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Sind wir herzlos?

c1oraxlin hat die Diskussion gestartet


Meine Oma ist innerhalb von 2 Wochen zum Pflegefall geworden, weil sie eine schwere Herz O.P hatte.

Zwischenzeitlich ging es ums überleben. Die O.P hat sie erstmal überstanden.

Meine Mutter, mit der sie zusammen lebte, hat keinen Partner, arbeitet aber 40 Stunden die Woche.

Ich studiere.

Wir haben eigentlich keinen Plan, wie es weiter geht, wenn die Oma entlassen wird.

Im Gespräch sind Reha oder Kurzzeitpflege.

Was aber, wenn die Oma ein Pflegefall bleibt?

Sie kann ja momentan nichts allein.

Meine Mutter kann ihren Job nicht aufgeben, weil sie eben auch keinen Partner hat, der sie notfalls stützt und ich nicht mein Studium.

Momentan korelliert alles zwischen herzlos sein und die Oma ins Heim geben und sich komplett aufgeben.

Wir funktionieren eigentlich nur noch.

Ich habe meine Oma sehr lieb, aber weiß auch nicht wie es weiter geht.

Kurzzeitig kann man die Oma sicher mal pflegen. Kein Thema.

Aber in dem Alter (86), baut ja alles eher ab, statt auf.

Sie ist ja auch kein kleines Kind, das sich entwickeln wird. Es ist eben auch nicht absehbar, wie lange die Pflege ginge.

Meine Mutter konnte vor der O.P schon nicht mehr, durch ihren sehr Kräfte zehrenden Job.

Ich weiß gerade gar nicht, was wir machen können oder werden?

Wir haben sie einerseits sehr lieb und würden sie gerne weiterhin in ihrem Umfeld alt werden lassen, sind aber andererseits auch nur Menschen.

Jetzt nach der O.P hat sie stark abgebaut. Das ist irgendwie nicht mehr meine Oma, die ich kenne.

Sie lässt sich sehr gehen und hat keinen Optimismus.

Wie sieht das dann aus, wenn man ihr mit dem Pflegeheim kommt? Da gibt sie sich ja völlig auf.

Antworten
A*li4ceimOWondewr0land


Um Deine Frage zu beantworten: nein, ich finde ihr seid keineswegs herzlos. @:) Die Situation ist sehr schwierig.

cCoMral0in


Ich stelle mir mit Mitte 20 eben auch die Frage, inwieweit ich mein Leben aufgeben soll, kann, muss.

Ist es moralisch meine Aufgabe die Oma zu Hause pflegen? Also dauerhaft und für die kommenden Jahre?

Wenn man die eigenen Eltern pflegt, ist das eine andere Sache.

Wobei man eben auch sagen muss: Ich kenne Leute, die ihr ganzes Leben über Jahre aufgeben. Die neben ihren Eltern schlafen, den ganzen Tag den lauten Fernseher ertragen, nur noch die Eltern pflegen, keinen Urlaub, nichts, kein eigenes Leben.

Das macht einen auf Dauer doch kaputt, wenn man arbeitet und nur pflegt und nie Freizeit hat.

Das nennt man Generationenvertrag und sicher ist das wichtig und richtig. Aber ich frage mich, ob es da nicht auch Grenzen gibt.

Wann sind die erreicht? Wann sind sie überschritten?

Gibt es da noch das eigene Leben? Ist man moralisch verpflichtet oder ist man es nicht? Denn die Eltern haben sich ja selbst auch um einen gekümmert?

Xeir&ain


Ich würde schnell Pflegestufe/Pflegegrad erstellen lassen.

Das ist jetzt ganz wichtig.

Dadurch kann man Pflegedienst zumindest zum Teil zahlen und das wird das Hauptproblem.

Meine Eltern pflegen meine Oma seit 2 Jahren aber nur mit Einkaufen und Wschen der Wäsche. Schon das ist ein ständiger Mehraufwand, weil sie hinfahren müssen. Die Sachen selbst ist nicht das Problem, aber das hinfahren frisst Zeit.

Mal ne Maschine nebenbei waschen ist nicht so das Problem.

Aber eben auch die zu pflegende Person muss gewaschen werden und das ist wiederrum garnicht so einfach und auch nicht für jeden machbar, find ich.

Kochen kann man machen indem man immer Portionen einfriert... einfach 2 Portionen mehr kochen und einfrieren.

Ich finde es nicht herzlos, du fragst dich halt wie es weiter gehen soll.

m]usicusF_65


Ist es moralisch meine Aufgabe die Oma zu Hause zu pflegen? Also dauerhaft und für die kommenden Jahre?

Nein, auf keinen Fall.

Und: Neben "moralischen" Erwägungen gehört zur Kranken- und Altenpflege auch fachliches Wissen und Können.

Deine Mutter könnte sich zwecks Beratung und Hilfe an den [[https://de.wikipedia.org/wiki/Kliniksozialdienst Sozialdienst]] des Krankenhauses wenden.

