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Hypochondrische Angststörung - Empfindungen

s;adl er hat die Diskussion gestartet


Hallo

Kennt das jemand hier ?

Ich habe schon immer mit hypochondrischen Ängsten zu tun gehabt, nun ist es aber wirklich schlimm geworden.

Seit ich Familie habe (6 Jahre) übertrage ich praktisch jede Angst auf die Familie. Wenn meine Frau zur Krebsvorsorge muß, habe ich schon Wochen vorher unruhige Gedanken. Sind die Kinder mal erkrankt und es liegt noch keine Diagnose vor, kommt diese Angst in mir hoch.

Bis jetzt hat aber immer die Diagnose eines Arztes alles benden können. Nun kam meine Schwiegermutter mit Herzinfarkt und Bypass OP ins KH. Da fingen auch bie mir die Rücken und Nackenschmerzen an. Sie zogen bis in die linke Brust. Ich hatte sofort Panik und bin zum Arzt, der sagte alles OK.

HWS wurde diagnostitiert. Dann hatte ich immer mal sekundenweise ein Kribbeln in den Händen und Füßen. Der Orthopäde meint, es käme von den massiv verspannten Muskeln oder einer evtl. Bandscheibenvorwölbung, die er aber im Röntgenbild nicht erkennen kann. Das würde sich nach ein paar Wochen wieder geben.

Ich habe dann mal die Symptome im Google eingegeben und damit fing es alles an. Immer wieder tauchte MS auf. Sofort beklomm mich eine tiefe Angst mit allem was dazugehört.

Inzwischen habe ich soviel über MS gelesen und mich immer weiter in die Tiefe gerissen. Seit ca. 3 Wochen habe ich eine tiefe Stimmungslage, habe kaum noch Appetit und mittlerweile 3 KG abgenommen. Auch kann ich an keinem Spaß oder am Familienleben richtig teilhaben. Dann merkte ich, dass meine Hautempfindung nachlies. Es ist nicht´s taub oder gefühlslos, aber ich bin nicht mehr so kitzelig und empfindsam wie vor 2 Wochen. Meine Libido ist auch gegen Null gesunken. Das alles verschlimmert es noch viel mehr. Ich habe nur noch Angst und wache oft früh auf und spüre sofort die Angst. Mein HA hat noch 14 Tage Urlaub.

Gibt es soetwas, daß die Empfindung und die Libido (nicht die Erektion) unter dieser Depri nachlassen ? Kribbeln tut es sogut wie garnicht mehr, nur im kleinen Finger der rechten Hand spüre ich speziell am morgen ein ganz leichtes ziehen. Aber ich achte im Moment sowieso auf jede Funktion meines Körpers und bewerte sie als unnormal. Ich habe auch immernoch leichte Rückenschmerzen im BWS Bereich (beim Beugen)

Habt ihr ähnliche Erfahrungen ?

Was soll ich nur machen ? Am liebsten würde ich alle erreichbaren Ärzte anrufen.

LG Sadler

Antworten
L`upo?04x9


Hallo Sadler,

was Du schilderst, ist der klassische Ablauf einer hypochondrischen Angsstörung, so wie ich ihn auch erlebt habe.

Krankheitsfall in der Familie/Freundeskreis - verstärkte Beschäftigung mit dem Thema - erste Symptome - Panik - Arztbesuche - Halb- bzw. Verlegenheitsdiagnosen - "SymptomGooglen" - passende, schwere Krankheiten - noch mehr Angst - noch mehr- bzw. stärkere Symptome usw,usw,usw…

Also erstmal, die von Dir geschilderten Symptome sind typisch für eine solche Störung; Rücken- bzw. HWS Verspannungen, Missempfindungen, Appetitlosigkeit usw., (...es gäbe noch ein paar mehr..) Nachlassende Libido ist nicht mehr als logisch. Wenn man morgens mit Angst aufwacht und abends damit ins Bett geht, wenn man fürchtet, an einer schlimmen, chronischen Krankheit zu leiden oder Angst hat, die Nacht nicht zu überleben - wo soll da bitte noch Platz für Lust sein ?, mal ganz abgesehen davon, was bei Angst biochemisch im Körper abläuft.

Da Du schon länger mit Hypochondrie zu tun hast, geht aber Deine Vermutung schon etwas in diese Richtung, das hat bei mir leider einige Monate gedauert. Die Frage ist jetzt, ob diese Erkenntnis dazu ausreicht, Dir aufwendige Untersuchungen in Bezug auf MS (MRT u. Lumbalpunktion) zu ersparen, das musst Du selbst entscheiden. Vielleicht gehst Du auf jeden Fall mal zu einem Neurologen, der sich sowohl körperlich als auch psychisch ein Bild machen kann.

Eine weitere Sofortmassnahme - absolutes Google-Verbot ! Sich in ausgesuchten Foren mit "Leidensgenossen" auszutauschen, kann schon heikel genug sein, aber die wahllose Symptom-Eingabe bei Google in so einer Situation ist fatal. Sollte es irgendeine Möglichkeit geben, Dich zu entspannen (Sport, Bewegung, Gymnastik, Musik usw), versuche das.

Langfristig kann bei hypochondrischer Angst wahrscheinlich nur eine Psychotherapie helfen, wo man sowohl Ursachen als auch bestimmte Verhaltensweisen und Umgangsformen mit dieser speziellen Angst kennenlernt.

Alles Gute erstmal & Grüsse

Lupo

stadlexr


Hallo Lupo.

Es ist richtiges Seelenbalsam, zu Wissen man ist nicht allein.

In der ersten Panik habe ich meinen HA angerufen und ihm flüchtig mein Problem erzählt. Allein das kostet schon überwindung, denn eigentlich habe ich immer gehofft, dass er mich irgendwann auf das Gesehen anspricht. Ist wohl auch so eine Art Angst, sich nicht zu trauen die Dinge direkt anzusprechen.

Er hat sehr verständnisvoll reagiert und mir einen Termin (zu Ende der Sprechstunde) nach seinem Urlaub gegeben. Er sagt, diese Angststörungen wären garnicht so selten und es gäbe ein paar Dinge, diese in den Griff zu bekommen.

Ich merke, dass mir das verständnisvolle Gespräch sehr hilft. Ich habe einen Heilpraktiker, der sich immer unheimlich viel Zeit nimmt. Auch er ist der Meinung, und hat dieses am eigenen Leib erfahren, dass hier die Psyche verantwortlich wäre.

Ich muss noch sagen, dass das nachlassen meiner Empfindsamkeit in direktem Zusammenhang nach dem googeln aufgetreten ist.

Ich habe bis dahin immer z.B. den Bauchhautreflex auslösen können. Nachdem ich immerwieder vom häufigen fehlen des Reflexes bei MS gelesen habe, war es dann plötzlich vorbei.

Ich habe mir schon den ganzen Bauch zerkratzt um ihn endlich wieder zu sehen. Das steigert die ganze Panik, obwohl überall geschrieben steht, dass selbst bei gesunden dieser Reflex nicht immer auslösbar ist.

Ich reime mir halt meine eigene Diagnose zusammen und sinke dabei immer tiefer ab.

Ich könnte sofort zu einem Neurologen , mit Wartezeit, habe aber panische Angst.

Ich glaube, es ist wohl besser kleine Schritte zu machen und erst zu Hausarzt zu gehen.

Zumal ich sicher bin, dass man mich z.Zt. nur mit der gesamten Diagnostik die ich gelesen habe beruhigen könnte.

Ich habe schon so viele böse Erkrankungen gehabt, die sich im Nachhinein als eher harmlos herausstellten. Da habe ich aber jeweils öfters den Arzt gewechselt.

Ich hoffe, es gibt einen Weg nach "draussen" und ich finde ihn bald.

Wie auch immer.

Viele liebe Grüße an Euch alle.

Sadler

L0uWpo0x49


Hallo Sadler,

ein "einfühlsamer" Hausarzt wäre extrem wichtig, also jemand, der einerseits von Deinem "Problem" weiss, Dir auf der anderen Seite aber das Gefühl gibt, mit allen Beschwerden ernstgenommen zu werden, Dich ggfalls zum Facharzt überweist und die evtl. Diagnostik koordiniert. Für jemanden mit hypochondrischer Störung gibt es nichts schlimmeres als dieses "Ach der schon wieder"-Gefühl. Erst das treibt die Leute zu "Dr. Google", weil sie denken, sie müssen das selbst in die Hand nehmen.

Die Tatsache, dass Du schon eine etwas längere Geschichte bezüglich Krankheitsangst hast, bedeutet, dass sich da schon einiges über lange Zeit verfestigt haben könnte. Deshalb kann ich Dir nur zu einer Verhaltenstherapie raten. Klingt jetzt unheimlich anstrengend, aber glaube mir, es ist lange nicht so zehrend wie die panische Rennerei von Arzt zu Arzt.

Alles Gute

Lupo

soadlexr


Hallo nochmal,

hast Du schon eigene Erfahrungen mit einer Verhaltenstherapie ?

Was wird da denn so gemacht ? Nur über die eigene Situation geredet ?

Wer macht denn solche Therapien ? Ist es besser zu einem Neurologen mit der Zusatzbezeichnung Psychiater zu gehen, oder besser zu einem Psychotherapeuten ?

Ich möchte natürlich dann zu jemanden gehen, der mir auch wirklich helfen will.

Wo gibt es denn darüber informationen ?

Ich möchte Dich nicht belasten, ich kann mir vorstellen, dass diese Anfragen manchmal nerven.

Viele Grüße von ganz oben (Flensburg)

Sadler

L`up o0q4x9


Ich möchte Dich nicht belasten, ich kann mir vorstellen, dass diese Anfragen manchmal nerven.

Gutes Beispiel - in der Verhaltenstherapie gelernt… ;-)

Wenn diese Anfragen nerven würden, müsste ich ja nicht antworten…Wenn ich antworten würde, obwohl es nervt, wäre es auch meine Entscheidung, die ich als mündiger Erwachsener frei getroffen habe. Also überhaupt kein Grund für Dich, Dir darüber Sorgen zu machen…..

hast Du schon eigene Erfahrungen mit einer Verhaltenstherapie ?

Ja, seit 3 Jahren, ist jetzt aber langsam am auslaufen, insgesamt werden das dann 74 Sitzungen sein ("Langlanglangzeittherapie"). Den richtigen Therapeuten zu finden, ist wohl das wichtigste, zumindest sollte die "Chemie" stimmen. Die Ansätze sind wohl sehr verschieden, kann dir nur schildern, wie es bei mir war.

In der akuten Phase ging es erst mal darum, einen besseren Umgang mit dieser Angst und ihren Symptomen zu erlernen, das geht von simplen Verhaltens-Techniken über Atem-, Entspannungsübungen bis zur Konfrontation mit angstauslösenden Situationen.

Mit der Zeit und während der Gespräche kommt man aber auch immer mehr dahinter (oft von selbst), wo diese Angst herrührt, warum man sich einen bestimmten Umgang oder eine bestimmte Verarbeitungsweise angeeignet hat. Je mehr man davon versteht, desto eher kann es gelingen, seine Verarbeitungsweisen "umzukonditionieren". Selbst wenn dies nicht gelingt, reicht manchmal auch schon allein die Erkenntnis oder das bessere Verstehen, um zu erreichen, dass bestimmte Dinge einem eben keine Angst mehr machen.

Bei Krankheitsangst geht es z.B. sehr oft um den Umgang mit Krankeit und Tod in der Familie, um Erlebnisse dieszbezüglich schon in der Kindheit. Was hat man davon mitgenommen, was hat man sogar ausgebaut und perfektioniert, welche Erfahrungen kamen dazu, was war letztlich der Auslöser für eine akute Krise. Für mich z.B. war das sehr wichtig, um überhaupt verstehen zu können, wie es so weit kommen konnte, da ich bis zu meinem 37. Lebensjahr sowohl körperlich gesund-, als auch ohne übertriebene Angst durch ein vermeintlich unbeschwertes Leben gegangen bin.

Ich würde sowohl den Hausarzt als auch den Neurologen/Psychiater darauf ansprechen, die können Dir z.B. eine Liste der Psychotherapeuten in Deiner Nähe geben.

Viele Grüsse !

Lupo

Mione-MYixni


@Sadler...

..also ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: ein vertrauensvoller Hausarzt ist am wichtigsten. Nebenbei bin ich damals bei einem Neurologen/Psychiater gewesen. Der hat mich allerdings nach 2 Sitzungen nicht mehr sehen wollen. ;-)

Die Angst selbst hat mir wirklich mein Hausarzt genommen. Ich weiß gar nicht wieviele EKG er damals gemacht hat - einfach nur zur Beruhigung und Bestätigung das dort nichts ist.

Viel Glück und laß den Kopf nicht hängen. :)^

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