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Hochbegabung macht einsam?

tBhehorxie hat die Diskussion gestartet


laufen hochbegabte gefahr förmlich in einen elfenbeinturm abgeschoben zu werden?

wie überstehen sie die anfeindungen durch das neidische, verständnislose mittelmass?

erleben sie ein gefühl der "befreiung", wenn sie unter sich sind?

ich denke hier im forum gibt es so einige "pappenheimer", die zur aufklärung der allgemeinheit hier ein wenig aus dem nähkästchen plaudern könnten.

gespannt wie ein flitzebogen,

Antworten
T9odaxy


@theorie

Ein mutiger Schritt, diese Frage hier zu stellen - frei von der Angst, als arrogant beschimpft zu werden. Eine Angst, mit der man/frau Menschen zurückhalten kann ihren Weg zu gehen und ihr Potential zu leben.

Och, und ich höre bereits die Schreie, "woran man/frau denn Hochbegabung festmachen wíll - am IQ?" Es folgen unendliche selbstwertschützende Ausführungen darüber, was sonst noch wichtig ist ... .

Vielleicht hätte ich doch in den MENSA-Club gehen sollen - aber diese Menschen waren mir so fremd. Ich wollte lieber bei (den scheinbar) meinesgleichen bleiben - das ist dort so vertraut und (scheinbar) sicher. Aber sie haben mich getreten, diskriminiert, ... als arrogant beschimpft. (ja, auch hierzu gibt es eine empirische Studie von Roy F. Baumeister - dem Papst der Selbstkonzeptforschung)

laenxi


Ich hatte in der Grundschule und dann auch noch ca. bis zur 8. Klasse Probleme mit meinen damaligen Mitschülern. Danach eigentlich kaum noch. In meinem jetzigen Umfeld liegt der IQ der meisten deutlich über dem Durchschnitt, so dass ich über so etwas kaum noch nachdenke. Weiterhin habe ich hochbegabte Geschwister, mit denen ich mich sehr gut verstehe.

Und außerdem...außerdem komme ich mit den meisten Leuten auf Anhieb relativ gut klar, egal, wo sie herkommen oder was sie machen. Ich denke, man kann sich auch selber ausgrenzen...muss man aber nicht.

v4annxi


@Theorie

Ich denke Deine "Theorie" trifft schon manchmal zu...

In meiner Schule haben sich zwei hochbegabte Schüler, die jeweils eine und zwei Klassen übersprungen haben, das Leben genommen...

Sie hatten beide keine Freunde, keine Freundin, waren einsam und haben nicht verstanden warum sie von anderen "geschnitten" und teilweise "schlecht behandelt" wurden...

(stand in dem Abschiedsbrief)

d{isa.ppoCintedb by! life


Hhmm......

......gute Frage,

ich bin sicher nicht hochbegabt, aber meine trotzdem überdurchschnittlich intelligent. Meines Erachtens nach liegt daß Problem nicht nur unbedingt bei den Mitmenschen im Umfeld eben dieser "Hochbegabten" sondern inwiefern diese es verändern. Ich komme mit "Hochbegabten" sehr gut zu recht weil ich vielleicht auch ein Mensch bin der relativ vielnachdenkt. Wenn ich heute mein Leben bisher ( bin jetzt 26 ) reflektiere, würde ich sogar sagen: "zu oft und zu viel". Ich denke das ist ein Problem eben dieser "Hochbegabten". Sie denken, teils weil sie aufgrund Ihre Intellekts und Ihre Persöhnlichkeit gar nicht anders können, viel zu viel nach und das läßt sie für andere in einem Licht erscheinen, das sie nicht begreifen, weil sie es wirklich nicht können. Ihre Mitmenschen haben ganz andere Prioritäten, Sorgen, Vorlieben und Ansichten, auch wenn sie nicht von der Sorte der "Neider" sind. Sie können sich nicht mit so einer Person identifizieren und keine echte Freundschaft schliessen, wenn sie merken daß das Gegenüber, sich nicht fallenlassen kann und für alles einen grundsätzlich anderen Ansatzpunkt hat. Das Fallenlassen, absolutes Vertrauen und und vor allem die Spontanität ohne nachzudenken fehlt sehr vielen Hochbegabten. Zumindest meiner Ansicht nach, sind diese, die eigendlichen Probleme. Obwohl ich weiß, daß eben diese Punkte für alle "Hochbegabten" die ich kannte/kenne sehr sehr schwer ist abzulegen, hab ich es versucht ihnen das klarzumachen, aber die meisten wollten selber lieber Aussenseiter bleiben.

