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"Der Sandman" psychische Analyse des Nathanaels

d&e+mwo]lant hat die Diskussion gestartet


Hi Leutz!

Ich wollte euch mal den Aufsatz vorlegen, den ich für meinen Deutschunterricht angefertigt habe. Für Kritik und ehrliche Meinungen bin ich offen. Ich hoffe auf eine lehrreiche Diskussion. ;-D

"Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann

Die Erkrankung des Nathanaels

"Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann handelt von einem jungen Studenten, der von einer psychischen Erkrankung betroffen ist und aus diesem Grund die Kontrolle über sein Leben verliert.

Die Frage nach der genauen psychischen Erkrankung erleichtert uns das Verständnis des Nathanaels und hilft die Person aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn sein Wesen als "verrückt" zu beschreiben, wäre zu einfach beschrieben.

Es finden sich zahlreiche Symptome, die auf das Krankheitsbild der Schizophrenie schließen lassen. Natürlich kann man dabei auch andere Erkrankungen der Psyche diagnostizieren, denn besonders in der Diagnosestellung von psychischen Erkrankungen ergeben sich sehr häufig Meinungsverschiedenheiten zwischen den Therapeuten, da man die Krankheiten nicht genau voneinander differenzieren kann. Ein weiterer Punkt ist, dass diese "Diagnose" von einem Laien getroffen wird.

Bevor ich nun auf die einzelnen Symptome eingehe, muss erst einmal der Begriff der Schizophrenie geklärt werden:

Schizophrenie: Endogene Psychose, gekennzeichnet durch eine schwere Störung der Gesamtpersönlichkeit mit Verlust von Einheit und Ordnung der Wahrnehmung, des Denkens, der Affekte und der Identität.

Dabei muss noch ergänzt werden, dass Schizophrene Erlebnisweisen so ungewöhnlich sind, dass sie von ihrer Umwelt kaum nachzuvollziehen sind. In den meisten Fällen verliert der Erkrankte den Bezug zur Realität und kann, die normalerweise fest definierten Grenzen von Sein und Schein, nicht auseinanderhalten. Man muss hierbei zwischen Fälle unterscheiden, die sehr stark verlaufen und Fälle, die durch einen gemäßigten Verlauf beschrieben werden.

Dabei ist es durchaus möglich, dass der Patient erkennt, dass er krank ist und sein Denken und Wahrnehmen gestört ist, allerdings werden diese Episoden der Einsicht sehr schnell verdrängt und von der Symptomatik überdeckt.

Die Krankheit ist vermutlich genetisch bedingt. Jedoch wird nach dem Vulnerabilitätskonzept auch auf einen psychosozialen Hintergrund geschlossen, welcher die einzelnen Krankheitsphasen verstärken kann. Durch psychische und/oder körperliche Belastung kann sich der Hirnstoffwechsel verändert, was sogar einen Krankheitsausbruch zur Folge haben kann. In Nathanaels Beispiel sind die Hintergründe für seine Krankheit unklar. Aufgrund der Tatsache, dass er sich in das, von der Mutter erschaffene Bild des Sandmanns, extrem hineinsteigert und zu einem regelrechten Feind konstruiert muss man davon ausgehen, dass er schon im Kindesalter an der Krankheit erkrankt ist. Dies wird besonders in Claras Brief bestätigt, in dem sie den Tod seines Vaters als Unfall beschreibt und die Existenz Coppelius anzweifelt. Auch Nathanaels Misshandlung durch Coppelius kann mithilfe der Schizophrenie beschrieben werden. Denn erkrankte können auch Schmerzen und Veränderungen an Körperteilen sehen und wahrnehmen. Dieses Phänomen bezeichnet mal als Depersonalisation und Zönasthesie.

