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Was sind Stimmungsstabilisatoren

E}lCapxone hat die Diskussion gestartet


und was halted ihr davon?

Antworten
CKyndexrel


--Erklärung

Bei der Betreuung von Patienten mit Bipolarer Störung stand bisher hauptsächlich die Akut- und Langzeittherapie manischer Phasen im Vordergrund. Neuerdings betonen Psychiater, dass die depressiven Phasen ein grosses ungelöstes Problem darstellen. Im Vergleich zum Anteil manischer Phasen stecken die Patienten während wesentlich längerer Zeit in der Depression. Das Verhältnis depressiver zu manischen, hypomanischen oder gemischten Tagen beträgt bei Bipolar-I-Patienten 3:1 und bei Bipolar-II-Patienten sogar 39:1.

Grundsätzlich besteht die Bipolare Störung darin, dass Stimmung, Verhalten und Kognition von der Euthymie ("baseline") abweichen, entweder nach oben (Manie, Hypomanie, Mischzustand) oder nach unten (Depression). Erhaltungstherapiestudien weisen darauf hin, dass die Polarität der aktuellen Episode die gleiche Polarität des Rückfalls begünstigt, besonders in den ersten drei Behandlungsmonaten. Wer also zuletzt depressiv war, neigt im Rahmen von Erhaltungstherapiestudien zum Rückfall in die Depression.

Es gibt zwei Klassen stimmungsstabilisierender Medikamente, so Professor Dr. Joseph Calabrese, University Hospitals of Cleveland, USA, am 24. Collegium Internationale Neuro-Psychopharmacologicum:

Klasse-A-Stimmungsstabilisatoren wirken "from above baseline". Sie sind wirksam zur Behandlung von Manie, Hypomanie und psychotischen Symptomen. Ihre antimanische Wirksamkeit darf nicht depressive Symptome hervorrufen.

Klasse-B-Stimmungsstabilisatoren wirken "from below baseline". Sie sind wirksam zur Behandlung depressiver Symptome, ohne ein Umkippen in die Manie oder Hypomanie auszulösen.

Zu den Klasse-A-Stimmungsstabilisatoren gehören Lithium, Carbamazepin und Valproinsäure. Atypische Neuroleptika eignen sich aufgrund eines Klasseneffekts nicht nur zur Behandlung psychotischer Symptome der Manie, sondern auch als Klasse-A-Stimmungsstabilisatoren zur Akut- und Langzeitbehandlung der Manie.

Derzeit sind nur zwei Klasse-B-Stimmungsstabilisatoren verfügbar, Lamotrigin und Lithium. Antidepressiva erfüllen die Anforderungen an Klasse-B-Stimmungsstabilisatoren nicht. Die Verwendung von Antidepressiva ist mit dem Risiko verbunden, Manien auszulösen oder die Zyklen zu beschleunigen. Zwei plazebokontrollierte Erhaltungstherapiestudien haben ergeben, dass sowohl trizyklische Antidepressiva als auch SSRIs den Verlauf der manisch-depressiven Störung destabilisieren und Rückfälle in die Manie auslösen können.

Klasse-B-Prototyp

"Lamotrigin stellt den Prototyp der neuen Klasse-B-Stimmungsstabilisatoren dar", sagte Prof. Calabrese. Lamotrigin bewirkte in Studien kein vermehrtes Umschlagen von der Depression in einen manischen, hypomanischen oder gemischten Zustand. Übereinstimmend verlängerte Lamotrigin in zwei Rezidivprophylaxestudien eindrücklich die Zeit bis zum Auftreten erneuter Depressionen, während Lithium neue manische Phasen zeitlich hinausschob. An der ersten dieser zwei Prophylaxestudien nahmen Patienten teil, die kürzlich eine manische Phase durchmachten, an der zweiten Studie beteiligten sich Patienten mit kürzlich durchgemachter Depression. In der Metaanalyse beider Studien konnte nachgewiesen werden, dass Lamotrigin im Vergleich zu Plazebo auch eine gewisse Wirkung als Manieprophylaxe entfaltet.

Neue Stimmungsstabilisatoren wie Lamotrigin machen die herkömmlichen Medikamente nicht überflüssig. Die Unterscheidung von Klasse-A- und Klasse-B-Stimmungsstabilisatoren macht klar, dass nur durch kombinierte Behandlung mit Medikamenten, die komplementäre Wirkungen entfalten, eine Breitspektrumwirkung erzielt werden kann. Um Manien und Depressionen gleichzeitig mit gutem Erfolg zu verhindern, bietet sich die Kombination von Lamotrigin und Lithium an.

K}äthe-\Rvosxe


puh :-D Cynderel

Dein umfassender Beitrag :)^ hat mich

grad umgehauen. Jetzt muß ich erst mal eine 8-)...

KMäthe-1Rose


:- man konnte noch hinzufügen, daß die

oben genannten Medikamente in den letzten Jahren nicht nur bei manisch-Depressiver erkrankung eingesetzt werden, sondern auch bie anderen Erkrankungen, die mit starken Stimmungsschwankungen einhergehen, z.B. bei der Borderline-Störung.

Was ich persönlich davon halte ... :- ich denke, daß muß jeder für sich selbst ausprobieren. Wenn die Stimmungsschwankungen so belastend seind, daß sie die Lebensqualität beeinträchtigen, dann sollte man versuchen, ob es mit einem der Medikamente angenehmer zu ertragen ist. Ich kenne Einige, die mit diesen Medikamenten sehr gut zurecht kommen und auch Einige, die sich von den Medikamenten zu sehr eingeschränkt fühlten. Vor allem, was die Tiefe der Gefühle, die Kreativität und die Erlebnisfähigkeit betrifft.

Ich selbst habe alle Medikamente aus der 1. Gruppe

über viele Jahre eingenommen, einzeln und in Kombination - Lithium z.B. 7 Jahre lang. Wobei mir das Lithium am angenehmsten war, ich es aber dann wegen der Nebenwirkungen (Diabetes Insipidus - muß aber nicht bei jedem auftreten) nicht mehr nehmen durfte.

Ich selbst (bin manisch-depressiv) komme seit über 5 Jahren ohne diese Medikamente aus und seit 2 Jahren ganz ohne Medikamente. Ich habe immer noch leichte manische und depressive Phasen, aber nicht so estrem, als daß ich nicht auch ohne Medis damit klar kommen würde. Ich kann keine Tipps geben, wie ich das "geschafft" habe, denn ich weiß es selbst nicht so genau. Vielleicht hab ich auch einfach nur Glück gehabt. :-)

C3yndexrel


ja käthe

bin ich nicht ein kluges cynderellsche 8-)

habsch alles aus dem indernet |-o -

aber..ich dacht halt er solle doch eine umfassende antwort bekommen..und außerdem wußte ich doch, dass es dich gibt..und du immer noch qualifiziertere antworten gibst x:) :-x

G raWs-Halxm


ich hab Lamotrigin gegen meine Stimmungsschwankungen gekriegt (Depressionen, Verdacht auf Borderline) und kriege es immer noch - hilft klasse bei mir!

K$äthe-Rfose


Cynderel und Grasi

@:) @:) !!!

E'lCafpoxne


@ Gras-Halm

Nimmst du die Stimmungsst. mit Paroxetin zusammen? wieviel mg nimmst du?

Girasy-/Halm


Nimmst du die Stimmungsst. mit Paroxetin zusammen? wieviel mg nimmst du?

ja. Ich war auf 150mg, habe aber auf 100mg reduziert. Ich habe einfach so lange erhöht (alle 2 Wochen 25mg rauf...schneller sollte man nicht) bis ich gemerkt habe, dass die Stimmungsschwankungen weg sind.

Und Paroxetin hab ich auf 20mg erhöht, war zwischenzeitlich auf 10mg.

Lamotrigin nehme ich seit...Februar oder März, schätze ich. Paroxetin erst seit April.

Beim Lamotrigin musst du einfach aufpassen, dass du es nicht vergisst, vor allem wenn du ne höhere Dosis hast! Das hat echt üble Nebenwirkungen, zumindest bei mir! Bei 150mg hat es mir den Kopf nach oben gerissen und die Augen haben nach oben geschiehlt. :-|

EulC@aponxe


ich nehme seit ca. 1Woche Elmebdos 25mg! Bis jetzt ist es bissel schlechter geworden, und ich hab immer Kopfweh :(v

G5ras-H}alxm


Kopfweh ist ne häufige Nebenwirkung. Sollte sich eigentlich geben... :-

MPar/enMEaxrena


Finde diesen Beitrag sehr sehr aufschlußreich...hatte nach Gabe von Antidepressiva einen manischen Schub, etwas, was ich so noch nie im Leben erlebt habe...insofern könnte das Lamotrigin interessant werden..gibts jemand unter Euch der genau solche Erfahrungen gemacht hat?

B>KIM


Keine Ahnung, ob das Thema noch aktuell ist, hier aber meine Erfahrung (leide unter einer Bipolaren Störung).

Bei meiner ersten Depressiono bekam ich auch Antidepressiva, die mich in ne Manie schossen.

So kann ja auch erst eine Bipolare Störung diagnostiziert werden. Das ist leider bei vielen ADs der Fall.

Ich nehme nun seit über 1 1/2 Jahren auch noch ein Antidepressiva (Trevilor 150 mg/morgens), ein Phasenstabilisierer (insg. 1.300 mg Valproat) und ein Neuroleptikum (200 mg Seroquel).

Das mit den Stabilisierern ist so eine Sache:

Man sagt so allgemein, dass Lamotrigin mehr die Spitzen nach unten nimmt, während Lithium eher die nach oben nimmt, ebenso wie das Valproat. Das sind aber m.E. so allgemeine Aussagen, dass es Blödsinn ist.

(ich liste mal nur so die bekanntesten).

Ich persönlich hab eine unglaubliche Odyssee mit Phasenstabilisieren hinter mir. Da sie nicht gleich wirken (Wirkungseintritt ca. 3 Monate nach akuter Phase), muss man Geduld mitbringen.

Und leider auch oft die Nebenwirkungen in Kauf nehmen. :-( (oftmals "Anfangsnebenwirkungen wie die hier beschriebenen Kopfschmerzen, aber auch schwere Gewichtsprobleme).

Welches Phasenprophylaktikum nun das richtige ist, kann Dir niemand im Vorfeld sagen.

Ich kenne aber viele, bei denen Lamotrigin gleich "eingeschlagen" hat! Also insofern ist das ein gutes Zeichen.

Bei mir war's zwar nicht wirksam, aber wie gesagt, in meinem Bekanntenkreis mit vielen Bipolaren ist es wirklich das Mittel der ersten Wahl!

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