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Manisch-depressiver Partner/ wer hat damit auch Erfahrungen

EJlIlenx2 hat die Diskussion gestartet


Hallo Zusammen!

Bin noch ziemlich neu hier im Forum, hoffe aber, dass sich ein paar Leute finden, die vielleicht auch Erfahrungen mit einem manisch-depressiven Partner oder Partnerin gemacht habe oder machen.

Bin nun seit eineinhalb Jahren mit einem Mann zusammen, der manisch-depressiv ist. Eine manische Phase haben wir bereits hinter uns und eigentlich möchte ich so was nicht noch mal erleben. War schon ziemlich heftig. Ich habe tagelang nur geheult.

Im Moment kündigt sich wieder so eine Phase an und ich hab schon wieder Angst davor, was alles passieren könnte und vor allem auch davor, wie sich seine Persönlichkeit dann wieder ver-ändert, und dass er mich dann wieder von sich wegstößt.

Hat vielleicht jemand einen Tipp für mich, wie ich damit besser umgehen könnte? Ich hänge sehr an ihm und wir lieben uns sehr, ausserdem verbringen wir wirklich jede freie Minute miteinander.

Bin für jeden Rat oder Erfahrungsbericht dankbar...

Ellen2

Antworten
f0ranc6a142


Was deprissiv ist, weiss ich. Da kannst du ihn wohl nur zu einer Therapie schicken (naja, es sollte natuerlich von ihm selbst kommen)

Aber was bedeutet manisch ??? Kannst Du uns mal schildern, was in solchen Phasen passiert ?

EXllenx2


Manisch-depressiv

Depression ist nur ein ganz geringer Teil einer Manisch-Depressiven Erkrankung.

Die Erkrankung wird durch einen Lithium-Mangel im Blut ausgelöst, weshalb die Betroffenen in der Regel täglich Lithium als Medikament einnehmen müssen, sozusagen als Prophylaxe, da sie ohne eine regelmässige Einnahme von Lithium unter Umständen permanent von einer manischen in eine depressive Phase fallen.

In der Manie verändert sich der Mensch sehr stark, er nimmt die Umwelt nicht mehr so wahr, wie wir "Gesunde" das tun. Seine Gedanken rasen schneller durch den Kopf, er ist unkonzentriert, Farben, Formen, Töne werden intensiver wahrgenommen.

Viele Betroffene geben Unsummen an Geld aus, dass sie meist nicht mal haben, kaufen Dinge, die sie nicht benötigen (mein Freund hat mal ein Saxophon gekauft, obwohl er damals noch gar nicht darauf spielen konnte), schreiben Briefe an Menschen, von denen sie seit Jahren nichts gehört haben oder machen auch Besuche bei "Bekannten" zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Sehr häufig kommt bei vielen Betroffenen eine unglaubliche Todessehnsucht dazu. Zum einen fühlen sie sich "high" (mein Freund sagt, es wäre so als hätte man gekokst), zum anderen wird mit Suizidgedanken gespielt. Ein grosses Problem ist auch das mangelnde Schlafbedürfnis, 2-3 Stunden Schlaf reichen den Betroffenen aus, sie sind nicht müde, haben unbändige Energie und powern ohne Ende.

Es gibt noch zig weitere Symptome, die ich hier alle gar nicht beschreiben kann.

Bei meinem Freund ist es meist so, dass er kein Schlafbedürfnis mehr hat, er beginnt Dinge einzukaufen, die er nicht braucht und meist auch nicht bezahlen kann, er stösst mich weg, will mich nicht sehen, weil schon das für ihn eine Reizüberflutung darstellt. Gleichzeitig läuft die Stereoanlage auf vollen Touren.

Am schlimmsten sind bei ihm die Selbstmordgedanken, er meint das dann sehr ernst, das ist keine bloße Gedanken-spielerei, sondern sehr ernst zu nehmen. Ansonsten kommt er auf reichlich verrückte Ideen, fährt z.Bsp. auf der Autobahn Fahrrad oder besucht Leute zu unmöglichen Uhrzeiten, mit denen er eigentlich gar nichts zu tun hat.

