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Spagat zwischen Realität und Virtualität

K/l:eido


RoyalAdelaide

ich mag z.B. yoseff und kleio, weil sie so klug und sympathisch posten. Ich mag unzählige andere User nicht, weil ihre Posts dumm und pubertär sind. Höchst reale Empfindungen!.

Mir geht es natürlich genauso. Ich mag auch Beiträge bestimmter User, z. B. Deine ;-) und mag bestimmte Beiträge wieder nicht. Darum habe ich eingangs auch geschrieben, dass meine Erfahrung im Net so sind, wie in meiner "Realität", aber es hängt nur davon ab, wovon ich meine Sympathie abhängig mache und die Kriterien entstehen durch meine Fähigkeit abstrakt zu denken und mich soweit zu konditionieren, dass ich Beiträge mag. ;-D

yHosTeff


Kleio

Wenn sich jemand über seine abstrakte Fähigkeit identifiziert, dann ist wird er sich auch Netz als real empfinden. Auf die Art: Ich denke, also bin ich. Wenn sich jemand über seine Gefühle und Gedanken als real empfindet, dann empfindet er sich mindestens halb-virtuell, weil Gestik, Stimme, Aussehen fehlen.

Deine Unterscheidung ist nicht uninteressant. Jetzt verstehe ich auch Deine Frage an mich.

Realitäten spüre ich durch Widrigkeiten. Ein Beispiel dafür wären Schmerzen, diese kann ich nicht aus der Welt simulieren, sie sind eine existenzielle Angelegenheit. Zugleich kann der eigene Schmerz anderen nie erfahrbar gemacht werden. Man kann auch im Leben außerhalb des Netzes unter Fake-Verdacht geraten und wird dann als Simulant bezeichnet. Der Schmerz ist eine einsam erfahrene Realität.

Widrig (ohne das wertend zu meinen) ist alles, was mir mit Objektcharakter entgegentritt. So kann ich Antwortposts im Forum nicht beeinflussen. Sie sind mir als Objekt äußerlich. In diesem Sinne hat das Forum Realität. Ich träume es nicht und es agiert in einer für mich unberechenbaren Weise. Ich erfahre mich als etwas anderes als das Forum.

Meiner individuellen Realität kann ich mich versichern (ich brauche nur mit der hand auf die Tischplatte hauen und spüre einen reellen Schmerz).

Meine Erfahrung von Schmerz und Objekthaftigkeit kann ich aber keinem mitteilen. Ich kann es sagen, aber niemand wird fühlen, was ich fühle.

Nicht anders ist dies auf der abstrakten Ebene: ich denke, also bin ich. Das heißt nur, dass ich diese Behauptung zweifelsfrei aufstellen kann, dass ich existiere ("der Satz ist richtig, dass ich existiere, weil ich denke"). Ich habe aber wiederum nur meinen individuellen Zweifel über meine eigene Existenz überwunden.

Ich kann überhaupt nicht wissen, wie Du Dich identifizierst, wodurch Du " ich" für Dich ausmachst und dementsprechend kann ich Dir nicht einmal reflektieren, ob ich eine ähnliche Wahrnehmung von Dir habe oder nicht, da jeder sein "Ich" anders identifiziert und dadurch definiert.

Und das ist auch außerhalb des Netzes so: Du WEIßT nie wirklich, wie sich der andere definiert, er kann es Dir nicht mitteilen. ER kann sich nur sich selbst beweisen, dass es ihn gibt. "Ich denke, also bin ich" beweist andern nicht die eigene Existenz. Es ist ein logisches Argument und will besagen: wenn Du an allem zweifelst, muss es immer noch etwas geben, was zweifelt. Das bist Du.

Sind dann alle Beziehungen virtuell? Dann wäre das Netz qualitativ nichts anderes als die Begegnungen im Alltag, wo wir Menschen auch nur interpretieren, aber nie verstehen können.

g1limQmfxish


yoseff

Dann wäre das Netz qualitativ nichts anderes als die Begegnungen im Alltag, wo wir Menschen auch nur interpretieren, aber nie verstehen können.

