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Mutter geht an Pflege psychisch kaputt

gZut5er0 rat isDt teuer hat die Diskussion gestartet


Hi,

ich war mir nicht ganz sicher, ob man dieses Thema vielleicht lieber in die psychologischen Foren posten sollte, aber andererseits ist es schon ein sehr spezifisches Problem.

Meine Oma (90) ist seit 2 Jahren bettlägrig pflegebedürftig. Die Vollzeitpflege hatte zunächst meine Mutter (63) übernommen, weil sie es unbedingt so wollte, und auch ihren Beruf komplett für die Vollzeitpflege aufgegeben. Wir (FAmilie inklusive Arzt und Pfarrer) hatten ihr allerdings von Anfang an davon abgeraten, weil das Haus nicht behindertengerecht ist und es sehr schwer werden würde, Oma überhaupt von A nach B zu bewegen. Denn Mutter hat auch schon 3 Bandscheibenvorfälle hinter sich und der Rest der Familie arbeitet in Vollzeit.

Noch dazu kommt, dass Mutter nicht sooo der empathische Typ ist, also mit Pflege schnell überfordert und genervt war. Trotzdem hat sie sich nicht reinreden lassen, es alleine machen zu wollen.

Nach 1 1/2 Jahren kam Mutter dann mit einem Burnout, Gehörsturz + Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus. Nun ergab es sich, dass das Seniorenheim drei Straßen weiter einen Platz frei hatte und Oma dort einen Vollzeit-Pflegeplatz bekommt. Der kostet 3.500€ im Monat, aber bietet eine Menge. Es geht Oma, seitdem sie da ist, auch besser. Sie geht regelrecht auf. (Ist auch moderner als Omas eigene Wohnung etc.)

Zuhause betreuen kann Mutter sie gesundheitlich und psychisch nicht mehr.

Nun aber ein anderes, eigentliches Problem...

Irgendwie lässt Oma ihre Wut an Mutter aus. Obwohl sie gerne im Heim ist, wie sie gegenüber uns betont( besonders wohl wegen dem Freundeskreis, den sie da mit drei anderen gegründet hat und den gemeinsamen Aktivitäten wie Frühstück, Kuchen usw.,) hat sie irgendwie das Bedürfnis, es Mutter heimzuzahlen, dass sie sie dort in die Obhut kam.

Sie zieht alle möglichen Psychospielchen mit ihr ab.

Beispiel:

- Sie stellt sich tot, wenn Mutter zu Besuch kommt (die kommt jeden Tag). Sie legt sich mit starren Augen hin, hält den Atem an. Mutter holt erschrocken die Pfleger, Oma bewegt sich wieder und meint: ,,Och, ich hab doch nur nachgedacht!"

- Wenn Mutter ihr ein Stück Kuchen anbietet, isst Oma das, kotzt/spuckt es dann aber vor ihren Augen wieder aus.

- Sie redet so, als würde sie jede Minute sterben. Sagt zu Mutter, sie hätte ja ein tolles Leben gehabt und sie solle sich von allen verabschieden, aber den nächsten Tag würde sie nicht überleben.

- Kommunikation mit Mutter wird komplett verweigert, Oma tut einfach, als wäre sie Luft.

- Generell miese Laune schieben etc.

- Wenn noch andere Gäste dabei sind: Sie ignoriert Mutter und sagt zu den anderen wohl 50x: ,,Die Hauptsache ist doch, dass es EUCH gut geht."

Mit keinem anderen Besucher macht Oma das. Wenn wir Geschwister oder Vater kommen, ist sie putzmunter und keine Spur von Vorwürfen. Wir haben schon versucht, mit Oma zu reden, was das denn soll. Sie weiß, dass ihre Tochter am Ende ihrer Kräfte ist und trotzdem alles für sie opfert und sie das Verhalten kränkt. Aber Oma geht da nicht drauf ein. Mir steckte sie mal:

,,Na und, die hat mich ja hierher gegeben. Gefällt mir zwar, aber in Wahrheit will sie nur nicht, dass ich wieder nach Hause komme!"

Von diesem Standpunkt rückt sie nicht ab.

Das Problem ist: Meine Mutter zieht sich diesen Schuh enorm an.

Manchmal zeigt sie Anzeichen von Konsequenz und kommt nicht mehr jeden Tag zu Besuch.