Er hat auch eine enorme motorische Unruhe, kann kaum Stillsitzen und redet ohne Unterlass. Zuhören braucht man eigentlich nicht, denn was er sagt ergibt in der Regel wenig Sinn oder er springt so schnell von einem Thema zum nächsten, dass du gar nicht mehr folgen kannst. Zuhören kann er gar nicht mehr, er reagiert nicht auf das was du sagst, er ist nicht fähig, sich mit etwas, dass ich gesagt habe, auseinanderzusetzen. Er verliert nach und nach den Bezug zur Realität, was ihm selbst allerdings nicht auffällt. Je schlimmer die Phase wird, um so mehr verliert er seine eigentliche Persönlichkeit, das letzte Mal hat sich sogar seine Stimme verändert und er sprach in einem breiten Dialekt, den er sonst nie verwenden würde.

Tja, das mal so als ganz kleine Erklärung. Sicher hab ich jetzt vieles vergessen und ich weiß längst auch nicht alles über die Erkrankung.

Tschüssi, Ellen2!

Wgelxf


Oh-je... :-o

Hört sich ja schlimm an...

Kann nur aus meiner eigenen Erfahrung erzählen.

Ich bin selber depressiv, mit unterschiedlich langen Schüben und habe eine Partnerin, die ebenfalls depressiv ist und zusätzlich unter Fibromyalgie leidet. Dann hat sie aus erster Ehe eine 23jährige Tochter, die auch depressiv ist und Borderliner. Da denke ich auch manchmal "lasst mich hier raus, ich will nicht mehr!"

Aber da ich meine Maus unheimlich liebe, halte ich das alles aus. :-x

Ich kann dir nur raten, sprich mit seinem Therapeuten, regelmäßig. Hole dir Hilfe von ihm, frage ihn, wie du deinen Freund unterstützen kannst. Zusätzlich würde ich einen eigenen Therapeuten aufsuchen bei dem du dich ausquatschen kannt, damit du den Druck loswirst, der auf dir lastet.

Und dann frage dich ernsthaft, ob du diese Beziehung willst. Ich habe das am Anfanng meiner Beziehung gemacht. Ich bin rausgefahren in die Natur und habe stundenlang mit mir und Gott gerungen und mich gefragt ob ich das will und ob ich das schaffe. Schliesslich bin ich zu dem Ergebnis gekommmen, dass ich will. Und daran erinnere ich mich immer, wenn es mir mal schwer wird.

Ich wünsche dir viel Kraft! :)^

welf

ALntdje88


Auch ich sehe es so, dass Dein Freund in Behandlung gehört (und nur mit Tabletten versorgt), denn in einer Behandlung wird an einer Sache ja tatsächlich auch gearbeitet. Auch Du brauchst, glaube ich, handfeste Unterstützung, wenn Du nicht kaputtgehen willst. Da käme z.B. ebenfalls therapeutische Hilfe in Frage, damit Du mehr über Dich lernst und das Dir später auch hilft, mit entsprechenden Situationen besser umzugehen. Ausserdem dürfte es auch Selbsthilfegruppen für Angehörige von manisch-depressiven Menschen geben, wo sich Leute treffen, austauschen und unterstützen.

Nicht zuletzt finde ich den Gedankengang von Welf wichtig. Nämlich dass Du, mittlerweile hast Du eine manische Phase "durch"litten, Dir die Frage zumutest, ob Du bereit und willens für ein Leben unter diesen Umständen bist. Diese Frage ist völlig legitim, denn jeder Mensch hat Grenzen, auch in seiner Liebesfähigkeit, ich persönlich finde es wenig romantisch, wenn zwei Liebende aneinander zugrundegehen. Welf hat es sich damals wohl sehr genau überlegt, ich denke, es wäre auch für Dich und die Zukunft wichtig, dass Du Dir selbst diese Frage in aller Härte stellst, und egal, wie dann die Entscheidung ausfällt, dann stehst Du dazu.

Ich wünsche Dir viel Kraft, nicht zuletzt auch die Kraft, Dir die Hilfe zu suchen, die Du brauchen wirst und bereits brauchst.

Emlle^n2


Nochmal ein paar Erklärungen

Ich muss da glaub ich nochmal einiges erklären :

Mein Freund ist seit Jahren in Therapie, zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung, die er bekommt. Leider hat die Therapie nur mässigen Erfolg. Wie bei vielen Manisch-Depressiven ist er nicht so recht bereit, in der Therapie mitzuarbeiten, ausser-dem kann die Therapie einen manischen Schub leider nicht verhindern.

