» »

PatientIn bittet um Sterbehilfe

T>estrtale


Ja, er/sie wird Palliativ bestens versorgt. Er/Sie hat Familie und Kinder. Für die Familie gelten nicht die üblichen Besuchszeiten, die Familie kann JEDERZEIT kommen , und auch mit im Zimmer übernachten.

t@he-czavexr


Testrale, in was für einer Einrichtung arbeitest du? So ein Patient gehört in ein palliativmedizinisches Umfeld oder zumindest in eine HNO-/Kieferklinik, die Erfahrung mit Tumoren hat (ich vermute mal ein Mundboden- oder Kehlkopfkarzinom?). Da du Krankenpflegerin bist, nehme ich mal an, es ist eine Klinik - gibt es ein Palliativteam oder Schmerztherapeuten?

Die Situation mit Maden kenne ich nicht, den Geruch von infizierten Tumorgeschwüren im Kopf-Hals-Bereich allerdings nur zu gut. Ich hatte auch schon Situationen, in denen ich kurz davor war, vors Bett zu kotzen...

Aber es gibt doch Handlungsoptionen: Antibiotikum gegen die bakterielle Besiedlung? Okklusivverband, um den Geruch "drinnen" zu halten? Mehrschichtiger Verband mit einer Zwischenlage Aktivkohle? Habt ihr Wundexperten im Haus?

In puncto Schmerz gibt es außer Morphin auch noch weitere Möglichkeiten, zumal Morphin bei Nervenschmerzen nicht immer optimal ist - und die Wahrscheinlichkeit für Nervenschmerzen ist bei diesen Patienten hoch, irgendeinen Trigeminus-Ast erwischt's meistens. Das können auch schmerztherapeutisch sehr schwierige Situationen sein. Im Zweifelsfall gibt es natürlich *immer* die Möglichkeit der Sedierung - Palliativmediziner hilft weiter, wenn nicht vorhanden, dann der anästhesiologische Scherztherapeut oder zur Not *irgend*ein Anästhesist. Wir kriegen jeden zum Schlafen.

Natürlich besteht immer die (eher geringe) Möglichkeit, dass der Patient an einer solchen Therapie verstirbt - oder auch, dass bei der Wundversorgung eine massive tödliche Blutung einsetzt. Das ist aber rechtich und ethisch in Ordnung: Das Ziel ist ja nicht, das Leben des Patienten zu verlängern, sondern seine Symptome zu lindern, und wenn als Nebenwirkung dabei der Tod eintritt, dann ist das eben so. Nach deutscher Nomenklatur nennt sich das dann "indirekt aktive Sterbehilfe". Also nur Mut, wenn es um Maßnahmen geht, von denen du dir eine Beserung der Situation erhoffst.

Es ist ohnehin nicht unwahrscheinlich, dass der Patient an einer Blutung aus der Halssschlagader versterben wird, das ist häufig so. Und natürlich wird die auch mal durch irgendeine Manupulation oder Bewegung ausgelöst. Das ist dann aber nichts schlimmes - ansonsten wäre es halt 2 Stunden später durch was anderes passiert. Solche Blutungen sind für die Beteiligte manchmal ziemlich schockierend, weil es große Mengen Blut sind - für den Patienten ist es sehr wahrscheinlich nicht so schlimm_ Er wird schwach, müde. schläft ein und stirbt. Ich war selber nie direkt dabei, aber habe mir von einer sehr erfahrenen Hospizhelferin sagen lassen, dass man (abgesehen evtl. von einem beruhigungsmittel) vor allem einen großen Stapel Handtücher braucht, wenn's geht, dunkle. Und natürlich ein paar Handschellen, falls ein übereifriger Operateur auftauchen sollte (ok, letzteres ist von mir)...

Ja, solche Situationen können sehr belastend sein. Holt euch Hilfe, wo ihr sie kriegen könnt - nicht nur für den Patienten, auch für euch selber.

T!estqralUe


Wir halten uns selbstverständlich and die deutschen Gesetzte in Bezug auf Sterbehilfe! Und wir versuchen ALLES um die Wunde frei von den Maden zu halten.

b.eetl"eju0ice21


Warum sollte ein hospiz damit überfordert sein?da arbeiten die gleichen Berufsgruppen. Nur mehr Köpfe. Worst Case eine volle kh Station und 3 pk und keiner merkt wie der Patient erstickt.

Dann lieber hospiz.

b#eevtlej~uixce21


Testrale... wenn du länger Palliativ arbeitest wirst du oft merken und wissen es gibt einfach nicht DAS deutsche Gesetz... da gibt es viele Grauzonen und übereifrige Pfleger oder Ärzte und zu viele die überfordert sind weil sie ihre Möglichkeiten gar nicht kennen.

W2alzden


Die Geschichte bestätigt mich in meiner Entscheidung niemals zuzulassen in so eine Situation zu kommen.

