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Endogene Depression = unheilbar?

srian hat die Diskussion gestartet


hallo, langsam werde ich immer verzweifelter. Ich habe eine endogene Depression, schon seit ich denken kann aber in den letzten 3 Jahren so extrem stark, dass ich über 2 jahre nicht arbeiten bzw. studieren konnte.

Ich mache seit 2 jahren eine Therapie mit psyochanalytischen ansatz und auf der einen Seite habe ich es geschafft mein Studium wieder aufzunehmen und sehe einiges klarer auf der anderen Seite geht es mir immer noch sehr schlecht.

Jetzt überlege ich mir: gebe ich mir nicht genügend mühe gesund zu werden, muss ich härter "kämpfen"? oder kann es sein, dass ich wirklich "nur" einen Stoffwechsel defekt habe, den man mit Medikamenten ausgleichen kann (wie ein diabetiker), also dass meine bemühungen gar nicht zum ziel führen können..

Kennt das jemand? langsam frage ich mich nämlich, was ich mit meinem leben anfangen soll, wenn es mir nicht besser gehen wird- niemals. freue mich über alles was ihr schreibt, wirklich..

Antworten
kWäsebröMtchxen


ich hab gehört, dass es ein stoffwechseldeffekt ist, der sich mit medikamenten ausgleichen läßt, aber darüber streiten sich die geister.

auf alle fälle viel glück!

KIrümeHlmqonster82


Hallo Sian,

also Depressionen sind heilbar! Aber wenn du seit 2 Jahren eine Therapie machst, hat dir das dein Arzt sicher auch gesagt, oder?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dir zu wenig Mühe gibst, denn du bist ja unglücklich mit der Situation und hast den Kampf aufgenommen, das ist doch super!

Bei einer endogenen Depression kann durchaus eine Stoffwechselerkrankung eine Rolle spielen! Nimmst du denn Medikamente?

LG Krümel

l0ove&lybee


Hey sian,

Therapien mit psychoanalytischen Ansatz sind umstritten, weil sie empirisch nie überprüft worden sind (Therapeuten wollten das nicht). Deswegen wäre ein Therapiewechsel sinnvoll...du hast es ja schon zwei Jahre versucht...Das ist ein weiteres Problem dieses Behandlungsansatzes: es dauert einfach zu lange! Bei einer endogenen Depression kann ein psycholanalytischer Therapieansatz auch gar nicht helfen, weil diese Form der Therapie von der Annahme aussgeht, dass z.B. ein Koflikt in der Kindheit vorliegt, der die Depression auslöst...Wichtiger wäre für dich, wenn du andere Verhaltensstrategien lernen würdest...Stichwort: Verhaltenstherapie!

Es ist toll, dass du den Willen hast an deinem Leben zu arbeiten und ich bin mir sicher, dass du gute Fortschritte machen kannst!

keiki004


Folsäure

Hallo,

mir geht es seit Jahren genau wie Dir. Bin seit August diesen Jahres wieder in Therapie. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir wirklich hilft. Allerdings ist es auch eine Verhaltenstherapie. Ich habe einmal gelesen, dass an Depressionen ein Folsäure Mangel schuld sein kann. Folsäure gibt es super günstig in Apotheken. Solltest du vielleicht mal ausprobieren, kann ja nicht schaden.

Wie sieht es denn mit anderen Medikamenten aus, Antidepressiva oder so? Nimmst du da was?

Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

KOorres>po\ndent


@ sian:

Die Einteilung von Depressionen in "endogene" und "psychogene" gilt seit einiger Zeit als überholt, weil sich derartige Abgrenzungen in der Praxis nicht unbedingt bewährt haben; Im Sinne der früher üblichen Begriffsfestlegung wäre eine endogene Depression als von der Psyche her betrachtet grundlos und ausschließliche Folge einer Störung des Serotonin- und eventuell auch Noradrenalin-Gehirnstoffwechsels zu verstehen, was wiederum bedeutet, daß ausschließlich eine medikamentöse Behandlung sinnvoll (und insbesondere eine Therapie mit analytischem Ansatz sinnlos) wäre. So hart will man heutzutage allerdings nicht mehr trennen, da eine so klare diagnostische Unterscheidung kaum möglich ist. Ein ganz wesentlicher Grund ist aber, daß sich selbst in Fällen, die man früher als "rein psychogen" beurteilt hätte, eine medikamentöse antidepressive Behandlung fast immer als zweckmäßig erweist. Umgekehrt möchte man allerdings auch "endogen Depressive" ausschließlich medikamentös behandeln. In der täglichen Praxis werden aber Antidepressiva oft von Hausärzten oder Internisten erfolgreich ohne begleitende psychotherapeutische Behandlung verschrieben. Man kann darüber streiten, ob das korrekt ist oder nicht. Manche Fachleute meinen, daß Antidepressiva in diesen Fällen nur "symptomatisch" und daher auch nur so lange wirken würden, wie man sie nimmt, aber für die Betroffenen ist es doch ohne Frage am wichtigsten, daß erst einmal eine raschestmögliche antidepressive Wirkung erzielt wird - und das geht nun einmal meistens nur mit Antidepressiva. Die Hauptprobleme einer solchen Therapie waren bis Ende der 80er-Jahre die Nebenwirkungen der alten trizyklischen AD; mit den inzwischen üblichen SSRI, SNARI und anderen modernen AD liegen die Nebenwirkungsquoten aber bei etwa 20 %, d.h. bei vier von fünf Patienten treten keine nennenswerten Nebenwirkungen auf, und die Wirkung ist meist sehr zufriedenstellend. Ich kann Dir daher nur raten, einen Neurologen aufzusuchen, um eine medikamentöse Behandlung zu beginnen - mit einiger Wahrscheinlichkeit wirst Du damit Deine Beschwerden relativ schnell loswerden ! Falls Du Fragen hast, schick mir eine PN - werde mich gern bemühen, sie zu beantworten.

Alles Gute,

s7iaxn


vielen Dank für eure Antworten! Ich habe auch schon an eine Verhaltensthereapie gedacht- da ich auch unter sozialer Angst leide. Schon so stark dass ich mein Leben dadurch einschränke aber nicht so stark dass ich keine Freunde mehr hätte oder nicht auf die Strasse könnte.

Allerdings stelle ich es mir ziemlich schwierig vor, wieder einen Therapeuten zu finden dem ich vertraue kann, es fällt mir sogar jetzt nach 2 Jahren schwer, mich gegenüber meiner T. wirklich zu öffnen. Vielleicht ist das der erste Schritt, den ich jetzt tun muss.

Ja, ich kann mir vorstellen dass die Formen exogen und endogen gar nicht so richtig zu trennen sind. Allerdings gab es bei mir keinen Auslöser oder so etwas, sondern ich weiss einfach gar nicht wie es ist morgens aufzuwachen und sich "normal" zu fühlen, oder mit anderen Leuten zusammensitzt und sich wohl fühlt.

Zur Zeit nehme ich keine Medikamente. Ich habe schon einmal für 9 Monate Fluoxetin genommen und mich dadurch komplett von mir selbst entfremdet, kein Zugang mehr zu irgendwelchen Gefühlen, nur noch leicht latent traurig. Als Nebenwirkungen hatte ich Desinteresse an Sex und Essen. Vielleicht sollte ich mich wirklich bemühen ein anderes Mittel zu finden, das bessere Resultate bringt, denn langsam habe ich keine Kraft mehr für ein normales, lebenswertes Leben zu kämpfen.

sLiaWn


kann schon sein dass in der Kindheit ausgelacht wurde und daraufhin depressive Tendenzen entwickelte aber ich bin mir sicher: ich war latent depressiv und habe mich deshalb als Aussenseiter gefühlt und die entprechenden Reaktionen kamen dann von anderen.

k&iki|0p4


hallöchen nochmal,

du musst bedenken, dass dies nicht das Ende deiner Soziophobie ist. Vielleicht ist es gerade erstmal der Anfang. Das ganze ist ein schleichender Prozess. Irgendwann wird vermutlich der Tag kommen an dem du nicht mehr auf die Strasse gehen kannst und deine Freunde evtl. sogar aus diesem Grund verlieren wirst. Du wirst dann Verabredungen absagen, weil du plötzlich solch eine Panik bekommst und das Haus nicht mehr verlassen kannst, erfindest Ausreden und schwupps haben wir den Salat.

Versteh mich bitte nicht falsch, ich kann natürlich nur von meinen Erfahrungen damit berichten. Aber ich dachte auch eine Zeit lang, es alleine in den Griff zu bekommen. Es klappte auch ein paar Jahre, aber die Angst kommt immer wieder und sie hat einen Sinn. Manchmal genügt ein kleiner Auslöser, den du überhaupt nicht als Auslöser in Erwägung ziehen würdest.

Glaub mir, eine Therapie wird dir helfen!!! Es ist anfangs schon schwer, sich so zu öffnen und einfach alles zu erzählen, aber es gibt immer einen Grund.

Bei mir ist es so, dass ich ganz langsam wieder am Leben teilnehmen kann, unbeschreibliches Gefühl wieder zu dieser Welt zu gehören, auch wenn es sich blöd anhört....

Wünsch dir alles gute für die Zukunft ;-)

CCpt. Halddoxck


@ sian:

Du hast von mir eine PN!

OPb2erhexxe


Der Weg nach vorn

Hallo,

in Sachen endogene Depression kann ich dir folgendes empfehlen (hat mich aus dem "schwarzen Loch" rausgeholt!!!): eine Verhaltensthearpie und parallel dazu die Einnahme von Lithium und einem Antidepressivum. Ich habe darauf gut angesprochen und kann sogar wieder ganz normal arbeiten ( seit 2002 - 5 Stunden pro Tag). Wichtig ist auch regelmäßig Sport treiben!

Ich drück dir die Daumen, es lohnt sich den Weg nach vorne zu gehn!!!!

A7lpen-Friyedxer


Hallo sian,

falls es noch notwendig ist , möchte ich Folgendes sagen, ohne Anspruch auf Richtigkeit !

Bei endogenen Depressionen kann der Patient sich nicht selbst helfen. Ich empfehle eine Lithiumtherapie mit z. B. Quilonum retard unter Beachtung des Lithium-Spiegels im Blut, dies führt höchstwarscheinlich zu einer wesentlichen Verbesserung, bzw. Verschwinden der Symtome nach allerdings einer Zeit von einigen Wochen oder Monaten. Ein Psychiater oder eine psychiatrische Klinik muß das Lithium " einstellen ". Meines Wissens nach sind endogene Depressionen nicht heilbar, aber bei guter medikamentöser Einstellung kann man beschwerdefrei leben.

Psychotherapie unterstützt die Behandlung, kann aber die Symtome einer endogenen Depression allein nicht beseitigen !

Gute Besserung

Alpen-Frieder

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