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Sind wir herzlos?

XViraixn


Ich kann dazu nur meine Eltern als Beispiel nehmen.

Die Pflege meiner Oma ist für sie kein Zuckerschlecken. Es ist inzwischen nurnoch Abarbeiten von Aufgaben. Meine Oma nimmt es ihnen nicht übel, aber für das menschliche bleibt eben immer weniger Zeit, wenn man noch den Haushalt mit organisieren muss für die Person.

c:oralixn


Ich sags mal so:Ich studiere mindestens noch ein Jahr und nebenbei wäre die Pflege mit meinem Studium für dieses eine Jahr vereinbar.

Vorausgesetzt, sie muss nicht gewickelt werden oder ich muss ihr den Allerwertesten abwischen.

Da wäre meine Schmerzgrenze erreicht.

Wenn sie im Bett liegt, lagere ich sie gerne hoch, von mir aus wasche ich sie auch.

Ich mache alles bis auf die oben genannten Dinge. Allerdings eben nur für ein Jahr.

Wenn ich arbeite, kann es sein, dass ich 200 km weit weg ziehen muss und dann kann ich keine Rücksicht mehr nehmen.

Meine Mama kann definitiv nicht auf Teilzeit gehen. Allein schon deshalb, weil sie keinen Partner hat der das ausgleichen könnte.

Mit einem großen sozialen Netz mag das ja gehen. Aber so?

Axlic<eimUWonrderlxand


Das wäre doch ein gutes Angebot und Kompromiss.

c0o/ralxin


Ja, aber was passiert nach dem Jahr?

Die Frage ist eben auch, was wir machen wenn ich in der Vorlesung sitze oder nebenher arbeite?

Das sind auch so Probleme.

G]oldleneDrFilz


Naja da können jetzt im Alter und nach der OP immer wieder neue Probleme auftreten, die im schlimmsten Fall direkt einen Arzt erfordern.

Ich finde das keineswegs herzlos, natürlich ist es schade die Oma ins Heim zu geben weil man sein eigenes Leben auch auf die Kette bekommen muss, aber ggf. wird sie bei euch noch schlechter versorgt.

Außerdem kann die Pflege eines Angehörigen wenn es denn langsam auf den Tod zugeht sehr zermürbend und belastend werden. Ich kann dir wirklich nur ans Herz legen dich dieser Belastung nicht auszusetzen, hinterher trägst du auch noch schlimme Schuldgefühle oder ein Trauma davon. Seelische Belastungen werden auch deine Studienleistungen einbrechen lassen, das sollte definitiv nicht passieren. Daher sehe ich auch dieses eine Jahr kritisch.

Trotzdem kann ich dich voll und ganz verstehen, es ist ein totales Dilemma :( und es tut mir wirklich sehr Leid für dich. Aus eigener Erfahrung kann ich dir aber sagen, dass ein Heim auf Dauer die bessere Lösung für alle ist.

c5oralixn


Mein Leben korelliert stark mit der Pflege.

Bis jetzt habe ich ja auch alles gemacht (einkaufen gehen für sie, ihren Haushalt, putzen, kochen)

Aber wenn sie jetzt nur im Bett liegt, kann ich das nicht. Das übersteigt meine Grenzen.

Ich kann sie Kräfte mäßig auch nicht aufs Klo tragen und alles.

Ich habe eben auch meine Grenzen und hatte schon in den letzten Monaten vorm Krankenhausaufenthalt wenig Freizeit.

Wenn ich dann mal im Kino war rief sie an und sagte es geht ihr schlechter. Daraufhin habe ich zwei Mal alle Zelte abgebrochen, weil ich dachte, jetzt ist aller Tage Abend. Als ich dann kam, hieß es, es wäre gar nicht so schlimm.

Meine letzte Beziehung ist an ihrer Pflege gescheitert.

Wo Oma ist, ist eben kein Anderer.

Ihr versteht.

cJorailixn


Ich sehe jetzt schon mit Angst in die Zukunft.

Ich kann doch nicht Jahre zu Hause bleiben nach abgeschlossenem Studium, nur weil ich meine Oma pflege.

Da komme ich nie mehr in den Job rein.

Zumal wir sehr abgeschieden wohnen und ich sicher umziehen muss.