Ich verstehe auch nicht warum der Patientin angeblich Angst hat, Blut einzuatmen. Also entweder er hat noch nicht akzeptiert zu sterben, da kann man nichts machen... oder er will nur nicht so, aber es gibt keine Alternative... Armer Mensch.

Falls ich eine terminale Erkrankung kriege, dann richte ich meinen Tod komfortabel ein, solange ich selbstständig handlungsfähig bin.

Zum Thema Sterbehilfe: Keinen Hamster würde man hilflos so verenden lassen.

[...]

WoaldeSn


Der Gesetzgeber ist von der Angst getrieben etwas falsch zu machen.

[...]

CWl6onqdykxe


Habt Ihr kein "medizinisch ethisches Komitee" (oder wenigstens ME-Gesprächskreis) in Eurer Klinik, die diese Fälle besprechen ?

CLa4ra^malTa x3


Der Gesetzgeber ist von der Angst getrieben etwas falsch zu machen.

Sehe ich genauso. Dabei gibt es hier kein Entweder / Oder. Beide Seiten werden die ein oder andere Nebenwirkung haben. Es stellt sich nur die Frage, welche die unmenschlichere ist und welche an den Wünschen und der Würde des Menschen mehr vorbeigehen.

b$eetlPejuicce21


Oh walden :)^ :)= :)^

bReetlej2uicxe21


Ja, er/sie wird Palliativ bestens versorgt

Sorry aber das klingt mir gar nicht so.... seufz.

Nach bestem Gewissen sicher, aber bestens nicht.

H$yHperxion


2 Beiträge wurden gelöscht. Die Folgebeiträge wurden ebenfalls gelöscht, da ihnen der Bezug abhanden gekommen ist.

Auch wenn es für den ein und anderen ein emotionales Thema ist, bitte keine Methodendiskussion wer wie aus dem Leben scheiden möchte oder Ratschläge wie man einen Krebskranken Patienten aus dem Leben befördert. Ärzte und Pflegepersonal als nutzlose Feiglinge hinzustellen ist ebenfalls nicht mit den Regeln vereinbar und bitte darum solche Äußerungen zu unterlassen.


Update: Die Beiträge wurden z. T. editiert wiederhergestellt.

b=eetleYjui#ce2x1


Ich hatte nicht den Eindruck dass hier wer zu verbotenen Dingen rät. Nur über die Erlaubten muss eine medizinisch ethische Diskussion in einem medizinforum doch möglich sein?

Gerade wenn hier einige fachleute schreiben.

Tiestmraxle


Also, der/die Patientin hat eine schwere Krebserkrankungen im Halsbereich, es wurde bereits der Larynx entfernt. Der/Die Patientin hat ein Trachostoma mit Kanüle. Der Krebs wuchert im gesamten Hals/Nackenbereich, der Krebs Wächst nach Innen und Außen. Die Wunde lässt sich nicht so einfach abkleben, wie einige hier denken. Das Stone muss immer frei sein, zum Atmen und um Schleim U d Blut abzusagen. Die Wunde blutet ständig aus unterschiedlichen Stellen, Mal mehr Mal weniger, Kompressen sind innerhalb von 30 Minuten komplett durchgeblutet.Verbandwechsel verursacht dem/der Patienten Schmerzen. Die Wunde hat sich infiziert, das ist bei diesem Krankheitsbild unvermeidlich, leider hat der/die Patientin keine peripheren Gefäße, in welche wir einen Infusion legen könnten. Die Venen sind so empfindlich, das wir keinen Zugang legen können. Einen Zentralen Zugang lehnt der/die Patientin ab! Wir geben Morphium subkutan, so oft er / sie danach fragt. Adäquate Analgesie ist unsere Priorität!

Z<yda


Falls bei dem Patienten "endlich" eine arterielle Blutung auftritt (oft passiert es zB im Zuge eines nötigen Kanülenwechsels ) (und ja, viele Patienten sehen das irgendwie als Erlösung, obwohl sie sich natürlich trotzdem fürchten) ist ein zweischneidiges Schwert) dauert es vielleicht noch 30 Sekunden, oft geht es zu schnell um überhaupt noch eine Ampulle aufzuziehen und dann merkt derjenige nichts mehr.

Schlimmer sind venöse Blutungen , aber auch da ist es (meiner Erfahrung nach, betrifft Österreich) üblich sofort einen Bolus Vendal (Morphin) auf der Palliativ auch tw. Dormicum (Midazolam) ( was ich persönlich besser finde da die Wirkung von Morphin allein oft nicht ausreicht bzw zu wenig verabreicht wird um eine wirkungsvolle Sedierung zu gewährleisten) gegeben, damit der Patient eben so wenig wie möglich davon mitbekommt.

Leider war auf der HNO die Einstellung bezüglich Morphin im Bolus insgesamt doch meist sehr zögerlich, auch wenn es nur noch eine Frage von wenigen Tagen bis Stunden war, allein dass Morphin eben doch ein atemdepresives Potential hat, lässt die meisten Ätzte ihre Stifte direkt wieder einstecken....

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Kranken- und Altenpflege oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH