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Onkel plötzlich Pflegefall

Mxoh hat die Diskussion gestartet


Hallo und guten Abend,

vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen oder auch nur etwas mut machen...

Vor einer Woche rief meine Mutter mich an, da die Nachbarn meines Onkels sie informiert haben, dass er sich sehr merkwürdig verhält. Er war in Unterhose beim Lebensmittellieferanten (die große Tiefkühlfirma mit B) einkaufen. Meine Mutter ist sofort zu ihm gefahren (sie wohnt eine Stunde Autofahrt entfernt, genau wie mein Bruder. Ich wohne knapp drei Autostunden weit weg, leider.) und fand ihn ziemlich verwahrlost und nur in Unterwäsche vor. Das ist total untypisch für ihn. Alles was er derzeit tut ist mehr als untypisch für ihn. Letzten Freitag wurde er 64, das ist doch eigentlich noch kein Alter...

Sonntags musste meine Mutter wieder nach Hause, sie arbeitet ja auch (mein Onkel ist seit letztem Herbst Rentner). Sie telefonierte täglich mit ihm. Fragte ob er einkaufen war (nein, die ganze Woche nicht). Als sie am vergangenen Freitag abends dann bei ihm ankam trank er erstmal 2 Liter Saft innerhalb kürzester Zeit (er war nicht einkaufen, er hatte nichts da, meine Mutter hat auf dem Weg zu ihm eingekauft). Er stank, war wieder nur in Unterwäsche, die er seit Tagen nicht gewechselt hatte. Am Samstag weckte sie ihn insgesamt drei mal auf, um mit ihm einkaufen zu fahren. Letztlich fuhr sie allein. Sie bat ihn, das eingekaufte weg zu räumen. Er sah sich den Einkauf an, sah sich die Mindesthaltbarkeitsdaten an, zählte alles akribisch immer wieder durch, aber schaffte es nicht, etwas davon einzuräumen. Beim Essen nimmt er z.B. die Kirschen vom Kuchen, reiht sie sorgfältig auf und zählt sie immer wieder nach. Solche Zwangshandlungen hat sie fast ununterbrochen bei ihm beobachtet.

Dann waren sie auf dem Friedhof um das Grab der Eltern zu richten. Sie schickte ihn Wasser holen, er kam und kam nicht wieder. Er saß in ihrem Auto, fuhr ein wenig vor, ein wenig zurück, stellte das Auto aus und spielte wahllos an den Knöpfen und kommentierte es dabei. Meine Mutter fragte ihn, ob er die beiden nach Hause fahren möchte. Er sagte ja, spielte aber weiter bloß an den Knöpfen, am Radio, dem Scheibenwischer, am Blinker, verstellte Spiegel und und und. Dann zählte er die Gänge am Ganghebel ab. Immer wieder. Meine Mutter sagte, sie würde fahren, er solle bitte mit ihr den Platz tauschen. Er sagte ja, aber er bewegte sich nicht, fuhr weiter fort Hebel und Knöpfe zu drücken.

Gestern nun war ich mit meinem Mann bei ihm und ihr. Es war fürchterlich. Ich kenne meinen Onkel so nicht. Er saß die meiste Zeit schweigend da, ungepflegt. Immerhin hatte er eine Hose und ein Hemd an. Er stank nach Fäkalien. Meine Mutter hat es nicht geschafft ihn zum Duschen zu bewegen. Er nässte mehrmals ein, ich weiß nicht ob er es nicht bemerkt hat oder...ich weiß es einfach nicht. Es klebte Kot am Boden unter dem Esstisch. Am Nachmittag schloss er uns allesamt aus dem Haus aus. Türen, die er nie zuvor abgeschlossen hatte waren auf einmal abgesperrt und wir hatten Glück, dass im Garten eine Balkontür geöffnet war, durch die wir wieder ins Haus kamen. Die Zwangshandlungen habe ich auch beobachtet.

Uns ist bewusst, dass er ganz ganz dringend Hilfe braucht. Er wohnt komplett allein in einem großen Haus in einem winzigen Kuhkaff, ohne Auto ist man sowieso schon aufgeschmissen. Er kann auf keinen Fall mehr selbst fahren! Und er würde den ganzen Tag im Bett liegen, wenn er könnte.

Meine Mutter hat am Samstag dann beim ärztlichen Notdienst angerufen und die Situation geschildert. Man könne ihr nicht weiterhelfen, wenn es kein lebensbedrohlicher Zustand ist.

Morgen fährt sie mit ihm zu seinem Hausarzt in der Hoffnung, dass er ihr sagt wie man weiter vorgehen muss und an welche Stellen sie sich wenden kann. Wir sind heillos überfordert und wissen einfach weder aus noch ein.

Kann mir irgendwer hier sagen, was wir tun können, wenn der Hausarzt sie abweist? Diese Angst hat sie nämlich...wohin kann man sich wenden, wo bekommt man sofort Hilfe? Eigentlich müsste meine Mutter morgen wieder arbeiten, aber sie hat in der Firma gesagt, dass sie morgen nicht kommen kann. Außer ihr, meinem Bruder und mir hat er niemanden! Wir arbeiten alle...wie sollen wir das alles anstellen?

