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Krankheitsbild meiner Tochter

EtdgarA!ll]enPxoe hat die Diskussion gestartet


Meine Tochter Jessy, Alter 17 Jahre, geht in das Gymnasium 11. Klasse. Nachfolgend beschreibe ich ihr Krankheitsbild:

Magersucht:

Seit ca. August 2004 leidet Jessy unter einer Magersucht. Sie geht deshalb ca. wöchentlich mit ihrer Mutter zu einer Ernährungsberatung. Der Erfolg dieser Beratungsgespräche stellt sich, wenn überhaupt, nur ganz langsam ein. Sie begann die Beratungsgespräche mit ca. 47 kg bei 1,76 m Größe. Jetzt dürfte sie immer noch unter 50 kg wiegen (wir wiegen sie nicht mehr um keine "Episoden" zu triggern.).

Die Magersucht ist aber nicht das eigentliche Problem. Die Magersucht ist Ursache oder Symptom eines weit größeren Problems: Sie hat Aggressionsanfälle und Selbstmitleidsanfälle.

Aggressionsanfälle:

Diese Anfälle enthalten Selbstmorddrohungen, Schreikrämpfe (so laut, dass es an die Grenze des Erträglichen geht) und aggressiven Handlungen wie z.B.:

a) Anspucken ihrer Eltern und Geschwister,

b) Stühle umschmeißen,

c) Fallenlassen auf den Boden,

d) Hund anschreien.

Die Auslöser solcher Aggressions-Anfälle sind oft ganz nichtige Alltagserlebnisse, z.B.:

a)Ich mische Hirsekörner in die 5-Kornmischung ohne sie zu fragen.

b) Es ist morgens kein Apfel mehr da.

c) Die Schwester geht 5 Minuten mit dem Hund Gassi (statt länger, wie es Jessy wünscht.).

d) Es steht eine Mathe- oder Deutsch-Arbeit an.

e) Die Eltern wecken sie nicht um 6 Uhr, sondern um 5 Minuten nach 6 Uhr.

f) Der Geschirrspüler ist nicht so eingeräumt wie Jessy sich das vorstellt.

g) Sie kommt ins Haus und man sagt nicht sofort "Hallo",

z.B. weil man darauf wartet dass sie zuerst "Hallo" sagt

Die Aggressionen gehen auch gegen sie selbst. Es ist vorgekommen, dass sie ein großes Küchenmesser nimmt und es mit Selbstmorddrohungen gegen ihre Brust richtet. Man kann sie dann nur noch mit Mühe beruhigen. Sie hat auch schon im fahrenden Auto Schreikrämpfe bekommen, und während die Fahrt die Schiebetüre geöffnet um herauszuspringen.

Selbstmitleidsanfälle:

Manchmal gibt es auch Selbstmitleidsanfälle, die ebenfalls ganz geringe Auslöser haben. Auch die Selbstmitleidsanfälle bestehen aus Schreikrämpfen und geschrienen Vorwürfen. Beispiel: Ich sage: "Jessy, Mama und ich gehen mit dem Hund Gassi." Dies löst einen Anfall aus, mit dem Inhalt: "Soll ich Gassi gehen, sagt mir halt ob ich gehen soll, warum hasst ihr mich so, was habe ich getan?, Geschrei, Geschrei."

Bei jeder Äußerung gegenüber Jessy muss man ganz stark aufpassen, dass nicht der kleinste Vorwurf enthalten ist. Ein noch so unterschwelliger Vorwurf kann sofort einen Anfall auslösen. Beschwichtigungen und Beruhigungsversuche haben dann keinen Effekt mehr.

Die Geschwister leiden mit:

Jessy hat zwei Geschwister, Conny 11 Jahre und Tim 14 Jahre.

Ich bin sicher dass durch die Krankheit von Jessy ein schwerer Schaden bei Conny und Jessy entsteht oder entstehen kann. Conny und Tim bekommen, schon wegen der Lautstärke der Anfälle, alles mit. Und sie leiden unter den Aggressionen, die sich ja auch gegen sie richtet.

Weitere Symptome von Jessys Erkrankung:

Jessy lacht fast nie. Auch wenn sie nicht gerade einen Anfall hat ist sie schnippisch und aggressiv. Freundschaften aus der Schule oder Nachbarschaft werden nicht gepflegt.

Jessy hat außerdem ein merkwürdiges "Laufsymptom". Beim Zubereiten des Frühstücks läuft sie bis zu 100 mal um den Tisch herum. Einmal habe ich mitgezählt und kam bis 65. Es gab jedoch schon wesentlich längere Tischläufe. Manchmal stürmt sie dabei auch die Treppe hinauf und wieder herunter, oder macht größere Runden durchs Wohnzimmer. Dies geschieht im Eiltempo, z.B. so. Schüssel in die Hand nehmen, eine Runde laufen, Schüssel hinstellen, eine Runde laufen, zum Schrank gehen und etwas nehmen, eine Runde laufen, usw. Wenn etwas das sie braucht schon auf der Arbeitsfläche ist, stellt sie es erst in den Schrank zurück, um es nach einer weiteren Laufrunde wieder herauszuholen. Spricht man sie auf diese Verhalten an, kommen "Stinkefinger", und Äußerungen wie "Ich kann machen was ich will", und/oder eine Aggressionsepisode.

Auswirkungen auf die Familie:

Die Familie ist durch Jessy’s Erkrankung unter höchster Anspannung und jegliche Freude ist aus dem täglichen Zusammenleben herausgefallen. Alles was wir tun ist nur noch unter dem Aspekt "Welche Auswirkung hat das auf Jessy?" geprägt.

Wir müssen etwas tun um Jessy zu helfen. Wenn man ihr klarmachen will dass sie Hilfe braucht lehnt sie strikt ab. Es ist bei ihr keinerlei Einsicht da, dass sie selbst Hilfe braucht.

Weiß jemand einen Rat?

EdgarAllenPoe

Antworten
LZau3tspRrechexr


Wie verhält sie sich denn in der Schule? Gibt es da auch Auffälligkeiten?

Deine Schilderung hört sich schon sehr gefährlich an.

Da sie noch nicht volljährig ist, habt ihr noch das "Hoheitsrecht". Dementsprechend würde ich mal mit dem Hausarzt reden und - auch wenn es euch sehr schwer fallen wird - über eine Zwangseinweisung nachdenken. Du musst ja nicht nur an das Wohl Jessys denken, sondern auch an das deiner anderen Kinder und nicht zuletzt auch an das deiner Frau und dein eigenes.

RdePdSoxnya


Hat sie denn niemals einen "klaren" bzw. "einsichtigen" Moment, in dem ihr bewußt ist, was sie da eigentlich tut?

EWdgajrAllxenPoe


Danke für eure Antworten.

In der Schule fällt Jessy dadurch auf, dass sie sich fast nie meldet. Ansonsten sind ihre Leistungen so mittel. Vor Schulaufgaben kann es aber ganz extreme Tobsuchtsanfälle geben.

Wir habe schon versucht sie in "lichten Momenten" auf ihre, ich nenn es mal "Depression", anzusprechen. Sie blockt sofort ab, und weigert sich darauf einzugehn. Macht man dann weiter, gibt es einen Anfall.

Manchmal sehe ich einen Anfall auch kommen. Ihre Stimme wird dann immer lauter, ihre Anschuldigungen wiederholen sich immer härter. Dann sage ich zu ihr: Jessy, ich sehe was jetzt gleich kommt, versuch es zu kontrollieren, beruhige dich, etc." Dies ist immer vergebends.

Wir sind total am Ende und wissen nicht was wir tun können. Nur mit Gewalt könnte ich sie zwingen zu einem Psychologen oder zu einem Arzt zu gehen. Und eine Zwangseinweisung würde ihr bevorstehendes Abitur beenden oder unmöglich machen. Sie würde mir dann ihr Leben lang vorwerfen können ich hätte ihre Zukunft zerstört.

EdgarAllenPoe

K5leixo


EdgarAllenPoe

Was erzählt Sie, wenn Du und Deine Frau Euch über die Ursachen unterhaltet? Welches Verhalten wünscht sie sich von Euch? Was erzählt sie ihren Geschwistern?

Was meinst Du mit August 2004?? Ist es Euch da aufgefallen, dass sie magersüchtig ist, oder hat sie seit August Essstörungen?