Richtig!

Auch Phantomschmerzen tun weh und sind real...

KvlPeio


yoseff

Meine Erfahrung von Schmerz und Objekthaftigkeit kann ich aber keinem mitteilen. Ich kann es sagen, aber niemand wird fühlen, was ich fühle.

Ja, jedes Gefühl ist eine Erfahrung, die jeder subjektiv empfindet – für mich z. B. das einzige, das mir meine Realität und meine Existenz bestätigt. Es gibt zwar den Begriff "Schmerz" und als Richtwert weiß auch jeder, was damit gemeint ist, aber ob Du dasselbe empfindest, wenn Du Deine Hand auf den Tisch haust, wie ich, ist nicht feststellbar. Entweder nehme ich an, dass Du sagst, dass Du Schmerzen hast oder nicht. Persönlich würde ich noch Deine Mimik sehen, aber auch das ist eine Annahme, dass wenn ein Mensch sein Gesicht verzerrt, das ein Schmerz ist und genauso ist es eine Annahme, dass man die eignen Schmerzen dem Schmerz, den man beobachtet, gleichsetzt.

Nicht anders ist dies auf der abstrakten Ebene: ich denke, also bin ich. Das heißt nur, dass ich diese Behauptung zweifelsfrei aufstellen kann, dass ich existiere ("der Satz ist richtig, dass ich existiere, weil ich denke"). Ich habe aber wiederum nur meinen individuellen Zweifel über meine eigene Existenz überwunden.

Aber wie kommt es dazu, dass Du überhaupt denkst und denkst: "Ich denke, also bin ich."? Ich erzähle gerne eine Anekdote über meine Mutter. Bisher wurde sie hier immer missverstanden, aber vielleicht verstehst Du sie, so wie ich sie verstanden habe: Meine Mutter sitzt im Bus und beobachtet eine junge Türkin mit ihrem Baby. Zwei österreichische Mütter sitzen genauso mit ihren Babys und tuscheln über sie. Als das türkische Baby seine Finger in die Ritzen des Busses steckt, weist meine Mutter die Mutter darauf hin und die Mutter bedankt sich. Als mir meine Mutter die Geschichte erzählt meint sie: "Das Kind weiß ja noch nicht, dass es ein Türke ist." Zuerst habe ich wirklich lachen müssen, als sie das gesagt hat, aber dann dachte ich nach: In dieser Geschichte geht es um die Tatsache, dass es um die Nationalgehörigkeit geht, aber letztlich weiß, nicht nur dieses Baby, sondern gar kein Baby, was es ist, welche Nationalität es hat, welches Ich es entwickeln wird, ob es Frau oder Mann ist, etc. etc., weil es noch kein Bewusstsein hat und es ihm noch beigebracht werden wird, es auf eine bestimmte Art und Weise konditioniert werden wird.

Ich habe heute eine interessante Seite gelesen. Da wird unter anderem erwähnt: "Nun ist er ein Mensch."

[[http://www.mauthner-gesellschaft.de/mauthner/tex/osack1.html]]

Ein Mensch, der also nicht abstrakt denken kann, ist weniger Mensch oder gar kein Mensch. :-o

Aber es gibt noch andere Denkkonstrukte: Lichtenberg sagt: Nicht ich denke, sondern es denkt.

Und das ist auch außerhalb des Netzes so: Du WEIßT nie wirklich, wie sich der andere definiert, er kann es Dir nicht mitteilen. ER kann sich nur sich selbst beweisen, dass es ihn gibt. "Ich denke, also bin ich" beweist andern nicht die eigene Existenz. Es ist ein logisches Argument und will besagen: wenn Du an allem zweifelst, muss es immer noch etwas geben, was zweifelt. Das bist Du.

Ja, wenn die Grundlage der Denkzusammenhänge die ist, dass es ein "Ich" und ein "Du" gibt, schon und dieses Ich ist definiert, genauso, wie "wissen". Was außerhalb der Kriterien für "wissen" fällt, ist glauben. Aber, wenn ich "ich" nicht im herkömmlichen Sinn von "Wissen" nachweisen kann, ist es nach dieser Logik ein Glaube, das es ein ich gibt. Davon geht man aber nicht aus.