Hat irgendjemand einen Rat oder Informationen für mich?

Vielen Dank...ich bin so durch den Wind...

Antworten
mzalikxa82


Lass dich einfach erstmal drücken. :)_

Das hört sich echt heftig an, wie du die Situation schilderst. Es tut mir leid, daß ich wahrscheinlich keinen wirklichen Rat für euch habe, außer euch ganz fest die Daumen zu drücken, dass der Hausarzt weiterhilft.

Gab es diese ZwangsHandlungen schon immer (mit dem zählen und sortieren)??

Meine Mutter hat am Samstag dann beim ärztlichen Notdienst angerufen und die Situation geschildert. Man könne ihr nicht weiterhelfen, wenn es kein lebensbedrohlicher Zustand ist.

Ich meine mal gehört zu haben, sobald jemand eine Bedrohung für sich selbst ist (Selbstmord Absichten laut ausspricht etc) kann man den Rettungsdienst alarmieren.

Inwiefern die aktuelle Situation deines Onkels auf kurz oder lang für ihn lebensbedrohlich wird, kann ich zwar nicht abschätzen, aber gesundheitlich gesehen ist es ja nicht von Vorteil, wenn er vergisst oder verweigert zu trinken und zu essen, die Körperhygiene komplett ignoriert und vielleicht noch wahllos und ziellos durch die Gegend irrt wenn er alleine ist.

Nochmal, ich hoffe sehr, dass der Hausarzt deiner Mutter weiterhelfen kann, bzw ihr zumindest sagen kann wie das weitere Vorgehen aussehen kann. Alternativ könnt ihr vielleicht Informationen bei sozialen Diensten (Caritas, Diakonie etc) erfragen. :)_

Nicht zuletzt möchte ich deinen Faden einfach nach oben schubsen, in der Hoffnung dass ihn jemand kommentiert, der dir mehr helfen kann als ich

A|BC01


Hier steht: [[http://www.onmeda.de/forum/alzheimer/81196-pl%C3%B6tzliche-demenz]]

Für eine plötzliche Verschlechterung der Hirnleistungen von einem auf den anderen Tag sind häufig Schlaganfälle verantwortlich. Es gibt Regionen im Gehirn, die von strategisch wichtiger Bedeutung für höhere Hirnleistungen sind. In diesen Regionen reicht mitunter ein kleiner Infarkt aus, um starke Hirnleistungsstörungen zu verursachen. Man sieht diese Durchblutungsstörungen oft nur auf einem MRT vom Kopf.

M}oph


Hallo malika,

vielen Dank! @:) fürs drücken und schubsen und dein Interesse

Die Zwangshandlungen sind komplett neu. Selbstmordgedanken äußert er (zum Glück) keine. Er merkt, dass etwas nicht stimmt, da bin ich mir sicher. Ich hab ihn nach der aussperr-Aktion angesprochen. Hab ihm gesagt, dass ich mir Sorgen mache. "Ich weiß." War seine Antwort. "Das ist das Alter." :°(

Der Mann hat sein Leben lang geschuftet, ein Haus gebaut, war nie krank. Dann ging es vor ein paar Jahren los. Erst eine Netzhautablösung mit mehreren OPs, dann Hautkrebs. Die letzte OP ist erst wenige Monate her. Vielleicht hat das alles auch mit den Medikamenten zu tun, die er in den ganzen Jahren bekommen hat...ich hoffe so sehr, dass es irgendetwas reparables ist.

Er hat mich vorhin angerufen. Mehrmals. Hat sein Telefon verstellt (die Sprache), mich während ich mit meiner Mutter sprach, die ja noch bei ihm ist, von seinem Handy aus angerufen. Ich hab zurück gerufen, ihn gefragt wie es ihm geht. "Gut gehts mir. Willst du mich jetzt trösten?" Er verhält sich so merkwürdig...

Caritas und Diakonie sind eine sehr gute Idee. Mich würde eben interessieren, ob die auch kurzfristig etwas machen können oder ob es da heißen wird "in x Wochen kommt mal jemand gucken" :°(

Mxoh


Danke auch dir, ABC!

Mein Mann hatte auch die Vermutung, dass er vielleicht einen Schlaganfall hatte. Ich habe meiner Mama gesagt, dass sie diese Vermutung auf jeden Fall dem Arzt mitteilen soll und wenn sie bei ihm keine Hilfe bekommt sofort ins Krankenhaus fahren soll mit ihm und eben den Verdacht auf Schlaganfall äußern...

Ich lese mir mal den Link durch.