:-|

L>iver,poxol


Ich finde das keineswegs herzlos, natürlich ist es schade die Oma ins Heim zu geben weil man sein eigenes Leben auch auf die Kette bekommen muss, aber ggf. wird sie bei euch noch schlechter versorgt.

Das ist ein wichtiger Punkt. Ich komme regelmäßig in Haushalte in denen pflegebedürftige Menschen in desaströsen Zuständen leben weil ihre Anghörigen sie aus falsch verstanden Nächstenliebe unbedingt zuhause pflegen wollen und sie mit der Pflege vollkommen überfordern. Unterm Strich schaden sie damit ihren Angehörigen mehr als sie ihnen nützen.

Kümmert euch rechtzeitig, schaltet den Sozialdienst ein, lasst deine Oma einstufen (Pflegestufe), schaut euch in aller Ruhe Heime an und suchten Schönes für sie raus.

Das bedeutet ja nicht, dass sie vollkommen aus eurem Leben verschwindet. Ihr könnt sie dort jederzeit besuchen und ihr dort Gesellschaft leisten, ihr Sachen mitbringen usw.

T+heB%la]ckWi@dow


Als ich jung war, hatte meine Mutter ihren Schwiegervater zuhause gepflegt. Er war sehr herrisch und sie hat wirklich bis zur Erschöpfung ihr Möglichstes getan. Es war eine riesige Belastung über Jahre.

Ich persönlich könnte und würde es nicht machen können. Und Jeder in meiner Familie würde es Niemanden zumuten wollen.

Ein Heim bietet nunmal die optimale Versorgung. Und wenn die ganze Familie und Verwandtschaft

sich an häufigen Besuchen beteiligt, wird das Eingewöhnen einfachen. Und wenn die Oma in der Lage ist, dort Kontakte zu knüpfen, dann hat sie dort Gesprächspartner.

TKaps


Coralin, stelle dir mal folgende Frage: Würde deine Oma wollen, dass Du dir deine komplette Zukunft verbaust?

Vorausgesetzt, sie muss nicht gewickelt werden oder ich muss ihr den Allerwertesten abwischen.

Zumindest das zweite und auch waschen (incl. Intimpflege) ist bei eine bettlägerigen Person ganz sicher der Fall. Dazu kommen dann oft noch alle anderen Verrichtungen.

Dies hier

einkaufen gehen für sie, ihren Haushalt, putzen, kochen

ist zwar wichtig, hat aber mit Pflege recht wenig zu tun. Das sind ganz normale Handreichungen im Haushalt.

Man sollte sich wirklich eingestehen, wo seine Grenzen sind und entsprechend handeln.

Meine Mutter ist dement. In der ersten Zeit habe ich genau dasselbe gemacht wie Du: einkaufen, Wäsche eingesackt und bei mir gewaschen, putzen (wenn sie es denn überhaupt mal zugelassen hat), Essen gekocht (was sie dann oft hat vergammeln lassen),…

Und alles war mit einer langen Anfahrt verbunden. Irgendwann hatte ich keine ruhige Minute mehr.

Inzwischen ist meine Mutter fast 6 Jahre im Heim. Ihr geht es dort wirklich gut. Man geht sehr liebevoll mit ihr um. Sie ist richtig aufgeblüht, sie lacht, sie singt. So kenne ich sie von früher nicht.

Die professionelle Rund-um-die-Uhr-Pflege die sie bekommt, hätte ich niemals leisten können. Ich wäre schon lange am Ende.

Pflegeheime sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Man muss sich aber vorab umsehen und das Passende finden.

Was sagt denn deine Mutter zu der ganzen Situation? Eigentlich wäre ja sie in der Pflicht (wenn man denn überhaupt von Pflicht sprechen will) und nicht Du.

G(oldXenerFxilz


Wenn ich dann mal im Kino war rief sie an und sagte es geht ihr schlechter. Daraufhin habe ich zwei Mal alle Zelte abgebrochen, weil ich dachte, jetzt ist aller Tage Abend. Als ich dann kam, hieß es, es wäre gar nicht so schlimm.

Meine letzte Beziehung ist an ihrer Pflege gescheitert.