Schade eigendlich................

BTW: Life still suxxx

KVleixo


theorie

laufen hochbegabte gefahr förmlich in einen elfenbeinturm abgeschoben zu werden?

Ja, teilweise schon durch die Umgebung, die sie durch ihren ständigen Hinweis auf ihre Hochbegabung ausgrenzt, entweder positiv oder negativ. Die einen bewundern sie für ihr/e Talent/e, die anderen werten sie ab. So oder so, sind sie ausgegrenzt.

wie überstehen sie die anfeindungen durch das neidische, verständnislose mittelmass?

Ich würde da schon differenzieren. Die Gruppe der Neider, die sie anfeindet vermittelt ihnen, dass sie menschlich weniger Wert sind, denn an ihren Talenten kommen sie auch nicht vorbei. Das muss nicht unbedingt Hand in Hand mit Unverständnis gehen, kann aber.

Die Gruppe der Bewunderer erkennt ihre Talente, oft weil ihnen diese nützlich sein können. Mit beiden Gruppen gibt es für die HB keinerlei geistige Herausforderung.

Genauso wird HB vermittelt, dass sie durch ihre Talente auch mehr Verantwortung zu tragen haben.

Viele überstehen es durch Flucht, wobei es oft nicht nötig ist zu flüchten, weil sie von ihren Talenten völlig erfüllt sind und auch oft nicht wirklich großes Interesse an ihren Mitmenschen haben.

erleben sie ein gefühl der "befreiung", wenn sie unter sich sind?

Das hängt davon ab. Auch HB sind manchmal sehr Ehrgeizig und wollen die "Besten" sein. Wenn sie eine gleichwertige Auseinandersetzung wünschen, dann empfinden sie es als Befreiung, endlich eine Auseinandersetzung zu führen, in der sie von ihrem Gegenüber nicht nur verständnislos angestarrt werden, sondern jemand auch darauf eingeht, was sie sagen.

L>ewiaHn


"Hochbegabt" ist einer der Begriffe, wo es m.E. viel Sinn macht, sie als soziale Konstrution zu betrachten und nicht als etwas, was es objektiv gibt. Im Kasten "Hochbegabte" sind ja ganz unterschiedliche Leute mit Fähigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen drin, und außerhalb des Kastens sind Menschen auch interessant und besonders, und haben besondere Fähigkeiten.

Probleme von sogenannten Hochbegabten (also denen, die in diese Schublade gesteckt werden) gibt es verscheidene. Ich nenne mal zwei ganz unterschiedliche.

Erstens: Leute, die unbequeme Fragen stellen und sicher geglaubtes Wissen hinterfragen, ecken oft an. Es gibt genügend Lehrer, Mitschüler, Freunde, später Mitarbeiter, Vorgesetzte, Professoren, die ein solches Verhalten sanktionieren, weil sie die eigenen Gewissheiten nicht in Frage gestellt haben wollen. Wer Freude am eigenständigen Gedanken hat und sich kein X für ein U vormachen lassen will, wird es in vielen Situationen des Lebens schwer haben

und vielleicht im schlechten Fall auch lernen, dass man besser die Schnauze hält als interessante Gedanken zu sagen. Das können genauso auch Leute sein, die nicht als Hochbegabte gelten. Umgekehrt kann es sogenannte Hochbegabte geben, in Amt und Würden, die sich irgendwann zwecks Erhalt ihrer mühsam erkämpften Position nicht mehr mit den dann nachkommenden Leuten auseinandersetzen wollen, die diese Position dann in Frage stellen. Ich glaube nicht, dass dieses Problem durch spezielle Förderung von Hochbegabten besser zu lösen ist als durch eine allgemeine Pädagogik und Menschenführung, die den Menschen (ob "hochbegabt" oder nicht) Verantwortung zutraut und eigene Ideen würdigt statt nur den Versuch zu machen, Wissen in die Köpfe zu fülllen.