Sind dann alle Beziehungen virtuell? Dann wäre das Netz qualitativ nichts anderes als die Begegnungen im Alltag, wo wir Menschen auch nur interpretieren, aber nie verstehen können.

Das hängt davon ab, was man für sich in einer Beziehung braucht und wie man sie definiert. Insofern ist eine Beziehung im Netz für jemanden, der auf äußerliche Dinge Wert legt virtuell oder virtueller als für jemanden, für den es keine Rolle spielt. Die geistige Beziehung ist meiner Meinung nach sowohl im Realen als auch im Netz gleich. Ich denke, dass es sogar möglich ist, dass man andere versteht, allerdings kann es eben schwer festgestellt werden, aber mit der Zeit bestätigt es sich doch – das würde dann in Richtung Seelenverwandtschaft gehen. Sonst ist es reine Interpretation und Vorstellung. Darum lehnen ja auch viele Menschen Dinge ab, die sie sich nicht vorstellen können und/order ihrer eigenen Logik widerspricht. Gerade an ganz "banalen" Beispielen ist es oft zu beobachten: Ein Kind lässt ein Eis fallen und weint bitterlich, herzzerreißend. Dann bekommt es zu hören: "Ach, halb so schlimm." Oder "Ist doch nur ein Eis". Für das Kind ist es aber einfach nur schlimm, weil es seine Realität ist – so schlimm, dass es weint. Um zu verstehen, muss man einmal das annehmen, was man wahrnimmt und nicht von sich und den eigenen Denkzusammenhängen und Voraussetzungen ausgehen, wenn man es kann. Im Netz ist das etwas schwieriger, als in der Realität, weil man normalerweise mit Menschen zu tun hat, die ziemlich ähnliche Erfahrungswerte haben – ähnliche Ausbildung, ähnliche Medien, etc. etc. Im Netz treffen alle möglichen Menschen zusammen und man kann eigentlich nicht viel voraussetzen.

y!oseifLf


Kleio

Für Dich ist die Frage der Personwerdung wichtig:

Aber wie kommt es dazu, dass Du überhaupt denkst und denkst: "Ich denke, also bin ich."?

Die ist in der Tat nicht unbedeutend, um eine Beziehung aufzubauen.

Als mir meine Mutter die Geschichte erzählt meint sie: "Das Kind weiß ja noch nicht, dass es ein Türke ist."

Das Kind hat noch kein begriffliches Bewußtsein von sich selbst. Es hat keine Vorstellung davon, was es von anderen unterscheidet und es kann den Unterschied nicht ausdrücken.

Wenn das Kind später mal weiß, dass es ein Türke, eine Frau, ein Hausmeister etc. ist, dann steckt in diesem Wissen eine Beziehung:

- Das Kind weiß, dass es sich von anderen unterscheidet. Es ist ein Türke.

- Das Kind weiß, dass die anderen Menschen wissen, dass es sich unterscheidet: die andern wissen, dass es sich als Türke begreift.

- Die anderen Menschen wissen, dass das Kind das weiß: Das Kind weiß, dass die anderen wissen, dass es sich als Türke begreift.

In der Öffentlichkeit sehen sich das Kind als Türke oder Frau oder Mann und die anderen entsprechend an: Sie wissen voneinander, wie sie sich ansehen und als was sie sich ansehen (jedenfalls glauben sie das). Beide haben eine Vorstellung davon, welchen Begriff der andere für sich selbst hat.

(hier lagern sich dann Erwartungen und Vorurteile an).

Nur wenn man ein "ich" und ein "Du" außeinander zu halten vermag, kann man Individualität gewinnen.

Das sich gegenseitig ansehen und sich gegenseitig eine Existenz als Person zugestehen, die sich unterscheidet, begründet eine Beziehung. Diese Art Beziehung sucht man im Netz wohl auch.

Im Netz "angesehen" zu werden, bedeutet: jemand reagiert auf das, was ich im Netz tue. Jemand spiegelt mich wieder.

Wenn jemand auf meine posts eingeht, dann spüre ich Realität. Ich träume die Reaktionen nicht, kann sie nicht steuern, sie kommen auf mich mit Objektcharakter zu.

Im RL gibt es körperliche oder gefühlte Gewissheit, zu sehen, das andere sehen, dass man sie ansieht. Ich spüre es. Im netz bin ich angewiesen auf schriftliche Signale.

Dazu kommt: Da ich einerseits im Forum von mir preisgebe, mich aber in der Anonymität auch verstecke, kann ich nicht wirklich angesehen werden. Ich bin den Blicken eigentlich verborgen. So kann mich jemand im Netz schriftlich wahrnehmen und eben doch nicht wahrnehmen.

Dann hat man es mit einer virtuellen Beziehung zu tun.

Kulexio


yoseff

Genau dies ist der große Unterschied zwischen dem persönlichen Kontakt und den im Netz – solange keine Bilder ausgetauscht werden oder ähnliches –, dass einmal die äußere Beurteilung und das beurteilt werden (sofern man das tut) wegfällt – genauso kann man es noch so halten, dass man hier im Forum ein "grünes Jäckchen" anzieht, und man somit auch "geschlechtslos" ist und geschlechterspezifischen Vorurteilen nicht zum Zug kommen. Das vermeidet einmal, die Mann-Frau Grenze, die ja subjektiv abstrakt gezogen wird, genauso fallen mehr oder minder nationalitätsbezogene Vorurteile weg, solange die nicht bekannt sind. Es könnte also ein Gespräch zwischen einem Rassisten und jemanden stattfinden, mit dem der Rassist Auge in Auge nie eine geistige Auseinandersetzung hätte. Wenn sich real jemand nicht als Türke oder was auch immer begreift, aber von der Umgebung als solcher begriffen wird, führt es zum Konflikt, weil viele Menschen einfach schwarzhaarige, braunhäutige Männer entweder als Türken oder Latinos einstufen – natürlich nur jene, für die es eine Bedeutung hat, sonst ist es natürlich egal. Im Netz muss man wenigstens nachfragen, auch wenn die Antwort dann vielleicht ignoriert oder übergangen wird. Du schreibst, dass für mich die Personenwerdung wichtig ist. Ich finde sie ist wichtig, weil man sie einfach nicht voraussetzen kann. Ich kann nicht voraussetzen, dass mein Gegenüber – real oder virtuell, das gleiche Selbstverständnis hat, wie ich und wenn ich davon ausgehe, dann gibt es keine Verständigung, weil man aneinander vorbeiredet. Es gibt Menschen, die völlig gegen Gläubige sind, vor allem gegen Moslems. Persönlich schließt man selber über die Äußerlichkeiten auf den Charakter, genauso beurteilt man über Äußerlichkeiten (dick, dünn, Frau, Mann, Alter, etc. etc.) schon, ob man überhaupt Kontakt aufnimmt oder nicht, unabhängig davon, wie das Selbstverständnis der betreffenden Person ist. Im Netz kann das Schachteldenken erst zum Zug kommen, wenn man bestimmte Informationen hat. Nur durch die Fähigkeit des abstrakten Denkens entsteht ein Unterschied, unter anderem zwischen Realität und Virtualität. Ist interessant, dass virtuelle Beurteilung (Vernunft) auf das subjektive Verhalten und die Gefühle reale Folgen hat.

ysosexff


Kleio

nach langer Abstinzenz will ich diesen Faden wieder aufnehmen.

Du hast einen interessanten Gedanken geäußert:

Persönlich schließt man selber über die Äußerlichkeiten auf den Charakter, genauso beurteilt man über Äußerlichkeiten (dick, dünn, Frau, Mann, Alter, etc. etc.) schon, ob man überhaupt Kontakt aufnimmt oder nicht, unabhängig davon, wie das Selbstverständnis der betreffenden Person ist. Im Netz kann das Schachteldenken erst zum Zug kommen, wenn man bestimmte Informationen hat.

Ich verstehe das so: Im Alltag wird man oft mit Vorurteilen konfrontiert, die mit äußerlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht werden . Leute sehen einen und denken, "der ist dick, der hat Pickel, der ist Ausländer" oder was sonst und haben dann ein vorgefertigtes Bild vom dem Menschen im Kopf.

Im Netz gibt es dagegen keine Äußerlichkeiten. Keiner kann sich ein Bild machen. Demzufolge hat man eine größere Verfügung über sein Bild von sich selbst. Man kann selber entscheiden, welche Details andere von einem selber sehen sollen und welche nicht.

Demzufolge kann man im Netz als Persönlichkeit viel wharhaftiger auftreten, dennn man ist nicht immerzu den Vorurteilen aufgrund optischer Eindrücke unterworfen. Diese verfälschen das eigene Bild.

Das ist wirklich interessant gedacht.

Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die geschriebenen Geschichten nicht so schwer wiegen, wie die erzählten Geschichten von Menschen, denen ich im RL begegne. Schreiben im Forum schafft Distanz: ich sehe ide Person nicht, sehe also nicht ihren Schmerz, sehe nicht, wie ihre Geschichte ihren Körper und ihr Gesicht geformt hat.

Will sagen: das geschriebene berührt mich emotional weniger (es läßt aber auch nicht völlig kalt).

Genau das macht wohl auch das Forum aus: man muss mit den verschiedenen Schreibern nicht leben. Es entstehen keine Verpflichtungen. Darum kann man auch Geheimnisse wie Bekennntisse austauschen, kann man traurige Lebensgeschichten loswerden. Wenn man im RL von so vielen Personen so viel wüßte wie hier, wäre man bestimmt überfordert.

Fazit:

Einerseits kann ich im Forum das Bild von mir selbst auch selber bestimmen. Auf der anderen Seite wird mir der Austausch im Forum nur möglich, weil jeder auf Distanz bleibt und sich nur bedingt auf den anderen einlassen muss. Der Preis für das wahrere Ich ist also ein Verlust an Geborgenheit etwa einer Freundschaft.

Kgleixo


Yoseff *:)

nach langer Abstinzenz will ich diesen Faden wieder aufnehmen.

Es gibt ja auch noch andere schöne Dinge. ;-)

Ich verstehe das so: Im Alltag wird man oft mit Vorurteilen konfrontiert, die mit äußerlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Leute sehen einen und denken, "der ist dick, der hat Pickel, der ist Ausländer" oder was sonst und haben dann ein vorgefertigtes Bild vom dem Menschen im Kopf.

Im Netz gibt es dagegen keine Äußerlichkeiten. Keiner kann sich ein Bild machen. Demzufolge hat man eine größere Verfügung über sein Bild von sich selbst. Man kann selber entscheiden, welche Details andere von einem selber sehen sollen und welche nicht.

Demzufolge kann man im Netz als Persönlichkeit viel wharhaftiger auftreten, dennn man ist nicht immerzu den Vorurteilen aufgrund optischer Eindrücke unterworfen. Diese verfälschen das eigene Bild.

Das ist wirklich interessant gedacht.

Ich finde, gerade wo es mir um thematische Diskussionen geht, ist der Rest eher hinderlich, weil es für das Thema keine Rolle spielt. Bei anderen Themen spielt der Hintergrund wieder eine Rolle, damit man sich ein Bild von der Situation machen kann.

Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die geschriebenen Geschichten nicht so schwer wiegen, wie die erzählten Geschichten von Menschen, denen ich im RL begegne. Schreiben im Forum schafft Distanz: ich sehe ide Person nicht, sehe also nicht ihren Schmerz, sehe nicht, wie ihre Geschichte ihren Körper und ihr Gesicht geformt hat.

Will sagen: das geschriebene berührt mich emotional weniger (es läßt aber auch nicht völlig kalt).

