweigen, weder bei Kindern, noch bei älteren Menschen.

a)utumMn-lixke


Wenn du es fertig bringst, würde ich es ihm sagen. Wir haben es der Palliativärztin überlassen, nachdem ihm die Klinik zuvor nicht die Wahrheit sagte. Ich hätte es ihm nicht sagen können, dass er nicht mehr lange zu leben hat.

Die Palliativärztin vertrat die Ansicht, dass jeder ein Recht darauf hat. So kann er sich noch von gewissen Menschen verabschieden etc.

Für mich selber weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich es wissen möchte, wenn ich in der gleichen Situation wäre.

Gut finde ich, dass ihr ihm die Chemo erspart. Ich kannte jemanden mit Lungenkrebs, inoperabel und sie musste einige Monate leiden. Sie bekam die Chemo palliativ.

SLislk8Peaxrl


Das Recht, es zu erfahren, bedeutet das auch die Pflicht?

Ich finde diese Entscheidung nicht so einfach und würde als Angehöriger wohl einige Male Signale geben, dass von mir aus die Bereitschaft besteht, aber keinesfalls ein solches Gespräch aufdrängen.

h0atsc~hixpu


Ich finde die Tatsachen zu verschweigen ist feige und egoistisch. Nur weil es einem schwer fällt und man selbst traurig ist, sollte man es nicht für sich behalten. Klar wird das ein unangenehmes Gespräch, vielleicht gibt's Tränen, Wut, Verzweiflung. Vielleicht auch nicht. Vielleicht spürt er es selbst. Das weiß man vorher nicht. Ihr finde schon, dass man die Pflicht hat als Sohn.

SdilkPDearl


Nur weil es einem schwer fällt und man selbst traurig ist, sollte man es nicht für sich behalten.

Nein, das sollte nicht das Motiv sein. Aber was ist, wenn der Kranke es nicht selbst will? Soll man dann, womöglich um es sich selbst zu erleichtern, ihn dazu drängen? Kann man jemanden zwingen, über den Tod zu reden, und explizit über den eigenen?

h=atscihipxu


Woher soll man denn wissen ob der andere nicht darüber reden will?

aMutum-n-[like


Ich finde die Tatsachen zu verschweigen ist feige und egoistisch. Nur weil es einem schwer fällt und man selbst traurig ist, sollte man es nicht für sich behalten. Klar wird das ein unangenehmes Gespräch, vielleicht gibt's Tränen, Wut, Verzweiflung. Vielleicht auch nicht. Vielleicht spürt er es selbst. Das weiß man vorher nicht. Ihr finde schon, dass man die Pflicht hat als Sohn.

Ich hoffe hatschipu, du warst schon einmal in so einer Situation, wenn du dieser Meinung bist. Ich finde nach wie vor, dass die Ärzte dies einem Schwerkranken besser beibringen können. Warum steht man als Sohn in der Pflicht? Ich hatte meinen Schwiegervater unwahrscheinlich gerne, weil er auch jahrelang bei uns lebte, ihm ging es selbst in der Klinik ziemlich schlecht und dann soll ich ihm sagen, dass er sterben wird, einfach so. Er war nur noch Haut und Knochen. Es kommt auf das Verhältnis an, welches man zu dem Sterbenden hat. Ich selbst hätte ihm nie in die Augen sehen können und ihm zugleich sagen, dass er sterben muss. Wenn du meinst, dass ich feige und egoistisch war, bitte. Ja, ich war feige und habe es der Palliativärztin überlassen. Und selbst nach diesem Gespräch haben wir mit meinem Schwiegervater nie über sein baldiges Sterben geredet, weil er es nicht wollte.

g(reeniex07


Mal eine ganz andere Frage: Weshalb bekommst du den Befund? Weshalb beschliesst du mit dem Arzt zusammen wie die Behandlung sein soll? Du schreibst dein Vater sei zwar etwas verlangsamt aber klar im Kopf. Wieso wird nicht mit ihm gesprochen von Seiten der Ärzte? Das finde ich das Problem, denn dann würdest du nicht alleine da stehen mit der Diagnose deines Vaters. ":/

k[leine8r_dr0achenste\rxn


Ich finde es unmöglich, dass die Ärzte deinem Vater seine Diagnose nicht mitgeteilt haben, er sit doch ein erwachsener, mündiger Mensch, der onach deiner Schilderung auch Herr seiner Sinne ist und hat daher in meinen Augen auch das recht zu erfahren, wie es um ihn steht.

Hat er evtl. einen Hausarzt seines Vertrauens, der ihm die Diagnose erzählen kann?

Meiner Erfahrung nach, ist es definitiv leichter, wenn ein Fachmann diese Nachricht überbringt und nicht der Angehörige.

Als bei meinem Freund damals Krebs diagnostiziert wurde und nur 4 Wochen später starb, haben die Ärzte das ihm gegenüber auch runtergespielt, ich fand das wirklich unmöglich. Natürlich wusste niemand, dass es so wahnsinnig schnell gehen würde, aber dass er seinen 40.ten Geburtstag (er damals 35) unter Garantie nicht mehr erleben würde, war allen klar. Dabei finde ich, gerade aus dieser Erfahrung heraus (und ich habe inzwischen einige, auch junge Menschen zu Grabe getragen), dass es unheimlich wichtig ist, darüber zu reden, sonst wird das ein Tabu, das wie ein Geschwür immer mehr wächst.

Es ist wichtig, noch Dinge zu erledigen, die einem auf der Seele liegen, damit man in Ruge gehen kann, das sollte man niemandem verwehren.

Und was das ist, weiß wirklich nur der Betreffende selbst.

MMonigka65


Wie alt ist er denn? Meine Erfahrung mit pflegebedürftigen Menschen ist eher, dass sie den Tod begrüßen, bereit sind dazu. Vor allem, wenn sie alt sind. Ich finde das sehr tröstlich. Das Thema Tod ist da überhaupt kein Tabu.

h:at2schJipu


Ich selbst hätte ihm nie in die Augen sehen können und ihm zugleich sagen, dass er sterben muss. Wenn du meinst, dass ich feige und egoistisch war, bitte. Ja, ich war feige und habe es der Palliativärztin überlassen. Und selbst nach diesem Gespräch haben wir mit meinem Schwiegervater nie über sein baldiges Sterben geredet, weil er es nicht wollte.

Ich kann verstehen, dass das sehr, sehr schwer ist. Wir mussten dieses Jahr erst den Opa meines Mannes beerdigen. Er wurde sehr plötzlich krank und hat ziemlich bewusst erlebt, wie es zu Ende geht. Es war schlimm, ihm zu sagen, dass er das nicht überleben wird, aber wir haben es nicht verschwiegen.

Ob man es nun selbst macht oder den Ärzten überlässt ist jedem.selbst überlassen, das finde ich auch nicht feige. Feige finde ich einem Sterbenden weiterhin die heile Welt vorzuspielen. Das Sterben gehört zum Leben dazu und jeder sollte die Chance bekommen, diesen Prozess selbst zu gestalten. Und wenn er nach der Diagnose nicht mehr darüber reden will, ist das auch sein gutes Recht. Aber trotzdem muss er es wissen.

Ich verstehe auch nicht, warum Ärzte ihren Patienten nicht ehrlich sagen, wie es aussieht. Für Angehörige ist es wirklich schwer.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kranken- und Altenpflege oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH