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Wie steht ihr zur Situation der Pflegeberufe/ Pflegepatienten?

c"lFv hat die Diskussion gestartet


Ich bin zwar selber kein direkt Betroffener, bin aber Ehemann einer examinierten Hebamme und habe eine Schwester, die als examinierte Altenpflegerin arbeitet.

Beide berichten von einzigartig belastenden Arbeitsbedingunge, 3 Schichten ( Früh, Spät, Nacht), keine planbare Freizeit, da ständig "gesprungen" werden muss, dabei sehr viel Verantwortung für Leben u Gesundeit der Patienten übernehmen, und das ganze für ein Gehalt, dass deutlich unter dem anderer Branchen liegt.

Folge: Fehlender Nachwuchs und kein Interesse an diesen Berufen ! Personalmangel, wie jetzt bei der Geburtshilfe aktuell in Hannover, führt zu einer enormen Verunsicherung werdender Mütter.

Scheinbar ist die gesellschaftliche Errungenschaft des erfolgreichen Arbeitskampfes an den betroffenen(zumeist) Frauen spurlos vorbeigegangen.

Ich meine, dass dies ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, wir alle wollen menschliche Pflege, wenn es uns mal treffen sollte, junge Frauen möchten Sicherheit im Kreissaal ...usw...

Gibt es bei euch ein Problembewusstsein dafür?

Für Gedanken der Betroffenen und auch von Branchenfremden wäre ich dankbar. @:)

Antworten
SGüntxje


als Dinosaurierkrankenschwester kann ich dir nur sagen, ich frage mich ständig, warum ich nichts anständiges gelernt habe :-/

Es ist in meinen Augen ganz schlecht, dass die meisten Häuser privatisiert wurden und gewinnbringend arbeiten müssen, da ist ja klar, wo gespart wird.

Ich bin nach einer Schicht tot, ich kann gar nichts mehr, jedenfalls sehr, sehr oft. Ich bin 48 Jahre und mein Körper ist kaputt. Also im wahrsten Sinne des Wortes bin ich verschlissen.

Ich meine, dass dies ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, wir alle wollen menschliche Pflege, wenn es uns mal treffen sollte, junge Frauen möchten Sicherheit im Kreissaal ...usw...

ich fürchte so wird es von vielen nicht gesehen. Durch die viele schlechte Presse habe ich oft den Eindruck (auch hier auf med1 liest man das übrigens sehr oft), dass Angehörige meinen, dem Pflegepersonal "auf die Finger gucken zu müssen". Pflegenotstand wird erst zum Problem, wenn es die eigenen Lieben betrifft. Sonst interessiert es doch keinen Menschen.

cxlv


...das ist meine Befürchtung auch. Die Beschäftigung mit Pflegenotstand beschränkt sich meist nur auf die Aussage, "die" sitzen doch immer nur im Schwesternzimmer und trinken Kaffee...

Das Startgehalt einer examinierten Schwester, die sich so etwas anhören muss, ist vergleichbar mit dem der Tätigkeit bei Rewe an der Kasse.

Das geht allerdings ohne Ausbildung, ohne Nachtschichten und ohne Verantwortung für Menschen.

Soziale Berufe sind hinsichtlich Vergütung und Arbeitsbedingungen nicht mit anderen vergleichbar.

Scheinen irgendwie vergessen worden zu sein von Politik und Gewerkschaften...

Es fällt auch niemandem auf, dass kaum eine(r) aus dem Pflegebereich bis zum Rentenalter durchhält. Entweder wird vorher gestorben oder man geht völlig verheizt in die Frührente.

P8edxdi


Es ist in meinen Augen ganz schlecht, dass die meisten Häuser privatisiert wurden und gewinnbringend arbeiten müssen, da ist ja klar, wo gespart wird.

Das genau das ist auch meine Meinung!!

Ich erinnere mich, als ich mit meiner Tochter immer Wochen oder auch Monatelang auf Station war. Dann wurde privatisiert, die Schwestern bekamen Knebelverträge, wir Mütter bekamen so viel mit. Und ohne uns begleitende Mütter auf Station wäre es gar nicht möglich, mit so wenig Personal zu arbeiten, in den Kliniken. 24 Stunden Betreuung und wenig Schlaf auf Klappbetten. Das mal so nebenbei, denn ich weiß, was eine Krankenschwester leistet.

Was zusätzlich noch hinzu kommt, sind die Fallpauschalen. Das ist weder für den Patienten gut, noch für das Personal. Fallpauschalen gibt es ja sogar neuerdings in psychiatrischen Kliniken.

Am schlimmsten ist es auf einer Geriatrie. Die alten Menschen werden dann einfach wieder zu Hause "ausgekippt", die Verwandten müssen zusehen, wie sie ihre Angehörigen versorgen. Übermüdetet Stationsärzte, die Fehler machen. Das ist mir passiert, als ich mit einem Campylobakter mehrfach in einem KH war. Ich war in einem Dreibettzimmer, als schon das Gesundheitsamt wußte, dass ich das habe. Wurde fröhlich mit irgendwelchen Antibiotika beschossen.

Welchen Vorschlag zur Verbesserung hättest Du denn, clv, was könnte man tun, um solche Mißstände zu verbessern?

kNlapp)ersc_hlaxnke


Pflegeberufe sind Liebhaberberufe. Wenn man das nicht gerne und mit Leib und Seele und aus Berufung macht, dann geht man in diesem Job ruckzuck zugrunde.

L:or-d H0oxng


Mein Eindruck ist dass genau das:

Pflegeberufe sind Liebhaberberufe. Wenn man das nicht gerne und mit Leib und Seele und aus Berufung macht, dann geht man in diesem Job ruckzuck zugrunde.

In der Branche ausgenutzt wird. Da habe ich den Eindruck dass sich Menschen in Pflegeberufen zum Teil unheimlich viel "gefallen" lassen

gprzeenkixe07


Pflegeberufe sind Liebhaberberufe. Wenn man das nicht gerne und mit Leib und Seele und aus Berufung macht, dann geht man in diesem Job ruckzuck zugrunde.

...und genau das ist Bullsh... Es sind Berufe wie andere auch und sollen das auch sein! Natürlich muss man gerne mit Menschen arbeiten, sollte sich für medizinisches interessieren. Aber daneben ist es ein 'normaler' Beruf der anständig nach der geleisteten Arbeit und Belastung zu bezahlen und anzuerkennen wäre!!

Genau wegen dem blöden Spruch kommt es doch zu der Ausbeutung. [...]

Von einem Architekten z.B. erwartet ja auch niemand, dass er fast gratis arbeitet da er in seinem Beruf ja die Freude an der Gestaltung ausleben kann...

Irgendwie haben immer noch viel zu viele Menschen die Bilder von den Groschenromanen und den Arzt-/Krankenhausserien vom Fernsehen im Kopf (Schwester Stephanie ist tagsüber auf der Station, steht abends im OP und nebenbei regelt sie noch das Privatleben der Patienten...oder so ]:D )

Lsiv:erpool


Pflegeberufe sind Liebhaberberufe. Wenn man das nicht gerne und mit Leib und Seele und aus Berufung macht, dann geht man in diesem Job ruckzuck zugrunde.

Das ist doch Schwachsinn. %-|

Selbst wenn man seinen Beruf liebt und mit Leib und Seele arbeitet was bei mir und vielen meiner Kollegen der Fall ist sind die äußeren Umstände unfassbar frustrierend. Nur weil ich meinen Job liebe muss ich Personalmangel, miese Bezahlung, ständige Wochenendarbeit und ständige Überstunden ohne Hoffnung auf Freizeitausgleich doch noch lange nicht toll und auch Menschen, die ihren eigentlich Beruf lieben, können an diesen Umständen zugrunde gehen. :|N :|N :|N

MYarie'2x7


War das nicht vielleicht eher so nach dem Motto gemeint: Man weiss vorher, auf was man sich einlässt, somit muss man den Job schon wirklich wollen & lieben.

?

S#VK9x9


die Angestellten in Pflege -Berufen sollten mal 8 wochen komplett streiken,damit die Politker ,die Steuergeld an Banken,ans ausland und für jeden der sich "Schutzbedürftig,meist junge Männer,raushauen,endlich unter Druck gesetzt werden.man kann die Pfege durchaus verbessern wenn man nur will,bei guter Bezahlung .in der Schweiz ,den Niederlanden und Skandinavien geht es auch.Geld ist genug da.Es ist nur eine politische Entscheidung .

KflotGzamBeixn


Ich erkenne das Problem ebenfalls.

Die Ursache hierfür sehe ich (sorry, wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt) in den Kassenpatienten, die 18 Mal im Jahr zum Arzt rennen, obwohl jeder 2. Termin überflüssig ist und somit die Krankenkassen extrem belasten.

Irgendwo muss dann eben eingespart werden.

k:aSr=abifna


Ich arbeite auch im Krankenhaus. Bei uns wird noch ein Tarif verhandelt für das Pflegepersonal, seitdem wir eine GmbH geworden sind. Wir "Alten" werden ja NOCH nach alten Konditionen bezahlt, aber jeder, der jetzt eingestellt wird, bekommt am Ende weniger raus, als an der Kasse von Rewe... Das lockt doch keinen mehr hinterm Ofen vor!

Viele sind wieder weg, die Arbeit bleibt dieselbe und geht auf die Knochen derer, die noch da sind. Es ist einfach kein Anreiz mehr da.

Als ich vor knapp 30 Jahren anfing in dem Job, war noch genug Personal da, das Geld stimmte auch.

Aber seitdem die Branche immer mehr gewinnbringend arbeiten und ihre Fallzahlen schaffen muss, wird am falschen Ende gespart.

Bei uns ist es z.B. so, dass wir auf plötzlich einen Haufen Chef- und Oberärzte haben (die schießen quasi wie Nichts aus dem Boden, um Patienten anzulocken). Aber das Pflegepersonal arbeitet mit Minimalbesetzung. Was bleibt da wohl auf der Strecke? Wen sieht der Patient häufiger, den Arzt oder die Schwester?

Es gibt von oben auch keinerlei Anerkennung, im Gegenteil - wir sind doch selber Schuld, dass wir "nur" Krankenschwester geworden sind...

Mir geht es da wie Süntje, die Knochen sind kaputt - aber es hilft nichts, bis zur Rente ist es noch ein riesen Schritt und woanders anfangen mit fast 50 ist auch nicht drin...

M\oNni?ka6x5


Durch die viele schlechte Presse habe ich oft den Eindruck (auch hier auf med1 liest man das übrigens sehr oft), dass Angehörige meinen, dem Pflegepersonal "auf die Finger gucken zu müssen". Pflegenotstand wird erst zum Problem, wenn es die eigenen Lieben betrifft. Sonst interessiert es doch keinen Menschen.

Das ist in der Altenpflege womöglich noch krasser als im Kh. Altenheime belasten die Geldbeutel der Bewohner und deren Angehörigen enorm und natürlich stellen sie sich die Frage, wo geht das ganze Geld hin? Jedenfalls nicht zu den Pflegenden, das steht fest, vor allem nicht zu denen mit den - erwähnten - neueren Verträgen. Aber die Anspruchshaltung der Angehörigen ist teilweise überirdisch und andererseits die Kühle und Geschäftsmäßigkeit einiger meiner Kollegen (hauptsächlich die mit Vollzeit) frustrierend. Beides passt hinten und vorn nicht.

M0ariUex27


Das ist in der Altenpflege womöglich noch krasser als im Kh. Altenheime belasten die Geldbeutel der Bewohner und deren Angehörigen enorm und natürlich stellen sie sich die Frage, wo geht das ganze Geld hin? Jedenfalls nicht zu den Pflegenden, das steht fest, vor allem nicht zu denen mit den - erwähnten - neueren Verträgen. Aber die Anspruchshaltung der Angehörigen ist teilweise überirdisch und andererseits die Kühle und Geschäftsmäßigkeit einiger meiner Kollegen (hauptsächlich die mit Vollzeit) frustrierend. Beides passt hinten und vorn nicht.

Genau so sehe ich das auch, vor Allem den letzten Satz.

c1lv


Welchen Vorschlag zur Verbesserung hättest Du denn, clv, was könnte man tun, um solche Mißstände zu verbessern?

Wie wäre es mit der Gründung einer Pflegepartei, zB

DPP (Deutsche PflegePartei) :-D

bei 3(?) Millionen Arbeitnehmern könnte man schon ein paar Stimmem erhaschen...

Die Partei Bibeltreuer Christen und die Tierschutzpartei könnte bestimmt überholt werden. ;-)

Zumindest würde das Thema unübersehbar politisiert werden !

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