Nathanael leidet noch an weiteren sehr typischen Symptomen der Schizophrenie. Ein anderes Beispiel ist die unglaubliche Zerrissenheit seines Geistes (Seite 3, Vers 13) welcher auf den Konflikt zwischen Traum und Realität schließen lässt. Auch seine extremen Stimmungsschwankungen (Affektstörungen) sind ein wichtiges Symptom. Des Weiteren hat er intensive Wahrnehmungsstörungen, welche sich durch den Coppelius und der leblosen Puppe Olimpia ausdrücken. Interessant ist hierbei, welche Rolle sie in Nathanaels leben einnehmen. Coppelius wird als das Böse oder als "Dämon" bezeichnet. Diese Seite seiner Persönlichkeit ist der Grund für das gestörte Verhältnis zwischen Clara und Nathanael. Denn der Protagonist macht ihn für den Tod seines Vaters und für seine ängstliche Kindheit verantwortlich, obwohl er stets ein Konstrukt seines Ichs ist. Dies hat zur Folge, dass Nathanael in depressiven Phasen Gedichte für Clara schreibt, die einen gesunden Menschen aufs Tiefste verletzen. Dabei möchte er seiner emotionalen Stimmung nur Ausdruck verleihen und fühlt sich nicht verstanden und verletzt, wenn Clara entrüstet davon eilt oder ihm nicht richtig zuhört. Dies führt schließlich auch zur Distanzierung der beiden Liebenden. Denn die gesunde Frau möchte ein ruhiges Leben und verwehrt ihrem kranken Partner das , was er am meisten braucht. Nämlich Verständnis und Akzeptanz! Das sind die Grundregeln, wenn man mit psychisch Kranken kommuniziert. Auch die Gegenseitige Liebe kann diese Asymmetrie nicht korrigieren, was zu einem Scheitern der Beziehung führen muss. Dies lässt seine Krankheit noch schlimmer werden. In seiner Verzweiflung erschafft sein verletztes Ich eine Person, die Nathanael für eine gewisse Zeit emotionalen und seelischen Frieden schafft. Damit ist die Puppe Olimpia gemeint, welche den Kontrast zu Coppelius darstellt. Er hält dabei eine Puppe für einen Menschen, welches als illusionäre Verkennung bezeichnet wird. Denn das real Vorhandene wird für etwas anderes gehalten. Dies ist ein weiteres spezifisches Symptom der Schizophrenie. Olimpia dient ihm endlich als Objekt, das ihm zuhört und verringert dadurch sein Leiden. Er impliziert in diese Puppe aus diesen Gründen Liebe.

Dabei verkennt er die Meinung seiner gesellschaftlichen Umgebung, die ihm die Wahrheit vor Augen führen möchte. Das wird Transitivismus genannt und bezeichnet die Tatsache, dass Schizophrene ihre Umgebung als krank bezeichnen und gar nicht an ihrer Wahrnehmung zweifeln.

Die Trennung von dieser "Beziehung" wird dadurch hervorgerufen, dass Nathanael durch einen Zufall realisiert, dass Olimpia nur eine Puppe ist. Dieser Umstand lässt ihn als geheilt erscheinen und nähert ihn wieder an Clara und seinen Freunden an.

Ein sehr schlimmes Symptom der Schizophrenie ist die inhaltliche Denkstörung, welche als Wahn bezeichnet wird. In den Wahnphasen erlebt der Erkrankte seine Halluzination als völlig real. Dies führt letztendlich auch zu den Mordversuch an seiner Geliebten und zu seinem Suizid. Ausgelöst wird der Wahn durch eine Gegenstand, der ihn an die Situation erinnert, als er von dem Dämon besessen war. Dies kann also dem Vulnerabilitätskonzept zugeordnet werden. Die danach eintretende Situation kann ich mir nur schwer erklären, aber sie scheint der Gipfel seiner seelischen Gequältheit zu sein, die dazu führt, dass er seine Krankheit nur durch einen Sprung besiegen kann, denn "Coppelius war im Gewühl verschwunden" (Seite 42, Seite 18).

Antworten
d.emColanxt


Für alle, die die Novelle nicht kennen:

[[http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/take5/sandmann.htm]]

EMsIsxt


Worum geht´s?

Um eine Psychoanalyse Nathanaels?

Um das Wesen der Schizophrenie?

Darum, daß ein Laie eine Diagnose stellt, die man auf zahllosen Websites nachlesen kann? ;-)

Eus$c/ad a


boah ich habe das buch GEHASST!!!

habe es nICHT KAPIERT!

EIscaLda


da spricht wohl n hobbypsychiater... :)D

dkem%olaxnt


da spricht wohl n hobbypsychiater...

Ja! ;-D

E`scaeda


hab ichs doch gewusst @:)

dwemol3anxt


Darum, daß ein Laie eine Diagnose stellt, die man auf zahllosen Websites nachlesen kann?

Genau darum! :)^ :)^

Cnrazvylenxi


hast ein paar n vergessen demolant

dQem3olGaxnt


Meinst du im Aufsatz? Ja, kann sein! Es war zu spät gestern. :-/

E}sczada


war die hausaufgabe für heute oder was? haste das vorgelesen?

dMem|oolant


Ja, habs heute vorgelesen. Ich glaub er fand es ganz in Ordnung. Aber der Lehrer ist sowieso komisch. Aber ich habe das hauptsächlich gemacht, um die Schizophrenie besser kennenzulernen. Hat sich gelohnt. :)^

Egscaxda


naja wenns denn spass mache :)D

mir wärs zu viel arbeit und ich bin momentan eh nicht in stimmtung!

duemuolanxt


Ja, hat schon ein bisschen Spaß gemacht. Aber arbeitet war es wirklich, da ich das Buch noch am selben Tag komplett lesen musste.

EUscadxa


ist ja nicht lang... aber zu lang für MEINEN geschmack

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