Ich selbst bin ebenfalls seit Jahren in Therapie, wegen einer generalisierten Angststörung, und in den letzten 1,5 Jahren natürlich auch wegen meines Freundes. Diesbezüglich hat mir die Therapie bisher praktisch nichts gebracht - Leider.

Da ich diesen Mann seit mehr als 13 Jahren kenne und mich schon damals in ihn verliebt hatte (er war da allerdings noch verheiratet und wir waren einfach nur Bekannte), steht für mich die Frage eigentlich nicht mehr im Raum, ob ich diese Beziehung will. Als wir vor etwa eineinhalb Jahren ein paar wurden (er ist inzwischen seit 5 Jahren geschieden), ging für mich der absolute Traum in Erfüllung, ich hatte endlich den Mann fürs Leben erobert, von dem ich mehr als 13 Jahre geträumt habe.

Nur leider ist da jetzt diese Erkrankung, die ich vor unserer Beziehung immer nur aus der Ferne mitbekommen habe und erst jetzt "live" erleben und merke, wie schwierig das doch ist.

Wahrscheinlich wäre ein "Überdenken" der Beziehung wirklich ratsam, andererseits liebe ich ihn über alles und wenn er "stabil" ist, was ja die meiste Zeit der Fall ist, bin ich ja glücklich mit ihm.

W|elxf


@ Antje88

Welf hat es sich damals wohl sehr genau überlegt,

Stimmt. Das war biseher meine ernsteste (gibt's das Wort überhaupt?) Überlegung.

@Ellen2

Habt ihr eigentlich zwei Wohnungen? Wir ja. Ganz bewusst. Damit jeder von uns eine Rückzugsmöglichkeit, wenn es zuviel wird. Solltest Du vielleicht auch mal überlegen.

ErllRen2


Wir haben zwei Wohnungen, leben allerdings immer eine Woche bei ihm und eine Woche bei mir. Er will auch partout nicht zusammen ziehen, gerade wegen der Rückzugsmöglichkeit, ich bin allerdings so ein kleiner Kontrollfreak und hätte ihn lieber 24Stunden um mich herum und fühle mich dann immer sehr ausgeschlossen und allein gelassen, wenn er sich dann doch mal zurückziehen will.

WCexlf


Hmmmm....

..... dann weiss ich leider auch nicht weiter.

Ihr seid beide in Behandlung :)^

ihr habt Rückzugsmöglichkeiten :)^

ihr liebt euch :)^ :)^ :)^

Dann kann ich Dir nur viel Kraft wünschen! :-x

EEllexn2


@Welf

Hab leider erst jetzt nochmal ins Forum geschaut, wollte Dir aber sagen, dass ich über Deinen Eintrag herzlich gegrinst habe, wäre schon schön, wenn alles so :)^ wäre.

WHelf


@Ellen2

Tja, ich weiss, das Leben ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Ich habe mal gelesen, dass Gott, diejenigen, die er liebt, besonders hart prüft. Da habe ich ihm gesagt: "Lieb' mich mal ein bisschen weniger... ;-) "

So, nun werde ich mal so langsam Schluss machen. Wenn ich hier auf der Arbeit Zeit habe, schaue ich immmer wieder gerne ins Med1-Forum rein. Hab jetzt aber Feierabend und >>> WOCHENENDE<<<

Tschüss, bis Montag!

*:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:) *:)

HxDT


@Ellen2

Was mich interessiert, da man ja nicht so oft praxisnahe Berichte erfährt.:

Geht dein Freund einer gerelgelten Arbeit nach? Wenn, was für eine Tätigkeit ist das. Und wie ist es, wenn er den manischen Schub bekommt?

War er schon mal im Krankenhaus in der geschlossenen Abteilung?

Wie oft bekommt er den Schub und wie lange hält das an?

Raten kann man da gar nichts. Ich denke, wenn er in Therapie ist, dann wird auch darüber gewacht werden, daß er notfalls "eingewiesen" wird, wenn er gefährdet ist. Das wäre ja immerhin eine Möglichkeit, die allen dient. Wie steht er denn dazu? Das wurde doch bestimmt schon angeschnitten, falls er nicht schon in der geschlossenen Abteilung war.

