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Sackgasse Demenz

uwwe1_97x6 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

der Lebensgefährte meiner Mutter ist 76 Jahre und leidet an Demenz.

Vor 4 Jahren hat er ein neues Hüftgelenk bekommen. Die Vollnarkose hat er sehr schlecht vertragen. War danach wochenlang verwirrt und wenn ich so zurückdenke ist es auch nie wieder so geworden wie es vorher war.

Vor 3 Jahren dann die andere Seite der Hüfte. Nun sollte eine Betäubung über das Rückenmark erfolgen wegen der schlechten Verträglichkeit. Dann stellte sich heraus das diese Spinalanästhäsie durch eine frühere Bandscheiben Op nicht möglich war. Kurzerhand wurde wieder eine Vollnarkose gemacht...

Danach war nichts mehr wie es war. Meine Mutter mußte schließlich in dem Krankenzimmer einquartiert werden. Dann beruhigte sich die die Lage wieder. Ende 2014 wurde dann Alzheimer diagnostiziert.

Vor 2 Wochen haben die Beiden einen Hotelgutschein bekommen und für eine Woche in einen Wellneshotel eingecheckt. Kurze Zeit später ist er völlig unerwartet und ohne Grund ausgerastet und hat meine Mutter gewürgt usw. Das Hotelpersonal hat sofort die Polizei gerufen und er wurde gleich mitgenommen und in die Psychatrie eingeliefert. Meine Mutter wurde im Krankenhaus versorgt. Ist zum Glück nichts groß passiert.

Am Dienstag waren wir bei Ihm in der Klinik um wenigstens ein paar Sachen zu bringen. Er war völlig zugedröhnt mit irgendwas und gefesselt. Die Schwester sagte das er agressiv war und er Beruhigungsmittel bekam. Nach einen Gespräch mit der Sozialarbeiterin stand fest das nur ein Pflegeheim in Frage kommen würde.

Am nächsten Tag machten wir uns an die Suche und fanden nach einiger Zeit einen Heimplatz in einen Pflegeheim für demenzkranke Menschen. Heute rief ich in der Psychatrie an. Leider ist es nicht besser geworden. Er weiß nicht was passiert ist und wo er ist. Er ist immer noch agressiv und muss fixiert werden. Er sollte 2-3 Wochen drin bleiben. Ich habe Angst das der Heimplatz weg ist wenn es länger dauert. Andererseits weiss ich nicht wie er sich jemals beruhigen soll wenn er niemanden vertrautes dort sieht und nicht weiss wo er ist. Es ist wie in einer Sackgasse. Ist hier vielleicht jemand der mir ein paar Tipps geben kann wie es weitergehen soll?

Gruß Uwe

Antworten
h-iklveinexs


Was machen die denn mit der Psychiatrie, was sie im Pflegeheim nicht mit ihm machen? Könntet ihr euch da nicht durchsetzen?

Syunf8lxowexr_73


In der Psychiatrie gibt es SOFORTIGE medizinische Hilfe. In einem Pflegeheim ist immerhin kein Pychiater oder sonstiger Arzt anwesend. Die Möglichkeit, flexibel Medikamente zu geben, ist eingeschränkt. Und Fixierung im Heim ist auch problematisch. So ein akut verwirrter und v.a. aggressiver (!) Mensch ist in der Psychiatrie leider besser aufgehoben. Pflegeheim wäre aktuell aj eine genauso fremde Umgebung.

@ Uwe:

Das ist bitter, aber so etwas kommt häufiger vor, als man denkt. Momentan könnten viele Besuche helfen; vertraute Dinge. Den Verlauf könnt Ihr ansonsten nur sehr sehr wenig beeinflussen. Wichtig ist, dass diese erste akute Verwirrung sich nur (mit Hilfe der Beruhigungsittle) legt. Das ist momentan schwer vorstellbar, wenn man den Menschen so verwirrt und fixiert erlebt. Aber... es kann sich bessern.

Schau mal in diesen Artikel rein: [[http://www.zeit.de/2016/10/demenz-trauma-krankenhaus-operation-klinik]]

uiwev1976


Hallo, interessanter Artikel. Eigentlich hätte die 2. OP abgesagt werden müssen. Bei der Anamnese wurde eindeutig auf die Probleme hingewiesen. Aber eine Absage hätte bestimmt Kosten für die Klinik bedeutet.

Eigentlich haben diese Mediziner mal einen Eid geschworen...

Am Sonntag waren wir zu Besuch. Er ist nicht mehr aggressiv aber völlig durcheinander. Die Bewegungen unkoordiniert. Von Pflegestufe 1 zu Ps3 innerhalb 1 Woche. Total abgemagert, Zähne lange nicht geputzt, Haare durcheinander und die Sachen bekleckert. Das war der nächste Schock. (ich habe den Besuch vorher angekündigt).

Die 3 Pfleger absolut überfordert für so viele Patienten. Habe auch mitbekommen das Patienten die mit Sack und Pack raus wollten ziemlich rüde behandelt wurden. Mittlerweile zweifel ich an unseren Gesundheitssystem. Mir graut es vor dem älter werden...

Zum Glück hatte wir was zu essen mitgebracht. Das hat er gut angenommen. Auch seine Lieblings CD kann er jetzt hören. Leider ist die Klinik sehr weit entfernt und ich kann nur am Wochenende 1x fahren.

Meine Mutter will morgen mir der Stationsleitung tel. und eine Verlegung beantragen. Der Mann geht da drin kaputt. Da muss man kein Mediziner sein um das zu sehen sondern einfach nur Mensch.

Gruß Uwe

M^onMikxa65


Die 3 Pfleger absolut überfordert für so viele Patienten.

Das ist die Grundsituation in der Altenpflege, dir graut es zu Recht davor. Nur wird es in einem Pflegeheim nicht automatisch deswegen besser, die Personalsituation ist nicht anders, es sei denn, ihr hättet entsprechende Mittel. Hat den jemand die Betreuung beantragt? Gibt es keine direkten Angehörigen?

uMwe1#976


Es gibt noch direkte Angehörige, aber schon seit 10 Jahren ohne Kontakt.

Die Betreuung soll jemand vom Gericht übernehmen. Meine Mutter schafft das nicht mehr, ist auch schon 72.

Karfreitag waren wir zum Besuch. Da war er wie ausgewechelt. Ging ihm sichtlich besser. Heute der Rückschlag. Er stand alleine nackt im Bad. Keine Ahnung wie lange schon. Jedenfalls lag die Schmutzwäsche im Beutel. Er hat sich unmöglich selbst ausgezogen und die Wäsche weggeräumt.

Als wir die Schwester fragten meinte sie nur das sie nicht 24h aufpassen könnten...

Meine Vermutung, die wollten ihn duschen und haben ihn dann einfach vergessen.

Zudem war er min eine Woche nicht rasiert worden. Das Krankenhaus ist für mich die Hölle. Wie mag sich wohl jemand fühlen der da Wochenlang eingesperrt ist?

R#uxt


Ich leide mit Euch.

Unruhige und agressive Patienten können mit Medikamenten ruhiger gestellt werden. Sie sind dann ausgeglichener - sagte man mir.

Seht zu, dass ihr in Eurer Gegend einen Platz findet. So könnt Ihr besser Kontakt halten und es ist für für den Kranken von großem Vorteil. Auch wenn das Pflegepersonal weiß, dass öfters mit Besuch zu rechnen ist.

Ich habe seinerzeit meine Mutter tgl. besuchen können, meistens vormittags auf Spaziergängen begleitet und dann mittags "gefüttert". Sie war auf 48 kg abgemagert, weil sie nichts gegessen hat, alles ins Klo geschüttete. Ihr wurde das Essen auf dem Zimmer serviert.

Alles Gute

o*nodisbep


Hallo! Wie Du in der Überschrift zu Deinem Faden sehr richtig schreibst, ist die Demenz - hier sogar Alzheimer - leider eine Sackgasse, ohne Ausweg. Ich denke, dass hier ausnahmsweise die Psychiatrie der richtige Ort für ihn ist, weil er sonst eine Gefahr für sich und andere ist.

u4we1E976


Völliger Unsinn. Wer sich intensiv mir der Thematik beschäftigt findet sehr schnell den Grund für Agressionen bei Demenzkranken.

LcuFci3x2


Demenzerkrankte sind meistens nur aggressiv, wenn sie überfordert sind. Eine fremde Umgebung ist für eine Demenzerkrankte im fortgeschrittenen Stadium, eine deutliche Überforderung. Hotel war vielleicht ein Fehler. Krankenhaus ist natürlich auch sehr fremd und überfordert. Wechselnde Gesichte, viele fremde Leute, andere Rhythmus usw.

Frage ob er für 1 Wochenende nach Hause darf (ihr müsst aber natürlich auch ständig da sein). Kann gut sein er beruhigt sich und wird klarer. Ist sehr oft so bei Demenz.

Musik bleibt im Gedächtnis gespeichert und beruhigt. Da kann man ansetzen.

Im Heim: nehme wenn möglich einige Stücke seine Möbel, Bettwäsche, Bilder mit. Er kann das dann besser als seine "zu Hause" identifizieren.

uawe19x76


Hallo,

das er wieder nach Hause kann ist zur Zeit nicht zu denken. Er ist bettlägrig und kann wegen Schluckbeschwerden nur püriertes essen. Ich weiss nicht warum sie ihn so dermaßen unter Medikamente setzen sodas er sich nicht mal mehr rühren kann.

ukwe1b976


Wir haben mit einen Assistenzarzt sprechen können. Außer dem typischen " Das braucht Zeit" war nichts zu erfahren. Auch mit dem Medikamenten wären sie schon weit zurückgegangen...

Irgendwie glaube ich das nicht.

Ich weiß das es schwer zu beurteilen ist, aber glaubt Ihr das er wieder so wird wie vor dem Krankenhaus oder bleibt das jetzt so? Ich habe gelesen das durch diese Medikamente der Abbau nur noch schneller von Statten geht.

MYitwter;n8xcht


Guten Morgen *:)

Ich melde mich jetzt mal als Pflegekraft im Demenzbereich zu Wort, denn mir ist beim lesen des Themas doch eines aufgefallen:

Zunächst schreibst du der Mann hat Demenz und ist phasenweise aggressiv und dann kaum noch lenkbar.

Im nächsten Moment fragst du warum man den Mann so dermaßen unter Medikamente setzt, dass er sich kaum noch rühren kann.

Das eine zieht das andere nach sich?

Grade in Kliniken haben sie alle keine Zeit und sind chronisch unterbesetzt, demenziell veränderte Menschen passen da nicht rein, da sie je nach Person viel viel mehr Zeit und Empathie benötigen und eben die haben sie in Kliniken nicht!

Dann hast du bei Aggressivität eben noch das Problem: Lass ich mich jetzt grün und blau schlagen von dem Patienten oder schieße ich ihn lieber so ab, dass er sich garnicht mehr rührt?

(Ich sage damit nicht, dass ich das gut finde, ich hab selbst oft genug erlebt wie Krankenhäuser und Co. unsere demenziell veränderten Bewohner nach dem Aufenthalt zurück schicken und da fängt man dann oft wieder bei 0 an, weil die im KH eben so wenig Zeit haben und auf demenziell veränderte Menschen gefühlt 0 Rücksicht nehmen!)

Was die Optik bei z.B. dem Karfreitagsbesuch angeht von dem du geschrieben hast (Zähne ewig nicht geputzt, dreckige Kleidung etc) das KANN unmittelbar damit zusammenhängen und ist nicht allein Schuld der Pfleger, denn wenn jem. wirklich so aggressiv ist wie du schreibst, er da aber scheinbar noch frei gelaufen ist ohne so abgeschossen zu sein, dass er sich nicht mehr bewegen kann, woher willst du wissen, dass er frische Kleidung oder generell die Pflege am Morgen nicht einfach abgelehnt oder nicht zugelassen hat?

Bei einem nachweislich aggressiven, dann auch noch dementen Menschen überlege ich mir dann zweimal wie weit ich ihn motiviere/versuche zur Versorgung anzuleiten....

Was den Rückgang der Medikamente angeht:

Es kann tatsächlich sein, dass sie die schon runtergesetzt haben, aber es braucht je nach Medi Zeit bis die wirklich wieder aus dem Körper sind!

Ob Medikamente den Abbau noch fördern kann ich dir fachlich leider nicht genau sagen, da ich keine PflegeFACHkraft bin, aber je nach Medikament kann ich mir das auch gut vorstellen....

Ob und wie der Allgemeinzustand jetzt bleibt wird die Zeit zeigen, ich würde sagen im KH wird er sich zu 100% nicht bessern, aber in einem guten Pflegeheim kann man doch einiges tun, denn da ist das Personal meist geübt im Umgang mit Demenz/Alzheimer und hat da auch anders Zeit (oder nimmt sie sich je nach Person :=o ).

Als vielleicht hilfreiches Beispiel:

Wir hatten eine Bew. die mit ner Lungenentzündung ins KH ging, dann laut KH "nur noch zum sterben" zurück zu uns kam, dann auch teilweise Atemaussetzer hatte und nach einiger Zeit und guter Pflege dann doch wieder zu ihrem normalen AZ zurück kam und noch immer dort lebt ;-D

Oder die vielen Leute mit angeblichen Schluckbeschwerden, die bei uns wieder ganz normal gegessen haben %-|

u4weJ1976


Hallo,

vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Das Pflegepersonal hat sich über die Agressivität beklagt. Kann schon sein das sie ihn dadurch so ruhiggestellt haben.

Gestern kam der erlösende Anruf. Er kann Freitag entlassen werden. Dann soll er in ein Pflegeheim, speziell für Demenzkranke. (Friedrich Zimmer Haus Weimar).

Soviel wie ich weiss erst mal für 4 Wochen. Denke die wollen erst mal schauen wie er sich dort benimmt.

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