Zweitens: Wir befinden uns in einer Welt, in der das Konkurrenzprinzip herrscht, in der man lernt, dass man den anderen besiegen und übertrumpfen muss. Hochbegabte, die gute Argumentierer sind oder sichtbar gute Fähigkeiten in konkurrenzrelevenaten Gebieten haben (z.B. Naturwissenschaften), werden oft sozial dazu erzogen, ihre Fähigkeit als Überlegenheit und Rechthaberei auszuspielen und andere, z.B. emotionale Bereiche des Lebens als irrelevant auszublenden. Das erzeugt den Eindruck der Arroganz. Auf dieser Ebene ist die Kategorie "hochbegabt" eher kontraproduktiv, Hochbegabte werden zu einem als arrogant geltenden Verhalten noch eher ermutigt. Die Wichtigkeit von Kommunikation und gegenseitigem Respekt zwischen Menschen (unabhängig von Begabungskategorien) wird normalerweise nicht gefördert.

Zu mir: Ich bin nie offiziell als Hochbegabter getestet worden (habe auch seit der 5. Klasse nicht an Tests teilgenommen, wo das hätte herauskommen können), sondern hatte oftmals in Schule, Familie, Freundeskreis den Ruf, es zu sein - aus meinem obigen Text lässt sich entnehmen, dass ich nicht glaube, dass es bezüglich der Frage "zurecht?" eine wahre Antwort gibt. Ich habe mich aber neben meinen mathematischen Fähigkeiten, die mir diesen Ruf eingebracht haben, immer für die Dinge interessiert, die zwischen Menschen ablaufen, für meine Gefühle und die Gefühle anderer. Vor allem habe ich gelernt, Menschen mit Respekt zu begegnen, und mit Freude daran, ihre Stärken und Fähigkeiten zu entdecken, ob hochbegabt oder nicht. Ich denke, ich fahre ganz gut damit, was Freundschaften und gutes Auskommen mit den Menschen um mich herum betrifft - von denen viele sehr und vielseitig begabt sind und wenige "zertifiziert hochbegabt". (Ist das jetzt arrogant?)

@ Theorie:

Was ist dein persönlicher Bezug zu dem Thema?

IojonL Tixchy


Während der Schulzeit hatte ich bis auf das letzte Jahr keine Probleme, allerdings auch Glück gehabt, fast 9 Jahre in einer Klasse zu sein, in der anscheinend die Intelligenz kübelweise ausgekippt wurde.

Schwierig war die Beziehung zu meinem Stiefvater, der nicht fähig war, auch nur annähernd zu folgen (betraf ja nicht nur mich, sondern auch meine Geschwister und meine Mutter). Folgerichtig hab ich die erste Chance genutzt, zumindest zeitweise dem Elternhaus zu entfliehen -> Internat.

Wirkliche Anfeindungen habe ich nicht erlebt, aber festgestellt, daß es schwer ist, Freunde zu finden, mit denen man auf gleichem Level diskutieren kann. Eine Zeitlang war ich deswegen Einzelgänger, hatte außerhalb meines Vereins keine Kontakte. In der Zeit dann noch Arbeitswechsel, verbunden mit Umzug - totale Isolation, bis das net aufkam. Seitdem habe ich durch Chat auch wieder viele Kontakte im RL.

t6heoxrie


lewian

ich habe täglich mit hochbegabung zu tun.

knapp,

Liewixan


Um aus meinem langen Geschwätz mal den operationalen Teil zu verdichten (solche Wortwahl hat nix mit HB zu tun, neinein ;-)):

Um sinnvoll sog. Hochbegabten weiterzuhelfen würde ich in die Richtung gehen: Meditation, Achtsamkeit (buddhistische Tugenden - aber gibt's nicht nur da), den Blick für die Schönheiten und Interessantheiten des Lebens und der anderen (mehr oder weniger normalen) Menschen finden. Meditation und Achtsamkeit sind Mittel, um selber etwas zu finden und herzustellen - für Menschen, die gerne selber denken, fühlen, herausfinden, wie die Dinge sind.

t$heoQrie


"selbsthilfegruppe!"

ich bewege mich in meiner freizeit unter meinesgleichen und nehme einfach ne auszeit vom spannungsfeld des alltags.

casual,

Kklheixo


theorie

Was meinst Du mit "meinesgleichen"?