N\ordhiF8x4


Ist es moralisch meine Aufgabe die Oma zu Hause pflegen? Also dauerhaft und für die kommenden Jahre?

Und dann ? Stellen wir und mal vor die Oma würde noch 10 Jahre leben, sollst du dann 10 Jahre aus Studium / Job raus und dann mit Mitte 30 ggf. ohne abgeschlossenes Studium und ohne je gearbeitet zu haben ins Berufsleben einsteigen ?

Was ich damit sagen will: Bei aller Moral, allen gefühlten Verpflichtungen und allem schlechten Gewissen kann man sowas nicht bis zur Selbstaufgabe betreiben.

Ich habe das selbst Zuhause erlebt und meine Mutter hat damals nur halbtags gearbeitet, trotzdem ist das eine unglaubliche Belastung. Tut euch das nicht an, sucht euch Hilfe von außen und denkt notfalls ganz "herzlos" über ein Heim nach, so schwer das ist.

r1edpe7ppJer28x4


Nein, du/ihr seid nicht herzlos, wenn ihr euch für eine Heimversorgung und gegen die Pflege zuhause entscheidet.

Meine Großmutter, die mir wirklich immer wie eine Ersatzmama war wurde mit 88 zum Pflegefall und hat noch 6 Jahre gelebt.

Wir haben sie damals zuhause gepflegt, meine Mutter, der Lebensgefährte meiner Oma und ich.

Ein Zimmer des Hauses wurde mit Pflegebett ausgestattet, wir hatten alles da von Toilettenstuhl, Rollstuhl, etc pp.

Das ist kein Zuckerschlecken.

Meine Mutter arbeitete damals Teilzeit, ich war in Ausbildung (schulisch, Teilzeit, viel Lernen), mein Opa ist Rentner. Wir haben im Schichtsystem Medikamente verabreicht, umgelagert, gewickelt, die PEG Sonde gewartet, die parenterale Ernährung angehängt, gespritzt...

Das ging nur weil wir den Platz und die Zeit hatten.

Ich war damals Anfang 20 und ich bin dafür extra wieder zuhause eingezogen.

Ich habe es sehr gerne gemacht und ich bereue es keinesfalls, aber es ist eine riesige Belastung, trotz des guten Zeitmanagements, physisch wie psychisch.

ALliceiimWonJderVland


Ich denke ich hätte auch die starke Tendenz das zu machen (zu pflegen), bzw. mich fast nicht davon abhalten zu lassen. Ich denke aber auch, dass das eine Zeit lang gut geht, aber irgendwann könnte die Belastung/Überforderung für einen selbst zu groß werden. Das wäre meine Sorge.

Wenn man es eine zeitlicht beschränkte Zeit macht, ist das OK und angemessen. Aber über viele Jahre hinweg geht das nur im Team und Deine Mutter ist ja bereits mit ihrer Arbeit voll eingespannt. Die Voraussetzungen sind daher nicht so gut.

bmlacuk-catx75


Coralin

So wie ich es einschätze gibt es drei Optionen und eine Übergangslösung. Zuerst könnte Deine Oma zum Übergang in eine Einrichtung zur Kurzzeitpflege gehen, dann kann man auch besser abschätzen wie fit sie (wieder) wird. Danach kann sie entweder wieder nach Hause und von Euch allein gepflegt werden (je nachdem wie viel "Pflege" sie braucht). Oder sie geht in eine Einrichtung auf unbestimmte Zeit zur Langzeitpflege, zieht also komplett ins Heim. Manchmal geht es sogar in der Einrichtung, in der sie auch zur Kurzzeitpflege war, je nach Kapazität. Eine dritte Möglichkeit wäre vielleicht sie nach der Kurzzeitpflege nach Hause zu holen und sie mit Hilfe eines Pflegedienstes zu versorgen. Da kommt es zum einen darauf an, ob sie unterm Tag trotz allem auch mal allein bleiben kann, zum anderen, ob es in Eurer Wohnung/Haus überhaupt machbar ist.

Ein guter Tipp als Krankenschwester und Enkelin einer geliebten Oma, die bis Zuletzt daheim gepflegt wurde (damals kamen die Pflegedienste erst langsam auf). Überfordert Euch nicht, überlasst das Pflegen denen, die es professionell machen und gelernt haben. Meine Mutter hat sich damals ihre Gesundheit ruiniert und die Familie hat sehr gelitten. Ich verstehe zwar ihre/Eure Beweggründe, aber es hilft niemandem wenn Ihr Euch völlig aufgebt und überfordert! :)*

S`unflo8werx_73


Die Situation ist schwierig - aber Ihr seid bestimmt nicht herzlos!

Häusliche Pflege erfordert einiges an Rahmenbedingungen - und ist eine große Belastung. Das kann nicht jeder jederzeit leisten. Weder psychisch noch vom Pflegeaspekt noch finanziell und überhaupt.