Wo Oma ist, ist eben kein Anderer.

du bist ja jetzt schon vom Kopf her komplett vereinnahmt. Ich möchte deiner Oma nichts böses unterstellen, aber über kurz oder lang wird sie diese Abhängigkeitssituation bestimmt ausnutzen. Das macht sie nicht mal aus bösen Absichten, aber es ist einfach ganz typisch für solche Abhängigkeitsverhältnisse.

Wer am ende drunter leidet bist vor allem du. Meine Mutter hat erst nach 6 Jahren Pflege meines Opas eingesehen, dass sie so nicht weiter machen kann. Bis dahin war sie dann auch 2 Mal in der Psychiatrie und 1 Mal in der Reha, aber Opa stand für sie über allem da kam man gar nicht ran. Als wir dann eine Pflegekraft geholt haben wurde sie von heute auf morgen viel entspannter und hatte wieder viel mehr Lebensfreude.

Es darf nicht sein dass du dich psychisch so extrem unter Druck setzt, da leidet deine Zukunft drunter, man muss halt auch leider ein bisschen egoistisch sein und darf sich nicht von seinen Mitmenschen komplett vereinnahmen lassen - so hart das im ersten Moment auch klingt.

M(onikxa65


Ja, aber was passiert nach dem Jahr?

Vielleicht lebt sie da nicht mehr.

Habt ihr denn keinen ambulanten Pflegedienst beauftragt?

cKor:alxin


Die Lage hat sich jetzt nochmal radikal verschlechtert.

In 2 Wochen soll sie entlassen werden und hat noch einen Folge O.P Termin.

Es kann aber jeder Zeit sein, dass sie tot umfällt, weil das Herz aussetzt.

Sie bekommt nach wie vor schlecht Luft, weil noch unendlich viel zu machen ist bezüglich O.P.

Dem Krankenhaus ist leider scheiß egal, ob sie entlassen wird. Die sagen sie ist nur zur Reha dort und es ist nicht ihre Sache.

Das bedeutet, wir müssten 2 Wochen unsere totkranke Oma zu Hause betreuen und sie kann jeder Zeit sterben (auch in dieser Zeit).

Ich bin dann allein mit ihr, weil meine Mutter arbeitet und habe panische Angst, dass sie mir in der Zeit weg stirbt.

Die Ärztin sagte der Tod wäre sehr qualvoll durch Ersticken und es kann bis die O.P soweit ist, jeder Zeit soweit sein.

Sie hat aber noch andere Baustellen (Nierenversagen)

Ich finde es hoch verantwortungslos uns eine totkranke Frau nach Hause zu entlassen!

Dem Krankenhaus ist es egal. So nach dem Motto: Ja mit 86 Jahren hat man ja ein tolles Leben gehabt.

Pflegegrad bekommt sie auf die Schnelle nicht. Eilbegutachtung gibt es auch nicht.

Das Einzige was ginge wäre die Kurzzeitpflege. Die müsste sie aber selbst zahlen.

c2oralxin


Habt ihr denn keinen ambulanten Pflegedienst beauftragt?

Monika, wir wissen ja nicht einmal wann die Begutachtung zur Pflegestufe kommt.

Sie hat ja gar keine Pflegestufe.

Eine Eilbegutachtung im Krankenhaus gibt es für sie nicht wurde uns gesagt und wir haben auch Falschaussagen von den Ärzten bekommen.

Vom Arzt hieß es, sie würde jetzt zur Reha gehen und dort 4 Wochen bleiben.

Jetzt soll sie plötzlich nach 2 Wochen nach Hause entlassen werden.

Die Ärztin heute meinte, sie findet es unverantwortlich was die andere Klinik zu uns gesagt hat. Sie hat sich aber auch fein aus der Sache raus geredet und gesagt, sie wäre nicht zuständig.

Jetzt steht sie bald da und hat nicht mal eine Pflegestufe, weil die Begutachtung 4 bis 5 Monate dauert.

Bis dahin brauchen wir auch keine Begutachtung, weil sie dann vermutlich schon nicht mehr unter uns ist.

cUoralxin


Omas Diagnosen sind Herzklappeninsuffizienz, chronisches Nierenversagen und vermutlich bösartiger Tumor

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