Mich würde es aber auch interessieren, wie Du Deine drei Fragen beantworten würdest. :-D

s5ummVy


@ theorie

Ja das hatte ich ebenfalls. Denken dass alle dumm sind um mich herum. Jetzt gehts sogar einigermaßen wieder.

Frag dich mal ob du intelligent genug bist auch Fehler an dir zu suchen. Ist nun mal so: Es gibt solche und solche.

Frage: Woher kennst du "deinesgleichen" ? Oder findest du die Leute sympatisch und schaust dann über ihre "Blödheit" hinweg?

mfg

Tdoday


@summy

Ja das hatte ich ebenfalls. Denken dass alle dumm sind um mich herum.

Nein, so ist dies nicht - aber es ist belastend, wenn mensch die Dinge schneller erfaßt und verarbeitet als das soziale Umfeld.

Eine Belastung, wenn mensch sich in einem solchen Umfeld auf ein niederes Level begeben muß, um nicht beschimpft, gemobbt oder gar bedroht zu werden - all diese Dinge sind mir widerfahren, ich habe inzwischen den Job der letzten Jahren deshalb aufgelöst.

Da meine "Anderstartigkeit" in der Kindheit/Jugend nicht entdeckt worden ist - damals ist der Begriff HB nicht bekannt gewesen und selbst wenn, so wäre ein solcher Fall in der Unterschicht als unmöglich ausgeschlossen worden - habe ich lange gelitten. Erst in meinem späteren UNI-Studium wurde ich mir meines Selbst bewußt und begann Menschen zu treffen, für die ich völlig normal (gewesen) bin. Ich habe Menschen getroffen, von denen mein früheres soziales Umfeld sagte, daß eben diese arrogant und eitel seien und mir somit, in ihrer Funktion als Bezugsgruppe, den Zugang zu meiner Referenzgruppe versperrten.

MFeletxe


Today

Erst in meinem späteren UNI-Studium wurde ich mir meines Selbst bewußt und begann Menschen zu treffen, für die ich völlig normal (gewesen) bin. Ich habe Menschen getroffen, von denen mein früheres soziales Umfeld sagte, daß eben diese arrogant und eitel seien und mir somit, in ihrer Funktion als Bezugsgruppe, den Zugang zu meiner Referenzgruppe versperrten....

naja, mit hochbegabt sind aber nicht studenten gemeint, weil wir sonst sehr viele hochbegabte hätten. dass das bildungsgefälle zwischen einem akademiker und jemandem der weniger zur schule gegangen ist groß ist, das ist keine frage. das hat aber weniger mit hochbegabung sondern mit fehlender bildung zu tun. sicher wird mir jemand in einem fach nicht so schnell oder gar nicht folgen können, in dem ich eine ausbildung habe und er nicht. das heißt aber nicht, dass er nicht die intelligenz dazu hätte. das kann man auch schnell herausfinden, wenn man es ihm erklärt. meine mutter z. b. hat genau 3 jahre die schule besucht, aber trotzdem begreift sie alles, was ich ihr erkläre, weil es sie auch interessiert und sie nur nicht die möglichkeit hatte, das auch zu lernen, wozu ich die gelegenheit hatte. sie hat aber z. b. eine hohe emotionale intelligenz und auch das ist eine gabe. bei vielen menschen, die eine musikalische oder anderweitige hochbegabung haben, ist es auch so, dass sie wieder auf anderen gebieten durchschnittlich oder unterdurchschnittlich sind. die werden sich auch nur von denen verstanden fühlen, die ihr talent haben.

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