Es ist niemandem damit geholfen, wenn Ihr bis zur Erschöpfung pflegt, schlimmstenfalls gereizt-überfordert reagiert. Ich habe es aktuell bei einer Freundin erlebt, die sich mit Pflegedienst, angemeldeter Polin etc. beholfen hat - bis sie selber zusammengeklappt ist und der Vater ins Heim MUSSTE, weil sie ins Krankenhaus kam. Der Vater war anfangs nicht glücklich, hat sich aber innerhalb weniger Tage eingelebt und ist zufrieden. Das hätte man auch einfacher haben können.

Kurzum:

Jede Familie muss für sich entscheiden. Diese Entscheidung ist nie leicht, aber manchmal muss da auch die Vernunft siegen. Oder die Erkenntnis, was man nicht leisten KANN, selbst wenn man WILL.

LAila3Lina


Ist es moralisch meine Aufgabe die Oma zu Hause pflegen? Also dauerhaft und für die kommenden Jahre?

Was sagt denn deine Oma, was sie für sich will?

Und ist schon abzusehen, wie hoch der Pflegeaufwand ist?

Beide meiner Großmütter haben ziemlich deutlich gesagt, dass sie nicht von uns und Zuhause gepflegt werden wollen. Das stand also von vornerein fest, was es deutlich vereinfacht hat.

herzlos sein und die Oma ins Heim geben

Das hat mit "herzlos sein" nicht zu tun.

Falls das Heim die einzige Möglichkeit ist: Macht euch schlau, welche Heime in Frage kommen, was für Erfahrungen Freunde, Nachbarn etc. mit diesen Heimen gemacht haben.

Wir haben so ein wirklich gutes Heim gefunden, einmal täglich ist jemand aus der Familie da.

Es läuft wirklich entspannt, weil zum einen die Großmutter professionell und gut versorgt wird (ja, es gibt solche Heime!), dazu hat sie dort Anschluss, viele Angebote - sie ist richtig aufgeblüht - und wir nehmen uns gerne die Zeit, sie oft zu besuchen, sind dabei nicht völlig überarbeitet und angepasst, sondern genießen die Zeit mit ihr.

Kann da nichts herzloses dran finden - so gut wie jetzt würde es ihr Zuhause niemals gehen.

h|ik"lUeinWes


Ich würde auch vorschlagen, einmal miteinander zu überlegen (und wenn möglich, mit der Großmutter), was ihre Ideen und Wünsche für EUCH sind/gewesen wären. Würde sie sagen: Mir ist es wichtig, dass du deine Ausbildung (Studium) zu Ende bringst? Wenn du das bejahen kannst, wenn sogar sie das jetzt noch bejaht, dann kannst du dir da selbst auch ein bisschen Mut zu sprechen, solch eine schwere Entscheidung zu treffen und treffen zu dürfen.

MIoni7kax65


Nach einer Herzop folgt doch häufig erstmal Reha und daran könnte man Kurzzeitpflege anschließen. Kurzzeitpflege würde ich aber dennoch ein Heim aussuchen, dass das gegebenenfalls das endgültige werden soll. Allerdings werden häufig Kurzzeitpflegebewohner in Doppelzimmern betreut, was das Einleben erschwerden könnte. Das kann man aber von vornherein versuchen zu regeln. Während der Kurzzeitpflege kann dann die Einstufung gemacht werden, dann habt ihr den Überblick, was es kosten wird. Und das wird nicht unerheblich sein, der Eigenanteil bei der vollstationären Pflege ist hoch.

Für die häusliche Pflege gibt es auch Zuschüsse, mehr als früher, je nach Situation. Ambulante Pflege mit mehrmaligem Besuch des Pflegedienstes am Tag ist machbar und besonders für Menschen gedacht, die halbwegs mobil und nicht dement sind. Nicht demente Personen kann man sowieso nicht einfach gegen ihren Willen in ein Heim verfrachten. Überlegt euch das gut, das Leben im Heim ist echt kein Zuckerschlecken. Ich arbeite in einem Heim, dass noch ganz gute Verhältnisse hat, da gibt es ganz andere und schlechtere Heime, dennoch würde ich es als potentiellen Albtraum empfinden, selbst da leben zu müssen.

L@ilaLxina


Überlegt euch das gut, das Leben im Heim ist echt kein Zuckerschlecken.

Ist sicher sehr individuell.

In dem Heim, in dem meine Großmutter ist es wirklich menschlich, gemütlich und es wird sich sehr gut um sie gekümmert.

Sie ist dort richtig aufgeblüht, weil viel mehr Programm und Gemeinschaft war. Sie war vorher über Jahrzehnte alleine.

h}iklSeinxes


Und Umfragen und Studien zeigen, dass Pflege im Familiären Umfeld oftmals noch viel viel schlechter ist, als im Heim. Sowohl für die, die Gepflegt werden als auch für die Pflegenden.

Das heißt nicht, dass man das nicht machen soll. Aber man kann keinesfalls pauschal sagen, dass es die bessere und nettere und menschlichere Alternative sei!

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