Das dumme ist, dass wir nicht sagen können seit wann es mit ihm so bergab geht. Dafür sehen wir ihn zu selten. Meine Mama war zwar öfter bei ihm, hat ihm Kleidung ins Krankenhaus gebracht und war am Wochenende mal da, aber da er ja so krank war hat sie vielleicht gar nicht erkennen können, ob da etwas anderes noch im Busch ist (wie z.B. beginnende Demenz, was mein erster Verdacht war). Wir sind nicht sicher, ob das schleichend immer schlimmer wurde oder eben wirklich von jetzt auf gleich kam :-(

Lust- und antriebslos war er schon längere Zeit, das haben wir auf seine lange Krankheit und die ständigen Klinikaufenthalte zurückgeführt.

HyyperRioxn


Klingt als werde er dement. Man müsste eine mögliche Demenz abklären. Dazu gibt es verschieden Demenztestungen.

Begleitend muss man auch schauen ob andere Ursachen vorliegen wie z.B. ob er zu wenig trinkt, Medikamente ect

HVypeHrioxn


[[https://de.wikipedia.org/wiki/Mini-Mental-Status-Test Mini Mental]] und [[https://de.wikipedia.org/wiki/Uhren-Zeichen-Test Uhren-Test]] können erste hinweise geben.

Die kannst du dir aus dem Netz ziehen.

Mxoh


Das war ja auch mein erster Gedanke,Hyperion :-( es muss sich dringend jemand finden,der das feststellen kann. Geschieht das im Krankenhaus? Oder gibt es bestimmte andere Anlaufstellen dafür? Wie kann man es regeln,dass er nicht mehr allein bleibt? Das ist zu gefährlich,das darf nicht sein! Aber welche handhabe hat man,wenn alle Verwandten Vollzeit arbeiten gehen? :�( zum Glück ist meine Mutter bereit,solange wie nötig bei ihm zu bleiben,auch wenn sie ihren Job damit riskiert. Sie meinte vorhin auch,dass sie ihn eher erstmal selber pflegen würde als ihn in ein Heim zu geben. Soweit sie es leisten kann zumindest...ich bewundere meine Mutter dafür,aber ich merke auch,dass sie total überfordert ist und am Ende ihrer Kräfte. Ich hoffe so sehr,dass sie morgen Hilfe bekommt :-|

H+yper\ion


Das sollte man im Krankenhaus testen können. Meist machen Neurologen den Test.

Das Problem ist, solange er noch selbstbestimmend ist, keine Demenz diagnostiziert wurde hat , kann man ohne seine Kooperation nicht viel machen.

Wenn er einverstanden ist und ins Krankenhaus geht kann man ihn da untersuchen und auch weitere Untersuchungen zum Gehirn ( Hirnblutung, Gehirnathrohie usw) machen.

Alleine kann er nicht mehr bleiben in diesem Zustand. Entweder muss jemand bei ihm bleiben oder ihn mit zu sich nehmen, da er nicht mehr in der Lage ist sich selbst zu versorgen.

Es kann aber auch sein, dass er nun wg dem warmen Wetter und zu wenig Flüssigkeit und zu wenig Nahrung so drastisch weggebrochen ist.

Schaut mal das er jetzt reichlich ißt und trinkt. Wenn er Medikamente hat ob er sie nimmt und ob er sie richtig nimmt

Hzylper$ion


Ältere die zu wenig trinken brechen schnell weg und sind dann völlig von der Rolle, verwirrt, durcheinander, desorientiert

Mwoh


Danke.

Meine Mutter schaut,dass er isst und trinkt und versucht auch bei den Medikamenten hinterher zu sein. Da mein Onkel das bisher immer selbst tun konnte und getan hat weiss ich allerdings nicht ob sie genug Überblick hat...also die Medis betreffend.

Also können wir nur hoffen,dass er kooperativ ist und meine Mutter zum Arzt und eventuellen anderen Stellen begleitet :-/

Hiy?periton


Ja :)z

Mloh


:-|

Ich hoffe es ist ganz schnell morgen und dass er sich helfen lässt.

M%irexya


Also sorry, aber wenn der Hausarzt morgen nicht aktiv wird, dann lasst ihn bitte ins Krankenhaus einweisen.

Sorry, aber dein Onkel kotet und uriniert sich in die Hose ohne es zu merken und/oder sich danach sauber zu machen und scheint auch nicht genug zu trinken. Der kann doch jetzt nicht bis nächsten Freitag wieder in seinen dreckigen Klamotten sitzen bleiben. :-o Geduscht hat er ja auch schon seit längerem nicht, davon kann man auch Ekzeme oder sonst was bekommen. Das geht doch nicht!

Er gehört dringend in langfristige Betreuung. Das wird aber nicht von heute auf morgen gehen. Wenn ihn von euch keiner engmaschig betreuen kann, muss das halt sein vorübergehend. Dort kann auch abgeklärt werden, was eigentlich die Ursache ist.

Msoh


Das ist meine Hoffnung,dass er im Krankenhaus aufgenommen wird,abgeklärt wird was genau ihm fehlt und dass er dann dort erstmal betreut wird bis wir wissen,wie es weiter gehen kann.

Wir wissen,dass es nicht so weitergehen darf.

Danke.

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