H.D.T.

thaminxo


@ellen

ich denke mit einem manisch - depressiven mann zusammenzuleben kostet sehr viel kraft...und du weist nie wie es endet. bist du bereit und stark genug diese extremen höhen und tiefen zu ertragen? das ist die frage die du dir beantworten mußt...raten kann man die schlecht.

EEllexn2


@H.D.T.

Mein Freund geht einer geregelten Arbeit nach, allerdings erstt wieder seit 1 Jahr, vorher war er fast 2 Jahre arbeitslos, was allerdings weniger mit seiner Erkrankung, als mehr mit seinem Alter zusammenhängt. Er arbeitet in der Computerbranche im Support Bereich, ist zwar für seinen jetztigen Job völlig überqualifiziert, aber irgendwann nimmt man (fast) alles an.

Die Arbeit ist bei ihm einer der grössten auslösenden Faktoren für eine Manie, er kann - bedingt durch die Erkrankung - nur sehr schlecht mit Stress und Druck umgehen, und beides hat er leider in seinem momentan Job zur Genüge. Beim letzten manischen Schub hat er weiter gearbeitet, das war allerdings nicht ganz einfach, er neigt dann dazu 12 oder mehr Stunden im Büro zu sein und denkt, nur er wäre in der Lage die vorhanden Probleme der Kunden zu lösen. Seine letzte Arbeit hat er deswegen ja auch verloren, weil er sich nicht nur merkwürdig, sondern sehr sehr merkwürdig verhalten hat.

Am besten ist es, wenn er sich dann krankschreiben lässt, das will er allerdings eigentlich auch immer nicht, weil er dann denkt, er würde sofort seinen Arbeitsplatz verlieren.

In der Psychiatrie war er schon einige Male und die Erlebnisse dort waren nicht sehr gut für ihn. Inzwischen nimmt er sogar freiwillig das Notfallmedikament (sofern man ihm noch begreiflich machen kann, dass das notwendig ist).

Wenn alles schief geht, muss er natürlich in die Psychiatrie, schon um ihn zu schützen ist das dann notwendig, zumal er sich ja dann immer mit Selbstmordgedanken trägt.

Wie oft so ein Schub kommt, kann man nicht sagen. Es gibt Manisch-Depressive, die über viele Jahre stabil sind, andere haben 3-4 Schübe pro Jahr. Bei meinem Freund ist das sehr abhängig vom Stress und Druck bei der Arbeit und davon, ob seine Alltagsstrukturen aus irgendeinem Grund ins Wanken geraten. Die sind nämlich für seine Stabilität sehr sehr wichtig.

Wie lange so ein Schub anhält ist auch schwer zu sagen. Ohne Behandlung kann eine Manie Wochen oder sogar Monate andauern. Mit Behandlung ist der Spuk meist schnell vorüber. Wenn mein Freund sein Risperdal einnimmt, ist er innerhalb einer Stunde relativ normal. Das ist allerdings dann nur durch das Medikament verursacht, würde er es weglassen, wäre er sofort wieder manisch. In den ersten Tagen merkt man ihm sehr genau an, wann er die nächste Tablette braucht, da beginnen dann wieder manische Verhaltensweisen und er braucht dann das Medikament. Dieses muss er dann auch mehrere Wochen einnehmen und erst dann kann man - ausschleichend - vorsichtig mal schauen, ob er auch ohne Medikament stabil bleibt. Das ist dann immer so ein bisschen ein Glücksspiel und muss sehr genau mit Arzt und Therapeut überlegt werden.

Gebe gerne noch weitere Auskünfte, fürchte allerdings, dass ich mich bis Anfang der Woche von Euch verabschieden muss (Wochenende + Manie sind ziemlich anstrengend und ich glaube nicht, dass ich Zeit haben werde, hier im Forum zu sein) *:)

f1ranhca1x42


Diagnose

Wie hat er die Diagnose gestellt bekommen ? Gibt es einen Test, der diesen Lithiummangel nachweist und dann weiss der Therapeut, das der Patient manisch-depressiv ist ?

Sind alle Patienten mit Li-Mangel manisch-depressiv?

Gibt es Faelle, in denen Patienten vollkommen geheilt wurden?

Wenn ja, wie? (habt ihr das schon mal versucht?)

LG Franca

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