K.leixo


EdgarAllenPoe

Wir habe schon versucht sie in "lichten Momenten" auf ihre, ich nenn es mal "Depression", anzusprechen. Sie blockt sofort ab, und weigert sich darauf einzugehn. Macht man dann weiter, gibt es einen Anfall.

Wenn Du Dich zurückerinnerst, kannst Du Dich erinnern, wann sie ihr Vertrauen zu Euch verloren hat?

E7dgkarbAllxenPoe


Im August oder September 2004 ist uns aufgefallen dass sie zu dünn ist. Zu der Ernährungsberaterin gingen wir so ab Oktober 2004. Wie gesagt, ohne recht viel Effekt. Sie ißt zwar etwas mehr, aber das Essen ist eine ungewöhnlich schwierige Zeremonie (nur Naturkost, kein Fett, viele Zwangshandlungen, Selbstmitleidsanfälle wenn sie etwas mehr ißt, etc.).

Die Ursachen ihrer Depression liegen völlig im Dunkeln. Ich weiss nicht, was wir falsch gemacht haben. Oder ob wir etwas falsch gemacht haben.

Sie realisiert in ihren lichten Momenten anscheinend nicht, dass überhaupt ein Problem vorliegt. Oder sie tut so. Man kann ja auch nicht "normal" mit ihr sprechen, es ist ständig eine Gratwanderung. Ein falsches Wort, eine falsche Äußerung, und "ES" geht los.

Kleio, du sprichst "Vertrauen" an. Sie hat keines in uns Eltern. Sie nimmt keinerlei Ratschläge an. Sie sagt nie etwas Nettes. Außer Vorwürfen und Anschuldigungen haben wir schon lange nichts mehr gehört. Was sie will, oder von uns erwartet, sagt sie nie.

EdgarAllenPoe

i4ts Ime


als erstes um euch die situation zu erleichtern

kauft euch das buch "schluss mit dem eiertanz"

lasst es nirgends rum liegen, es waere auf anhieb evtl ein neuer ausloeser.

aber es ist definitv eine bereicherung fuer euer eigenes leben... es kann nicht sein dass die krankheit eines individums die gesamte familie zerstoert, das entwickelt sich sonst zu einem teufelskreis, der alles nur noch schlimmer macht....

pLeacefxull


Sie begann die Beratungsgespräche mit

--> was genau sind das für beratungsgespräche .. nur in sachen ES oder auch allgemein ???

K_l`eio


EdgarAllenPoe

Kleio, du sprichst "Vertrauen" an. Sie hat keines in uns Eltern. Sie nimmt keinerlei Ratschläge an. Sie sagt nie etwas Nettes. Außer Vorwürfen und Anschuldigungen haben wir schon lange nichts mehr gehört. Was sie will, oder von uns erwartet, sagt sie nie.

Seit wann hat sie kein Vertrauen mehr zu Euch?

pdea0ce]fxull


Seit wann hat sie kein Vertrauen mehr zu Euch?

oder andersrum.. war sie schon seit geburt so ???

K!ikxi 1


Magersucht

Lieber Edgar!

Eine Magersucht kommt nicht von heute auf morgen. Das wisst Ihr sicher.

Ich möchte Euch gerne den seel. Hintergrund einer solchen Mager-SUCHT!!!! erläutern und die möglichen Ursachen dafür aufzeigen.

Hier liegt die Verweigerung des Übergangs vom Mädchen zur Frau zu Grunde( Beginn wäre damit die Pubertät).

Ein Konflikt zw. Geist und Materie, Reinheit und Trieb, Hunger und Verzicht, Egozentrik und Hingabe. Angst vor Lebendigkeit (die sie sich selber durch ihre "Zwänge", wie das um den Tisch herumlaufen, versucht zu verdeutlichen) mit dem Ziel: nein zur Körperlichkeit (mit allen Konsequenzen), Widerstand gegen Sexualität (wie wird das Thema bei Euch gelebt?) und Weiblichkeit.

Ganz besonders ein Ekel vor jedem Weiblichen und Aufnehmen, Hereinholen liegt hier vor - mit der Kehrseite der Medaille, der Sehnsucht nach Zuwendung.