Ich finde, daran erkennt man, wovon man für sich sein subjektives Denken, Mitgefühl etc. abhängig macht. Das dürfte sich auch in der Werbung niederlegen. Ein rein schriftlicher Aufruf zum Spenden wirkt weniger, als mit einem Bild von einem weinenden Kind oder einem Film, der auch bildlich zeigt, dass Kinder verhungern, obwohl es im schriftlichen schon da steht, aber so wie Du sagst, ist das "virtuell", weil man sich die Bilder selber zusammenbauen muss und nicht wie im Film, die Bilder dargeboten bekommt. Trotzdem löst das Bild eines weinenden Kindes nicht dieselben Assoziationen aus, sondern der Grund, warum dieses Kind weint. Wenn das weinende Kind darum weint, weil es gerade sein Eis fallen gelassen hat, wird dieser Schmerz anders kategorisiert, als wenn es vor Hunger weint, oder nichts zum Anziehen hat und diese Gedanken basieren auf abstrakten Kategorien, weil eines nicht so "schlimm" ist, wie das andere, aber das hat man für sich rein virtuell entworfen.

Genau das macht wohl auch das Forum aus: man muss mit den verschiedenen Schreibern nicht leben. Es entstehen keine Verpflichtungen. Darum kann man auch Geheimnisse wie Bekennntisse austauschen, kann man traurige Lebensgeschichten loswerden. Wenn man im RL von so vielen Personen so viel wüßte wie hier, wäre man bestimmt überfordert.

Nun, ich weiß auch im RL über die Leute Bescheid. Wenn ich jetzt Deine Gedanken weiterspinne, dann mache ich keinen Unterschied darin, ob mir eine Geschichte von einer weinenden Freundin oder Bekannten oder Kollegin erzählt wird oder im Netz, auf der anderen Seite hat es aber mit meiner Auffassung von Verpflichtung zu tun, denn wenn ich nicht gerade real Zeuge bin, wo ich vielleicht einschreiten müsste, so ist die persönlich erzählte Geschichte für mich genauso virtuell, wie die hier im Forum oder in den Nachrichten – sie war real, als sie passierte, als der Film gedreht wurde, aber nicht, wenn ich es sehe – da ist es vorbei. Da entscheidet sich für mich Realität und Virtualität. Real ist es für mich, wenn ich mir jetzt den Fuß an meinem Schreibtisch anhaue und vor schmerz aufschreie. Wenn Du das aber liest, ist es schon vorbei und es ist vielleicht ein blauer Fleck, der übrig geblieben ist. Die Gedanken, die ich gerade habe, sind real für mich, aber wenn Du die Zeilen liest, dann sind meine Zeilen real und Du wendest Deine Phantasie auf, um sie nachzuvollziehen, zu kategorisierten, beurteilen, etc. etc. Ist es deswegen nicht real? Natürlich, aber vergangen und dafür muss man sich geistig Bilder vorstellen. Ob es dann Gefühle in Dir auslöst oder nicht, hat überhaupt nichts mit mir oder den Wörtern zu tun, sondern damit, welche Bedeutung Du den jeweiligen Wörtern zumisst und mit welchen Wörtern Du etwas assoziierst.

Einerseits kann ich im Forum das Bild von mir selbst auch selber bestimmen. Auf der anderen Seite wird mir der Austausch im Forum nur möglich, weil jeder auf Distanz bleibt und sich nur bedingt auf den anderen einlassen muss. Der Preis für das wahrere Ich ist also ein Verlust an Geborgenheit etwa einer Freundschaft.

Über das geistige Bild, hat man sowohl real als auch virtuell die Möglichkeit zu bestimmen, was man von sich preisgibt, denn dem anderen bleibt nur übrig zu glauben, denn man kann auch die Mimik verstellen. Nur, weil jemand weint und auch sagt, warum, heißt nicht, dass es zutrifft und schon gar nicht, dass man selber es genauso wahrnimmt. Ob man Freundschaft empfindet, hängt davon ab, wodurch man selber Freundschaft definiert, ob eben äußerliche Sympathie auch vorhanden sein muss, oder ob die geistige Sympathie reicht oder in welcher Kombination sinnliche und geistige Komponenten vorhanden sein müssen. Wozu haben wir denn unsere Sinne, wenn wir und auf rein geistiger Basis nähern würden? Aber auch das entscheidet sich bei vielen Menschen über die abstrakten Kategorien, die er sich geschaffen hat.