Es ist aber ein Teufelskreis, weil sie zu viel Angst/schlechtes Gewissen hat, dass Oma ohne sie einsam im Bett sterben könnte. Dann geht sie doch wieder hin und das Psychospiel fängt von vorne an :(v

Hat vielleicht irgendjemand einen Tipp, wie man diese Situation deeskalieren/entzerren kann?

Psychologische Hilfe lehnt meine Mutter komplett ab (falsche Generation wohl). Vater ist da auch keine große Hilfe (sehr unnahbar). Aber sie geht total kaputt an diesen Spielchen und dem schlechten Gewissen, das Oma ihr macht.

Wie kann man da als Außenstehender helfen?

Danke schon mal

Antworten
h$alfHdexvil


Hm...also wenn ich die Tochter wäre, wäre das für mich jetzt ein idealer Punkt, um einen Cut zu machen und meine Mutter nicht mehr im Heim zu besuchen.

Ein schlechtes Gewissen braucht man nicht haben, denn der Oma/Mutter gefällt es ja dort und aufgrunddessen muß man sich dann auch nicht grämen, sie dorthin "abgegeben" zu haben.

Besuchen würde ich sie nicht mehr, da ich es nicht einsehen würde, mich so beschissen behandeln zu lassen, obwohl ich mich einst aufopfernd um sie kümmerte.

Lange Rede, kurzer Sinn: nicht mehr hingehen.

CWh=ance0x07


Wie kann man da als Außenstehender helfen?

Da könnt ihr nichts anderes machen als Deine Mutter darin zu bestärken, sich das exakt in dem Maß anzutun, das sie auch bewältigen bzw. aushalten kann.

Ältere Menschen neigen leider hier und da dazu, ihre schlechteren Seiten (die sicher schon immer da waren, aber nicht so extrem) nach außen zu kehren und an den vertrautesten Menschen auszulassen, die sie kennen. Sie in dem Alter jetzt verändern zu wollen, wird nicht funktionieren.

Also stärkt eure Mutter mental, damit sie dem innerlich etwas mehr entgegenzusetzen hat. Streit provozieren macht nicht wirklich Sinn. Es wird nichts ändern. Nur noch mehr Nerven kosten. Wechselt euch regelmäßig ab mit allen beteiligten Personen, so dass die Mutter ohne schlechtes Gewissen auch mal aussetzen kann.

Den Rest könnt ihr nicht beeinflussen. Wenn eure Mutter dann trotzdem hin möchte, könnt ihr sie ja nicht daran hindern.

Ach ja, und passt auf euch selbst auf. Auch ihr seid nicht unbegrenzt belastbar. Sonst reicht ihr diese Belastung nur nach unten durch und das sollte es ja auch nicht sein.

MJil"aixla


Wäre es eine Möglichkeit, dass eure Mutter vorerst nur noch in Begleitung deine Oma besucht?

Mdir_sgsanj_mxir


Ob Du ihr in dieser Zwickmühle helfen kannst? Es ist wohl so, dass sie diese Sache für sich geregelt bekommen muss.

Fakt ist, wenn sie sich von den Erpressungversuchen der Oma so schwer beeindrucken lässt und weder innerlich noch äußerlich distanzieren kann, wird sie sie bis zum bitteren Ende begleiten. Also entweder sie entzieht sich ihrer eigenen Mutter zumindest temporär ("Mutter, Dein Verhalten zeigt mir, dass Du meine Besuche zur Zeit nicht zu wünschen scheinst") oder sie geht daran weiter in die Knie. Zwickmühle, weil sie bei tatsächlichem Rückzug mit ihren - aus meiner Sicht unbegründeten - Schuldgefühlen zurechtkommen müsste.

Oder - was aber leider am unwahrscheinlichsten ist - Deine Mutter findet doch noch von sich aus die psychische Kraft, weiter durchzuhalten und ihrer Mutter bei den Besuchen entgegenzusetzen, dass sie ihr Verhalten hinnehmen und gelassen darauf reagieren kann.

Vielleicht kann sie doch versuchen, mit Hilfe von Fachpersonen zu mehr innerer Stabilität zu finden, bei einer ev. Familienbildungsstätte oder bei der Caritas? Wenn sie das auch konsequent ablehnt, bestünde ja die Möglichkeit, dass DU DIR unterstützenden psychologischen Rat suchst - der dann indirekt auch Deiner Mutter zugute käme. Du könntest dann auf einem anderen Hintergrund mit ihr über die Oma und ihr und Dein Verhalten reden und ihr so eventuell auch etwas Hilfestellung geben.