Es ist ein unbewusster Aufstand gegen das herrschende Frauenbild!

Das ist eine Form der Machtausübung (damit schüchert sie die gesamte Familie ein) zu tun.

Hier wäre eine Psychotherapie (verbunden mit kreativen Übungen wie z.B. Töpfern oder Malen gut) anzuraten.

Da sie die Erstgeborene ist (wenn ich richtig verstanden habe) wäre hier evtl. auch zu überlegen, in wieweit Geschwister-Eifersucht je gelebt werden konnte und sich jetzt Bahn bricht.

Eine Familienaufstellung könnte eine zusätzliche Hilfe und schnelle Lösung des von dir Geschilderten geben.

Viel Kraft und Mut wünsche ich Dir/Euch - ohne professionelle Hilfe werdet Ihr aus diesem Kreisel alleine wahrscheinlich nicht herausfinden. Denn ihr seid alle gleichzeitig Mitbetroffen + Mit"täter" (im Sinne, dass ihr unbewusst immer wieder für die Auslöser sorgt, die angeschaut gehören und nicht unterdrückt werden sollen bzw. können! Erwachsen werden heisst, sich mit den Dingen auseinandersetzen und nicht davor verschont zu werden)

Herzlichst

H{undilxeini


:-( hallo

mich würde interessieren ob sie schon immer so ein verschlossenes und aggressives mädchen war. wie sah es vorher ( vor der magersucht) mit freundschaft aus. hattet ihr vorher ein vertrautes und offenes verhältnis? hat sie früher auch mal gelacht? oder hat sie schon früh symptome einer psychischen "macke" (soll nicht abwertend klingen!!) gezeigt?

all dies kann ursachen in weiter vergangenheit haben.

glauben du und deine frau denn, dass sie so das abi überhaupt schafft? ich würde eher darauf achten, dass sie erstmal wieder gesund wird, anstatt sie so einem stressfaktor(bei mir war und ist es immernoch ein ganz ganz schlimmer!!) auszusetzen... ein jahr pause wird ihr evtl. gut tun mit ärtzlicher behandlung...

viel glück

o(utsi5dex


Hallo...

also ich habe deinen Beitrag gelesen, allerdings nicht die folgenden. Aber das was ich gelesen habe, hat mich entsetzt.

Ich litt selbst unter Magersucht, aber nicht in dem Ausmaß (Minimalgewicht war 46kg bei 1,66m).

Und ich habe seitdem ich 8/9 bin (Trennung meiner Eltern?!?) Zwangssymptome. Die haben sich zum Glück in den letzten Jahren etwas reduziert.

Aber es scheint bei ihr ja auch irgendwie ein Zwang sein 100mal um den Tisch zu laufen oder die Treppe auf und ab. Auch wenn es vermutlich "nur" damit zu tun hat, Kalorien zu verbrennen.

Naja, ich will auch keine Lange Rede halten oder so. Ich glaube, dass ihr mit ihr direkt zu einer/m Therapeuten/in gehen solltet! Meiner Meinung nach reicht hier nicht mehr eine Ernährungsberatung aus. Vielleicht steckt ja viel mehr dahinter, als "nur" dem (beschissenen) Schönheitsideal der heutigen westlichen Gesellschaft zu entsprechen.

Das ist meine Meinung. :-/ Weiß natürlich nicht, ob ich damit richtig liege... aber ihr könnt es ja mal versuchen, vorausgesetzt Jessy macht da mit. Zwingen könnt ihr sie ja nicht. Ich wünsche euch viel Glück!

L:auts<prexcher


Kann sie sich eigentlich an ihre "Anfälle" erinnern? Wenn nicht, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, alles mal auf Video aufzunehmen (doe Kamera auf ein Regal stellen) und es ihr in einem "normalen" Moment vorzuspielen. Vielleicht wird sie dann einsichtig, dass sie Hilfe braucht.

Zum Thema "Zwangseinweisung": Selbst, wenn sie jetzt ein Jahr in der Schule verliert... was macht das schon? Dann wiederholt sie die halt nächstes Jahr die Klasse. Das Wichtigste ist momentan, dass ihr geholfen wird.

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