D5oktofr Sch;naggelxs


ach du scheisse ;-D

wer sich hier herumtreibt tut gut daran, sich auch wirklich auf die virtualität einzulassen.

das kann und möchte ich gar nicht. das internet dient mir in erster linie zur informationsbeschaffung oder auch als zeitvertreib. speziell dieses forum ist für mich ein ort, an dem meinungen und erfahrungen zusammengetragen werden. daß hinter den einzelnen beiträgen reale menschen sind, die(genau wie ich) an einem schreibtisch am pc oder auf dem sofa mit dem laptop auf dem schoß sitzen interessiert mich nicht die bohne. freunde sind für mich menschen, die ich ansehen kann und die umarmen wenn ich mies drauf bin. natürlich sind auch schon durch internetbekanntschaften reale freundschaften oder ehen geschlossen worden. der weg dahin gefällt mir einfach nicht.

hier im forum nehme ich die eckdaten, die sich mir in den beiträgen und in den benutzerprofilen erschliessen und forme mir damit ein gesammtbild. sicher ist es möglich, daß theorie in wirklichkeit eine gruppe von 11 freunden sein könnte und warscheinlicher ist auch, daß einige dieser hier schreibenden minderjährigen, notgeilen mädchen doch eher erwachsene männer sind, die einfach nur eine kranke fantasie haben. spielt doch aber eigentlich gar keine rolle. menschen, die infos suchen werden auch fündig. menschen, die sich mit gefakten identitäten aufgeilen wollen kommen auch auf ihre kosten und diejenigen, die sich auf ihrer rhetorischen brillianz einen runterholen und sich fremdwörter(gerade in diesem beitrag oft völlig kontextfrei) an den kopf werfen wollen finden ebenfalls den passenden partner.

ich mag z.B. yoseff und kleio, weil sie so klug und sympathisch posten. Ich mag unzählige andere User nicht, weil ihre Posts dumm und pubertär sind.

vielleicht schreibe ich hier dumm, unsympathisch und pubertär; nur beeinflusst mich das und mein "reales" leben jenseits des internet? nö.

Kflei2o


Doktor Schnaggels

vielleicht schreibe ich hier dumm, unsympathisch und pubertär; nur beeinflusst mich das und mein "reales" leben jenseits des internet? nö. ...

Allein schon, indem Du das liest, beeinflusst es Dich und wenn Du die Informationen verarbeitest, beeinflusst es Dich auch. Wenn die Zeilen von Menschen geschrieben sind, dann beeinflussen Dich die Gedanken des jeweiligen Mensch, der es geschrieben hat. Nur, weil man es nicht bewusst wahrnimmt, heißt es nicht, dass man nicht beeinflusst wird. Alles steht zueinander in Aktion und Reaktion.

y1osexff


Doktor Schn.

menschen, die infos suchen werden auch fündig. menschen, die sich mit gefakten identitäten aufgeilen wollen kommen auch auf ihre kosten und diejenigen, die sich auf ihrer rhetorischen brillianz einen runterholen und sich fremdwörter (gerade in diesem beitrag oft völlig kontextfrei) an den kopf werfen wollen finden ebenfalls den passenden partner.

Aber woher weißt Du, dass das, was Du für eine Info hältst, auch eine ist und kein Fake? Nur daher, dass Du das Geschriebene für wahrscheinlich hältst: in diesem Fall würdes Du nur erfahren,was Du doch sowieso schon weißt.

Kann es nicht sien, dass man manchmal etwas auch für ein Fake hält, was dann keines ist?

Ist es nicht schon ein Unterschied zum RL, überhaupt nach Fake/Nicht-Fake zu unterscheiden?

Du räumst ein, dass "theorie" auch 11 Saufkumpels sien könnten, um dann gleich zu sagen, dass dies keine Rolle spielt, weil Du die Infos, die du suchst, bekommst.

Aber wie denn, wenn Du nicht weißt, wer sich die Antworten ersonnen hat? Was weiß man am Ende darüber, wie Frauen denken, wenn möglicherweise gar keine Frauen an diesem Forum teilnehmen?

K#lei^o


yoseff

Ist es nicht schon ein Unterschied zum RL, überhaupt nach Fake/Nicht-Fake zu unterscheiden?...

Welche Rolle spielt es, dass es ein Fake ist für Dich? Wenn es ein Fake ist, dann ist es das für den, der es entworfen hat. An sich ist ja jede Situation möglich und es gibt genug Fäden, die der Realität entsprechen und diese viele als Fake einschätzen und es wird genug Fäden geben, die "wirklich" Fakes sind. Welche Rolle spielt es für das Thema, ob es eine Frau oder ein Mann geschrieben hat?

Dcoktor7 Sch`naggelxs


Kleio und yoseff

woher weiss man, daß die pornodarstellerin nicht wirklich den 3. orgasmus in folge bekommt, wenn ihr partner ihr ins gesicht spritzt? woher weiss man, daß der unsichere 14jährige, der die penisgrößenumfrage startet, nicht wirklich wissenschaftlichem interesse nachgeht, zumal im netz weitaus offiziellere statistiken rumschwirren? warscheinlickeit und menschenverstand.

und selbst wenn es echt ist; den menschen dahinter werde ich nie sehen. genausogut wäre es möglich gewesen, daß ich heute morgen nicht im forum gelesen hätte und gerade diesen faden nie wieder aufgegriffen hätte weil es auf mein reales leben keine auswirkungen haben würde.

RQoyaJlAdelxaide


*:) nach langer Stille

Machen wir uns mal nichts vor: Auch in der Realität wimmelt es von Fakes.

Sie auszumachen ist nicht minder schwer als hier in diesem Kosmos. Es wird gelogen daß sich die Balken biegen: Männer plustern sich zu Checkern auf, die in reality kleine verspießte unsichere Söhnchen sind.... Frauen mimen den Vamp, die eigentlich bedürftige anschmiegsame Kuscheltierchen sind. Nur die ganz offensichtlichen Basics sind unmanipulierbar.

Die angeführte Korrelation "Den Kommunikationspartner nicht sehen = purerer Eindruck" ist ergo m.E. nicht so ganz zutreffend.

mighty real,

K@lexio


RoyalAdelaide

Genau das meine ich - wenn jemand lügen will, dann ist es ihm egal, ob es persönlich ist oder über das Internet, wobei ich natürlich einräume, dass sich ihm im Net anfänglich mehr Möglichkeiten bieten. Meine Freundin hat sich jedesmal als etwas anderes präsentiert, wenn sie einen Mann kennenlernte. Einmal war sie eine amerikanische Touristin, eimal Spanierin, einmal Photographin, etc. etc. Sie spielte ihre Rollen hervorragend. Sie war sich aber ihrer Lügen bewusst, aber was ist mit den Menschen, die sich selber etwas vormachen, sich selbst belügen? Das ist oft ein Selbstschutz und es wäre für sie eine Katastrophe, wenn man sie zwingen würde - was ja meistens auch nicht geht - sich der Realität zu stellen. Ich wenn man für sich die Lüge negativ bewerten mag, so gehen andere Menschen damit anders um. Lügen gehört sogar zum Alltag - ich weiß nicht mehr, aber es gibt einen Durchschnitt, wie oft Menschen täglich lügen. Es gehört sogar dazu. Menschen, die ständig ehrlich sind, werden eher ausgegrenzt, als Menschen mit den typischen Alltagslügen: "Gut schaust du heute wieder aus.", "Schön, dass du da bist", "Ich freue mich, dich zu sehen.", etc. etc. Was bringt man Kindern bei? "Du darfst der Tante nicht sagen, dass Du sie nicht magst."

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