M$ir_ss0anY_mixr


Ich meinte natürlich, nicht über Dein, sondern IHR Verhalten reden, sorry.

TuheBltackWixdow


So etwas ähnliches haben wir mit meiner Tante erlebt. Sie kam alleine zuhause nicht mehr zurecht und wollte unbedingt, daß meine Mutter sich mehr um sie kümmert.

Als es dann unumgänglich wurde, daß sie in ein Altenheim kam, hat meine Mutter einen ziemlichen Streifen mitgemacht und sich auch Vorwürfe anhören müssen. Ihr wurde auch immer wieder vorgehalten, daß sie ja als Mutter von 3 Kindern jederzeit Jemanden hätte, aber sie als alleinstehende Witwe elendig und einsam sterben müsste.

Kam meine Mutter zu Besuch, blieb sie liegen und verdrehte die Augen und es war sehr schwer für meine Mutter. Kam anderer Besuch, wurde sie auch auf dem Flur mit Rollator und in einer Plauderrunde entdeckt.

Meine Mutter wollte teilweise nicht mehr dorthin und ihr ging es nicht gut. Sie hinterfragte ständig, ob man von ihr verlangen könnte oder ob es ihre moralische Pflicht sei, sich um die Schwester zu kümmern.

Nunja, bei uns gab es den Vorteil, daß meine Mutter kein Auto hatte und somit immer Jemand von uns oder die Schwiegerkinder mitkamen und anwesend waren. Meine Tante nahm sich dann auch irgendwann zurück und meine Mutter konnte wieder durchatmen.

Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn deine Mutter nicht mehr alleine dorthin muss und ihr sozusagen als Prellbock eure Mutter in Schutz nehmt.

oUnobdoisGep


Keine Privatperson kann das leisten. Nur ausgebildete Pfleger 8 Stunden und dann Feierabend und Abschalten. Ich habe meine Mutter auch täglich auf der Palliativstation besucht - 15 Minuten und fertig. Meist hatte das Krankenhauspersonal Fragen an mich oder brauchte eine Unterschrift. Wirklich Helfen konnte ich meiner Mutter eh nicht mehr.

Cnlo-ndyxke


@ Onodisep

Ich finde so generell kann man das nicht sagen. Ich wohne nun seit 2 1/2 Jahren bei meiner 91-jährigen bettlägerigen Mutter und pflege sie rund um die Uhr. Der HA kommt alle 2 Wochen und eine Putzkraft alle 2 Wochen (bezahlt von der KK) für's grobe Putzen--- und ich lebe noch.

Natürlich hängt das auch sehr von den Pflegebedürftigen ab und man weiß ja auch nicht, was noch kommt....

hoag-txysja


deine mutter muss wirklich ein unglaublich gutmütiger und emotional manipulierbarer mensch sein.

beim lesen sind mir so viele erwiderungen auf omas kindischen zirkus eingefallen, von denen ich mir ganz sicher nicht alle verkneifen könnte.

hast du deine mutter mal gefragt, weswegen sie sich das gefallen lässt?

es werden wohl schuldgefühle sein, aber eigentlich sind die fehl am platze, wenn oma ja eigentlich dort ihre freude hat.

meinst du, ihr als familie könnt deiner mutter das glaubhaft vermitteln?

o2nodi#seVp


Sicherlich kann das jeder so halten wie er / sie will. Viele Kinder arbeiten / studieren im Ausland oder am anderen Ende in Deutschland und sehen sich damit von vornherein ganz aus der Verantwortung raus.

h`ikl)einexs


Clondyke

Ich finde so generell kann man das nicht sagen. Ich wohne nun seit 2 1/2 Jahren bei meiner 91-jährigen bettlägerigen Mutter und pflege sie rund um die Uhr. Der HA kommt alle 2 Wochen und eine Putzkraft alle 2 Wochen (bezahlt von der KK) für's grobe Putzen--- und ich lebe noch.

Du hast sicher recht! Aber du darfst dabei auch nicht vergessen, dass eine solche Situation, wie du sie schilderst in sehr vielen Familien nicht umsetzbar ist. Nicht jeder kann beim Pflegebedürftigen einziehen. Und dann wird es sehr sehr schnell sehr schwer.

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